Morbus Parkinson und erhöhte Trinkmenge: Ursachen und Management

Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die sich auf die Bewegung auswirkt. Obwohl die Krankheit selbst nicht direkt zu einer erhöhten Trinkmenge führt, können verschiedene Begleitumstände und Komplikationen bei Parkinson-Patienten Polydipsie (erhöhten Durst) und eine damit verbundene erhöhte Flüssigkeitsaufnahme verursachen. Dieser Artikel untersucht die möglichen Ursachen für eine erhöhte Trinkmenge bei Morbus Parkinson und bietet Informationen zum Management.

Einführung

Morbus Parkinson ist durch den Verlust von Dopamin-produzierenden Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet. Dies führt zu den bekannten motorischen Symptomen wie Zittern, Steifheit, Bewegungsverlangsamung und Haltungsinstabilität. Neben diesen motorischen Symptomen können auch nicht-motorische Symptome auftreten, die indirekt die Trinkmenge beeinflussen können.

Mögliche Ursachen für erhöhte Trinkmenge bei Morbus Parkinson

Mehrere Faktoren können bei Parkinson-Patienten zu einer erhöhten Trinkmenge führen:

1. Medikamentennebenwirkungen

  • Anticholinergika: Diese Medikamente werden manchmal zur Behandlung von Tremor und anderen Parkinson-Symptomen eingesetzt. Sie können jedoch als Nebenwirkung Mundtrockenheit verursachen, was zu vermehrtem Trinken führt.
  • ACE-Hemmer und Diuretika: Diese Medikamente werden zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt, der bei Parkinson-Patienten vorkommen kann. Diuretika erhöhen die Urinausscheidung, was zu Flüssigkeitsverlust und Durst führen kann. ACE-Hemmer können in Kombination mit Diuretika ebenfalls zu einem erhöhten Flüssigkeitsverlust führen.
  • L-Dopa: Obwohl L-Dopa das Hauptmedikament zur Behandlung von Parkinson ist, kann es in einigen Fällen zu Übelkeit und Erbrechen führen, was wiederum zu Dehydration und erhöhtem Durst führen kann.

2. Begleiterkrankungen

  • Diabetes mellitus: Ein unzureichend eingestellter oder noch nicht erkannter Diabetes mellitus kann zu einer erhöhten Blutzuckerkonzentration führen. Der überschüssige Zucker wird über den Urin ausgeschieden, wodurch vermehrt Wasser ausgeschieden wird und Durst entsteht.
  • Diabetes insipidus: Diese hormonelle Störung führt dazu, dass die Nieren den Harn nicht mehr gut konzentrieren können, was zu einer sehr hohen Urinausscheidung führt.
  • Herzinsuffizienz: Obwohl Herzinsuffizienz oft mit Flüssigkeitsretention einhergeht, kann sie auch zu einer erhöhten Trinkmenge führen, insbesondere wenn Diuretika zur Behandlung der Symptome eingesetzt werden.
  • Nierenerkrankungen: Chronische Nierenerkrankungen können die Fähigkeit der Nieren beeinträchtigen, den Flüssigkeitshaushalt zu regulieren, was zu erhöhtem Durst führen kann.
  • Morbus Basedow: Diese Form der Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) kann ebenfalls zu erhöhtem Durstgefühl führen.

3. Verhaltensfaktoren

  • Trockener Mund: Viele ältere Menschen leiden unter trockenem Mund, was durch Medikamente, Speicheldrüsenfunktionsstörungen oder einfach durch den Alterungsprozess verursacht werden kann. Dies kann zu vermehrtem Trinken führen, um den Mund feucht zu halten.
  • Veränderungen im Durstempfinden: Mit zunehmendem Alter kann das Durstempfinden abnehmen, was dazu führt, dass ältere Menschen nicht ausreichend trinken. Um dies auszugleichen, trinken manche Menschen möglicherweise mehr als nötig, um sicherzustellen, dass sie ausreichend hydriert sind.
  • Gewohnheit: Einige Menschen entwickeln die Gewohnheit, regelmäßig zu trinken, auch wenn sie keinen Durst haben. Dies kann durch soziale Faktoren, Stress oder einfach durch Langeweile bedingt sein.
  • Übermäßige Flüssigkeitsaufnahme am Abend: Übermäßige Flüssigkeitsaufnahme am Abend kann zu vermehrtem Harndrang in der Nacht führen (Nykturie).

4. Neurologische Faktoren

  • Schluckstörungen: Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Demenz, entzündliche Muskel- oder neuromuskuläre Erkrankungen sowie ein Schlaganfall gehen häufig mit Schluckstörungen einher. Aus Angst vor Verschlucken oder einem Hustenanfall wird die Trinkmenge häufig reduziert. Um dem entgegenzuwirken, wird mehr getrunken.
  • Demenz: Menschen, die an Demenz erkrankt sind, benötigen im Verlauf ihrer Erkrankung zunehmend Unterstützung und Betreuung. Das Achtgeben auf eine regelmäßige und ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist sehr wichtig, da das Trinken aufgrund der Erkrankung vergessen werden kann.

