Multiple Sklerose und Bauchschmerzen: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), bei der das Immunsystem die Nervenhüllen angreift. Typische Symptome sind Sehstörungen, Muskelschwäche, Gleichgewichtsstörungen und Erschöpfung, die in Schüben oder fortschreitend auftreten können. Die genaue Ursache ist unbekannt, vermutet werden eine Kombination aus genetischer Veranlagung und äußeren Faktoren wie Virusinfektionen. MS ist bisher nicht heilbar, jedoch können Medikamente, Physiotherapie und ein gesunder Lebensstil die Symptome lindern.

Was ist Multiple Sklerose?

Multiple Sklerose, auch kurz als MS bezeichnet oder medizinisch Encephalomyelitis disseminata, ist eine Autoimmunerkrankung. Die chronisch-entzündliche Krankheit betrifft das Zentrale Nervensystem (ZNS), also Rückenmark und Gehirn sowie den Sehnerv. Körpereigene Abwehrzellen greifen die Schutzschicht der Nervenfasern an (Myelinscheiden), wodurch es zu einer Entzündungsreaktion kommt. Dies führt zum Abbau der Myelinscheiden und somit zu einer gestörten Funktion der betroffenen Nerven. Seh- oder Hörstörungen sind häufig die Folge. Multiple Sklerose ist nicht heilbar. Der Verlauf und die Lebenserwartung können jedoch mit Medikamenten günstig beeinflusst werden. Die Krankheit kann in jedem Alter auftreten, meist zeigen sich die ersten Symptome zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Deutschlandweit sind rund 200.000 Menschen an Multipler Sklerose erkrankt. 70 Prozent davon sind Frauen.

Ursachen für Multiple Sklerose

Die genauen Ursachen, die zu der fehlgesteuerten Reaktion des Abwehrsystems führen, sind bislang nicht bekannt. Man vermutet, dass unterschiedliche erbliche Faktoren, aber auch Umweltbedingungen zusammentreffen müssen, damit es zum Ausbruch der Krankheit kommt. Bei dieser Autoimmunerkrankung richten sich die Abwehrzellen (Immunzellen) gegen die körpereigenen Strukturen. Man spricht daher von Autoantikörpern. Sie bewirken, dass die Leukozyten (weiße Blutkörperchen) das Nervengewebe angreifen und dort Entzündungen auslösen. Dadurch werden die Myelinscheiden (Hüllen der Nervenfasern) zerstört. Der Vorgang wird als Entmarkung oder Demyelinisierung bezeichnet. Gleichzeitig kommt es auch zur Schädigung von Nervenfasern und -zellen. Nervenreize werden dann schlechter oder nicht mehr weitergeleitet. Die zerstörten Schutzhüllen umgeben normalerweise die Nervenfortsätze, ähnlich einer Isolierschicht bei elektrischen Kabeln. Nur wenn sie einwandfrei funktionieren, wie bei gesunden Menschen, können Nervenimpulse in angemessener Geschwindigkeit an den jeweils bestimmten Ort gelangen.

Symptome und erste Anzeichen von Multiple Sklerose

Die Symptome von Multiple Sklerose sind vielfältig, da sich die Entzündungsherde in allen Regionen des zentralen Nervensystems entwickeln können. Es gibt keine typische Krankheitsgeschichte. Sowohl im zeitlichen Verlauf als auch in Ausprägung und Intensität der Beschwerden zeigen sich die Symptome bei Betroffenen ganz unterschiedlich. Multiple Sklerose wird daher auch „die Krankheit mit den vielen Gesichtern“ genannt. Allerdings treten einige Beschwerden häufig auf und sind für bestimmte Phasen der Erkrankung typisch. So beginnt MS oft mit einzelnen neurologischen Symptomen, beispielsweise mit Sehstörungen, Taubheit, Kraftminderung oder Gleichgewichtsstörungen. Die Beschwerden setzen innerhalb von Stunden bis Tagen ein. Sie sind häufig auf Läsionen im Gehirn zurückzuführen, die auf den Bildern eines MRT (Magnetresonanztomograph) sichtbar sind. Dieses sogenannte „klinisch isolierte Syndrom“ (KIS) ist zu 85 Prozent Vorbote der Erkrankung. Bis zur endgültigen Diagnose einer MS können jedoch Monate oder Jahre vergehen, da dazu eine räumliche und zeitliche Streuung von entzündlich-entmarkender Plaque erforderlich ist. Eine Behandlung setzt heute aber meist schon früher ein. Denn je eher eine Therapie beginnt, desto besser wirkt sich dies bei vielen auf Krankheitsverlauf und Lebenserwartung aus.

