Morbus Fabry: Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapie einer seltenen Stoffwechselerkrankung

Morbus Fabry, auch bekannt als Fabry-Krankheit, Fabry-Syndrom oder Fabry-Anderson-Krankheit, ist eine seltene, X-chromosomal vererbte Stoffwechselstörung des Glycosphingolipid-Katabolismus. Diese Multisystemerkrankung kann eine Vielzahl von Organen betreffen und ohne Behandlung stetig fortschreiten. Die Erkrankung manifestiert sich durch eine herabgesetzte oder fehlende Aktivität des Enzyms alpha-Galaktosidase A, was zu Ablagerungen von Glykosphingolipiden, insbesondere Globotriaosylceramid (GL-3), in verschiedenen Körperzellen führt. In Deutschland sind derzeit etwa 1.200 Morbus-Fabry-Patienten diagnostiziert, wobei eine hohe Dunkelziffer vermutet wird.

Ursachen von Morbus Fabry

Die Ursache von Morbus Fabry liegt in einem Defekt des GLA-Gens, das für das Enzym alpha-Galaktosidase A (α-GalA) codiert. Dieses Enzym ist für den Abbau von bestimmten Fettstoffen, den Glycosphingolipiden, zuständig. Durch den Gendefekt wird entweder zu wenig oder ein fehlerhaftes Enzym produziert, was zu einer Anreicherung dieser Fettstoffe in den Zellen verschiedener Organe führt.

Da das Gen für das Enzym alpha-Galaktosidase A auf dem X-Chromosom liegt, sind Männer und Frauen unterschiedlich betroffen. Männer haben nur ein X-Chromosom, sodass ein Defekt auf diesem Chromosom direkt zur Erkrankung führt. Frauen haben zwei X-Chromosomen, sodass ein gesundes X-Chromosom den Defekt auf dem anderen Chromosom teilweise kompensieren kann. Daher zeigen Frauen oft eine mildere oder spätere Form der Erkrankung, können aber auch schwer betroffen sein.

Die Vererbung erfolgt X-chromosomal:

  • Ein erkrankter Vater vererbt das defekte X-Chromosom an alle seine Töchter, die somit Trägerinnen der Erkrankung werden. Seine Söhne erhalten das gesunde Y-Chromosom und sind nicht betroffen.
  • Eine Trägerin der Erkrankung hat eine 50%ige Wahrscheinlichkeit, das defekte X-Chromosom an ihre Kinder weiterzugeben, unabhängig vom Geschlecht.

Symptome von Morbus Fabry

Morbus Fabry ist eine Multisystemerkrankung, was bedeutet, dass verschiedene Organe und Gewebe im Körper betroffen sein können. Die Symptome sind vielfältig und können von Patient zu Patient stark variieren. Dies erschwert die Diagnose oft erheblich. Zeitpunkt der Erstmanifestation und Verlauf der Erkrankung sind hochvariabel, häufig beginnen die Beschwerden bereits im Kindesalter.

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Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Schmerzen: Brennende Schmerzen und Missempfindungen (Kribbeln, Taubheit, Ameisenlaufen) in Händen und Füßen (Akroparästhesien) sind oft die ersten Anzeichen und treten bei etwa 80 % der Patienten bereits im Kindesalter (zwischen 5 und 10 Jahren) auf. Diese Schmerzen können anfallartig auftreten (Fabry-Krisen), ausgelöst durch Infektionen, körperliche Belastung, Müdigkeit, Stress oder Wetterveränderungen. Prof. Dr. Lorenz Grigull erinnert sich an einen Jungen, der über Jahre brennende Schmerzen in Händen und Füßen hatte und diese in einem Eimer mit Eiswasser linderte.
  • Hautveränderungen: Angiokeratome, kleine, rötlich-violette Hautflecken, die vor allem am Gesäß, an den Lenden, um den Nabel herum und auf den Oberschenkeln auftreten (Badehosenbereich). Sie können aber auch auf der Innenseite der Lippen oder an den Händen vorkommen.
  • Augenprobleme: Cornea verticillata, speichenförmige Einlagerungen in der Hornhaut, die bei einer Spaltlampenuntersuchung sichtbar werden.
  • Magen-Darm-Beschwerden: Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen.
  • Nierenprobleme: Erhöhte Eiweißausscheidung im Urin (Proteinurie), die unbehandelt zu Nierenversagen führen kann.
  • Herzprobleme: Rhythmusstörungen, Luftnot (vor allem bei Belastung), Verdickung der Herzwand (linksventrikuläre Hypertrophie).
  • Neurologische Probleme: Schlaganfälle, Durchblutungsstörungen im Gehirn, Schwindel, Kopfschmerzen, Hörverlust.
  • Verminderte Schweißproduktion: Betroffene haben oft eine sehr trockene Haut und sind empfindlich gegenüber Temperaturschwankungen und körperlicher Anstrengung.
  • Körperliche Erschöpfung: Bereits bei leichter körperlicher Betätigung tritt schnell Erschöpfung auf.

Es ist wichtig zu betonen, dass nicht alle Patienten alle diese Symptome entwickeln und die Ausprägung der Symptome sehr unterschiedlich sein kann. Manche Patienten haben fast ausschließlich Herz- oder Nierenprobleme, während andere vor allem unter Schmerzen leiden.

