Morbus Behçet und Lumbalpunktion: Diagnostik und Abgrenzung autoinflammatorischer Erkrankungen

Die rhythmische Wiederkehr von Krankheiten ist ein Problem, das die Menschheit seit alters her beschäftigt. Schon antike Ärzte vermuteten kosmische Einflüsse hinter diesen Rhythmen. Viele Faktoren deuten auf eine Einheitlichkeit periodischer Störungen hin: ähnliche Dauer der Zyklen und Episoden, meist gutartiger Verlauf, Beginn oft in der Kindheit, unveränderter Verlauf über Jahrzehnte und gelegentliche Hinweise auf Vererbung. Der Begriff der „periodischen Erkrankung“ wurde erstmals 1951 von Reimann vorgeschlagen. Ursprünglich umfasste diese Definition eine heterogene Gruppe von Syndromen unklaren Ursprungs, die bei Personen ohne andere Grunderkrankung in periodischen Abständen zu wiederkehrenden, gleichförmigen Symptomen führten.

Autoinflammation: Ein neues Verständnis entzündlicher Prozesse

Ende der 1990er-Jahre wurde im Rahmen der molekulargenetischen Beschreibung des Tumornekrosefaktor-Rezeptor-assoziierten periodischen Syndroms (TRAPS) der Begriff der Autoinflammation geprägt. Charakteristisch für diese Entzündungsform sind spontane entzündliche Reaktionen, ohne dass Autoantikörper oder antigenspezifische T-Lymphozyten nachweisbar sind. Weitere pathophysiologische Untersuchungen führten zu einer neuen Definition der Autoinflammation, nach der lokale gewebsspezifische Faktoren zu einer Aktivierung von Zellen der angeborenen Immunität führen, welche dann wiederum eine Gewebsschädigung auslösen.

Dieser Mechanismus unterscheidet sich von der Autoimmunität, bei der eine gestörte Funktion von Zellen der adaptiven Immunität im Bereich der primären und sekundären Lymphorgane zur Ausbildung von Autoantikörpern und autoreaktiven T-Zellen führt. Seltene monogene autoinflammatorische Erkrankungen auf der einen und seltene monogene autoimmunologische Erkrankungen (z. B. das autoimmun-lymphoproliferative Syndrom [ALPS] und das Immundysfunktions-Polyendokrinopathie-und-Enteropathie-verursachende X-gekoppelte Syndrom [IPEX]) auf der anderen Seite flankieren die beiden Pole des Spektrums inflammatorischer Erkrankungen. Es handelt sich hier jedoch nicht um ein dichotomes Konzept, sondern um eine konzeptionelle Einteilung, mit dem Versuch, die verschiedenen Dimensionen immunologischer Erkrankungen (Autoimmunität, Autoinflammation, Immundefizienz) in Abhängigkeit von der pathophysiologischen Beteiligung der Immunzellen (angeborene versus adaptive Immunität) zu sehen.

Gerade durch die Anwendung der Next Generation Sequenzierung wurden in den letzten Jahren über 40 monogene autoinflammatorische Erkrankungen beschrieben. Dieser enorme Erkenntnisgewinn trug wesentlich dazu bei, neue Krankheitsmechanismen zu verstehen und Entitäten klar zu definieren.

Herausforderungen bei der Einteilung autoinflammatorischer Erkrankungen

Es existiert keine verbindliche Einteilung autoinflammatorischer Erkrankungen. Ebenso erlaubt es die oben genannte Definition der Autoinflammation häufig nicht, autoinflammatorische Erkrankungen von anderen Krankheitsgruppen klar abzugrenzen. Detaillierte pathophysiologische Untersuchungen zeigen zudem, dass das Konzept eines Spektrums immunologischer Erkrankungen nicht in allen Fällen aufrechterhalten werden kann, da unterschiedliche pathophysiologische Aspekte und komplexe Krankheitsbilder vorliegen können. Beim Aicardi-Gouitières-Syndrom beeinflusst die Dysregulation der Typ1-Interferone den Aktivierungszustand von Zellen der adaptiven Immunität; dies führt in der Folge zur Bildung klinisch relevanter Autoantikörper. Autoinflammatorische Erkrankungen können mit Immundefekten sowie einer Immundysregulation assoziiert sein. Mutationen in PLCG2 (Protein: Phospholipase C-γ-2), welche zum Krankheitsbild der PLCγ2-assoziierten Antikörperdefizienz und Immundysregulation (PLAID) und Autoinflammation (APLAID) führen, sind hierfür ein Beispiel.

