Mittelfußbruch mit Taubheitsgefühl im Großzeh und zweiten Zeh: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Ein Mittelfußbruch ist eine Fraktur der Mittelfußknochen, die oft durch direkte Gewalteinwirkung oder Überlastung entsteht. Begleitende Symptome wie Taubheitsgefühl im Großzeh und zweiten Zeh können auf eine komplexe Verletzung oder Nervenkompression hinweisen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapiemöglichkeiten eines Mittelfußbruchs in Verbindung mit Taubheitsgefühlen.

Ursachen eines Mittelfußbruchs

Ein Mittelfußbruch entsteht meist durch eine direkte Gewalteinwirkung auf den Fuß, beispielsweise durch einen schweren Gegenstand, der auf den Fuß fällt, oder durch eine Quetschung, etwa wenn ein Auto über den Fuß fährt. Seltener sind Ermüdungsbrüche (Stressfrakturen) die Ursache, die besonders bei Sportlern auftreten, die ihre Füße intensiv belasten. Verschiedene Abschnitte des Mittelfußes können von der Verletzung betroffen sein, was Rückschlüsse auf den Unfallmechanismus zulässt:

  • Köpfchen: Brüche im Bereich der Mittelfußköpfchen entstehen meist durch direkte Krafteinwirkung, oft mit Verkürzung und Achsabweichung.
  • Subkapital: Hals- oder subkapitale Brüche sind oft verschoben, meist Richtung Fußsohle oder zur Seite, und entstehen durch seitliche Schermechanismen oder schräge Krafteinwirkung.
  • Schaft: Schaftbrüche sind häufig Schrägfrakturen, verursacht durch direkte oder indirekte Krafteinwirkung oder Quetschung.
  • Basis: Basisfrakturen entstehen meist durch direkte Krafteinwirkung und sind oft Teil einer Lisfranc-Luxationsfraktur.

Eine spezielle Form ist die Jones-Fraktur, ein Bruch am Übergang zwischen Diaphyse und Metaphyse des fünften Mittelfußknochens, der durch Eindrehen und Umknicken des Fußes entstehen kann.

Ursachen für Taubheitsgefühl im Großzeh und zweiten Zeh

Ein Taubheitsgefühl im Großzeh und zweiten Zeh kann verschiedene Ursachen haben, die oft mit Nervenkompression oder Schädigung zusammenhängen. Mögliche Ursachen sind:

  • Morton Neurom: Diese schmerzhafte Nervenverdickung entsteht durch Spreizfüße oder mechanische Überlastung. Infolge der Spreizfußentwicklung oder sportbedingten Überlastung kommt es mit der Zeit zu einem durchgetretenen Fußgewölbe, wodurch die Mittelfußknochen sich strahlenförmig auseinander bewegen. Der Druck auf die darunter befindlichen Nerven während des Auftretens und der Abrollbewegung des Fußes nimmt zu. Es kommt zu einer überlastungsbedingten Wucherung des Bindegewebes, welches die Nervenfortsätze umhüllt. Dadurch entstehen entzündliche Veränderungen, die mit einer Einlagerung von Wasser und somit einer Schwellung des Bindegewebes verbunden sind. Der resultierende Druck auf die Nerven löst die typischen Symptome aus (Nervenkompressionssyndrom): Taubheit oder Schmerzen im zweiten Zeh und generell an den Zehen sowie am Mittelfuß.
  • Tarsaltunnelsyndrom: Ein Engpasssyndrom des Nervus tibialis, oft nach Verletzungen im Sprunggelenk, kann zu Schmerzen, Kribbeln und/oder Taubheitsgefühl am inneren Fußrand führen, besonders nachts und bei Belastung.
  • Diabetische Neuropathie: Stoffwechselerkrankungen, oft Diabetes mellitus, können Nervenschäden verursachen, die sich als Taubheitsgefühl äußern.
  • Weitere Ursachen: Arthrose der Zehengrundgelenke, Überlastungs- oder traumatisch bedingte Entzündungen, Knochenbrüche, Schleimbeutelentzündungen oder Tumore können ebenfalls zu Mittelfußschmerzen und Taubheitsgefühlen führen.

Symptome eines Mittelfußbruchs mit Taubheitsgefühl

Typische Symptome eines Mittelfußbruchs sind:

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  • Schmerzen im Bereich des Mittelfußes, die je nach Frakturtyp variieren.
  • Druckschmerz über dem betroffenen Mittelfußknochen.
  • Kaum belastbarer Fuß aufgrund der Schmerzen.
  • Schwellung im Mittelfußbereich.
  • Hämatom (Bluterguss) im Mittelfuß, das bis zu den Zehen reichen kann.
  • Mögliche Abflachung des Längsfußgewölbes und Fehlbelastung beim Abrollen.