Frühe Anzeichen einer MS sind:

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  • Störungen der Gefühlswahrnehmung in Armen und Beinen (Kribbeln, Taubheit)
  • Störungen der Sicherheit beim Gehen
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Sehstörungen
  • Oft kommt es auch zu Darmentleerungsproblemen.

Bei vielen Patienten tritt zu Krankheitsbeginn nur ein Symptom auf. Andere leiden gleich unter mehreren.

Weitere Beschwerden, die später dazu kommen können:

  • Starke Ermüdungserscheinungen (Fatigue)
  • Blasenentleerungsstörungen (Drangblase, Harnverhalt, Harninkontinenz)
  • Sprechstörungen wie beispielsweise eine undeutliche, verwaschene Sprache
  • Schwäche in den Beinen
  • Gangstörungen durch krampfhafte Erhöhungen der Muskelspannung (Spastik)
  • Koordinationsstörungen
  • Schmerzen
  • Sexuelle Störungen
  • Kognitive Störungen (Gedächtnisstörungen)
  • Psychische Veränderungen
  • Lähmungen der Muskeln, die langfristig zu schweren Behinderungen führen können. Rund ein Drittel der Erkrankten sind davon betroffen.

Verlaufsformen von Multiple Sklerose

Die Entwicklung von Multipler Sklerose kann sich bei jedem Betroffenen anders darstellen. Häufig verläuft die Krankheit schubförmig, das heißt, es kommt immer wieder zu akuten Verschlechterungen. Einen MS-Schub kennzeichnet, dass Beschwerden neu oder wieder auftreten, mindestens 24 Stunden lang anhalten und nicht durch Fieber oder Infektionen zu erklären sind. Außerdem muss der letzte Schub mindestens 30 Tage zurückliegen. Nach dem ersten Schub können Beschwerden ganz oder zum Teil wieder verschwinden und nach kurzer Zeit wieder auftreten. Hin und wieder kommen weitere Symptome dazu, die sich aber auch wieder zurückbilden können. Bei einigen Betroffenen nehmen die Beschwerden von Beginn an kontinuierlich zu, ohne dass Schübe eintreten. Multiple Sklerose wird in drei Verlaufsformen unterteilt - abhängig davon, ob ein Patient Schübe hat oder nicht.

Schubförmig remittierender Verlauf (schubförmige MS)

Bei den meisten an Multipler Sklerose Erkrankten (80 Prozent) äußert sich der Beginn der MS mit Schüben. Während dieser Schübe verschlechtert sich die bestehende Symptomatik oder neue Beschwerden tauchen auf. Bei einigen trifft beides zu: vorhandene Symptome verschlechtern sich und neue kommen zusätzlich dazu. Diese Schub-symptomatik kann sich in nur wenigen Stunden ausprägen, aber auch innerhalb einiger Tage. Die Dauer eines Schubes variiert, er hält jedoch mindestens 24 Stunden an. Meistens bilden sich Schübe in einem Zeitraum von sechs bis acht Wochen komplett oder teilweise zurück. Es ist möglich, dass Behinderungen zurückbleiben. Während der schubfreien Zeiten kommt es zu keinen weiteren Beschwerden und die Erkrankung schreitet nicht voran. Wie lange krankheitsfreie Intervalle bestehen, ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Manchmal liegen einige Monate zwischen den Schüben, in einigen Fällen vergehen Jahre, bis es zu einem erneuten Schub kommt.

Sekundär chronisch-progredienter Verlauf (sekundär fortschreitender Verlauf)

Wird MS nicht behandelt, führt der anfangs schubförmige Verlauf, bei mindestens 50 Prozent der Erkrankten, nach rund zehn Jahren zu einem Zustand, in dem sich die Beschwerden vermehren. Es kommt zu Beeinträchtigungen - sowohl mit gelegentlichen Schüben als auch ohne Schübe. Ausmaß und Schwere der Symptome nehmen innerhalb der kommenden Monate (sechs Monate oder auch mehr) stetig zu. Möglich sind jedoch auch Phasen, in denen die Erkrankung vorübergehend pausiert.

