Der Wunsch nach einem Tattoo ist weit verbreitet, doch es gibt zahlreiche Faktoren, die die Entscheidung beeinflussen können. Besonders Menschen mit Vorerkrankungen wie Epilepsie sollten sich der potenziellen Risiken bewusst sein. Dieser Artikel beleuchtet die Aspekte, die beim Tätowieren mit Epilepsie zu beachten sind, und gibt wichtige Hinweise für eine informierte Entscheidung.
Einführung
Ein Tattoo ist eine Entscheidung für die Ewigkeit, die gut überlegt sein sollte. Es ist wichtig, sich nicht von einer Laune leiten zu lassen, sondern sich im Vorfeld ausführlich über mögliche gesundheitliche Risiken zu informieren. Tattoos sind nicht spurlos zu entfernen, und die Kosten für eine Entfernung oder Folgeschäden werden in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen.
Gesundheitliche Aspekte und Risiken
Allgemeine gesundheitliche Risiken
Beim Tätowieren werden Farbpigmente in tiefere Hautschichten eingebracht. Welche Auswirkungen diese Pigmente auf den Körper haben, ist noch nicht vollständig erforscht. Es ist bekannt, dass sich die Pigmente oder deren Abbauprodukte in Lymphknoten oder der Leber ablagern können. Seit Januar gelten EU-weit strengere Richtlinien für Tattoo-Farben, die beispielsweise krebserzeugende oder erbgutschädigende Stoffe verbieten. Dennoch ist es ratsam, sich vorab gründlich zu informieren.
Spezifische Risiken bei Epilepsie
Menschen mit Epilepsie sollten besondere Vorsicht walten lassen. Obwohl es keine generelle medizinische Kontraindikation gibt, können bestimmte Faktoren das Risiko erhöhen:
- Stress und Aufregung: Der Tätowierungsprozess kann Stress und Aufregung verursachen, was potenziell einen Anfall auslösen könnte.
- Schlafentzug: Ein ausgeschlafener Zustand ist wichtig, um das Anfallsrisiko zu minimieren.
- Schmerzen: Schmerzen können ebenfalls einen Anfall provozieren.
- Medikamente: Einige Medikamente, die zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt werden, können die Blutgerinnung beeinflussen oder die Wundheilung beeinträchtigen.
- Infektionsrisiko: Bei unzureichender Hygiene im Studio besteht ein erhöhtes Risiko für Infektionen, die den Gesundheitszustand zusätzlich belasten könnten.
Weitere Risikofaktoren und Kontraindikationen
Neben Epilepsie gibt es weitere Faktoren, die gegen ein Tattoo sprechen könnten:
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- Cortison: Bei längerer Anwendung von Cortison kann die Haut dünner und anfälliger werden.
- Diabetes: Diabetiker haben oft eine schlechtere Wundheilung, was das Infektionsrisiko erhöht.
- Infektionskrankheiten: Bestehende Infektionen im Körper können sich durch das Tätowieren verschlimmern.
- Alkohol und Drogen: Diese Substanzen wirken schmerzverstärkend und blutverdünnend.
- Schwangerschaft: Schwangere sollten aufgrund des Infektionsrisikos auf Tattoos verzichten.
- Immunschwächende Medikamente: Auch die Einnahme solcher Medikamente erhöht das Infektionsrisiko.
- Herzerkrankungen und Blutgerinnungsstörungen: Hier ist besondere Vorsicht geboten.
- Allergien und Ekzeme: Allergische Reaktionen auf Tattoo-Farben sind möglich.
- Blutverdünnende Medikamente: Menschen, die blutverdünnende Medikamente einnehmen, sollten unbedingt Rücksprache mit ihrem Arzt halten.
- Hochschwangere Frauen: Aufgrund der erhöhten Risiken ihres körperlichen Befindens zuliebe auf Tattoos verzichten.
Vorbereitung und wichtige Überlegungen
Ärztliche Beratung
Vor dem Tätowieren ist es ratsam, einen Arzt zu konsultieren, um mögliche Risiken abzuklären und zu besprechen, ob es individuelle Gründe gibt, die gegen ein Tattoo sprechen. Dies gilt insbesondere bei bestehenden Erkrankungen wie Epilepsie.
Auswahl des Studios und des Tätowierers
Da "Tätowierer" kein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf ist, sollte man das Studio und den Tätowierer sorgfältig auswählen. Achten Sie auf:
- Hygienestandards: Ein seriöses Studio verfügt über einen separaten Raum mit abwischbaren Oberflächen und Liegen mit frischen Einwegtüchern. Der Tätowierer sollte sterile Nadeln und Instrumente verwenden und eine Hygieneschulung absolviert haben.
- Kompetenz und Erfahrung: Der Tätowierer sollte einen seriösen Eindruck machen und Kundenfragen konkret und aufgeschlossen beantworten. Er sollte Auskünfte über die verwendeten Farben und Instrumente geben können.