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Aufgrund pathophysiologischer Erkenntnisse und der Überlappung klinischer Phänotypen werden auch nichtmonogene Krankheitsbilder dem autoinflammatorischen Formenkreis zugerechnet. Prominente Beispiele sind hierbei die systemische juvenile idiopathische Arthritis, das Periodische Fieber, aphthöse Stomatitis, Pharyngitis und Adenopathie-Syndrom (PFAPA), die chronisch nichtbakterielle Osteomyelitis (CRMO) und der Morbus Behçet.

Einteilung autoinflammatorischer Erkrankungen nach Pathomechanismen

Im Folgenden soll die von der Arbeitsgruppe von R. Goldbach-Mansky vorgeschlagene Einteilung vorgestellt werden. Diese orientiert sich an gemeinsamen Pathomechanismen sowie an den vorwiegend dysregulierten Zytokinen. Nichtmonogene autoinflammatorische Erkrankungen werden aufgrund ihrer Komplexität in dieser Einteilung nicht berücksichtigt.

Erkrankungsgruppe | Erkrankung------- | --------

IL-1-vermittelte Erkrankungen | Familiäres Mittelmeerfieber (FMF), Pyrin-assoziierte Autoinflammation mit neutrophiler Dermatose (PAAND), Cryopyrin assoziiertes periodisches Syndrom (CAPS), Tumor-Nekrose-Faktor-Rezeptor assoziiertes periodisches Syndrom (TRAPS), Hyper-IgD-Syndrom (HIDS)/Mevalonatkinase-Defizienz (MVK), Defizienz des IL-1-Rezeptorantagonisten (DIRA), Majeed-SyndromInterferonopathien | STING-assoziierte Vaskulopathie mit Beginn in Kindesalter (SAVI), Aicardi-Goutières-Syndrom (AGS 1-7), Proteasom-assoziiertes autoinflammatorisches Syndrom (PRAAS)/Chronic atypical neutrophilic dermatosis with lipodystrophy and elevated temperature (CANDLE), Spondyloenchondrodysplasia mit Immundysregulation (SPENCDI), Ubiquitin-spezifische Peptidase 18 (USP18)-DefizienzNF-κB-vermittelte Erkrankungen | Blau-Syndrom, CARD15-vermittelte Psoriasis (CAMPS), AP1S3-vermittelte Psoriasis (AMPS), DITRA (Defizienz des IL-36-Rezeptorantagonisten), Linear ubiquitin chain assembly complex (LUBAC)-Defizienz/HOIL-1 Defizienz/HOIP-Defizienz, Otulipenia/Otulin-vermitteltes autoinflammatorisches Syndrom (ORAS), TNFAIP3/A20-Haploinsuffizienz, NEMO deleted exon 5 autoinflammatory syndrome (NDAS), Laccase domain-containing 1 (LACC1), Receptor-Interacting seronine/threonine Protein Kinase (RIPK)-DefizienzAID verursacht durch Makrophagenaktivierung | NLRC4-Makrophagenaktivierungssyndrom (MAS), X-linked Inhibitor der Apoptose (XIAP), Familiäre Hämophagozytische Lymphohistiozytose (HLH)Weitere autoinflammatorische Erkrankungen | Pyogene Arthritis, Pyoderma gangraenosa, Akne (PAPA), Defizienz der Adenosindeaminase 2 (DADA2), Sideroblastische Anämie, Immunodefizienz, Fieber, Entwicklungsverzögerung (SIFD), Frühkindliche chronisch entzündliche Darmerkrankung (CED), PLCγ2-assoziierte Antikörperdefizienz und Immundysregulation (PLAID), PLCγ2-assoziierte Autoinflammation, Antikörperdefizienz und Immundysregulation (APLAID), Cherubism, Autoinflammatorisches periodisches Fieber, Immunodefizienz, und Thrombozytopenie (PFIT)

