Multiple Sklerose (MS) stellt Betroffene vor vielfältige Herausforderungen im Alltag. Regelmäßige Arztbesuche, Blutkontrollen, Physiotherapie und die Auseinandersetzung mit Bürokratie zur Beantragung von Schwerbehinderung, Hilfsmitteln oder Reha-Maßnahmen kosten Zeit und Kraft. Die ständige Konfrontation mit diesen Hürden kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und zu Unsicherheiten und Zukunftsängsten führen. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass die Lebensqualität trotz MS verbessert werden kann.
Die Bedeutung des Verständnisses der Erkrankung
Um die Lebensqualität bei MS zu steigern, ist es entscheidend, die Krankheit zu verstehen. Vertrauenswürdige Gesundheitsinformationen und der Austausch mit Ärzten können Klarheit über die Erkrankung bringen. Die Diagnose MS führt bei Betroffenen zu großen Unsicherheiten und Angst vor der Zukunft. Doch es ist wichtig zu verstehen, dass die Lebensqualität trotz der Erkrankung verbessert werden kann.
Einfluss von Lebensstilfaktoren auf MS
Die Lebensweise spielt beim Verlauf der Krankheit eine entscheidende Rolle. Lifestylefaktoren sind vielfältig und beinhalten, wie wir uns ernähren, wie wir leben, wie wir uns bewegen. Es gehören aber auch Faktoren dazu, die wir nicht beeinflussen können, wie nah oder fern der Wohnort vom Äquator entfernt liegt und wie viel Sonne man somit ausgesetzt ist. Außerdem beeinflussen durchgemachte Kinderkrankheiten und der Zeitpunkt, wann die Infektion erfolgte, die Wahrscheinlichkeit später eine MS zu entwickeln. Das Epstein-Barr-Virus (EBV) spielt offenbar eine wesentliche Rolle. Wichtig: Kein MS-Patient trägt eine Schuld an der Erkrankung.
Oxidativer Stress und Antioxidantien
Das Entzündungsgeschehen spielt bei MS eine wesentliche Rolle. Ungesunde und fettreiche Ernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht, chronischer Stress, Schlafmangel, eine gestörte Darmflora und Umweltgifte sind nur einige Faktoren, die das Entzündungsgeschehen beeinflussen. Diese Lebensstilfaktoren können dazu führen, dass im Körper vermehrt freie Radikale gebildet werden, die körpereigene Strukturen schädigen und zu einer Störung im Stoffwechsel beitragen können. Werden zu viele freie Radikale gebildet, kommt es zu oxidativem Stress. Um den oxidativen Stress bei MS zu reduzieren, können antioxidative Maßnahmen hilfreich sein. Antioxidantien sind Substanzen, die freie Radikale neutralisieren und so die Zellschädigung begrenzen können.
Ernährung als Schlüsselbaustein
Eine ausgewogene Ernährung ist ein Schlüsselbaustein für eine verbesserte Lebensqualität. Die Ernährung spielt eine fundamentale Rolle im Leben und Alltag aller Menschen. Sie beeinflusst nicht nur die körperliche Gesundheit, sondern auch das geistige Wohlbefinden, die Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität. Eine ausgewogene und gesunde Ernährung kann zahlreiche positive Effekte haben, während eine unausgewogene Ernährung verschiedene gesundheitliche Probleme verursachen kann. Die Nahrungsmittel, die wir täglich zu uns nehmen, liefern die essentiellen Nährstoffe, die unser Körper benötigt, um zu funktionieren. Vitamine, Mineralstoffe, Proteine, Fette und Kohlenhydrate sind notwendig für den Aufbau und die Reparatur von Geweben, die Produktion von Energie und die Regulierung von Stoffwechselprozessen. Eine ausgewogene Ernährung kann das Immunsystem stärken, Krankheiten vorbeugen und die allgemeine Gesundheit verbessern.
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Bioprodukte, wenig verarbeitet und selbst zubereitet, sind das Beste. Übergewicht gehört zu den klassischen Risikofaktoren für viele Erkrankungen. Übergewicht in der Adoleszenz (Übergang Jugendlicher zum Erwachsenen) gehört für Frauen zu den Risikofaktoren an Multipler Sklerose zu erkranken und wird wissenschaftlich gerade genauer betrachtet.
