Ein MRT-Befund, der einen Fleck im Rückenmark zeigt, kann viele Fragen aufwerfen. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen solcher Flecken, die diagnostischen Verfahren und die verschiedenen Therapieansätze. Ziel ist es, ein umfassendes Verständnis für Betroffene und Interessierte zu schaffen.
Einführung
Ein Fleck im Rückenmark, der durch Magnetresonanztomographie (MRT) sichtbar gemacht wird, ist ein bildmorphologisches Zeichen, das auf verschiedene zugrunde liegende Ursachen hindeuten kann. Es ist wichtig zu verstehen, dass ein solcher Befund nicht zwangsläufig eine schwerwiegende Erkrankung bedeutet, sondern weitere Untersuchungen erfordert, um die genaue Ursache zu ermitteln.
Ursachen für Flecken im Rückenmark
Die Ursachen für Flecken im Rückenmark sind vielfältig und können in verschiedene Kategorien eingeteilt werden:
Entzündliche Erkrankungen
Entzündliche Erkrankungen können zu Veränderungen im Rückenmark führen, die im MRT als Flecken sichtbar werden. Hierzu gehören:
- Multiple Sklerose (MS): MS ist eine chronische Entzündung, bei der die schützenden Hüllen der Nerven im Gehirn und Rückenmark geschädigt werden. Die typischen Entzündungsherde ("Läsionen") erscheinen in der Bildgebung als helle, klar abgrenzbare Flecken im Nervengewebe. Mit Kontrastmittel kann man zudem erkennen, ob es sich um frische, aktive Entzündungen oder ältere, vernarbte Herde handelt.
- Myelitis: Eine Myelitis ist eine Entzündung des Rückenmarks, die meist durch bestimmte Infektionskrankheiten ausgelöst wird.
- Rheumatoide Arthritis: Diese Autoimmunerkrankung kann auch die Halswirbelsäule befallen und dort entzündliche Prozesse verursachen, die Knochen und Bandapparat zerstören können.
- Spondylitis ankylopoetica (Morbus Bechterew): Diese rheumatische Erkrankung beginnt meist am Kreuz-Darmbein-Gelenk und kann durch aufsteigende Entzündung Wirbelgelenke und ganze Wirbelabschnitte zerstören.
Degenerative Veränderungen
Degenerative Veränderungen im Laufe des Lebens können ebenfalls Flecken im Rückenmark verursachen:
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- Myelopathie/Myelomalazie: Unter einer Myelopathie versteht man das klinische Bild einer Schädigung des Rückenmarks, die in unterschiedlichen Schweregraden vorliegen kann. Die Myelomalazie wird im Deutschen mit Rückenmarkserweichung übersetzt und bedeutet eine fortgeschrittene Rückenmarksschädigung, die der Arzt bildmorphologisch (mit Hilfe eines MRT) erkennen kann. Insbesondere bei den häufig vorkommenden, chronischen Verläufen eines Bandscheibenvorfalls kann eine Myelomalazie (Myelopathie) auftreten. Die Wahrscheinlichkeit einer Myelomalazie steigt, wenn Verkalkungen bzw. Knochenanbauten (Osteophyten) eine dauerhafte Druckwirkung auf das Rückenmark ausüben. Der Radiologe erkennt die Myelomalazie als eine punktförmige oder eine linienförmige Myelopathie, einen weißen Fleck auf den Röntgenbildern. Die punktförmige und linienförmige Myelomalazie können radiologisch bzw. bildmorphologisch auch in Kombination vorliegen. Eine Myelopathie ist in den meisten Fällen eine degenerative Schädigung, die über die Zeit und mit steigendem Alter durch Fehlhaltungen, den Abbau der Gelenke und Bandscheiben, oder auch Unfälle und Verletzungen ausgelöst wird.
Vaskuläre Ursachen
Durchblutungsstörungen können ebenfalls zu Flecken im Rückenmark führen:
- Durchblutungsstörungen: Per MRT lassen sich Durchblutungsstörungen schon in den ersten Stunden darstellen: In speziellen Sequenzen wirken betroffene Areale heller, weil das geschädigte Gewebe Wasser anders speichert.
Tumore
Spinale Tumore können ebenfalls als Flecken im MRT sichtbar werden:
- Spinale Tumore: Spinale Tumore sind gut- oder bösartige Geschwulste, die im Rückenmark, an seinen Anhangsgebilden oder an der Wirbelsäule auftreten. Je nach ihrer anatomischen Lagebeziehung zur harten Rückenmarkshaut (Dura), die die Nervenstrukturen im Spinalkanal umhüllt, teilen wir spinale Tumore in außerhalb und innerhalb (extradural beziehungsweise intradural) wachsende Tumore. Im Rückenmark wachsend drückt dieser spinale Tumor von innen heraus das Rückenmark und führt zu Funktionsstörungen.