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Primär chronisch-progredienter Verlauf (Primär fortschreitender Verlauf)

Von dieser Verlaufsform sind rund zehn bis 15 Prozent betroffen. Hier kommt es gleich zu Beginn der Erkrankung zu einer schleichenden Zunahme der Symptome. Schübe gibt es nicht. Möglich sind allerdings gelegentliche Unterbrechungen des Fortschreitens und auch geringfügige Verbesserungen.

Prognose von Multiple Sklerose

Von einem gutartigen (benignen) Krankheitsverlauf spricht man, wenn die Beschwerden im Anschluss an einen MS-Schub weitestgehend zurückgehen und wenn es auch nach zehn Jahren zu keiner Behinderung gekommen ist. Allerdings ist dennoch zu einem späteren Zeitpunkt ein schwerer Schub möglich, der dann zu einer Behinderung führen kann. Ein bösartiger (maligner) Verlauf der Multiplen Sklerose äußert sich in einer schnellen Krankheitsentwicklung mit stetig zunehmenden Beschwerden, die starke Beeinträchtigungen mit sich bringen. Dies kann die Lebenserwartung deutlich begrenzen. Wie genau eine Prognose der MS-Erkrankung im individuellen Fall aussieht, kann man nicht vorhersagen. Es gibt allerdings Anhaltspunkte für einen günstigen bzw. ungünstigen Verlauf:

Anhaltspunkte für einen eher günstigen Verlauf der MS:

  • Die Krankheit beginnt mit nur einem Symptom.
  • Es treten nur sensible Symptome wie z.B. Gefühlsstörungen auf.
  • Die Schübe dauern nicht lang.
  • Die Schübe bilden sich gut zurück.
  • Die Gehfähigkeit bleibt erhalten.
  • Die Erkrankung beginnt nicht vor dem 35. Lebensjahr.

Anhaltspunkte für einen eher ungünstigen Verlauf der MS:

  • Die Krankheit beginnt mit mehreren Symptomen.
  • Es kommt bereits früh zu motorischen und zerebellären (das Kleinhirn betreffende) Symptomen wie z.B. Gangstörungen.
  • Die Schübe dauern lang an.
  • Die Schübe bilden sich schlecht zurück.
  • Im MRT zeigen sich früh zahlreiche Läsionen.
  • Es kommt früh zu krankhafter SEP und MEP. SEP (somatosensibel evozierte Potentiale): Hierbei wird die Zeit gemessen, die ein elektrischer Impuls benötigt, um von der Hand oder vom Fuß bis ins Gehirn zu gelangen. Außerdem registriert man Seitenunterschiede nach Stimulation der rechten oder linken Seite (beispielsweise Augen, Ohren, Arme oder Beine). Daraus lassen sich krankhafte Veränderungen schließen. MEP (motorisch evozierte Potentiale): mittels einer Magnetspule wird die Gehirnoberfläche stimuliert, um eine Muskelantwort an Hand oder Fuß zu erhalten.

Diagnose von Multiple Sklerose

MS zu diagnostizieren bedarf einer umfangreichen Untersuchung. Da es kein typisches Beschwerdebild gibt und auch keine nur für MS typischen Symptome, müssen immer erst andere Erkrankungen ausgeschlossen werden. Zum Beispiel Durchblutungsstörungen des Gehirns oder Bandscheibenvorfälle. Erster Ansprechpartner bei Beschwerden ist der Hausarzt. Bei einem Verdacht auf Multiple Sklerose wird er den Patienten an einen Neurologen überweisen.

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Untersuchungen für eine sichere Diagnosestellung:

  • Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte)
  • Körperliche Untersuchung (klinisch-neurologisch)
  • Apparative Untersuchung (unter anderem Kernspintomographie (MRT) und Evozierte Potentiale (EP), also Funktionsmessungen von Seh- und Hörbahn, sensiblen und motorischen Bahnen
  • Laboruntersuchungen (Analyse von Nervenwasser und Blut)

Anamnese

Im Gespräch mit Arzt werden sowohl die aktuellen Beschwerden als auch die bisherige Krankengeschichte ausführlich beleuchtet. Von Interesse sind unter anderem diese Fragen:

  • Seit wann bestehen die Symptome?
  • Haben sie sich mit der Zeit verändert?
  • Gab es früher schon einmal Missempfindungen in Armen oder Beinen?
  • Ist es schon einmal zu Sehstörungen gekommen?