Folgende drei Theorien werden überprüft:
- Stachelt die dauerhafte, niedrige Entzündungsaktivität, die durch das Fettgewebe entsteht das Immunsystem an?
- Fettzellen bilden Leptine, die wiederum Zytokine erzeugen. Und Zytokine wiederum stimulieren Entzündungsprozesse im Körper. Haben sie auch Einfluss auf autoimmune Prozesse bei MS?r.
- Übergewichtige scheinen nicht so viel Vitamin D zu produzieren. Hat das einen Einfluss auf die MS?
Zusammengefasst gibt es mehrere Gründe, warum Übergewicht in der Adoleszenz vor allem bei Mädchen das Risiko erhöht an MS zu erkranken. Wenn die MS ausgebrochen ist, erhöht das Übergewicht die Gefahr weitere Erkrankungen zu bekommen, wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Schwäche oder starke Gelenkprobleme.
Eine gesunde Ernährung liefert essentielle Nährstoffe, die zur optimalen Funktion des Körpers beitragen und dabei helfen, Symptome zu lindern und das allgemeine Wohlbefinden zu fördern.
- Entzündungshemmende Ernährung: Entzündungen sind ein zentrales Merkmal von MS. Eine entzündungshemmende Ernährung kann helfen, die Symptome zu lindern und das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen. Antioxidantienreiche Lebensmittel wie Beeren und grünes Blattgemüse spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Sie bekämpfen freie Radikale im Körper und helfen, Entzündungen zu reduzieren. Ebenso wichtig sind Omega-3-Fettsäuren, die in Fisch, Leinsamen und Chiasamen enthalten sind. Ingwer und Kurkuma enthalten natürliche entzündungshemmende Verbindungen. Mediterrane Kost mindert Entzündungen. Studien belegen, dass eine sogenannte mediterrane Ernährung und entzündungshemmende Nahrungsmittel die Risiken für Herz-Kreislauferkrankungen und Stoffwechselerkrankungen senken können. Und neuere MS-Studien zeigen, dass eine mediterrane Ernährung, aber auch andere gesunde Ernährungsmuster, das Risiko, an MS zu erkranken, senken können.
- Energielevels stabilisieren: Menschen mit MS leiden häufig unter Fatigue. Die richtige Ernährung kann dazu beitragen, die Energielevels zu verbessern und die Müdigkeit zu verringern. Komplexe Kohlenhydrate, die in Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten zu finden sind, liefern langanhaltende Energie und verhindern Blutzuckerschwankungen.
- Nervengesundheit unterstützen: Die Gesundheit der Nerven ist bei MS besonders wichtig. Vitamin B12 und Vitamin D sind essenzielle Nährstoffe, die zur Unterstützung der Nervenfunktion beitragen. Vitamin B12, das in Fleisch und Milchprodukten enthalten ist, spielt eine Schlüsselrolle bei der Myelinbildung, dem Schutzmantel der Nervenfasern. Vitamin D, das in fettem Fisch und angereicherten Lebensmitteln vorkommt, unterstützt die Immunfunktion und die Knochengesundheit.
Körperliche Aktivität und Sport
Regelmäßige körperliche Aktivität kann einen großen Beitrag zur verbesserten Lebensqualität leisten. Sport ist gut für Körper und Geist. Ob Sport einen positiven Effekt auf das Immunsystem hat, ist unklar. Aber ein fitter Mensch lebt besser mit der MS. So wird das Uhthoff-Phänomen von fitten Menschen deutlich besser gemanagt und ertragen, als von unsportlichen Patienten. Außerdem haben Sportler einen höheren Vitamin-D-Spiegel.
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- Steigerung der Energie und Ausdauer: Regelmäßige körperliche Aktivität kann die allgemeine Energie und Ausdauer verbessern.
- Positive Auswirkungen auf die Stimmung: Bewegung kann die Freisetzung von Endorphinen stimulieren, was zu einer Verbesserung der Stimmung beitragen kann.
- Verbesserung der Beweglichkeit: Angepasste Übungen, wie Yoga oder Wassergymnastik, können die Beweglichkeit verbessern und die allgemeine Fitness steigern.