Bei der Beschreibung der prominenten Rolle des IL-1β bei der Unterhaltung einer proinflammatorischen Reaktion war die Charakterisierung der dysregulierten Inflammasomsreaktion bei Cryopyrin-assoziierten periodischen Syndromen (CAPS), dem Familiären Mittelmeerfieber (FMF) sowie der Mevalonatkinase-Defizienz (MKD) von großer Bedeutung. Doch auch andere Pathomechanismen, wie z. B. ein erhöhter Zellstress beim TRAPS bzw. das Fehlen des endogenen antagonisierenden IL-1-Rezeptorantagonisten bei der Defizienz des IL-1-Rezeptorantagonisten (DIRA), führen zu einem fehlregulierten IL-1-Signal. Der erfolgreiche Einsatz einer gegen IL-1 gerichteten Therapie bestätigt die prominente Rolle dieses Zytokins bei der Unterhaltung der chronischen Entzündungsreaktion.

Die Gruppe der sogenannten Interferonopathien umfasst Erkrankungen, die sich durch eine konstitutive Aktivierung der Typ-I-Interferon-Antwort auszeichnen. Eine Aktivierung des Interferon-Rezeptors führt zur Induktion einer Vielzahl von IFN-stimulierten Genen (ISG); diese induzierte Transkription lässt sich als sogenannte Interferon-Signatur messen und kann diagnostisch hinweisend sein. Patienten mit einem Aicardi-Gouitières-Syndrom weisen unter anderem Mutationen in Endo- bzw. Exonukleasen auf mit der Folge, dass körpereigene DNA und RNA im Zytoplasma akkumuliert. Diese werden durch Sensoren erkannt, die wiederum über Zwischenschritte den Interferon-Signalweg aktivieren. Gain-of-function-Mutationen innerhalb dieser Sensoren (z. B. STING, MDA-5/IFIH1) sind darüber hinaus mit autoinflammatorischen Syndromen assoziiert. Störungen im Aufbau der Proteasomen führen zur intrazellulären Akkumulation ubiquitinierter Moleküle und letztendlich zu einer Aktivierung der Typ-I-Interferone.

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Unter dem Begriff der Relopathien werden Erkrankungen zusammengefasst, bei denen eine übermäßige Aktivierung des „nuclear factor kappa-light-chain-enhancer of activated B cells (NF-κB)“ im Vordergrund steht. Die Aktivierung von NF-κB ist durch posttranslationale Mechanismen streng reguliert, unter anderem der Ubiquitinierung mehrerer regulatorischer Elemente. So sind Mutationen in Molekülen, die für die Deubiquitinierung verantwortlich sind (z. B. A20 und OTULIN) bzw. den „linear ubiquitin chain assembly complex (LUBAC)“ formieren (HOIL-1, HOIP) mit der Ausbildung autoinflammatorischer Erkrankungen assoziiert.

Das Makrophagenaktivierungssyndrom (MAS) weist klinisch viele phänomenologische Überlappungen zur familiären hämophagozytischen Lymphohistiozytose (fHLH) auf. Bei weiteren autoinflammatorischen Erkrankungen ist zwar die Assoziation mit einer genetischen Mutation bekannt, eine Zuordnung zu einem zentralen Pathomechanismus ist allerdings zum jetzigen Zeitpunkt (noch) nicht möglich.

