Multiple Sklerose: Die unsichtbaren Symptome und ihre Auswirkungen

Multiple Sklerose (MS) ist eine komplexe Erkrankung des zentralen Nervensystems, die sich durch eine Vielzahl von Symptomen äußern kann. Während einige dieser Symptome, wie beispielsweise Lähmungen oder sichtbare Gleichgewichtsstörungen, offensichtlich sind, gibt es eine ganze Reihe von Beschwerden, die von außen nicht wahrnehmbar sind. Diese "unsichtbaren Symptome" stellen für viele Betroffene eine besondere Herausforderung dar, da sie oft auf Unverständnis stoßen und ihren Alltag erheblich beeinträchtigen können.

Was sind unsichtbare Symptome der MS?

Die Liste der unsichtbaren Symptome bei Multipler Sklerose ist lang und vielfältig. Sie reicht von:

  • Fatigue: Eine unerträgliche Müdigkeit und leichte Erschöpfbarkeit, die sich durch ausreichend Schlaf nicht lindern lässt. Betroffene können sich schlecht konzentrieren und weder körperliche noch geistige Tätigkeiten lange ausüben.
  • Kognitive Störungen: Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis, der Aufmerksamkeit, der Konzentration und der Informationsverarbeitung.
  • Sexuelle Störungen: Beeinträchtigungen der Libido, der Erregung oder der Orgasmusfähigkeit.
  • Blasenstörungen: Häufiger Harndrang, Inkontinenz oder Schwierigkeiten beim Entleeren der Blase.
  • Schmerzen: Chronische Schmerzen unterschiedlicher Art, wie beispielsweise neuropathische Schmerzen, Kopfschmerzen oder Muskelschmerzen.
  • Schlafstörungen: Schwierigkeiten beim Ein- oder Durchschlafen, unruhiger Schlaf oder das Restless-Legs-Syndrom.
  • Seh- und Empfindungsstörungen: Verschwommenes Sehen, Doppeltsehen, Schmerzen beim Bewegen der Augen, Kribbeln, Taubheitsgefühle oder andere Missempfindungen.
  • Sprech-, Atem- und Sprachstörungen: Schwierigkeiten beim Sprechen, Atmen oder Schlucken.
  • Depressionen: Anhaltende Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Verlust von Interesse oder Freude an Aktivitäten.
  • Spastik: Erhöhte Muskelspannung, Steifigkeit und Verkrampfungen.
  • Schwindel
  • Krämpfe
  • Missempfindungen
  • Trigeminusneuralgie

Diese Symptome sind für Außenstehende oft nicht erkennbar, da sie sich nicht in offensichtlichen körperlichen Beeinträchtigungen äußern. Dies kann dazu führen, dass Betroffene sich unverstanden fühlen und mit Kommentaren wie "Reiß dich halt zusammen" oder "Man sieht gar nicht, dass du krank bist" konfrontiert werden.

Die Belastung durch unsichtbare Symptome

Unsichtbare Symptome der MS erzeugen für Betroffene einen großen Leidensdruck. Sie fühlen sich oft unverstanden und fürchten Nachteile oder Ablehnung. Die ständige Auseinandersetzung mit den Symptomen und die Notwendigkeit, sie vor anderen zu verbergen, kann zu sozialer Isolation, Depressionen und einem verminderten Selbstwertgefühl führen.

Viele MS-Patienten leiden besonders stark unter kognitiven Störungen oder Fatigue, werden aber trotzdem nicht entsprechend behandelt. Eine einfache medikamentöse Behandlungsstrategie gibt es nicht, und die Umgebung nimmt Betroffene oft als Drückeberger oder Simulanten wahr. Diese emotionale Stresssituation kann dann wieder zu Schlafstörungen und Erschöpfungszuständen führen.

Lesen Sie auch: MS-Medikamente im Detail erklärt

Auch im Berufsleben können unsichtbare Symptome zu Problemen führen. Betroffene können ihre Arbeit oft nur noch eingeschränkt ausüben, schweigen aber aus Angst vor Benachteiligung lieber über ihre Einschränkungen. Umso wichtiger ist es, rechtzeitig über Einschränkungen zu sprechen, damit man die Zukunft zusammen mit dem Arbeitgeber gestalten kann.

