Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die zu einem allmählichen Verlust der kognitiven Fähigkeiten führt. Sie ist die häufigste Ursache für Demenz, einem Syndrom, das durch den fortschreitenden Verlust kognitiver Funktionen gekennzeichnet ist. Die Alzheimer-Krankheit ist durch den Untergang von Nervenzellen und Nervenzellkontakten im Gehirn gekennzeichnet, was zu Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, Sprachstörungen, Störungen des Denk- und Urteilsvermögens sowie Veränderungen der Persönlichkeit führt.
Die Alzheimer-Krankheit verläuft individuell sehr unterschiedlich, lässt sich aber im Allgemeinen in verschiedene Stadien einteilen, die den fortschreitenden Abbau der kognitiven und körperlichen Fähigkeiten beschreiben. Es ist wichtig zu beachten, dass die Übergänge zwischen den Stadien fließend sein können und dass nicht alle Betroffenen alle Stadien durchlaufen.
Frühe Anzeichen und Symptome
Die ersten Anzeichen einer Alzheimer-Krankheit sind oft subtil und werden von den Betroffenen und ihrem Umfeld nicht immer als solche erkannt. Dazu gehören beispielsweise:
- Vergessen wichtiger Zutaten beim Lieblingskuchen (die Oma lässt beim Lieblingskuchen wichtige Zutaten weg)
- Vergessen des Autos mit laufendem Motor in der Einfahrt (der Vater vergisst das Auto mit laufendem Motor in der Einfahrt)
- Zunehmender Rückzug aus geselligen Aktivitäten (die eigentlich gesellige Ehefrau zieht sich zunehmend zurück)
- Ständiges Versäumnis von Terminen (der bisher zuverlässige Arbeitskollege versäumt ständig Termine)
Diese ersten Auffälligkeiten werden oft als normale Alterserscheinungen abgetan oder auf Stress und Überlastung zurückgeführt. Es ist jedoch wichtig, bei solchen Veränderungen aufmerksam zu werden und gegebenenfalls einen Arzt aufzusuchen.
Diagnose
Die Diagnose einer Alzheimer-Krankheit kann mit einfachen Mitteln gestellt werden. Bei Patienten mit Störungen des Gedächtnisses, der Orientierung, der Sprache oder des Denk- und Urteilsvermögens sollte eine sorgfältige Untersuchung durchgeführt werden, um behebbare Ursachen dieser Leistungsstörungen auszuschließen. Warnsignale sind beispielsweise Vergesslichkeit für wiederkehrende Ereignisse und alltägliche Begebenheiten, Wortfindungsstörungen oder Orientierungseinbußen. In solchen Fällen ist es ratsam, einen Facharzt (Neurologen bzw. Psychiater) oder eine Gedächtnissprechstunde aufzusuchen.
Lesen Sie auch: Morbus Parkinson: Richtige Ernährung
Stadien der Alzheimer-Krankheit
Ein häufig genutztes Modell zur Einteilung der Demenz-Stadien ist die Reisberg-Skala, auch bekannt als Global Deterioration Scale (GDS). Die Reisberg-Skala beschreibt sieben Stadien der Alzheimer-Krankheit, die den fortschreitenden Abbau der kognitiven Fähigkeiten widerspiegeln.
Stadium 1: Keine kognitive Beeinträchtigung
In diesem Stadium sind keine Einbußen im Bereich der kognitiven Fähigkeiten erkennbar. Die Person leidet nicht unter Gedächtnisproblemen.
Stadium 2: Sehr leichte kognitive Beeinträchtigung
In diesem Stadium liegt eine geringfügige Minderung der individuellen Gehirnleistung vor. Betroffene vergessen Namen oder verlegen häufig Gegenstände. Da die Symptome in diesem Stadium denen einer leichten Vergesslichkeit gleichen und auch durch den ganz normalen Alterungsprozess bedingt sein können, ist eine Diagnose zu diesem frühen Zeitpunkt eher schwierig.
Stadium 3: Leichte kognitive Beeinträchtigung
Die kognitiven Einschränkungen fallen noch relativ gering aus, nehmen aber allmählich zu. So leiden Betroffene immer häufiger unter Wortfindungsstörungen, haben Schwierigkeiten beim Beschreiben von Gegenständen oder vergessen regelmäßig Namen und Termine. Oftmals ist auch die allgemeine Leistungsfähigkeit vermindert und es besteht eine Neigung zu depressiven Verstimmungen. Freunde, Familie oder Mitarbeiter bemerken erste Schwierigkeiten. Während eines ausführlichen ärztlichen Gesprächs können Ärzte möglicherweise Probleme mit dem Gedächtnis oder der Konzentration feststellen.
Stadium 4: Mäßige kognitive Beeinträchtigung
In diesem Stadium wird die Demenz für Angehörige immer augenfälliger, denn der Erkrankte leidet nun unter kognitiven Einschränkungen, die über eine normale Vergesslichkeit weit hinausgehen. Insbesondere das Kurzzeitgedächtnis ist betroffen, aber auch wichtige Ereignisse aus der persönlichen Vergangenheit geraten zunehmend in Vergessenheit. Es kommt zum allmählichen Rückzug aus dem sozialen Leben und das Risiko für Depressionen nimmt zu. Beeinträchtigte Fähigkeit, herausfordernde Rechenaufgaben im Kopf durchzuführen.