Viele Studien zeigen, dass körperliche Fitness wichtig für die Gesundheit ist. Bei Menschen mit MS kann schon regelmäßiges Gehen alleine die Mobilität verbessern. 75-150 Minuten intensive körperliche Aktivität pro Woche (z.B. Joggen, Schwimmen, Ballsport) oder 150-300 Minuten moderate körperliche Aktivität (z.B. Menschen mit MS haben ein erhöhtes Risiko für Osteoporose und damit auch für Knochenbrüche. Dieses Risiko wird durch verschiedene MS-Symptome weiter verstärkt, wie z.B.
Eine ganze Reihe evidenzbasierter Untersuchungen haben die Auswirkungen von Sport und Bewegung unter die Lupe genommen und zeigen können, dass regelmäßige Bewegung sowohl auf körperlicher und geistiger als auch auf psychologischer Ebene bei Menschen mit MS positiv wirken und die Lebensqualität erhöhen kann. Darüber hinaus kann körperliche Aktivität die Kraft und Fitness sowie den Gleichgewichtssinn und die Gehfähigkeit verbessern. Gleichzeitig können regelmäßiges Training und körperlich aktives Verhalten das Gefühl der Erschöpfung und die Belastung durch Fatigue reduzieren.
Es finden sich Hinweise, dass Ausdauer- und Krafttraining die entzündliche Aktivität bei MS reduzieren kann und es zu weniger Schüben kommt. Untersuchungen konnten auch zeigen, dass regelmäßiges Ausdauertraining die Reparatur- und Regenerationsfähigkeit der Nervenzellen verbessern kann . Deshalb: Wählen Sie eine Form der Bewegung, die Ihnen Spaß macht. Ob Spazierengehen, Schwimmen, Yoga oder Fahrradfahren - wichtig ist die Regelmäßigkeit. Auch Krafttraining kann hilfreich sein, um nicht nur die Muskelkraft, sondern zusätzlich Mobilität, Balance und motorische Alltagskompetenz zu verbessern. Sprechen Sie zum Beispiel mit Ihrem Neurologen/Ihrer Neurologin oder Physiotherapeuten/Physiotherapeutin über geeignete Übungen.
Stressmanagement
Stress kann MS-Symptome verstärken und auf Dauer auch die Darmbarriere schädigen, was wiederum negative Auswirkungen auf die Immunabwehr hat. Deshalb ist ein effektives Stressmanagement entscheidend. Negativer Stress auf die Psyche tut niemandem gut. Die neurologische Reserve sollte maximal gestärkt werden, um das Gehirn flexibel zu halten. Psychischer Stress reduziert die Möglichkeiten, flexibel zu bleiben.
- Entspannungstechniken: Das Erlernen und Anwenden von Entspannungstechniken wie progressiver Muskelentspannung, tiefem Atemtraining, Meditation oder Yoga kann dazu beitragen, Stress abzubauen und das allgemeine Wohlbefinden zu steigern.
- Regelmäßige Pausen: Das Einteilen des Tages in gut strukturierte Abschnitte mit ausreichend Zeit für Pausen und Erholung ist wichtig. Überforderung und chronischer Stress können Symptome verschlimmern.
- Soziale Unterstützung: Der Austausch mit Familie und Freunden hilft, emotionalen Stress zu reduzieren. Das Teilen von Erfahrungen und Gefühlen kann nicht nur entlastend sein, sondern schafft ein Gefühl von Verbundenheit.
- Zeitmanagement: Effektives Zeitmanagement kann helfen, den täglichen Stress zu reduzieren.
Verschiedene Methoden zur Stressbewältigung, z.B. Achtsamkeitstraining, Meditation, Yoga oder autogenes Training.
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Gesunder Schlaf
Gesunder Schlaf ist essenziell für die körperliche Erholung und Regeneration. Im Körper finden während des Schlafs Reparatur- und Wiederherstellungsprozesse statt. Auch spielt Schlaf eine Schlüsselrolle bei der Unterstützung des Immunsystems. Ausreichender Schlaf kann dazu beitragen, die Immunabwehr zu stärken und die Anfälligkeit für Infekte zu verringern. Die Einhaltung einer festen Schlafroutine, die Gestaltung eines angenehmen Schlafumfelds und das Vermeiden von stimulierenden Aktivitäten vor dem Schlafengehen können zu einer erholsamen Nachtruhe beitragen.