Auch Vorfälle, denen der Patient früher keine weitere Bedeutung beigemessen hat, können wichtig sein. Häufig kann dies ein erster Hinweis auf ein MS-Anzeichen sein.

Körperliche Untersuchung

Im Fokus dieser klinisch-neurologischen Untersuchung steht das Nervensystem, speziell die Funktion von Augen und Hirnnerven, Empfindungen bei Berührungen, Schmerzen und Temperatur, Muskelkraft und Muskelspannung. Zusätzlich kann bei Verdacht auf Multiple Sklerose eine neuropsychologische Untersuchung folgen. Mittels unterschiedlicher Tests werden dann Lernfähigkeit, Sprachverarbeitung und Gedächtnis näher geprüft.

Apparative Untersuchung

Durch Funktionsmessungen der Seh- und Hörbahn sowie der sensiblen und motorischen Bahnen (evozierte Potentiale) kann der Neurologe feststellen, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist. Dabei reizt der Arzt einen Nerv oder ein Sinnesorgan. Im Gehirn löst das ein Signal aus, das von Elektroden gemessen wird. Trifft die Antwort auf den Reiz mit einer Verzögerung ein, ist die Reaktionsstärke vermindert. Bei rund 75 Prozent der Erkrankten tritt dies ein. Bei 85 Prozent der Patienten sind bereits im Frühstadium der Multiplen Sklerose Veränderungen im Gehirn erkennbar. Dies kann der Neurologe auf den Bildern der Magnetresonanztomographie ablesen. Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung sind alle Patienten von den Veränderungen im Gehirn betroffen.

Laboruntersuchungen

Liquordiagnostik (Untersuchung des Nervenwassers): Die Liquordiagnostik kann Aufschluss über die Entzündung in Gehirn und Rückenmark geben. Mit einer feinen Nadel wird dabei in Höhe der mittleren Lendenwirbelsäule zwischen die Wirbel gestochen, um das benötigte Nervenwasser zu gewinnen. Liegt eine MS vor, ist die Anzahl einiger Abwehrzellen (Lymphozyten, Plasmazellen) erhöht und Antikörper wie Immunglobulin G (IgG) sind nachweisbar. Bei der Untersuchung lässt sich auch feststellen, ob eventuell Keime (z.B. Borreliose) für die Entzündung verantwortlich sind.

Multiple Sklerose und Bauchschmerzen

Viele Menschen mit Multipler Sklerose bemerken irgendwann im Laufe ihrer Erkrankung, dass die Blase oder der Darm nicht mehr richtig funktioniert. Nerven im zentralen Nervensystem (ZNS) und Muskeln müssen korrekt zusammenarbeiten, um Körperfunktionen zu steuern. Werden bei MS entsprechende Nervenzellen in den Zentren des ZNS angegriffen oder zerstört, können neurogene Blasenfunktionsstörungen oder Störungen im Darm entstehen.

Aus Studien ist bekannt, dass Patienten mit Multipler Sklerose schon Jahre vor der Diagnose Ärzte verschiedener Fachrichtungen mit den unterschiedlichsten Symptomen aufgesucht haben: Depressive Verstimmungen, Angstgefühle, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Schmerzen und Magen-Darm-Probleme sind nur einige davon.

Darmprobleme bei MS

MS kann die neurologischen Signalwege stören, die für die direkte Steuerung der Darmfunktionen verantwortlich sind. Das wiederum führt zur neurogenen Darmfunktionsstörung (NBD).

Darmprobleme bei MS können z. B. als Verstopfung auftreten. Dann ist der Darm weniger angeregt, er transportiert den Stuhl langsamer weiter und der Stuhl dickt ein. Auch kann über diesen Vorgang eine MS Blähungen verursachen. Ist durch die Multiple Sklerose der Darm zu stark angeregt, bewegt er sich schneller, der Stuhl wird zügiger weitertransportiert und Durchfall kann entstehen.