Lesen Sie auch: Die Rolle neurologischer Symptome bei Morbus Wilson
Stadium 5: Mäßig schwere kognitive Beeinträchtigung
In diesem Stadium liegt eine mittlere bis mäßige Demenz vor. Es kommt häufig zu Denk- und Gedächtnislücken, die den Alltag erschweren und Hilfestellung durch Dritte erforderlich machen. Beispielsweise wissen Betroffene häufig nicht mehr, welcher Wochentag gerade ist und wo sie sich befinden. Auch Verwandte und Freunde werden nicht immer erkannt. Schwierigkeiten haben mit weniger anspruchsvollem Kopfrechnen.
Stadium 6: Schwere kognitive Beeinträchtigung
Ordnen Ärzte die Demenzerkrankung in Stadium 6 ein, handelt es sich um eine schwere bzw. fortgeschrittene Demenz. Das Denk- und Wahrnehmungsvermögen ist stark vermindert und die Persönlichkeit verändert sich drastisch. Hilfe bei alltäglichen Handlungen ist spätestens jetzt unverzichtbar. Selbst engste Verwandte werden nicht mehr erkannt, es kommt zu Misstrauen, Wahnvorstellungen und starken Stimmungsschwankungen. Oftmals verlieren Betroffene auch die Kontrolle über Blase und Darm. Wesentliche Veränderung des Charakters und des Benehmens erfahren, einschließlich Misstrauen und Wahnvorstellungen. Hilfe benötigen bei den verschiedenen Schritten des Toilettengangs. Das Gedächtnis verschlechtert sich weiterhin, Persönlichkeitsveränderungen können auftreten und Personen benötigen umfangreiche Hilfe bei täglichen Aktivitäten.
Stadium 7: Sehr schwere kognitive Beeinträchtigung
Stadium 7 ist das Endstadium der Demenz. Erkrankte können sich nicht mehr oder kaum noch verständlich machen und verlieren zunehmend die Kontrolle über ihren Körper. Sie leiden im Endstadium der Demenz unter Schluckbeschwerden, verkümmerten Reflexen und können letztlich den Kopf nicht mehr hochhalten. Da es im Endstadium der Demenz zur Nahrungsverweigerung kommen kann, drohen Erkrankte auch zu verhungern. Eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung ist in dieser Phase also unverzichtbar. Schließlich geht die Aufmerksamkeit gänzlich verloren und der Geist wird - sofern sich das beurteilen lässt - vollständig nach innen gerichtet. In der Endstufe dieser Krankheit verliert eine Person die Fähigkeit, sich seiner oder ihrer Umgebung mitzuteilen, eine Unterhaltung zu führen und schließlich Bewegungen zu kontrollieren. In diesem Stadium wird umfangreiche Hilfe bei der täglichen Betreuung benötigt, einschließlich beim Essen oder dem Gang zur Toilette. Die Fähigkeit zum Lächeln, ohne Unterstützung zu sitzen und den Kopf aufrecht zu halten kann verloren gehen. Reflexe werden abnormal. Muskeln werden starr.
Weitere Bewertungsskalen
Neben der Reisberg-Skala kommen bei der Einstufung einer Demenzerkrankung auch weitere Skalen zum Einsatz, unter anderem die ADL-Skala. ADL steht für „Activites of Daily Living“, zu Deutsch: „Aktivitäten des täglichen Lebens“. Hierbei handelt es sich um alltägliche, wiederkehrende Tätigkeiten, deren Zweck die Erfüllung der menschlichen Grundbedürfnisse (physisch und psychisch) ist. Die Skala dient also der Messung der Alltagskompetenz von Patient:innen mit Demenzerkrankungen sowie ganz allgemein von Pflegebedürftigen.
Es gibt verschiedene ADL-Systeme, wobei die ADL-Skala nach Barthel - der sogenannte Barthel-Index - besonders weit verbreitet ist. Bei der Demenz-Einstufung nach Barthel werden verschiedene Kategorien mit 0, 5 oder 10 Punkten bewertet, der maximal erreichbare Score-Wert beträgt 100. Je höher die erreichte Punktzahl, umso selbstständiger ist die Person. Die Bewertungskategorien sind:
Lesen Sie auch: Was ist idiopathischer Morbus Parkinson?
- Essen
- Baden
- Körperpflege
- An- und Auskleiden
- Stuhlkontrolle
- Urinkontrolle
- Toilettenbenutzung
- Bett-/Stuhltransfer
- Mobilität
- Treppensteigen
Allerdings ist die ADL-Skala allein nicht aussagekräftig, denn selbst aus einem Score-Wert von 100 ergibt sich lediglich, dass eine Person die genannten Aktivitäten selbstständig durchführen kann.