Umgang mit unsichtbaren Symptomen

Der Umgang mit unsichtbaren Symptomen erfordert von Betroffenen viel Kraft und Geduld. Es gibt jedoch verschiedene Strategien, die helfen können, die Auswirkungen der Symptome zu minimieren und das Leben mit MS zu erleichtern:

  • Offene Kommunikation: Sprich offen über deine Symptome und Beeinträchtigungen. Nur so können Missverständnisse ausgeräumt und Verständnis geschaffen werden. Hab Geduld mit deinen Mitmenschen und erkläre ihnen deine MS. Sie werden verständnisvoll und unterstützend reagieren.
  • Selbstmanagement: Lerne, deine Symptome zu erkennen und zu verstehen. Führe beispielsweise ein Fatigue-Tagebuch, um Tätigkeiten aufzuspüren, die besonders ermüdend sind. Plane Pausen ein und lege wichtige Arbeiten auf den Vormittag, wenn du noch leistungsfähig bist.
  • Professionelle Hilfe: Scheue dich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eine psychotherapeutische Beratung kann helfen, mit dem Leidensdruck umzugehen und Strategien zur Bewältigung der Symptome zu entwickeln. Physiotherapeutische, logopädische und ergotherapeutische Therapien können ebenfalls zur Linderung von Beschwerden beitragen.
  • Anpassung des Lebensstils: Eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und ausreichend Schlaf können sich positiv auf den Verlauf der MS auswirken. Vermeide Stress und Nikotin, da diese Faktoren die Symptome verschlimmern können.
  • Selbstfürsorge: Achte auf dich und deine Bedürfnisse. Gönne dir regelmäßig Entspannung und tue Dinge, die dir Freude bereiten. Erlaube dir, wegzuhören, und lasse dich nicht von unsensiblen Bemerkungen triggern.
  • Akzeptanz: Akzeptiere, dass du MS hast und dass es gute und schlechte Tage gibt. Sei geduldig mit dir selbst und erwarte nicht, dass du immer alles schaffen kannst.

Die Rolle der Mitmenschen

Auch die Mitmenschen von MS-Betroffenen spielen eine wichtige Rolle im Umgang mit den unsichtbaren Symptomen. Es ist wichtig, dass sie sich über die Erkrankung informieren und Verständnis für die Situation der Betroffenen entwickeln.

  • Zuhören: Höre aufmerksam zu, wenn Betroffene über ihre Symptome sprechen. Versuche, dich in ihre Lage hineinzuversetzen und ihre Gefühle zu verstehen.
  • Respektieren: Respektiere die Einschränkungen der Betroffenen und dränge sie nicht, Dinge zu tun, die sie nicht können.
  • Unterstützen: Biete deine Hilfe an und unterstütze die Betroffenen bei der Bewältigung ihres Alltags.
  • Vermeiden: Vermeide unsensible Bemerkungen oder Unterstellungen, die die Betroffenen verletzen könnten.
  • Informieren: Informiere dich über die unsichtbaren Symptome der MS und teile dein Wissen mit anderen.

Multiple Sklerose: Ein Überblick

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die das Gehirn und das Rückenmark betrifft. Bei MS greift das fehlgeleitete Immunsystem eigene Nervenzellen an und schädigt die Myelinscheide, die die Nervenfasern umgibt. Dies führt zu Entzündungen und Vernarbungen (Sklerosen) im Gehirn und Rückenmark, was die Übertragung von Nervenimpulsen beeinträchtigt.

Die Ursachen von MS sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass genetische Faktoren, Umwelteinflüsse und geografische Bedingungen eine Rolle spielen.

Lesen Sie auch: Wie man MS vorbeugen kann

Die Symptome von MS sind vielfältig und können sich von Person zu Person unterscheiden. Typische Symptome sind:

  • Schubförmiger Verlauf: Bei etwa 85 Prozent der Betroffenen tritt die MS in Schüben auf, bei denen neue Symptome auftreten oder sich bestehende Symptome verschlimmern. Zwischen den Schüben können sich die Symptome vollständig oder teilweise zurückbilden.
  • Progredienter Verlauf: Bei etwa 15 Prozent der Betroffenen nimmt die MS langsam und stetig zu, ohne dass es zu Schüben kommt.

Die Diagnose von MS wird in der Regel anhand einer neurologischen Untersuchung, einer Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns und Rückenmarks sowie einer Untersuchung des Nervenwassers (Lumbalpunktion) gestellt.

Die Behandlung von MS zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, die Schübe zu verkürzen und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Es gibt verschiedene Medikamente, die das Immunsystem beeinflussen und die Entzündungen im Gehirn und Rückenmark reduzieren können. Auch physiotherapeutische, ergotherapeutische und logopädische Behandlungen können helfen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Fazit

Multiple Sklerose ist eine Erkrankung mit vielen Gesichtern. Die unsichtbaren Symptome stellen für Betroffene eine besondere Herausforderung dar, da sie oft auf Unverständnis stoßen und ihren Alltag erheblich beeinträchtigen können. Durch offene Kommunikation, Selbstmanagement, professionelle Hilfe und die Unterstützung der Mitmenschen können die Auswirkungen der Symptome minimiert und das Leben mit MS erleichtert werden. Es ist wichtig, dass die Gesellschaft ein Bewusstsein für die unsichtbaren Symptome der MS entwickelt und Betroffenen mit Verständnis und Respekt begegnet.

Lesen Sie auch: MS und Rückenschmerzen: Ein Überblick

tags: #multiple #sklerose #keiner #siehts #einer #spurts