Multiple Sklerose und Lymphknotenschwellung: Ursachen und Zusammenhänge

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems, die das Gehirn und das Rückenmark betrifft. Sie kann im schlimmsten Fall zu körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen führen. Obwohl es mittlerweile Therapien gibt, die auf das jeweilige Krankheitsstadium und den Verlauf des Patienten zugeschnitten sind, ist MS derzeit nicht heilbar. Die Ursachen der Krankheit sind noch nicht vollständig geklärt, aber die Forschung hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht.

Die Rolle des Epstein-Barr-Virus (EBV)

Ein wichtiger Aspekt der MS-Forschung ist die Rolle des Epstein-Barr-Virus (EBV). Dieses Virus gehört zur Familie der Herpesviren und wird mit der Entstehung verschiedener Autoimmunerkrankungen in Verbindung gebracht. Eine Studie der Harvard Universität hat den Verdacht erhärtet, dass eine Infektion mit EBV, dem Auslöser des Pfeifferschen Drüsenfiebers, mit MS zusammenhängt. Circa 90 bis 95 Prozent der Bevölkerung tragen EBV in sich und infizieren sich im Laufe ihres Lebens. Bei MS-Patienten liegt die EBV-Infektionsrate bei etwa 99 Prozent und damit deutlich über der der Allgemeinbevölkerung.

Um einen Zusammenhang zwischen EBV und MS zu beweisen, müssten MS-Patienten vor Ausbruch der Erkrankung untersucht werden. Forscher der Harvard University nutzten eine Bio-Datenbank des US-Militärs mit Blutproben von über 10 Millionen Menschen, die über einen Zeitraum von 20 Jahren gesammelt wurden. Bei 801 Soldatinnen und Soldaten, die im Untersuchungszeitraum MS entwickelten, konnte in der ersten verfügbaren Blutprobe eine EBV-Infektion nachgewiesen werden. Bei fast allen Probanden, die später MS entwickelten, konnten Jahre vorher frühe Anzeichen der Erkrankung nachgewiesen werden, allerdings erst ab dem Zeitpunkt der EBV-Infektion.

Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass EBV eine wichtige Rolle bei der Entstehung von MS spielt. Ein EBV-Impfstoff könnte möglicherweise das Ende von MS bedeuten, aber viele Experten bezweifeln, dass dies gelingen kann, da der Impfstoff jede EBV-Infektion verhindern müsste. Ein Impfstoff, der zumindest den Ausbruch des Pfeifferschen Drüsenfiebers verhindert, könnte jedoch zu weniger MS-Fällen führen. Es ist wichtig zu beachten, dass die meisten Menschen, die sich mit EBV infizieren, keine MS entwickeln.

Wie EBV Multiple Sklerose auslösen könnte

Obwohl die genauen Mechanismen, durch die EBV zur Entstehung von MS beiträgt, noch nicht vollständig verstanden sind, gibt es mehrere Theorien. Eine Möglichkeit ist, dass eine fehlgeleitete Immunantwort gegen das Virus dazu führt, dass sich die Körperabwehr gegen Bestandteile von Nervenbahnen richtet. EBV könnte bei Menschen, die später Multiple Sklerose bekommen, eine spezifische Veränderung bewirken, einen molekularen Schalter umlegen. Vermutlich betrifft diese Veränderung die B-Gedächtniszellen des Immunsystems. Für eine Beteiligung dieser B-Zellen sprechen verschiedene Hinweise: vor allem die Tatsache, dass das Virus diese Zellen infiziert und dort lebenslang verbleibt.

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Symptome und Verlauf der Multiplen Sklerose

Multiple Sklerose tritt häufig unvermittelt und unerwartet auf, vorwiegend im jungen Erwachsenenalter. Oftmals ist zunächst nur ein einzelnes Symptom vorhanden, bei manchen Patienten sind es jedoch sofort mehrere. Beschwerdebild und Verlauf der Krankheit können dabei ganz unterschiedlich ausfallen.