Diagnostische Herausforderungen und Vorgehensweise bei autoinflammatorischen Erkrankungen

Obwohl autoinflammatorische Erkrankungen in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen haben, werden diese zum Teil sehr seltenen Syndrome häufig noch mit einer erheblichen Latenz diagnostiziert. Die Untergruppe der autoinflammatorischen periodischen Fiebersyndrome (früher bezeichnet als hereditäre periodische Fiebersyndrome) umfasst FMF, MVK, CAPS, TRAPS sowie PFAPA und zeichnet sich durch wiederkehrende Fieberschübe aus, welche von der physiologischen Infektanfälligkeit des Kleinkindes abgegrenzt werden müssen. Diese ist verursacht durch frequente Minorinfektionen; die Kinder zeigen ein regelhaftes Gedeihen. Durch die Anamnese können weitere Differenzialdiagnosen wie die „little three“ (Münchhausen by proxy, Medikamentenfieber und benigne Hyperthermie) identifiziert werden. Zur Abklärung der „big three“ (Infektionen, Malignome, Autoimmunerkrankungen) sowie eines Immundefekts als mögliche Ursache rezidivierenden Fiebers sind neben der Basisdiagnostik häufig gezielte Untersuchungen notwendig.

Andere autoinflammatorische Syndrome weisen einen chronisch-persistierenden Verlauf auf, Fieber muss hierbei nicht im Vordergrund stehen. In aller Regel liegt eine Systemerkrankung vor, sodass der Nachweis verschiedener beteiligter Organe sowie einer erhöhten serologischen Entzündungsreaktion hinweisend auf eine autoinflammatorische Erkrankung sein kann. Um das Ausmaß einer persistierenden, möglicherweise subklinischen Inflammationsreaktion abschätzen zu können, sind mehrfache Blutentnahmen unabhängig von der aktuellen klinischen Symptomatik häufig hilfreich. Da die Erkrankungen meist im frühen Kindesalter manifest werden, lohnt es sich nach frühen Symptomen zu fragen und ggf. ältere Untersuchungsergebnisse anzufordern. Gerade bei den unlängst beschriebenen Entitäten können auch Zeichen einer Immundefizienz vorliegen, sodass vorangegangene rezidivierende Infektionen durchaus auch ein Hinweis auf eine autoinflammatorische Erkrankung sein können. In manchen Fällen kann das Vorliegen einer persistierenden serologischen Entzündungsreaktion einziger Hinweis für eine autoinflammatorische Erkrankung sein. In solchen Fällen ist es indiziert, durch weitere Verfahren zu untersuchen, ob Organmanifestationen vorliegen.

Bei der Erkennung autoinflammatorischer Erkrankungen kann das Erkennen charakteristischer Muster den entscheidenden Hinweis zur Diagnostik erbringen. Erste Symptome autoinflammatorischer Erkrankungen treten in der Regel im (frühen) Kindesalter auf. Selten werden diese im Erwachsenenalter manifest. Bei der Manifestation eines CAPS im Erwachsenenalter werden gehäuft genetische Mosaike im NLRP3-Gen nachgewiesen. Zur Abgrenzung einer physiologischen Infektanfälligkeit und einer benignen Hyperthermie, die ebenfalls in der Regel im frühen Kindesalter auftreten, ist die Begleitsymptomatik (Infektsymptome) und das Tagesprofil des Fiebers (häufig abendliche Temperatur verbunden mit körperlicher Aktivität bei benigner Hyperthermie) wichtig.

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Bei der Gruppe der autoinflammatorischen periodischen Fiebersyndrome kann das Symptom Fieber wegweisend für die Diagnose sein; bei anderen Formen autoinflammatorischer Erkrankungen kann ebenso eine Erhöhung der Körpertemperatur, allerdings in weniger charakteristischer Weise, beobachtet werden. Gerade das FMF und das FCAS (Familiäres kälteinduziertes autoinflammatorisches Syndrom) sind durch kurzanhaltende Fieberepisoden charakterisiert.

Lumbalpunktion im Kontext von Morbus Behçet und anderen Vaskulitiden

Die Frage, wann eine Lumbalpunktion bei Verdacht auf Morbus Behçet oder andere Vaskulitiden indiziert ist, ist komplex und hängt von der individuellen klinischen Präsentation ab. Die Diskussionen in Foren zeigen, dass Unsicherheiten bezüglich der Notwendigkeit und Aussagekraft dieser Untersuchung bestehen.

