Facettendenervation: Nervenverödung an der Wirbelsäule – Nutzen und Risiken

Rückenschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, das viele Ursachen haben kann. Eine mögliche Ursache sind gereizte oder entzündete Nerven an den Facettengelenken, den kleinen Gelenken, die die Wirbel miteinander verbinden. In solchen Fällen kann eine Facettendenervation in Erwägung gezogen werden. Dabei werden die Nerven, die den Schmerz an das Gehirn weiterleiten, verödet. Allerdings ist der Nutzen dieser Behandlungsmethode umstritten, und es gibt wichtige Aspekte zu beachten.

Was ist eine Facettendenervation?

Bei der Facettendenervation, auch Facetten- oder Facettengelenksdenervierung genannt, werden die Nervenfasern verödet, die Schmerzsignale von den Facettengelenken an das Gehirn weiterleiten. Ziel ist es, die Schmerzweiterleitung für eine gewisse Zeit zu unterbrechen und so die Beschwerden zu lindern. Die Verödung erfolgt in der Regel durch Hitze (Radiofrequenzdenervation) oder Kälte (Kryodenervation).

Ursachen von Rückenschmerzen und das Facettensyndrom

Rückenschmerzen können vielfältige Ursachen haben. Häufig sind Schmerzen der Gelenke, die die Wirbelsäule verbinden und stabilisieren, die Ursache. Diese Schmerzen werden oft als Rücken- oder Nackenschmerzen beschrieben, die sich bei Drehungen oder beim Zurückbeugen verschlimmern. Ein Facettensyndrom entsteht, wenn Nerven an einem oder mehreren Facettengelenken gereizt sind, was Schmerzen auslöst. Verschleißerscheinungen, Fehlbelastungen oder Verletzungen können zu solchen Reizungen führen.

Diagnose von Facettenschmerzen

Die Diagnose von Facettenschmerzen ist oft schwierig, da die Beschwerden denen anderer Arten von Rückenschmerzen ähneln. Bildgebende Verfahren wie Röntgen, CT oder MRT können zwar Veränderungen an den Facettengelenken zeigen (z. B. Facettenarthrose), aber es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen diesen Veränderungen und den Schmerzen.

Um möglichst sicher festzustellen, ob die Schmerzen tatsächlich von den Facettengelenken ausgehen, wird eine sogenannte Facettenblockade durchgeführt. Dabei wird ein kurz wirksames Betäubungsmittel an die Nerven gespritzt, die die Facettengelenke versorgen. Wenn die Schmerzen daraufhin nachlassen, ist dies ein Hinweis darauf, dass die Facettengelenke die Schmerzquelle sind. Falsche Diagnosen sind aber dennoch möglich, da die Facettenblockade auch Schmerzen ausschalten kann, die von anderen Strukturen wie Muskeln oder Bändern verursacht werden.

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Wann kommt eine Facettendenervation infrage?

Eine Facettendenervation wird in der Regel erst dann in Erwägung gezogen, wenn konservative Behandlungen wie Physiotherapie, Schmerzmittel und Bewegungstherapie über einen längeren Zeitraum (mindestens drei Monate) keine ausreichende Besserung gebracht haben und die Schmerzen den Alltag erheblich einschränken. Weitere Voraussetzungen sind, dass ärztliche Untersuchungen Hinweise auf eine Beteiligung der Facettengelenke liefern und mindestens eine Facettenblockade eine Schmerzlinderung gezeigt hat.

Wie läuft eine Facettendenervation ab?

Die Facettendenervation ist ein minimalinvasiver Eingriff, der meist ambulant durchgeführt wird. Der Patient liegt dabei auf dem Bauch. Nach örtlicher Betäubung werden feine Hohlnadeln unter Röntgen- oder CT-Kontrolle an die betroffenen Nervenäste herangeführt. Über die Nadeln wird dann eine Sonde eingeführt, die entweder Hitze (Radiofrequenzdenervation) oder Kälte (Kryodenervation) abgibt, um die Nervenfasern zu veröden. Während des Eingriffs können sensorische und motorische Stimulationstests durchgeführt werden, um sicherzustellen, dass die Nadel richtig platziert ist und keine anderen Nerven ungewollt geschädigt werden. Der Eingriff dauert in der Regel etwa eine Stunde.