Krankheitsverlauf und Lebenserwartung
Der Verlauf einer Demenz ist schleichend und progressiv - beginnt also langsam und unauffällig, verschlimmert sich aber im Laufe der Zeit. Grundsätzlich verläuft die Erkrankung jedoch bei jedem Menschen individuell. Dabei kann es auch kürzere oder längere Phasen der Stabilität geben. Auf welche Art und in welchem Tempo eine Demenz verläuft, hängt nicht zuletzt von der Demenzform sowie von individuellen Faktoren (Alter, weitere Begleiterkrankungen etc.) ab. Gleiches gilt für die Antwort auf die Frage, wie in den einzelnen Demenz-Stadien die Lebenserwartung ist.
Nach einer Alzheimer-Diagnose leben Menschen durchschnittlich noch sieben bis zehn Jahre, während andere Demenzformen auch mit einer höheren Lebenserwartung einhergehen können. Die Krankheitsdauer bis zum Tod beträgt im Durchschnitt etwa acht Jahre. Es gibt aber sehr schnelle Verläufe von nur zwei Jahren und sehr langsame Verläufe von über 20 Jahren.
Behandlung
Die Alzheimer-Krankheit ist bisher nicht heilbar, und die Abbauprozesse im Gehirn können derzeit nicht wesentlich verlangsamt oder aufgehalten werden. Vor allem im Frühstadium sind Symptome und Begleiterscheinungen wie Verhaltensauffälligkeiten und psychische Symptome jedoch behandelbar. Dazu gehören Depressionen, Angst, Unruhe, Aggression, Teilnahmslosigkeit, Wahnvorstellungen und Halluzinationen.
In der Behandlung von Patienten mit Demenzerkrankungen spielen Medikamente eine wichtige Rolle. Sie werden zur Stabilisierung der geistigen Leistungsfähigkeit und der Alltagsbewältigung, zur Milderung von Verhaltensstörungen und in manchen Fällen auch zur Verhinderung weiterer Schädigungen des Gehirns eingesetzt. Zur Behandlung gehören auch die geistige und körperliche Aktivierung der Betroffenen, die richtige Weise des Umgangs, die bedarfsgerechte Gestaltung der Wohnung und die Beratung der Angehörigen.
Aktuell sind Medikamente in der Entwicklung, die in einem sehr frühen Stadium der Alzheimer-Krankheit den Krankheitsverlauf verzögern sollen. Zwei dieser Medikamente - Lecanemab (Handelsname "Leqembi") und Donanemab (Handelsname "Kisunla") - sind 2025 in der Europäischen Union zugelassen worden und stehen ab September bzw. November 2025 auch für die Behandlung zur Verfügung. Da beide Wirkstoffe mit starken Nebenwirkungen verbunden sein können, sind für die Behandlung damit strenge Richtlinien erlassen worden. Seit diesem Jahr stehen zwei Antikörper zur ursächlichen Behandlung der frühen Alzheimer-Demenz zur Verfügung. Ursächlich bedeutet: Sie bauen aktiv Amyloid-Plaques ab. Das sind Eiweißablagerungen im Hirn, die bei der Entstehung der Krankheit eine zentrale Rolle spielen. Auf dem Europäischen Gesundheitskongress in München (EGKM) gingen Expert:innen der Frage nach, was das für die Versorgungsstrukturen, für die Betroffenen selbst und ihre Angehörigen bedeutet. Das Jahr 2025 wird in die Geschichtsbücher eingehen: Erstmals erhält ein Medikament in Europa eine Zulassung, das an den Ursachen der Alzheimer-Krankheit ansetzt. Wirken können derartige Therapien nur, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt zum Einsatz kommen. Voraussetzung ist eine frühe Diagnose. Doch daran hapert es in Deutschland all zu oft. Große Fortschritte in Diagnostik und Therapie der Demenzerkrankung Alzheimer sind in nächster Zukunft zu erwarten. Sie werden die bisherige Behandlung der Krankheit auf den Kopf stellen. Was muss passieren, dass diese Innovationen bei den Menschen ankommen?
Neben der medikamentösen ist die nicht-medikamentöse Behandlung von Menschen mit Demenz von großer Bedeutung. Sie kann die geistige Leistungsfähigkeit und Alltagsfähigkeiten fördern, Verhaltensstörungen abschwächen und das Wohlbefinden verbessern.
Umgang mit der Erkrankung im Alltag
Die jeweiligen Anforderungen an Betreuung, Pflege, Therapie und ärztliche Behandlung sind sehr verschieden. Denn Alzheimer-Kranke sind keine einheitliche Gruppe, sondern Individuen mit ganz unterschiedlichen Lebensläufen, Kompetenzen und Defiziten, die in unterschiedlichen sozialen und wirtschaftlichen Situationen leben.
Es ist wichtig, dass Betroffene und ihre Angehörigen frühzeitig Unterstützung suchen und sich über die verschiedenen Möglichkeiten der Versorgung und Betreuung informieren. Dazu gehören beispielsweise:
- Beratungsstellen
- Selbsthilfegruppen
- Tagespflegeeinrichtungen
- Pflegedienste
- Wohnheime