Indikation zur Lumbalpunktion

Eine Lumbalpunktion (Liquorentnahme) wird in der Regel dann in Erwägung gezogen, wenn der Verdacht auf eine Beteiligung des zentralen Nervensystems (ZNS) besteht. Dies kann sich durch neurologische Symptome wie Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Krampfanfälle, Gedächtnisverlust, Sehstörungen oder plötzlicher Hörverlust äußern. Auch bei unklaren MRT-Befunden im Gehirn, wie beispielsweise altersuntypischen Gliosezonen, kann eine Lumbalpunktion zur weiteren Abklärung sinnvoll sein, selbst wenn keine akuten Entzündungszeichen vorliegen.

Was kann im Liquor untersucht werden?

Im Liquor können verschiedene Parameter untersucht werden, die Hinweise auf entzündliche Prozesse, Infektionen oder andere neurologische Erkrankungen geben können:

  • Zellzahl: Eine erhöhte Zellzahl (Pleozytose) kann auf eine Entzündung oder Infektion hindeuten.
  • Eiweißgehalt: Ein erhöhter Eiweißgehalt kann ebenfalls ein Zeichen für eine Entzündung sein oder auf eine Schädigung der Blut-Hirn-Schranke hindeuten.
  • Glukosegehalt: Ein erniedrigter Glukosegehalt kann auf eine bakterielle Infektion hindeuten.
  • Antikörper: Der Nachweis von spezifischen Antikörpern kann auf eine Infektion (z.B. Borreliose) oder eine Autoimmunerkrankung hindeuten.
  • Oligoklonale Banden: Diese sind ein Hinweis auf eine chronische Entzündung im ZNS, wie sie beispielsweise bei Multipler Sklerose (MS) vorkommt.
  • Zytokine: Die Bestimmung von Zytokinen kann helfen, das Entzündungsprofil im ZNS zu charakterisieren.

Auch wenn im MRT keine aktiven Entzündungen sichtbar sind, können im Liquor noch Hinweise auf frühere Entzündungsprozesse gefunden werden, wie z.B. erhöhte Eiweißwerte oder oligoklonale Banden.

Morbus Behçet und ZNS-Beteiligung

Beim Morbus Behçet kann es zu einer Beteiligung des ZNS kommen, die sich als chronische Meningoenzephalitis manifestieren kann. Die Läsionen treten in der Regel im Hirnstamm, in den Basalganglien und in der tiefen hemisphärischen weißen Substanz auf und können denen der MS ähneln. Die neurologische Beteiligung reicht von aseptischer Meningitis bis zu Gefäßthrombosen wie Dural-Sinus-Thrombose und organischem Hirnsyndrom, die sich mit Verwirrtheit, Krampfanfällen und Gedächtnisverlust manifestieren. Plötzlicher Hörverlust (Sensorineuraler Hörverlust) ist häufig damit verbunden. Sie treten oft spät im Verlauf der Erkrankung auf, sind aber mit einer schlechten Prognose verbunden.

Vaskulitis und ZNS

In seltenen Fällen kann eine Vaskulitis (Gefäßentzündung) isoliert die Hirngefäße betreffen. Bei einer Vaskulitis, die noch andere Gefäße betrifft, gibt es sehr viele unterschiedliche Symptome je nachdem, ob kleine oder größere Gefäße betroffen sind. z.B. Hautveränderungen, Fieber, Gewichtsverlust, Muskelschmerzen, Gefühlsstörungen an Händen/Füßen, Sehstörungen, Nierenfunktionsstörungen und vieles mehr. Im MRT ist eine Vaskulitis nicht immer sichtbar, insbesondere wenn nur die kleinen Gefäße betroffen sind.

Differenzialdiagnose MS

Die im Forum geäußerte Sorge, dass es sich anstelle von SLE (systemischer Lupus erythematodes) auch um MS handeln könnte, ist nachvollziehbar, da einige Symptome überlappen können. Eine Lumbalpunktion kann in diesem Fall helfen, die Diagnose zu sichern oder auszuschließen. Bei MS finden sich häufig oligoklonale Banden im Liquor, die bei SLE in der Regel nicht vorkommen.