Methoden der Nervenverödung

Zur Ausschaltung der Schmerznerven stehen verschiedene Methoden zur Verfügung:

  • Radiofrequenzdenervation (Thermokoagulation): Hierbei wird der Nerv durch Hitze (45 bis 80 Grad Celsius) verödet.
  • Kryodenervation: Bei dieser Methode wird der Nerv mit Kälte (minus 20 bis minus 60 Grad Celsius) behandelt.
  • Chemische Neurolyse: Hierbei wird der Nerv durch Zuführung von Alkohol (Ethanol) abgetötet.
  • Laserdenervation: Bei dieser Methode wird der Nerv mittels Laser durchtrennt.
  • Endoskopische Denervation: Hierbei können neben der Verödung auch Knochen abgetragen, Nerven und Bänder durchtrennt oder das Gelenk gespült werden.

Die Radiofrequenzdenervation ist eine häufig verwendete Methode.

Wirksamkeit der Facettendenervation

Die Studienlage zur Wirksamkeit der Facettendenervation ist nicht eindeutig. Einige Studien deuten darauf hin, dass die Behandlung kurzfristig (etwa vier Wochen) Schmerzen lindern kann. Längerfristig konnte jedoch in vielen Fällen kein Vorteil gegenüber einer Scheinbehandlung (Placebo) oder einer konservativen Therapie festgestellt werden. Es gibt auch Studien, die zeigen, dass Physiotherapie allein genauso wirksam sein kann wie Physiotherapie in Kombination mit einer Facettendenervation.

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Es ist wichtig zu beachten, dass die Ergebnisse der Studien variieren und von verschiedenen Faktoren abhängen, wie z. B. der Auswahl der Patienten, der Durchführung der Behandlung und der Nachbeobachtungszeit.

Risiken und Nebenwirkungen

Wie bei jedem medizinischen Eingriff gibt es auch bei der Facettendenervation Risiken und mögliche Nebenwirkungen. Dazu gehören:

  • Schmerzen an der Einstichstelle: Nach dem Eingriff können Schmerzen und Blutergüsse an der Einstichstelle auftreten.
  • Hautirritationen: Die Haut um die Einstichstelle kann druckempfindlich sein, taub werden, kribbeln oder jucken.
  • Bewegungseinschränkungen: Das erhitzte Gewebe kann gereizt sein und die Beweglichkeit vorübergehend einschränken.
  • Nervenentzündung: Die verödeten Nerven können sich vorübergehend entzünden, was sich wie ein Sonnenbrand anfühlt.
  • Schwächung von Muskeln und Bändern: Die Verödung kann auch Nerven betreffen, die für die Versorgung von Muskeln und Bändern zuständig sind, was zu einer Schwächung dieser Strukturen führen kann.
  • Instabilität der Wirbelsäule: In seltenen Fällen kann die Verödung die Wirbelsäule instabiler machen.
  • Nervenverletzungen: Wenn bei der Behandlung versehentlich eine Nervenwurzel erhitzt wird, kann es vorübergehend zu Beinschmerzen, einem Schwächegefühl oder Taubheit in den Beinen kommen.
  • Infektionen: In sehr seltenen Fällen können Infektionen auftreten.

Was ist nach dem Eingriff zu beachten?

Nach einer Facettendenervation sollten sich Patienten körperlich schonen und Anstrengungen vermeiden. Manchmal wird Kortison an die Nerven gespritzt, um Entzündungen vorzubeugen. Regelmäßige Bewegung und gezieltes Training der Rückenmuskulatur sind wichtig, um die Wirbelsäule zu stabilisieren und Rückenschmerzen vorzubeugen.

Alternativen zur Facettendenervation

Bevor eine Facettendenervation in Erwägung gezogen wird, sollten alle konservativen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft werden. Dazu gehören:

  • Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Kräftigung der Rücken- und Rumpfmuskulatur sowie zur Verbesserung der Beweglichkeit.
  • Schmerzmittel: Schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente.
  • Bewegungstherapie: Sportarten wie Yoga oder Pilates, die die Rückenmuskulatur stärken und die Beweglichkeit fördern.
  • Injektionen: Injektionen von Kortison oder anderen Medikamenten in die Facettengelenke.
  • Akupunktur: Eine traditionelle chinesische Behandlungsmethode, die bei Rückenschmerzen helfen kann.
  • Psychologische Betreuung: Stress und psychische Belastungen können Rückenschmerzen verstärken. Eine psychologische Betreuung kann helfen, diese Faktoren zu reduzieren.

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