Blasenstörungen bei MS

Am häufigsten zeigt sich die „überaktive“ Blase (30 bis 90 %). Normalerweise verspürt ein Mensch erst ab einer Füllmenge von 200 ml den Drang, die Blase zu entleeren. Eine Beeinträchtigung der Nerven kann dazu führen, dass die Blase sich bereits bei kleinsten Urinmengen übermäßig anspannt und verkrampft. Bereits durch eine geringe Menge Urin wird so ein sehr starker Harndrang ausgelöst. Betroffene müssen dann häufiger nachts zur Toilette, scheiden jedoch immer nur kleine Mengen Urin aus. Ist der Blasenschließmuskel betroffen, entleert sich die Blase unwillkürlich. Eine gestörte Blasenentleerung ist seltener (5 bis 20 %). Durch eine verminderte Kontraktion der Blase kann es dabei zu einer verzögerten und inkompletten Entleerung der Blase kommen. Wird die Blase schließlich zu voll, kann sie „überlaufen“. Bereits ein leichter Husten verursacht dann möglicherweise einen unkontrollierten Urinverlust (Inkontinenz). Durch die ständige Überdehnung der Blase nehmen Harndrang, Inkontinenz oder Harnverhalt immer weiter zu. Durch die Entleerungsstörung der Blase bei MS bleibt unter Umständen Restharn zurück.

Blasenstörungen bei MS entstehen, weil die geschädigten Nervenleitbahnen ungeordneter, seltener oder häufiger die Impulse zu den Ausscheidungsorganen transportieren.

Umgang mit Blasen- und Darmstörungen

Störungen der Funktion von Blase und Darm bei MS sind für viele Betroffene nicht nur ein hygienisches Problem, sondern auch mit starken Schamgefühlen verbunden. Über Inkontinenz redet man nicht gerne. Weder mit dem Partner noch mit einem Freund, einer Freundin oder Ärzten. Lieber geht man in die Isolation und versucht selbst, das Problem zu lösen. Besonders die Inkontinenz beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich. Schamgefühl, Isolation und Depression sind oft die Folge. Wer Probleme mit der Blasenentleerung oder der Darmfunktion bei sich entdeckt, sollte sich daher vertrauensvoll an einen Arzt oder seine MS-Schwester wenden. Mit der MS-Schwester können Patienten nicht nur über ihre Gedanken und Sorgen im Umgang mit diesen schambesetzten Themen sprechen. Eine qualifizierte Beratung und Behandlung durch Experten auf diesem Gebiet unterstützen dabei, die Lebensqualität und Selbstständigkeit zu erhalten. Hier ist es notwendig, dass möglichst unterschiedliche Fachrichtungen miteinander arbeiten. Der Urologe wird nach der Diagnose eine symptomatische Therapie einleiten, welche die Symptome lindern oder gar beseitigen kann.

Viele Menschen versuchen ihrem Problem damit zu begegnen, dass sie nur noch sehr wenig trinken. Genau das Gegenteil wäre jedoch richtig! Wenn Sie zu wenig trinken, können sich Blasen- und Nierensteine entwickeln. Wenn Sie unter Verstopfung leiden, hilft es, wenn Sie mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit pro Tag zu sich nehmen und sich ballaststoffreich ernähren, beispielsweise mit Vollkornprodukten, Obst und Gemüse.

Zur Behandlung von Inkontinenz und zur Vermeidung von Harnwegsinfekten ist die regelmäßige oder dauerhafte Harnableitung über einen Katheter eine wirksame Methode. Sich selbst einen Blasenkatheter zu setzen ist sicherlich nicht einfach oder angenehm. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt. In schweren Fällen von Verstopfung helfen Abführmittel oder ein Einlauf (Klistier). Bei Inkontinenz des Darms können MS-Erkrankte Analtampons nutzen. Medikamente können bei Harnwegsinfekten, Blasenentleerungsstörungen und auch Verstopfung helfen.

Führen Sie ein Tagebuch darüber, wann und wie oft Sie zur Toilette müssen und welche Symptome auftreten.

Weitere Ursachen für Bauchschmerzen bei MS

Es ist wichtig zu beachten, dass Bauchschmerzen bei MS auch andere Ursachen haben können, die nicht direkt mit der Erkrankung zusammenhängen. Dazu gehören:

  • Medikamentennebenwirkungen: Einige Medikamente, die zur Behandlung von MS eingesetzt werden, können Magen-Darm-Beschwerden verursachen.
  • Infektionen: Harnwegsinfektionen oder Magen-Darm-Infekte können ebenfalls Bauchschmerzen verursachen.
  • Andere Erkrankungen: Es ist wichtig, andere mögliche Ursachen für Bauchschmerzen auszuschließen, wie z.B. Reizdarmsyndrom, entzündliche Darmerkrankungen oder gynäkologische Probleme bei Frauen.