Diagnose von Morbus Fabry

Die Diagnose von Morbus Fabry kann aufgrund der vielfältigen und unspezifischen Symptome eine Herausforderung darstellen. Oft vergehen Jahre, bis die richtige Diagnose gestellt wird. Viele Patient:innen erhalten ihre Fabry-Diagnose erst nach jahrelanger Odyssee bei verschiedenen Fachärzt:innen.

Der erste Schritt zur Diagnose ist oft die Erhebung der Krankengeschichte und eine gründliche körperliche Untersuchung. Bei Verdacht auf Morbus Fabry werden dann spezielle Tests durchgeführt:

  • Enzymaktivitätsmessung: Bei Männern wird die Aktivität des Enzyms alpha-Galaktosidase A im Plasma oder in Leukozyten gemessen. Eine verminderte oder fehlende Aktivität ist ein starker Hinweis auf Morbus Fabry.
  • Genetische Untersuchung: Eine genetische Analyse des GLA-Gens kann den Gendefekt bestätigen.
  • Trockenbluttest: Hierzu wird Blut des Patienten auf Filterpapier getropft und getrocknet. Eine verminderte Aktivität der α-GAL A führt zu einem Anstieg des Globotriaosylsphingosinspiegels und hohen Lyso-Gb3-Werten.
  • Weitere Untersuchungen: Je nach Symptomatik können weitere Untersuchungen durchgeführt werden, z.B. eine Nierenbiopsie, eine Herzuntersuchung (EKG, Echokardiographie, MRT), neurologische Untersuchungen oder eine Augenuntersuchung mit der Spaltlampe.

Eine sorgfältige Familienanamnese ist ebenfalls wichtig, da Morbus Fabry eine Erbkrankheit ist und oft mehrere Familienmitglieder betroffen sind. Oft lassen sich Indizien für Fabry in der Verwandtschaft finden (z. B. Dialysepflichtigkeit, Herzinfarkt oder Schlaganfall in jungem Alter).

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Es ist wichtig, dass Ärzt:innen verschiedener Fachrichtungen (Hausärzte, Kinderärzte, Neurologen, Nephrologen, Kardiologen, Augenärzte) an Morbus Fabry denken, insbesondere bei Patienten mit unklaren Symptomen, die auf eine Multisystemerkrankung hindeuten. Prof. Dr. empfiehlt eine interdisziplinäre Zusammenarbeit und hat den "FabryScan" entwickelt, einen Fragebogen mit spezifischen Fragen zur Schmerzqualität und zu bisherigen Fehldiagnosen, um Ärzten bei der Diagnosefindung zu helfen.

Therapie von Morbus Fabry

Obwohl Morbus Fabry nicht heilbar ist, gibt es seit dem Jahr 2001 kausale Behandlungsmöglichkeiten, die den Krankheitsverlauf verlangsamen und die Symptome lindern können.

Die wichtigsten Therapieansätze sind:

  • Enzymersatztherapie (ERT): Hierbei wird das fehlende Enzym alpha-Galaktosidase A gentechnisch hergestellt und dem Patienten regelmäßig per Infusion zugeführt. Die ERT kann die Ablagerung von Glykosphingolipiden in den Zellen reduzieren und so die Organfunktion verbessern. Conny Landgraf nahm im Jahr 2002 an einer Kinder- und Jugendstudie zur Enzymersatztherapie teil und erhielt alle zwei Wochen eine Infusion mit dem Medikament.
  • Chaperon-Therapie: Für bestimmte Patienten mit bestimmten Mutationen im GLA-Gen gibt es Tabletten mit einem anderen Wirkungsprinzip. Sie verändern das entsprechende Enzym, sodass es "besser" wird.
  • Symptomatische Therapie: Zusätzlich zur kausalen Therapie werden die Symptome behandelt, um die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Dazu gehören Schmerzmittel, Medikamente gegen Magen-Darm-Beschwerden, Herzmedikamente und andere Therapien, die auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten sind. Prof. Dr. betont, dass neben der Enzymersatz-Therapie auch eine symptomatische Schmerztherapie wichtig ist.
  • Weitere Therapieansätze: Am Horizont sehe ich noch andere, viel wirksamere Therapien.

Es ist wichtig, dass die Therapie frühzeitig begonnen wird, um Organschäden zu vermeiden oder zu verzögern. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind notwendig, um den Therapieerfolg zu überwachen und die Behandlung gegebenenfalls anzupassen.

Leben mit Morbus Fabry

Morbus Fabry ist eine chronische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen kann. Die Schmerzen, die Müdigkeit und die vielfältigen anderen Symptome können den Alltag erschweren und die Lebensqualität einschränken.

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Es ist wichtig, dass Patienten mit Morbus Fabry eine gute medizinische Versorgung erhalten und Zugang zu spezialisierten Zentren haben. Auch psychologische Unterstützung und der Austausch mit anderen Betroffenen können sehr hilfreich sein. Conny Landgraf engagiert sich in der Selbsthilfe und rät jedem Fabry-Betroffenen, in Kontakt mit anderen Betroffenen zu treten.

Trotz der Herausforderungen, die Morbus Fabry mit sich bringt, ist es möglich, ein erfülltes Leben zu führen. Conny Landgraf sagt: "Ich lebe dauerhaft mit Schmerzen am gesamten Körper. Ich stehe mit Schmerzen auf und gehe mit Schmerzen ins Bett. Nach über 28 Jahren ist es für mich leichter, anzugeben, was mir nicht wehtut. … Ich arbeite, fahre in den Urlaub und genieße jeden Tag so gut es geht."

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