Eine Nervenwurzelkompression, oft eine Folge eines Bandscheibenvorfalls oder einer Verengung im Nervenloch, kann sehr quälende Schmerzen verursachen. Um Nervenschäden zu vermeiden, sind eine frühzeitige Diagnose und gezielte Therapie entscheidend.
Was ist eine Nervenwurzelkompression?
Eine Nervenwurzelkompression ist ein medizinischer Zustand, bei dem Druck auf eine Nervenwurzel eines Spinalnervs ausgeübt wird, der aus dem Rückenmark im Bereich der Wirbelsäule austritt. Die mechanische Kompression beeinträchtigt die Funktion der Nervenfasern und kann je nach Ursache und Ausdehnung zu einer Nervenschädigung führen.
Ursachen einer Nervenwurzelkompression
Theoretisch kann eine Nervenwurzelkompression überall an der Wirbelsäule auftreten. Besonders häufig findet man sie jedoch an der Hals- (HWS) und Lendenwirbelsäule (LWS). Es gibt verschiedene Ursachen für eine Nervenwurzelkompression, die oft mit degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule zusammenhängen.
Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps)
Ein Bandscheibenvorfall ist ein häufig vorkommendes Krankheitsbild und eine häufige Ursache einer Nervenwurzelkompression. Dabei kommt es zu einer Schädigung der Faserhülle (Anulus pulposus) der Bandscheibe, sodass Material aus dem Inneren, der sogenannte Gallertkern (Nucleus pulposus), austritt. Dieses austretende Material kann sich dann im Spinalraum ausbreiten und Druck auf die Nervenwurzeln der Spinalnerven ausüben. Bandscheiben dienen der Federung der Wirbelsäule zwischen den knöchernen Wirbelkörpern. Durch falsche Belastung oder ein Trauma kann die Bandscheibe verletzt werden und einen Diskusprolaps mit Heraustreten des Gallertkerns hervorrufen. Typischerweise sind Menschen zwischen dem 30. und dem 50. Lebensjahr betroffen. Ein Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule ist ein in Deutschland weitverbreitetes Krankheitsbild und die häufigste Ursache einer Nervenwurzelkompression.
Neuroforamenstenose
Eine Neuroforamenstenose beschreibt einen Zustand, bei dem die Neuroforamina stenosiert, also verengt sind. Neuroforamina sind Öffnungen der knöchernen Wirbelsäule, durch die Nerven den Spinalkanal verlassen und in Richtung Arme und Beine verlaufen, um diese zu innervieren. Im Rahmen einer Neuroforamenstenose kommt es durch angeborene oder degenerative Verengungen der knöchernen Öffnungen zu einer Kompression der Nerven, die durch die entsprechenden Foramina ziehen.
Lesen Sie auch: Gehirnaufbau: Eine leicht verständliche Einführung
Spinalkanalstenose
Wenn mit zunehmendem Alter die Beine unter Belastung beim Stehen oder Gehen müde werden, kann es sich um eine sogenannte Spinalkanalstenose handeln. Bei dieser Erkrankung wird aufgrund von degenerativen Veränderungen der Wirbelkanal, in dem die Nerven laufen, im Laufe der Jahre langsam immer enger. Betroffene sind in Ruhe weitgehend beschwerdefrei, klagen allerdings typischerweise über ausstrahlende Schmerzen im Gesäß und in den Beinen unter Belastung beim Stehen und Gehen. Die Gehstrecke ist zunehmend eingeschränkt, häufig einhergehend auch mit einer Gangunsicherheit. Taubheits- und/oder Kribbelgefühle können ebenfalls begleitend vorliegen. Unter Entlastung (Sitzen, Liegen) kommt es zu einer Beschwerdelinderung. Die Betroffenen müssen beim Gehen immer häufiger Pausen einlegen (sogenannte „Schaufensterkrankheit“).