5. Andere Faktoren

  • Fieberhafte Erkrankungen: Bei Fieber steigt die Körpertemperatur, was zu vermehrtem Schwitzen und Flüssigkeitsverlust führt.
  • Akute Erkrankungen mit Durchfall oder Erbrechen: Diese Erkrankungen führen zu einem erheblichen Flüssigkeits- und Elektrolytverlust.
  • Trockene Raumluft: Trockene Heizungsluft im Winter kann zu einer Austrocknung der Schleimhäute führen, was zu vermehrtem Durstgefühl führt.

Symptome und Anzeichen einer Dehydration

Es ist wichtig, die Anzeichen einer Dehydration zu erkennen, insbesondere bei älteren Menschen, da das Durstempfinden oft reduziert ist. Zu den Symptomen gehören:

  • Trockener Mund
  • Rissige Lippen
  • Trockene Achselhöhlen und Schleimhäute
  • Kopfschmerzen und Konzentrationsprobleme
  • Reduzierte Harnmenge
  • Dunkel gefärbter und intensiv riechender Urin
  • Müdigkeit und Kreislaufbeschwerden
  • Verminderte Hautspannung (stehende Hautfalten)

Management der erhöhten Trinkmenge bei Morbus Parkinson

Das Management der erhöhten Trinkmenge bei Morbus Parkinson umfasst die Behandlung der zugrunde liegenden Ursache und die Anpassung der Flüssigkeitsaufnahme an die individuellen Bedürfnisse des Patienten.

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1. Ärztliche Beratung

  • Medikamentenüberprüfung: Überprüfen Sie die Medikamentenliste des Patienten auf mögliche Ursachen für Mundtrockenheit oder erhöhten Durst. Sprechen Sie mit dem Arzt über mögliche Alternativen oder Dosisanpassungen.
  • Abklärung von Begleiterkrankungen: Untersuchen Sie den Patienten auf mögliche Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus, Diabetes insipidus, Herzinsuffizienz oder Nierenerkrankungen.
  • Individuelle Trinkmengenempfehlung: Besprechen Sie die individuelle tägliche Flüssigkeitszufuhr mit dem Arzt, insbesondere bei Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen oder Herzschwäche.

2. Verhaltensänderungen

  • Regelmäßige Flüssigkeitszufuhr: Ermutigen Sie den Patienten, regelmäßig über den Tag verteilt zu trinken, auch wenn er keinen Durst verspürt.
  • Vermeidung von übermäßiger Flüssigkeitsaufnahme am Abend: Reduzieren Sie die Flüssigkeitsaufnahme in der Stunde vor dem Schlafengehen, um Nykturie zu vermeiden.
  • Anpassung der Trinkgewohnheiten: Vermeiden Sie zuckerhaltige Getränke und koffeinhaltige Getränke, da diese den Flüssigkeitshaushalt negativ beeinflussen können.
  • Schlafhygiene: Achten Sie auf eine gute Schlafhygiene, um Schlafstörungen zu minimieren, die zu einer erhöhten Trinkmenge führen können.

3. Ernährungsumstellung

  • Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Ballaststoffen, um Verstopfung zu vermeiden, die zu Unwohlsein und vermehrtem Trinken führen kann.
  • Vermeidung von stark eiweißhaltigen Mahlzeiten: Parkinson-Patienten, die L-Dopa erhalten, sollten die Medikation zeitversetzt zu ihren Mahlzeiten einnehmen, da Eiweiß die Aufnahme von L-Dopa beeinträchtigen kann.

4. Hilfsmittel

  • Befeuchtung der Raumluft: Verwenden Sie Luftbefeuchter, um die Raumluft feucht zu halten, insbesondere im Winter.
  • Hilfsmittel bei Schluckstörungen: Bei Schluckstörungen können spezielle Andickungsmittel für Flüssigkeiten oder angepasste Trinkbecher hilfreich sein.
  • WC-Stuhl oder Urinalkondom: Bei Nykturie und eingeschränkter Mobilität kann ein WC-Stuhl oder ein Urinalkondom die nächtlichen Toilettengänge erleichtern.

5. Bewegung und Physiotherapie

  • Regelmäßige Bewegung: Fördern Sie regelmäßige Bewegung, um die Herz-Kreislauf-Funktion zu verbessern und die Darmtätigkeit anzuregen.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit zu verbessern und Stürze zu vermeiden, was indirekt die Flüssigkeitsaufnahme beeinflussen kann.

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