Unser Körper braucht Schlaf zur Erholung und Regeneration. Daher können Schlafprobleme, wie zu kurzer oder unruhiger Schlaf, zu Problemen bei allen Körpersystemen führen. Gerade bei MS-Patienten treten Schlafstörungen gehäuft auf und können sogar zu Fatigue führen. Hier kann eine regelmäßige Schlaf-Routine mit festen Schlafzeiten und -ritualen helfen. Die alten Bekannten Ernährung, Bewegung und Sonnenschein sind weitere gute Mittel, Deinen Schlaf positiv zu beeinflussen.
Psychische Gesundheit und Kreativität
Die psychische Gesundheit ist genauso wichtig wie die körperliche Gesundheit. Die Pflege der mentalen Gesundheit ist daher von großer Bedeutung.
- Förderung von Lebensfreude und Lebensqualität: Ein positiver mentaler Zustand kann dazu beitragen, Lebensfreude und Lebensqualität zu fördern, trotz der Herausforderungen, die mit MS verbunden sein können.
- Besserer Umgang mit Symptomen: Eine stabile mentale Gesundheit kann dabei unterstützen, einen besseren Umgang mit den Symptomen zu entwickeln.
Es ist wichtig zu betonen, dass die Aufrechterhaltung einer positiven mentalen Gesundheit nicht bedeutet, dass du ständig glücklich sein musst. Kreative Ausdrucksweisen, angefangen bei einfachen Aktivitäten wie Tagebuchschreiben oder Skizzieren bis hin zu komplexeren künstlerischen Darstellungen, können nicht nur Freude bereiten, sondern auch als Ausdrucksmittel dienen. Sie ermöglichen es, Emotionen zu verarbeiten und einen positiven Fokus zu setzen.
- Selbstausdruck und Identität: Kreativität bietet einen Raum für Selbstausdruck und Selbstreflexion.
- Bewältigung von Emotionen: Wir tragen so viele Emotionen in uns, von Angst und Frustration bis zu Hoffnung und Freude.
- Stressabbau: Kreative Aktivitäten können als therapeutisches Mittel dienen, um Stress abzubauen.
- Förderung der Anpassungsfähigkeit: Kreativität erfordert oft Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, was gerade bei veränderten körperlichen Fähigkeiten förderlich sein kann.
Vitamin D und Multiple Sklerose
Vitamin D ist extrem interessant bei MS. Gerade die Menge an Vitamin D, der man in der Adoleszenz ausgesetzt wird, spielt eine Rolle. Mehr Sonne in diesen Jahren reduziert das Risiko an MS zu erkranken. Weniger Sonne erhöht es. Und wenn Familien in der Zeit umziehen, übernehmen die Jugendlichen das Risiko der neuen Heimatregion. Es ist klar, dass der Vitamin-D-Mangel ein Risikofaktor beim Ausbruch von Autoimmunerkrankungen darstellt. Aber inwieweit man nach dem Ausbruch der Erkrankung noch eine Auswirkung auf deren Verlauf erzielen kann, ist bisher nicht geklärt. Ein pragmatischer Ansatz mit 1.000 - 2.000 IE am Tag oder einmal 20.000 IE in der Woche ist üblich und völlig plausibel.
MS-Erkrankte sollten deshalb ihren Vitamin-D-Spiegel überprüfen lassen und nur bei bestehendem Mangel durch eine tägliche (800 bis 1.000 IE) oder wöchentliche (20.000 IE) Supplementation ausgleichen. Die langfristige tägliche Zufuhr über Supplemente sollte maximal 4.000 IE (< 100 Mikrogramm) betragen.
Bei extremen hohen Gaben wie beim Coimbra-Protokoll bestehen jedoch Gefahren, da Vitamin D als aktives Hormon zum Beispiel in den Calcium-Stoffwechsel eingreift. Wenn man da ungebremst hohe Dosen zuführt, kann genau das auch krankmachen.Dr. Coimbra hat zwar sein Protokoll ins Netz gestellt, aber es wurden nie kontrollierte Studien dazu gemacht, um eine Nutzen-Risiko-Analyse zu machen.