Innerhalb wachsende Tumore
Im Rückenmark (intramedullär):
- Ependymome
- Astrozytome
- Hämangioblastome
Außerhalb des Rückenmarks (extramedullär):
- Meningeome
- Neurinome
- Ependymome
Außerhalb wachsende Tumore
- Metastasen
- Plasmozytome
- Lymphome
- Sarkome
- Osteome
- Chordome
- Chondrome
Infektiöse Ursachen
Infektionen können ebenfalls zu entzündlichen Veränderungen im Rückenmark führen:
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- Infektiöse Spondylodiszitis: Eine infektiöse Spondylodiszitis tritt meistens an der unteren Brust- und Lendenwirbelsäule auf. Über die Blut- oder Lymphbahnen können Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten die Wirbelsäule befallen.
Verletzungen
Verletzungen durch Unfälle oder Bandscheibenvorfälle lassen sich ebenfalls erkennen, weil Druck auf das Rückenmark oder Unterbrechungen der Nervenbahnen deutlich sichtbar werden.
Andere Ursachen
- Zufallsbefunde: Die immer detailgenaueren MRT-Bilder bringen aber auch ein Problem mit sich. Denn es häufen sich Zufallsbefunde. Neuroradiologen entdecken also eine Hirnveränderung, obwohl der Patient bisher gar keine entsprechenden Beschwerden hat.
Symptome
Die Symptome, die mit einem Fleck im Rückenmark einhergehen, können je nach Ursache und Lage des Flecks variieren. Einige häufige Symptome sind:
- Rückenschmerzen: Teilweise reißende Nervenschmerzen am Rücken, die in den Arm oder das Bein ausstrahlen und nicht wesentlich von Belastung, Körperposition oder Tageszeit abhängig sind. Rückenschmerzen, die nach einer Belastung stärker werden, können ein Hinweis auf eine Wirbelsäulenentzündung sein.
- Neurologische Ausfälle: Beeinträchtigt der Tumor Nervenstrukturen, kommt es zu neurologischen Ausfällen: Hier können sich schleichend zunehmende Taubheitsgefühle oder eine andersartige Gefühlsstörung, zunächst unbemerkte, dann zunehmende und sich komplex darstellende Lähmungen, eine Blasen-und Mastdarmentleerungsstörung und auch eine Sexualfunktionsstörung einstellen. Sensibilitätsstörungen wie zum Beispiel Kribbeln, leichte Schmerzen oder Taubheitsgefühle können ebenfalls in den Armen auftauchen. In fortgeschrittenen Fällen erfahren die Betroffenen oft diffuse Missempfindungen der distalen unteren Extremitäten, also der Beine im unteren Bereich und der Füße. Oft tauchen auch gesteigerte Muskeleigenreflexe auf, oder die sogenannten „Pyramidenbahnzeichen“.
- Unsicheres Gehen: Das klassische Bild einer Myelopathie manifestiert sich zum Beispiel in einem unsicherem Gehen der Patientin oder des Patienten.
- Blasen- und Mastdarmentleerungsstörungen:
- Sexualfunktionsstörungen:
Diagnostik
Die Diagnostik bei Verdacht auf einen Fleck im Rückenmark umfasst verschiedene Verfahren:
- Anamnese und körperliche Untersuchung: Die Grundlage jeder Diagnostik ist die Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) und eine gründliche körperliche Untersuchung.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Bei Verdacht auf einen spinalen Tumor veranlassen wir eine Bildgebung der Wirbelsäule, in der Regel eine Kernspintomographie (MRT) und gegebenenfalls ergänzend eine Computertomographie (CT). Eine MRT der Wirbelsäule liefert eine präzise Diagnose, indem sie hochauflösende Bilder von Bandscheiben, Nerven und Weichteilen erstellt - und das ganz ohne Strahlenbelastung. Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist ein bildgebendes Verfahren, das mithilfe eines starken Magnetfelds und Radiowellen detaillierte Aufnahmen des Körperinneren erzeugt. Im Gegensatz zur Computertomographie (CT) oder zum Röntgen kommt sie ohne ionisierende Strahlung aus. Dies macht die MRT besonders sicher - auch für wiederholte Untersuchungen. Eine MRT der Wirbelsäule kann gezielt einzelne Abschnitte oder die gesamte Wirbelsäule untersuchen: MRT der Halswirbelsäule (HWS) - zur Abklärung von Nacken- und Armschmerzen, Bandscheibenvorfällen oder Nervenkompressionen. MRT der Brustwirbelsäule (BWS) - häufig zur Diagnose von Entzündungen, Frakturen oder Tumoren. MRT der Lendenwirbelsäule (LWS) - besonders wichtig bei Ischiasbeschwerden, Bandscheibenschäden oder degenerativen Erkrankungen. MRT der kompletten Wirbelsäule - empfohlen, wenn mehrere Abschnitte betroffen sein könnten, z. B. bei multipler Sklerose (MS) oder entzündlichen Erkrankungen.