Weitere diagnostische Maßnahmen

Neben der Lumbalpunktion gibt es weitere diagnostische Maßnahmen, die bei Verdacht auf eine Vaskulitis oder ZNS-Beteiligung in Erwägung gezogen werden können:

  • MRT mit Kontrastmittel: Um aktive Entzündungen im Gehirn sichtbar zu machen.
  • Angiographie: Um die Blutgefäße im Gehirn darzustellen und Gefäßentzündungen oder -verengungen zu erkennen.
  • EEG (Elektroenzephalographie): Um die Hirnströme zu messen und Krampfanfälle oder andere neurologische Auffälligkeiten zu erkennen.
  • Nervenleitgeschwindigkeitsmessung: Um die Funktion der peripheren Nerven zu überprüfen.
  • Biopsie: In manchen Fällen kann eine Gewebeprobe (z.B. aus der Haut oder einem betroffenen Organ) entnommen werden, um die Diagnose zu sichern.

Wichtigkeit der Arzt-Patienten-Kommunikation

Die Diskussionen im Forum zeigen, wie wichtig eine offene und transparente Kommunikation zwischen Arzt und Patient ist. Es ist wichtig, dass der Arzt die Gründe für die geplante Untersuchung erläutert und die Fragen des Patienten beantwortet. Der Patient sollte sich nicht scheuen, Bedenken zu äußern und nachzufragen, bis er die Situation versteht.

Morbus Behçet: Symptome, Ursachen und Diagnose

Morbus Behçet ist eine seltene, chronisch-entzündliche Erkrankung, die durch eine Auto-Entzündung der Blutgefäße gekennzeichnet ist. Die Ursache ist nicht genau definiert, aber es handelt sich per Definition um ein überaktives Immunsystem handelt, das auf den eigenen Körper des Patienten abzielt. Die Beteiligung einer Teilmenge von T-Zellen (Th17) scheint wichtig zu sein.

Symptome

Die Symptome des Morbus Behçet sind vielfältig und können unterschiedliche Organe betreffen:

  • Haut und Schleimhaut: Schmerzhafte Geschwüre im Mund (aphthöse Geschwüre) und im Genitalbereich. Zusätzlich können Patienten mit Erythema nodosum, kutaner pustulöser Vaskulitis und Läsionen, die Pyoderma gangrenosum ähneln, auftreten.
  • Augen: Entzündliche Augenerkrankung (Uveitis, retinale Vaskulitis), die zu Sehverlust führen kann.
  • Eingeweide: Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall mit oder ohne Blut.
  • Lungen: Bluthusten, Pleuritis, Husten, Fieber. In schweren Fällen kann es zu einem Aneurysma der Lungenarterie kommen, das reißt und zu einer lebensbedrohlichen Blutung führt.
  • Knochen: Arthralgie (Gelenkschmerzen), meist in den großen Gelenken der unteren Extremitäten.
  • Gehirn: Chronische Meningoenzephalitis, die sich mit Verwirrtheit, Krampfanfällen und Gedächtnisverlust manifestieren kann. Plötzlicher Hörverlust ist häufig damit verbunden.
  • Herz: Perikarditis (Herzbeutelentzündung), Aorteninsuffizienz.
  • Blutgefäße: Arterielle und venöse Thrombosen, Aneurysmen.

Ursachen

Die Ursache des Morbus Behçet ist nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass frühere Infektionen die bei der Behçet-Krankheit vorhandenen Autoimmunreaktionen auslösen können. Es wurde über eine Assoziation mit der GIMAP ("GTPase of the immunity-associated protein")-Genfamilie auf dem langen Arm von Chromosom 7 (7q36.1) berichtet. Die betroffenen Gene waren GIMAP1, GIMAP2 und GIMAP4.

Diagnose

Es gibt keine spezifischen pathologischen Tests oder Techniken für die Diagnose der Krankheit. Die Diagnose basiert auf klinischen Befunden, die orale und genitale Ulzerationen, Hautläsionen wie Erythema nodosum, Akne oder Follikulitis, okuläre Entzündungsbefunde und eine pathetische Reaktion umfassen. Entzündungsmarker wie ESR und CRP können erhöht sein. Die Kriterien der Internationalen Studiengruppe für die Krankheit sind sehr empfindlich und spezifisch und umfassen klinische Kriterien und einen Pathergie-Test.