- Normen und Richtlinien: Ein gutes Studio kennt die geltenden Hygienevorschriften und arbeitet nach diesen Vorgaben.
- Portfolio: Sehen Sie sich die Arbeiten des Tätowierers an, um sich von seinem Stil und seinen Fähigkeiten zu überzeugen.
Wahl des Motivs und der Körperstelle
Auch die Wahl des Motivs und der Körperstelle sollte gut überlegt sein:
- Freie Stelle: Die Hautstelle sollte frei von Reizungen sein.
- Schmerzempfindlichkeit: Beim ersten Tattoo sollten schmerzempfindliche Personen eine weniger sensible Stelle wählen, z.B. den Oberarm (Außenseite), Bauch oder Oberschenkel. Schmerzempfindlicher sind Stellen, an denen sich "Haut und Knochen" befinden, z.B. Schulterblatt, Wirbelsäule, Schienbein oder Knöchel.
- Allergien: Bei Allergien, Ekzemen oder sehr empfindlicher Haut sollte man den Entschluss zunächst mit einem Hautarzt besprechen.
- Motive: Überlegen Sie sich das Motiv gut. Tätowierer verfügen in der Regel über zahlreiche Vorlagen, aber es ist auch möglich, eigene Motive einzureichen oder mit dem Tätowierer auszuarbeiten.
Einverständniserklärung
Seriöse Studios verlangen eine Einverständniserklärung, in der auf die Risiken hingewiesen wird und der Kunde bestätigt, dass er alle Informationen erhalten hat.
Vorbereitung auf den Termin
- Ausgeschlafen sein: Gehen Sie ausgeschlafen zum Termin.
- Essen: Essen Sie etwa eine Stunde vorher etwas, um Kreislaufprobleme zu vermeiden.
- Kein Alkohol: Alkoholkonsum vor dem Termin ist tabu.
Der Tätowierungsprozess
Ablauf
- Sterile Umgebung: Der Tätowierer verwendet neue Nadeln aus einem sterilen Behältnis und füllt die Farbe in kleine, sterile Behälter.
- Handschuhe: Er trägt Einweghandschuhe zum Schutz von Kunde und sich selbst.
- Desinfektion: Die Hautstelle wird gründlich desinfiziert.
- Motivübertragung: Das Motiv wird auf die Haut aufgetragen.
- Tätowierung: Zuerst werden die Außenlinien gestochen, dann wird das Motiv ausgefüllt und schattiert.
- Vaseline: Während des Tätowierens wird immer wieder Vaseline auf die Haut aufgetragen, um sie zu beruhigen.
Schmerzempfinden
Das Schmerzempfinden ist individuell unterschiedlich. Im Allgemeinen sind die Außenlinien schmerzhafter als das Ausfüllen oder Schattieren. Die gewählte Körperpartie spielt ebenfalls eine Rolle.
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Nachsorge und Heilung
Erste Nachsorge
Nach dem Stechen reinigt, desinfiziert und cremt der Tätowierer das Tattoo ein und deckt es ab.
Pflegehinweise
Die Pflegehinweise des Tätowierers sind unbedingt zu beachten. Wundsekrete sollten sanft entfernt werden, um Schorfbildung und Entzündungsrisiko zu vermeiden. Die Meinungen über die beste Abdeckung (Folie oder offene Wundheilung) gehen auseinander.
Heilungsdauer
Die Heilungsdauer beträgt je nach Hautbeschaffenheit zwischen 7 und 21 Tagen. Während dieser Zeit bildet sich eine Kruste, die sich von selbst löst. Das Abreißen der Kruste sollte unbedingt vermieden werden.
Was man vermeiden sollte
- Sauna, Fitnessstudio, Solarium: Diese sollten bis zur vollständigen Abheilung vermieden werden.
- Sonne und Wasser: Längeren Kontakt mit Sonne und Wasser meiden und nicht zu warm duschen.
- Kratzen: Auch wenn das Tattoo juckt, darf man nicht kratzen.
Pflegeprodukte
Verwenden Sie die vom Tätowierer empfohlene Salbe (z.B. Bepanthen oder Vaseline) zum Eincremen. Zu häufiges Eincremen kann jedoch dazu führen, dass sich das Tattoo vorzeitig pellt und Farbpigmente verliert.
Anzeichen einer Entzündung
Ungewöhnliche Wärme, Rötung oder Schwellung können Anzeichen einer Entzündung sein. In diesem Fall sollte ein Arzt konsultiert werden.
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Endgültiges Ergebnis
Das endgültige Ergebnis des Tattoos zeigt sich meist erst nach 2-6 Monaten, da Farbpigmente durch das Lymphsystem ausgeschieden werden können.
Kosten
Die Kosten für ein Tattoo variieren stark und hängen von Motivgröße, Zeitaufwand, Anzahl der verwendeten Farben und Farbqualität ab.
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