Zusätzlich zu den Symptomen eines Mittelfußbruchs können folgende Symptome auf eine Nervenkompression oder -schädigung hinweisen:

  • Taubheitsgefühl oder Kribbeln im Großzeh und zweiten Zeh.
  • Brennende oder stechende Schmerzen, die bis in die Zehen ausstrahlen.
  • Gefühl, als ob man auf einem Knoten steht.
  • Verschlimmerung der Schmerzen bei Druck oder durch enges Schuhwerk.
  • Linderung der Beschwerden durch Ausziehen der Schuhe und Massieren des Fußes.

Diagnose

Um einen Mittelfußbruch und die Ursache für das Taubheitsgefühl zu diagnostizieren, sind verschiedene Untersuchungen erforderlich:

  1. Anamnese: Der Arzt erfragt den Unfallhergang, die genaue Schmerzlokalisation, Belastungsabhängigkeit der Schmerzen und Vorerkrankungen.
  2. Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht den Fuß auf Fehlstellungen, Schwellungen, Hämatome und Druckschmerz. Er achtet auch auf Begleitverletzungen der Weichteile, Nerven und Sehnen.
  3. Podometrische Untersuchung: Der Spezialist misst die Druckverteilung im Fuß, um Hinweise auf mögliche Ursachen für die Beschwerden zu erhalten.
  4. Mulders Click Test: Der erfahrene Facharzt für Orthopädie kann ein Morton-Neurom ertasten, indem er den sogenannten „Mulders Click Test“ anwendet.
  5. Bildgebende Verfahren:
    • Röntgenuntersuchung: Aufnahmen in drei Ebenen (dorsoplantar, seitlich, Schrägaufnahmen) dienen zur Beurteilung des Mittelfußbruchs.
    • Ultraschall: Große Morton Neurome sind im Ultraschall zu sehen.
    • Magnetresonanztomografie (MRT): Sie kann die Diagnose eindeutig stellen, die Größe des Morton-Neuroms bestimmen und andere Ursachen ausschließen.
    • Computertomografie (CT): Sie wird bei komplexen Frakturen oder zur weiteren Abklärung eingesetzt.
    • Szintigrafie: Sie dient zum Nachweis von Stressfrakturen oder krankheitsbedingten Veränderungen.
  6. Diagnostische Lokalanästhesie: Der Orthopäde spritzt ein betäubendes Medikament in den entzündeten Nerv. Tritt daraufhin eine kurzfristige Schmerzfreiheit ein, ist der Nerv als Ursache für die Symptome klar identifiziert.

Therapie

Die Behandlung eines Mittelfußbruchs mit Taubheitsgefühl richtet sich nach der Ursache und dem Ausmaß der Verletzung. Ziel ist es, den Fuß möglichst bald wieder schmerzfrei und voll belastbar zu machen und die Nervenfunktion wiederherzustellen.

Konservative Behandlung

  • Entlastung und Ruhigstellung: Ein nicht oder nur gering verschobener Mittelfußbruch wird konservativ behandelt. Der Fuß wird mit harten Sohlen, Soft Cast und Tapeverbänden stabilisiert und für etwa sechs Wochen ruhiggestellt. Je nach Frakturtyp kann der Fuß schon nach etwa vier Wochen belastet werden. Bei einer Mittelfußfraktur V in Form einer Avulsionsfraktur genügt es, wenn der Betroffene einen sogenannten Stabilschuh oder eine feste Schuhsohle trägt, um den Fuß zu schonen.
  • Schuhwerk und Schuheinlagen: Bei Schmerzen empfiehlt es sich, weite, weiche, gepolsterte Schuhe mit flachen und breiten Absätzen zu tragen. Bei Fußdeformitäten ist die Anwendung von speziellen Schuheinlagen hilfreich, um das Quergewölbe zu unterstützen und den Druck auf die Nerven zu verringern.
  • Physikalische Therapie: Fußmassagen oder Fußbäder wirken zusätzlich lindernd auf belastungsabhängige Schmerzen im Mittelfuß oder den Zehen. Sind die Füße geschwollen oder fühlen sich heiß an, lagern Sie die Beine hoch, kühlen die betroffenen Stellen mit einem kalten Umschlag oder Eispack.
  • Medikamentöse Therapie: Bei Beschwerden im Mittelfuß oder den Zehen können Schmerzmittel oder entzündungshemmende Medikamente wie Diclofenac, Paracetamol und Ibuprofen eingesetzt werden. Diese sind in Tablettenform, aber teilweise auch als Salben erhältlich.
  • Injektionstherapie: Häufig tritt eine Besserung der Beschwerden nach gezielten Injektionen mit Schmerzmittel an die Nervenenden ein. Kortison-Spritzen können ebenfalls helfen, die Entzündung des Nervs zu reduzieren.
  • Physiotherapie und Fußgymnastik: Eine intensive Physiotherapie und Fußgymnastik bezieht auch die Wadenmuskulatur ein, um die Fußmuskulatur zu stärken und das Gangbild zu verbessern.
  • Manuelle Therapie: Stoffwechselfördernde, detonisierende und schmerzlindernde manuelle Techniken können die Nerven entlasten.

Operative Behandlung

Eine Operation ist notwendig, wenn die Frakturfragmente zu sehr verschoben sind oder konservative Maßnahmen nicht zum Erfolg führen.