Nikotinkarenz
Rauchen ist ein eindrücklicher Risikofaktor, auch Passivrauchen und das Rauchverhalten der Eltern wirken sich negativ auf die Kinder aus. Vor allem wenn in der Familie bereits MS aufgetreten ist, sollte man dem Nikotin möglichst fernbleiben. Raucher erkranken häufiger und haben die schwereren Verläufe. Wenn man zum Nichtraucher wird, kann man den Verlauf wieder abmildern. Der Schritt lohnt sich. Das gilt auch für andere Autoimmunerkrankungen. Der Grund dafür liegt in der große immunologische Grenzfläche der Lunge, die stets im Austausch mit der Umwelt steht.
Es gibt Hinweise, dass Rauchen zu einem erhöhten Risiko führt, an MS zu erkranken. Sicher ist, dass Rauchen die Krankheitsprogression beschleunigt und sowohl die Schubrate als auch die Sterblichkeit steigert. Bei aktiven Rauchern mit MS zeigen sich häufiger kognitive Einschränkungen und es besteht ein erhöhtes Risiko für Depressionen und Angstzustände. Zudem kann das Rauchen die Wirksamkeit von Immuntherapeutika reduzieren. Umgekehrt gilt: Hören MS-Erkrankte mit dem Rauchen auf, kann das einen positiven Effekt auf die Behinderungsprogression haben. Wenn Sie regelmäßig rauchen und dieses zugunsten Ihrer Gesundheit aufgeben möchten, informieren Sie sich über konkrete Unterstützungsangebote zur Raucherentwöhnung. Vor allem jüngere MS-Erkrankte können durch einen Rauch-Stopp viel für ihren MS-Verlauf bewirken, doch ein Rauchstopp lohnt sich in jedem Lebensalter.
Alkohol und Cannabis
Bei Alkohol gibt es noch keine klare Studienlage. Alkohol ist allerdings ein Neurotoxin. Man kann durch erhöhten Alkoholkonsum neurologische Ausfälle haben. Für jemanden, der bereits Schäden hat, ist das nicht gut.
Cannabis ist ein interessantes Präparat. Als Medikament wird es zur Spastikbehandlung eingesetzt (z.B. Sativex). Es gehört ordentlich untersucht auf seine Möglichkeiten der Behandlung bei MS und anderen Erkrankungen. Allerdings sollte das nur in seriösen klinischen Studien erfolgen. Von einer Eigenbehandlung mit Cannabis bitte absehen. Es kann bei jüngeren Menschen Psychosen auslösen. Eine legale Form von Hanf ist das CBD-Öl. In den sozialen Medien wird es oft für die Behandlung chronischer Krankheiten beworben. CBD ist eine wirksame Substanz, die auch in Arzneimitteln eingesetzt wird. Unter anderem ist sie für eine kindliche Form der Epilepsie als Behandlung zugelassen. CBD ist auch in Sativex enthalten. Das Problem an den CBD-Ölen ist, dass unklar ist, was drin ist. Es wurden mal Reihenuntersuchungen gemacht.
Umgang mit Fatigue
Fatigue ist für viele Menschen mit MS ein belastendes Symptom, dass ihren Alltag und ihr Leben erheblich beeinträchtigt. Betroffene fühlen sich sehr schnell erschöpft und erleben eine ungewöhnliche Müdigkeit und einen starken Energiemangel. Fatigue kann dauerhaft bestehen oder sich im Tagesverlauf entwickeln bzw. verstärken. Fatigue-Betroffenen können z.B. Erlernen von Strategien zu Energiemanagement und Achtsamkeit, ggf. Einige Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Ernährungsformen (paläolithisch, mediterran, low-fat) helfen könnten, Fatigue zu verringern. Für Medikamente gegen Fatigue gibt es keine nachgewiesene Wirksamkeit. Jedoch können bei einer gleichzeitig bestehenden Depression ggf.