Forschung zu Multipler Sklerose und Darmflora

Die Hinweise mehren sich, dass zwischen MS und Darmbakterien ein Zusammenhang bestehen kann. Die Bakterien-Mischung im Darm heißt Mikrobiom oder Darmflora. Dass Darmflora und Immunsystem generell zusammenhängen, gilt als sehr wahrscheinlich. Allerdings befindet sich die Forschung speziell bei der Frage vom Verhältnis Mikrobiom - Multiple Sklerose noch sehr am Anfang. Und bevor Sie Nahrungsergänzungsmittel einnehmen oder eine Diät machen, sprechen Sie bitte unbedingt mit Ihren Behandler:innen. Niemand kann zurzeit zuverlässig einschätzen, ob bestimmte Substanzen oder Diäten das Verhältnis Darmflora - MS in eine günstige oder eher ungünstige Richtung verändern.

Ein Forschungsteam aus Basel hat einen Zusammenhang entdeckt: Wenn entzündungsfördernde Darmbakterien der Myelinschicht ähneln, irritieren sie das Immunsystem und führen im Tierversuch zu einem schnelleren Krankheitsverlauf. Förderten die Bakterien keine Entzündungen, war der Verlauf milder.

Die Zusammensetzung des Darmmikrobioms - die Gesamtheit aller Mikrolebewesen im Darm - unterscheidet sich bei Personen mit MS von der gesunder Menschen. Manche Darmbakterien förderten Entzündungen und wiegelten das Immunsystem auf, weil ihre Oberfläche der der Myelinschicht ähnelte. Aufgrund der Ähnlichkeit griffen Immunzellen die Bakterien ebenso wie die Schutzschicht an. So könnten Darmbakterien den Verlauf von MS beeinflussen.

Therapieansätze

Konsequente Behandlung der MS von Anfang an

Um die Krankheitsaktivität bei Multipler Sklerose von Anfang an so gering wie möglich zu halten und das Gehirn zu schützen, ist es wichtig, frühzeitig auf sichtbare, aber auch unsichtbare MS-Symptome zu reagieren. Je früher die Multiple Sklerose behandelt wird, desto länger können MS-Erkrankte ohne wesentliche Beeinträchtigungen leben.

Im Laufe der Erkrankung können sich Ihre Symptome verändern. Sowohl in ihrer Ausprägung als auch in der Häufigkeit. Achten Sie auf Veränderungen und sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie dies bemerken. Zu einer langsam fortschreitenden Krankheitsverschlechterung kann es beispielsweise kommen, wenn eine schubförmig remittierende MS (RRMS) in eine sekundär progrediente MS (SPMS) übergeht.

Wenn Sie erste Anzeichen für eine Funktionsstörung des Darms oder der Blase bei einer MS-Erkrankung spüren, vereinbaren Sie einen Kontrolltermin bei Ihrem Neurologen. Probleme mit der Blase wie häufiger Harndrang oder Harnverhalt können auf eine erste Krankheitsaktivität der MS hinweisen, die schnell behandelt werden muss.

Ingwer

Ingwer ist bekannt für seine Magen-Darm-beruhigenden Eigenschaften. Eine Studie hat gezeigt, dass Ingwer bei Multipler Sklerose die Häufigkeit und den Schweregrad von Verstopfung und Übelkeit reduzieren kann.

Konjugierte Linolsäure (CLA)

Konjugierte Linolsäure (CLA) kann sowohl Entzündungsprozesse im Darm als auch im Gehirn positiv beeinflussen. CLA findet sich zum Beispiel in Rindfleisch und Milchprodukten. Wird sie Mäusen verabreicht, die an einer Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems leiden, verbessert sich deren Gesundheitszustand.

Was Sie Ihrem Arzt fragen können

  • Welche Ursachen könnten meine Bauchschmerzen haben?
  • Welche Untersuchungen sind notwendig, um die Ursache meiner Bauchschmerzen zu finden?
  • Welche Behandlungen gibt es für meine Bauchschmerzen?
  • Welche Medikamente können meine Bauchschmerzen lindern?
  • Welche Änderungen in meinem Lebensstil können meine Bauchschmerzen verbessern?
  • Gibt es spezielle Dinge, die MS-Patienten bei Problemen mit dem Stuhlgang beachten sollten?
  • Wie groß ist die Gefahr, dass mein Kind später MS bekommt?

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