Im Inneren der Wirbelsäule befindet sich der Wirbelkanal (Spinalkanal). Hier verlaufen wie in einem Rohr geschützt die Nerven. Auf jeder Etage der Wirbelsäule treten Spinalnerven aus dem Wirbelkanal aus, werden zu peripheren Nerven und ziehen von hier in die Beine. Bei einer Spinalkanalverengung (Stenose) kommt es zu einer Einengung mit einer Kompression und Druck auf die Nerven innerhalb des Wirbelkanals. Die erworbene Spinalkanalstenose tritt vor allem an der Lendenwirbelsäule (Spinalkanalstenose LWS) und an der Halswirbelsäule (Spinalkanalstenose HWS) auf. In der Regel führen Arthrosen der Wirbelgelenke und Verdickungen von Bändern, aber auch Vorwölbungen der Bandscheibe im Wirbelkanal zu der Verengung des Nervenkanals.
Weitere Ursachen
Neben den genannten Ursachen können auch andere Faktoren zu einer Nervenwurzelkompression führen:
- Muskuläre Dysbalancen: Ein Ungleichgewicht zwischen den Muskelpartien, das heißt Spieler und Gegenspieler (z.B. Rückenmuskulatur gegenüber Brust- und Bauchmuskulatur), kann Fehlhaltungen begünstigen und Folgen wie einen Bandscheibenvorfall und somit Nervenwurzelkompressionen hervorrufen.
- Knöcherne Fehlstellungen: Neben Fehlhaltungen, die durch muskuläre Dysbalancen entstehen, gibt es auch jene, die durch knöcherne Fehlstellungen hervorgerufen werden.
- Raumforderungen: Tumore oder Zysten können ebenfalls Druck auf die Nervenwurzeln ausüben.
- Entzündungen: Entzündliche Prozesse im Bereich der Wirbelsäule können zu einer Kompression der Nervenwurzeln führen.
Symptome einer Nervenwurzelkompression
Eine Nervenwurzelkompression kann unter Umständen schwierig zu erkennen sein, da sie abhängig von der individuellen Ursache, der Lokalisation und dem Ausmaß der Kompression unterschiedliche Symptome verursacht. Wenn der Nervenplexus mit an der Kompression beteiligt ist, können die Symptome komplexer sein.
Die Symptome einer Spinalkanalstenose können unterschiedlich sein. Bei einer Wirbelkanalverengung an der Lendenwirbelsäule (LWS) treten die Beschwerden in den Beinen in der Regel unter Belastung beim Stehen und Gehen auf, wohingegen die Betroffenen in Ruhe weitgehend beschwerdefrei sein. Die Beine fühlen sich beim Gehen schwer und müde an, eine Gangunsicherheit kann auftreten. Außerdem nehmen die Betroffene häufig eine gebückte und nach vorne geneigte Haltung ein (zum Beispiel Abstützen auf dem Einkaufswagen), da hierdurch der enge Wirbelkanal leicht aufgeweitet wird.
Lesen Sie auch: Wie ein Schädel-Hirn-Trauma zu Demenz führen kann
Häufige Beschwerden der Spinalkanalstenose sind Rückenschmerzen, die beim Gehen auftreten und bis in die Beine ausstrahlen können. Typischerweise müssen die Patienten/-innen beim Gehen nach einer gewissen Strecke aufgrund der auftretenden Schmerzen stehenbleiben. Nach einiger Zeit des Stehens kommt es dann zur Besserung der Beschwerden und sie können wieder weitergehen. Es kommt also zu einer erheblichen Minderung der Gehstrecke, in extremen Fällen sind nur noch einige Meter möglich. Begleitend können durch die Kompression der Nerven Missempfindungen, z.B. Gefühlsstörungen in den Beinen, auftreten.
Typische Symptome sind:
- Schmerzen: Die Schmerzen können in das Versorgungsgebiet der betroffenen Nervenwurzel ausstrahlen. Bei einer Wurzelkompression im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule strahlen die Schmerzen häufig in die Beine aus.
- Sensibilitätsstörungen: Taubheitsgefühle, Kribbeln oder andere Missempfindungen können im Versorgungsgebiet der betroffenen Nervenwurzel auftreten.
- Muskelschwäche: In schweren Fällen kann es zu einer Schwäche oder Lähmung der Muskeln kommen, die von der betroffenen Nervenwurzel versorgt werden.