- Computertomographie (CT): Gegebenenfalls ergänzend zur MRT.
- Röntgenaufnahmen: Anhand von Röntgenaufnahmen wird das Ausmaß der Deformitäten und Destruktionen an Wirbeln und Bandscheiben sichtbar.
- Neurophysiologische Untersuchungen: Neurophysiologische Untersuchungen differenzieren die Schäden an Nerven und Rückenmark genau.
- Histologische und mikrobiologische Untersuchungen: Histologische und mikrobiologische Untersuchungen können den Erreger der entzündlichen Wirbelerkrankung (infektiösen Spondylodiszitis) nachweisen. Dies ist die Grundlage für die erfolgreiche Behandlung.
- Blutuntersuchungen: Blutwerte, Röntgen oder Ultraschall liefern dann nicht immer eindeutige Ergebnisse.
Therapie
Die Therapie richtet sich nach der Ursache des Flecks im Rückenmark:
- Operation: Die Therapie der Wahl ist daher die Operation. Mit dieser erreichen wir eine Druckentlastung. Das Vorgehen der Operation hängt ganz von der Lage, Größe des Tumors sowie der weiteren Befunde in der Diagnostik ab. Auch die Dynamik der aufgetretenen Beschwerden ist wichtig, um den Zeitpunkt der Operation zu bestimmen. Wir betreuen Sie nach einem solchen Eingriff in unseren MVZ-Sprechstunden. Es wird in diesem Rahmen mit Ihnen nicht nur die operative Nachsorge besprochen, sondern je nach Tumorart auch eine weitere individuelle Behandlung geplant. Bei einer Operation geht es vor allem darum, eine Entlastung des verengten Nervenkanals an der entsprechenden Stelle zu erreichen. Je nach der Pathologie und der Ursache der Spinalkanalverengung, kommt hier in den meisten Fällen eine mikrochirurgische Dekompression des Rückenmarkkanals von vorne mit entsprechenden Fusionen bzw. Wirbelkörperersatz in Betracht. Dies bedeutet, durch eine entsprechende Abtragung von Anteilen der Wirbelknochen und Bandscheiben, wird den Nervensträngen im Wirbelkanal wieder ausreichend Platz geschaffen. In den letzten Jahren haben bei der Myelomalazie auch Bandscheibenersatzverfahren vermehrt Anwendung gefunden. In einem OP Verfahren können entzündliche Defekte der Wirbelsäule durch körpereigenes Knochenmaterial aus Beckenkamm, Wadenbeinspan oder Rippenspan rekonstruiert werden. Auch die Versteifung des betroffenen Wirbelsegmentes kann die Wirbelsäule stabilisieren. Eine Dekompression des Spinalkanals und Rückenmarks befreit die Wirbelsäule von Druck. Man kann unter dem Strich sagen, dass wenn man die Läsion ohne große Risiken für das Kind operieren kann, dass etwas 80 Prozent der Kinder anfallsfrei werden, sie haben natürlich über eine Zeitdauer noch Medikamente, die sie nehmen, aber auch das gibt es Bestrebungen, die zu reduzieren, unterm Strich kann man sagen: 80 Prozent werden anfallsfrei.
- Konservative Behandlung: Je nach Befund und Grad der Entzündung können konservative Behandlungsmethoden erfolgreich sein und die Entzündung abheilen. Konservative Maßnahmen wie Krankengymnastik, Entzündungshemmer, Muskelrelaxantien und Schmerzmittel unterstützen. Bettruhe über mehrere Wochen und die Gabe antibiotischer, erregerspezifischer Medikamente ist bei der Behandlung der entzündlichen Wirbelerkrankung (infektiösen Spondylodiszitis) Pflichtprogramm.
- Medikamentöse Therapie: Bei entzündlichen Erkrankungen kommen Entzündungshemmer und Immunsuppressiva zum Einsatz. Bei bakteriellen Infektionen werden Antibiotika eingesetzt.