  • Mittelfußbruch-Operation: Die Knochenfragmente werden ausgerichtet und mit Schrauben oder Platten stabilisiert.
  • Morton Neurom-Operation: Je nach Größe und Lage des Neuroms erfolgt ein minimalinvasiver Eingriff oder das perkutane / offene OP-Verfahren.
    • Minimalinvasive Operationsmethode: Erfolgt endoskopisch über den Fußrücken und hat den Vorteil, dass der Nerv erhalten bleibt. Durch eine Umstellung der Mittelfußknochen (Osteotomie) wird die Fehlstellung korrigiert und somit die Ursache für die Erkrankung behoben.
    • Perkutane / offene OP-Verfahren: Behandelt Morton Neurome durch eine Neurektomie, das heißt die Entfernung des betroffenen Nervs. Um einer neuerlichen Entzündung am Nervenstumpf vorzubeugen, muss gleichzeitig eine Korrektur der Druckverhältnisse im Mittelfuß erfolgen. Dies wird sichergestellt, indem der Chirurg das Band zwischen den Mittelfußknochen erweitert und eine Osteotomie durchführt.
  • Lisfranc-Luxationsfraktur: Bei einer Fraktur des Lisfranc-Gelenks muss der Bruch offen wieder ausgerichtet werden. Die Bruchstelle liegt hier meist an der Basis des zweiten Mittelfußknochens. Dieser wird dann ausgerichtet und zur Stabilisierung von der Seite mit zwei Spickdrähtchen versehen. Die Basen der Mittelfußknochen werden darauf mit der Fußwurzelknochenreihe mit Schrauben versorgt.

Übungen zur Stärkung der Fußmuskulatur

Regelmäßige Fußgymnastik kann helfen, die Fußmuskulatur zu stärken und die Stabilität des Fußes zu verbessern. Hier sind einige Übungen:

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  1. Zehenstände: Stellen Sie sich aufrecht hin und heben Sie die Fersen an, sodass Sie auf den Zehen stehen. Halten Sie diese Position für einige Sekunden und senken Sie die Fersen dann langsam wieder ab.
  2. Fersenstände: Stellen Sie sich aufrecht hin und heben Sie die Zehen an, sodass Sie auf den Fersen stehen. Halten Sie diese Position für einige Sekunden und senken Sie die Zehen dann langsam wieder ab.
  3. Zehenkrallen: Setzen Sie sich auf einen Stuhl und legen Sie ein Handtuch vor Ihre Füße. Versuchen Sie, das Handtuch mit den Zehen zusammenzukrallen und es näher zu sich heranzuziehen.
  4. Ballenheben: Stellen Sie sich aufrecht hin und heben Sie die Fußinnenseiten an, sodass Sie auf den Außenkanten der Füße stehen. Halten Sie diese Position für einige Sekunden und senken Sie die Füße dann langsam wieder ab.
  5. Mobilisation des Quergewölbes: Setzen Sie sich auf den Boden oder einen Stuhl. Platzieren Sie einen Ball unter der Mitte der Fußsohle und üben Sie einen sanften Druck aus. Wiederholen Sie diese Bewegung pro betroffenem Fuß 10-mal rhythmisch und leicht.
  6. Aufrichten des Quergewölbes: Setzen Sie sich auf den Boden oder einen Stuhl. Versuchen Sie, mit den Fußmuskeln das Quergewölbe aufrechtzuerhalten.
  7. Modellieren des Quergewölbes: Stehen oder sitzen Sie und modellieren Sie Ihren Groß- und Kleinzehenballen sanft um einen Ball, um das Quergewölbe aufzurichten.
  8. Aktivierung des Quergewölbes beim Gehen: Achten Sie beim Gehen darauf, dass die Zehengrundgelenke gebeugt sind, ohne dass die Zehen krallen.

Prognose

Die Prognose bei einem Mittelfußbruch hängt von der Art und Schwere des Bruchs sowie von der konsequenten Durchführung der Therapie ab. Bei rechtzeitiger Diagnose und adäquater Behandlung können die meisten Patienten ihren Fuß wieder vollständig belasten. Das minimalinvasive Operationsverfahren bei Morton Neurom hat allgemein eine bessere Prognose als das perkutane / offene OP-Verfahren, da es gewebeschonend ist, eine geringe Komplikationsrate aufweist und eine schnelle Genesung ermöglicht. Außerdem wird der Nerv erhalten, sodass taube Areale vermieden werden.

Vorbeugung

Um einem Mittelfußbruch und Nervenkompressionen vorzubeugen, sollten folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  • Tragen von geeignetem Schuhwerk mit ausreichend Platz für die Zehen und guter Dämpfung.
  • Vermeidung von hohen Absätzen und spitz zulaufenden Schuhen.
  • Regelmäßige Fußgymnastik zur Stärkung der Fußmuskulatur.
  • Vermeidung von Überlastung der Füße.
  • Behandlung von Fußfehlstellungen wie Spreizfüßen.
  • Kontrolle von Risikofaktoren wie Diabetes.

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