- Reflexveränderungen: Die Reflexe können abgeschwächt oder verstärkt sein.
- Einschränkung der Beweglichkeit: Schmerzen und Muskelverspannungen können die Beweglichkeit der Wirbelsäule einschränken.
Diagnose einer Nervenwurzelkompression
Die Diagnose einer Nervenwurzelkompression umfasst in der Regel mehrere Schritte:
Anamnese: Der Arzt führt ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten, um die Beschwerden, Vorerkrankungen und Lebensumstände zu erfassen.
Klinische Untersuchung: Der Arzt untersucht den Patienten auf orthopädische und neurologische Auffälligkeiten. Dabei werden unter anderem die Reflexe, die Sensibilität und die Muskelkraft geprüft. Eine wichtige Rolle spielen Red Flags.
Bildgebende Verfahren:
Lesen Sie auch: MRT zur Diagnose von Schlaganfällen
- Röntgenaufnahmen: Röntgenaufnahmen werden bei unklaren Befunden häufig als primäre bildgebende Diagnostik eingesetzt. Sie dienen zur Beurteilung knöcherner Veränderungen, zum Beispiel arthrotische Veränderungen. Bei einem Bandscheibenvorfall zeigen sich im Röntgenbild lediglich indirekte Zeichen.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Das MRT ist die Untersuchung der Wahl, wenn es um die Untersuchung von Weichteil- und Nervengewebe geht. Bei einem Bandscheibenvorfall kann mit dem MRT das Krankheitsausmaß genau dargestellt werden. Der Bandscheibenvorfall kann dabei in einen medialen, lateralen oder mediolateralen Vorfall klassifiziert werden. Außerdem zeigen die Schnittbilder, welche Nervenfasern bedrängt oder verletzt werden, woraus sich eine therapeutische Konsequenz ableiten lässt. Eine Verengung des Wirbelkanals lässt sich am besten mit der Magnetresonanztomografie (MRT) feststellen. Dieses Verfahren stellt den Spinalkanal und das darin verlaufende Rückenmark und die Nervenwurzeln dar.
- Computertomographie (CT): Die CT kann in bestimmten Fällen ergänzend zur MRT eingesetzt werden, insbesondere zur Beurteilung knöcherner Strukturen.
- Ultraschalluntersuchung: Die Ultraschalluntersuchung spielt in der Diagnostik einer Nervenwurzelkompression eine untergeordnete Rolle. Sie eignet sich vor allem zur Darstellung von Weichteilgewebe.
Elektrophysiologische Untersuchungen:
- Elektromyographie (EMG): Bei der Elektromyographie, EMG, handelt es sich um ein Untersuchungsverfahren, dass der Messung der Muskelaktivität dient. Dabei wird die Muskelaktivität entweder mittels Oberflächen-EMG ermittelt. Bei dem Oberflächen-EMG klebt man Elektroden auf die Haut, bei dem Nadel-EMG werden feine Nadeln durch die Haut in die Muskulatur vorgeschoben.
- Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG): Die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit kann helfen, die Funktion der Nerven zu beurteilen und den Ort der Schädigung zu lokalisieren.
Behandlung einer Nervenwurzelkompression
Die Behandlung einer Nervenwurzelkompression hängt von der Ursache und dem Beschwerdebild ab. Häufig liegen Bandscheibenvorfälle vor, die zunehmend konservativ behandelt werden. Bei starken therapieresistenten Beschwerden kommen zunehmend periradikuläre Therapien (PRT) zum Einsatz. Operationen werden erwogen, wenn trotz konservativer Behandlung starke Symptome bestehen, die Symptome schlimmer werden oder „Red-flag-Symptome“ auftreten, wie Muskellähmungen oder unwillkürliches Wasserlassen. Bei einer Neuroforamenstenose und/oder Facettensyndrom erfolgt die Erstellung eines individuellen Behandlungsplanes.
Konservative Behandlung
Die konservative Behandlung umfasst in der Regel:
- Schmerzmittel: Schmerzmittel wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) können zur Linderung der Schmerzen eingesetzt werden.