Reisen mit MS
Wenn Menschen mit Multipler Sklerose verreisen wollen, ist eine gute Planung wichtig: Extremes Klima sollte vermieden, nötige Impfungen mit Ärzten abgesprochen und die medizinische Versorgung vor Ort in Erfahrung gebracht werden. Vor und während der Reise sollte Stress so gut wie möglich vermieden werden. Alle wichtigen Dokumente (z.B. Reisepass, Impfausweis, Liste aller Medikamente, usw.) sollten ggf. Bei vielen Menschen mit MS haben Hitze und Wärme ungünstigen Einfluss auf das körperliche Befinden. Sie sollten nicht in die (Sub-)Tropen reisen. Über Impfungen nachdenken und mit dem behandelnden Arzt besprechen. Zur eigenen Sicherheit trägt es auch bei, sich von zu Hause über eine gute medizinische Versorgung vor Ort zu informieren. Dafür sorgen, dass auch im Ausland Krankenversicherungsschutz besteht (Auslandskrankenversicherung). Müssen Medikamente gekühlt werden, muss die Kühlkette auch während der Reise gegeben sein. Je nach Therapie sind Spritzen und Kanülen notwendig. Um bei Zollabfertigungen am Flughafen keine unnötigen Probleme zu bekommen, sollte ein ärztliches Attest (am besten auf Englisch) mitgeführt werden. Wer auf einen Rollstuhl angewiesen ist, sollte ein behinderungsgerechtes Hotel wählen und die An- bzw.
Selbsthilfegruppen und soziale Unterstützung
Angebote der Selbsthilfe können Menschen mit MS unterstützen. MS Betroffene, die aktiv nach sozialer Unterstützung und Ablenkung suchten, von weniger emotionalem Stress und verbesserter Lebensqualität berichteten. Der Austausch mit Familie und Freunden hilft, emotionalen Stress zu reduzieren. Das Teilen von Erfahrungen und Gefühlen kann nicht nur entlastend sein, sondern schafft ein Gefühl von Verbundenheit.
Die Rolle von Bewältigungsstrategien
Körperliche Einschränkungen, kognitive Beeinträchtigungen und die Unvorhersehbarkeit des Krankheitsverlaufs können das tägliche Wohlbefinden und die gesundheitsbezogene Lebensqualität (HRQoL) von Menschen mit Multipler Sklerose beeinträchtigen. Alle Menschen entwickeln Methoden, mit Stressoren umzugehen oder auf spezifische Stresssituation zu reagieren und externe und/oder interne Anforderungen zu bewältigen, die der oder die Einzelne als belastend empfindet. Dies kann aktiv erfolgen, indem der oder die Betroffene adaptive und/oder problemorientierte Strategien entwickelt, die die Stressbewältigung und das Erreichen eines gewünschten Zustandes erleichtern (z. B. handlungsorientierte Ansätze).
Insgesamt zeigten die ausgewählten Studien, dass Bewältigungsstrategien einen signifikanten Einfluss auf die Beziehung zwischen Schmerzen und Fatigue und das daraus resultierende Funktionsniveau sowie die emotionale Verfassung von MS-Betroffenen haben. So führten vermeidende Bewältigungsstrategien eher zu größeren funktionellen und emotionalen Schwierigkeiten, während adaptive Strategien mit weniger Herausforderungen und einer besseren Therapietreue verbunden waren, insbesondere bei injizierbaren Behandlungen.
In Summe zeigt die Untersuchung, dass aufgaben- und problemorientierte Bewältigungsstrategien bei MS Betroffenen weit verbreitet sind und mit einer besseren Lebensqualität in Verbindung gebracht werden können. Emotionsorientierte und vermeidende Strategien sind im Allgemeinen hingegen mit einer schlechteren Lebensqualität verbunden.
Temperament und Lebensqualität
Die Untersuchung bestätigte, dass sich bekannte Faktoren wie die Krankheitsdauer, körperliche Behinderungen, seelische Probleme und MS-Therapien, die ins Immunsystem eingreifen, erheblich auf die Lebensqualität niederschlagen. Vor allem bei MS-Patienten, die in ihrem Temperament zu Depressivität oder Zyklothymie neigten, hatten eine schlechtere Lebensqualität. Das hyperthymische Temperament wirkte sich dagegen positiv auf das Wohlbefinden im Alltag aus. "Die Effekte des Temperaments auf die Lebensqualität ließen sich unabhängig vom Ausmaß der Behinderungen, dem Einsatz immunmodulierender Therapien oder bestehenden psychischen Begleiterkrankungen nachweisen", schreiben die Forscher. Umgekehrt seien die Erkenntnisse auch für Ärzte hilfreich.
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