Pathergie-Test

Beim Pathergie-Test wird dem Patienten eine kleine Menge Kochsalzlösung in die Unterarmhaut gespritzt. Bei Erkrankten kommt es innerhalb von 48 Stunden zu einer überschießenden Hautreaktion (deutliche Rötung, Bildung eines sicht- und tastbaren Knötchens, manchmal auch eitergefüllter Bläschen).

Augenärztliche Untersuchung

Eine vollständige augenärztliche Untersuchung kann eine Spaltlampenuntersuchung, eine optische Kohärenztomographie zum Nachweis von Nervenverlusten, Gesichtsfelduntersuchungen, eine fundoskopische Untersuchung zur Beurteilung der Atrophie des Sehnervenkopfes und der Netzhauterkrankung, eine fundoskopische Angiographie und visuell evozierte Potentiale umfassen, die eine erhöhte Latenzzeit aufweisen können.

Liquoranalyse

Die Analyse des Liquors (Liquor) kann einen erhöhten Proteinspiegel mit oder ohne Pleozytose zeigen.

Behandlung

Die derzeitige Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, Entzündungen zu reduzieren und das Immunsystem zu kontrollieren. Eine hochdosierte Kortikosteroidtherapie wird häufig bei schweren Krankheitsmanifestationen eingesetzt. Eine Anti-TNF-Therapie wie Infliximab hat sich bei der Behandlung der mit der Krankheit assoziierten Uveitis als vielversprechend erwiesen. Auch Interferon alpha-2a kann eine wirksame Behandlungsalternative sein, insbesondere bei Genital- und Mundgeschwüren sowie bei okulären Läsionen. Thalidomid wurde auch wegen seiner immunmodifizierenden Wirkung eingesetzt. Immunsuppressiva wie Interferon-alpha- und Tumornekrosefaktor-Antagonisten können die Symptome der okulären Behçet-Krankheit, die trotz Behandlung mit der Zeit fortschreiten kann, verbessern, wenn auch nicht vollständig rückgängig machen. Wenn sich die Symptome auf die Vorderkammer des Auges beschränken, verbessert sich die Prognose. Die posteriore Beteiligung, insbesondere die Beteiligung des Sehnervs, ist ein schlechter prognostischer Indikator. Eine sekundäre Atrophie des Sehnervs ist häufig irreversibel. IVIG könnte eine Behandlung für schwere oder komplizierte Fälle sein.

Epidemiologie

Das Syndrom kommt in den Vereinigten Staaten, Afrika und Südamerika selten vor, ist jedoch im Nahen Osten und in Asien weit verbreitet, was auf eine mögliche Ursache hindeutet, die in diesen tropischen Gebieten endemisch ist. Sie ist nicht mit Krebs assoziiert, und Verbindungen zu Gewebetypen (die derzeit untersucht werden) sind nicht sicher. Sie folgt auch nicht dem üblichen Muster für Autoimmunerkrankungen. Eine Studie hat jedoch einen möglichen Zusammenhang mit Nahrungsmittelallergien, insbesondere mit Milchprodukten, aufgezeigt. Im Vereinigten Königreich schätzt man, dass auf 100.000 Menschen etwa ein Fall kommt. Weltweit sind Männer häufiger betroffen als Frauen.

Schwangerschaft

Da der Morbus Behçet eine interkurrente Erkrankung in der Schwangerschaft ist, hat die Schwangerschaft keinen nachteiligen Einfluss auf den Verlauf des Morbus Behçet und kann möglicherweise dessen Verlauf verbessern. Dennoch gibt es eine erhebliche Variabilität im klinischen Verlauf zwischen den Patienten und sogar für verschiedene Schwangerschaften bei derselben Patientin. Der Morbus Behçet kann zu männlicher Unfruchtbarkeit führen, entweder als Folge der Erkrankung selbst oder als Nebenwirkung von Begleitmedikamenten wie Colchicin, von denen bekannt ist, dass sie die Spermienzahl senken.

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