- Muskelrelaxantien: Muskelrelaxantien können helfen, Muskelverspannungen zu lösen.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskulatur zu stärken, die Beweglichkeit zu verbessern und die Schmerzen zu lindern. Übungen eignen sich rehabilitativ und präventiv, um muskuläre Dysbalancen und Fehlhaltungen vorzubeugen. Das bedeutet, dass man mit einem gezielten Training sowohl Rücken- als auch Brust- und Bauchmuskulatur trainieren sollte. Es geht dabei darum, den Rumpf zu stabilisieren. Darüber hinaus stellen Übungen einen wichtigen Bestandteil der konservativen Therapie einer Nervenwurzelkompression dar. Eine gezielte Trainingstherapie mit Übungen ist sehr relevant, um bei einem Bandscheibenvorfall mit konservativer Behandlung den bestmöglichen Therapieerfolgt zu erreichen.
- Wärme- oder Kälteanwendungen: Wärme- oder Kälteanwendungen können helfen, die Schmerzen zu lindern und die Muskeln zu entspannen.
- Injektionen: Injektionen mit Kortison oder Lokalanästhetika können helfen, die Entzündung zu reduzieren und die Schmerzen zu lindern. Cortison ist ein Medikament mit weitem Anwendungsspektrum. Es wirkt unter anderem antientzündlich und abschwellend. Eine Wurzelkompression geht oftmals mit starken Schmerzen und einem hohen Leidensdruck der Betroffenen einher. Cortison findet Anwendung im Rahmen einer periradikulären Therapie, um bei gereizten Nervenwurzeln entzündlichen Prozessen entgegenzuwirken und somit die Beschwerden zu lindern.
Periradikuläre Therapie (PRT)
Eine periradikuläre Therapie, kurz PRT, ist eine schmerzlindernde Behandlungsmethode bei chronischen Rückenschmerzen, die durch eine Irritation einer Nervenwurzel entstehen. Die mit Abstand häufigste Indikation zur Durchführung einer PRT ist ein Bandscheibenvorfall. Eine periradikuläre Therapie wird MRT-gesteuert durchgeführt. Das bedeutet, dass die kranke Nervenwurzel unter radiologischer Sicht mit dem MRT-Gerät dargestellt und die Punktionsnadel gezielt platziert werden kann.
Operative Behandlung
Eine operative Behandlung kann erforderlich sein, wenn die konservative Behandlung nicht ausreichend hilft oder wenn neurologische Ausfälle auftreten. Ziel der Operation ist es, den Druck auf die Nervenwurzel zu beseitigen. Es gibt verschiedene operative Verfahren, die je nach Ursache der Nervenwurzelkompression eingesetzt werden können:
- Mikrochirurgische Dekompression: Bei diesem Verfahren wird unter einem Mikroskop das Gewebe entfernt, das auf die Nervenwurzel drückt.
- Laminektomie: Bei diesem Verfahren wird ein Teil des Wirbelbogens entfernt, um mehr Platz für die Nervenwurzel zu schaffen.
- Foraminotomie: Bei diesem Verfahren wird das Nervenloch erweitert, um den Druck auf die Nervenwurzel zu reduzieren.
- Bandscheibenoperation: Bei einem Bandscheibenvorfall kann die Bandscheibe entfernt oder stabilisiert werden.
Was Lumedis bei chronischer Nervenwurzelkompression einzigartig macht
Die Wirbelsäulenspezialisten von Lumedis machen einen umfangreichen Muskelfunktionstest und verändern die Statik der Wirbelsäule meist durch gezielte Trainingsmaßnahmen minimal durch gezielte Übungen.
Dauer des Krankheitsverlaufs
Die Dauer des Krankheitsverlaufs einer Nervenwurzelkompression ist oft sehr unterschiedlich und kann mehrere Monate betragen oder chronisch verlaufen. Bandscheibenvorfälle können unter konservativer Therapie mehrere Monate bis zu einem Jahr Beschwerden hervorrufen.
tags: #mrt #schadel #mit #kompression #nerv