Spezialisten
Bei der Behandlung von Erkrankungen, die zu Flecken im Rückenmark führen können, sind verschiedene Spezialisten beteiligt:
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- Neurochirurgen: Priv.-Doz. Dr. med. Berk Orakcioglu ist Spezialist für Wirbelsäulenchirurgie. Der Neurochirurg leistet hochanspruchsvolle Operationen mit einem Höchstmaß an Sicherheit und Präzision. DR. Der wissenschaftlich engagierte Neurochirurg Dr. Jason Perrin hat sich früh für die Wirbelsäulenchirurgie entschieden und deckt das gesamte Spektrum ab.
- Radiologen: PD Dr. Gunther Fesl als niedergelassener Radiologe in der Praxis Radiologie Augsburg Friedberg ÜBAG u. Radiologische Privatpraxis H15 tätig. PD Dr. med. Johann-Martin Hempel ist Experte für Neuroradiologie und Kopf-Hals-Radiologie. Er hat lange Jahre an der Universitätsklinik der Eberhard Karls-Universität Tübingen praktiziert und dort habilitiert. Dr. med. Nikolaus Loehr ist Facharzt für Radiologie mit Schwerpunkt in der MRT des Bewegungsapparates. Er hat in der Unfallchirurgie publiziert und promoviert. Prof. Dr. med. Lorenz Jäger ist Experte für HNO-, Neuro-, muskuloskelettale und onkologische Radiologie. Seit 2018 hat er zwei Gastprofessuren inne. PD Dr. med. Markus Zimmermann ist Experte für interventionelle Radiologie sowie abdominelle Bildgebung mit Schwerpunkt in der CT- und MRT-Diagnostik der Leber. Dr. med. Matthias Wagner ist Experte für pediatrische Neuroradiologie. Seine jahrelange Erfahrung sammelte er in der Schweiz, den USA und Kanada. Dr. med. Michael Ho ist Facharzt für Radiologie. Er ist Experte für die Bildgebung der peripheren Nerven. Er ist Geschäftsführer und Mitgründer von ARISTRA. Prof. Dr. med. Philipp Bäumer ist Facharzt für Radiologie mit der Zusatzbezeichnung Neuroradiologie. Er ist Experte für die Bildgebung peripherer Nerven. Prof. Shinji Naganawa ist Pionier der Innenohrbildgebung und beschäftigt sich seit über 25 Jahren mit der Optimierung der MR-Protokolle von Innenohrpathologien. PD Dr. med. Erika Jung-Ulbrich ist Expertin für muskuloskelettale Radiologie mit Schwerpunkt in der MRT des Bewegungsapparates. Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Lubienski ist Facharzt für Radiologie und Experte für Abdominalradiologie, Muskuloskelettalradiologie sowie Interventionelle Radiologie. Dr. med. Michael Willert ist Facharzt für diagnostische Radiologie und spezialisiert auf den Bewegungsapparat, die Prostata und die Onkologische Bildgebung. Dr. med. Kai-Thorsten Müller hat langjährige Erfahrung in der muskuloskelettalen Radiologie (MSK), Neurologie, der Abdominellen Bildgebung und der MR-Mammographie. Dr. med. Kira Lutz ist Fachärztin für Radiologie mit einem Schwerpunkt auf Neuroradiologie. Sie hat unter anderem an der Universitätsklinik Heidelberg geforscht. Dr. med. Corin Hild ist Fachärztin für Radiologie mit Schwerpunkt für muskuloskelettale Radiologie. Ihr besonderes Interesse gilt sportmedizinischen Fragestellungen. Dr. med. Andreas Kasperczyk ist Facharzt für Radiologie und Experte im Bereich Muskuloskelettale Radiologie, der Kiefergelenke (CMD) und der MR-Mammografie. Prof. Wibke Müller-Forell ist emeritierte Professorin der Universität Mainz und leitete dort kommissarisch das Institut für Neuroradiologie. Jonas Roesler hat seine Weiterbildung zum Facharzt für Radiologie in verschiedenen Krankenhäusern mit internistischen und chirurgischen Schwerpunkten absolviert. PD Dr. med. Yasemin Tanyildizi ist Fachärztin für Radiologie. Sie ist Expertin für Neuroradiologie und hat lange Jahre an der Universitätsmedizin Mainz geforscht. Dr. med. Andrea Godau hat ihre Ausbildung an der Universitätsklinik Freiburg absolviert. Sie besitzt eine Spezialisierung im Bereich Neuroradiologie.
- Orthopäden:
- Neurologen:
- Rheumatologen:
- HNO-Ärzte: Dr. med. Yvonne Böckenfeld ist Fachärztin für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde in Karlsruhe.
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