Häufige Symptome der Multiplen Sklerose sind:

  • Sehstörungen
  • Krämpfe, Muskelzuckungen, Schwerfälligkeit, spastische Lähmungserscheinungen
  • Müdigkeit, allgemeine Mattigkeit oder Konzentrationsstörungen (Fatigue)
  • Gefühlsstörungen der Haut
  • Unsicherheiten beim Gehen, Störungen der Bewegungskoordination
  • Lähmungen oder Störungen beim Entleeren von Darm oder Blase

Meist verläuft die Erkrankung in Schüben, also Phasen mit Symptomen, die sich dann wieder zurückbilden (schubförmig remittierende MS). Bei rund 10 % der Patienten schreitet MS von Beginn an unaufhaltsam fort (primär progrediente MS). Es gibt auch eine Mischform, die sekundär progrediente MS, die sich aus der schubförmigen MS entwickelt, wenn sich die Symptome nach einem Schub kaum noch oder gar nicht mehr zurückbilden.

Diagnose der Multiplen Sklerose

Die Diagnose der Multiplen Sklerose kann komplex sein, da die Symptome vielfältig sind und sich von Patient zu Patient unterscheiden können. Es gibt keinen einzelnen Test, der MS eindeutig nachweisen kann. Die Diagnose basiert in der Regel auf einer Kombination aus:

  • Klinischer Beurteilung: Der Arzt erfasst die Krankengeschichte des Patienten und führt eine neurologische Untersuchung durch, um die Symptome und neurologischen Defizite zu beurteilen.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Eine MRT des Gehirns und des Rückenmarks kann Läsionen (Entzündungsherde) zeigen, die typisch für MS sind.
  • Liquoruntersuchung: Eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) kann bestimmte Entzündungsmarker aufdecken, die auf MS hindeuten.
  • Evozierte Potentiale: Diese Tests messen die elektrische Aktivität des Gehirns als Reaktion auf bestimmte Reize und können helfen, Schäden an den Nervenbahnen zu erkennen.

Behandlung der Multiplen Sklerose

Multiple Sklerose ist nicht heilbar, aber durch moderne Behandlungsmöglichkeiten kann der Verlauf der Erkrankung meist lange herausgezögert und verbessert werden. Die Therapie der Multiplen Sklerose stützt sich dabei auf mehrere Säulen:

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  • Schubtherapie: Behandlung akuter Schübe, damit Beschwerden sich schnell zurückbilden (z.B. mit Cortison-Präparaten).
  • Verlaufsmodifizierende Therapie (Basistherapie): Reduktion der Schwere und Häufigkeit der Schübe, um die beschwerdefreie oder -arme Zeit zu verlängern (z.B. mit Betainterferon-Präparaten, Glatirameracetat, Fingolimod, Siponimod, Ponesimod, Ozanimod, Teriflunomid, Dimethylfumarat, Cladribin, Natalizumab, Ocrelizumab, Ofatumumab, Alemtuzumab).
  • Symptomatische Therapie: Linderung von MS-Beschwerden und Vorbeugung möglicher Komplikationen.

Lymphknotenschwellung bei Multipler Sklerose

Lymphknotenschwellungen sind normalerweise kein direktes Symptom der Multiplen Sklerose selbst. Allerdings können sie in verschiedenen Kontexten im Zusammenhang mit MS auftreten:

  1. Während eines Schubs: Im Rahmen eines MS-Schubs kommt es zu einer Aktivierung des Immunsystems. In seltenen Fällen kann diese Aktivierung auch zu einer vorübergehenden Schwellung der Lymphknoten führen, insbesondere in der Nähe des Entzündungsherdes im zentralen Nervensystem.
  2. Infektionen: MS-Patienten, insbesondere solche, die immunsupprimierende Medikamente einnehmen, sind anfälliger für Infektionen. Lymphknotenschwellungen sind ein häufiges Zeichen einer Infektion, da die Lymphknoten eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr spielen. Eine Infektion kann also indirekt zu Lymphknotenschwellungen bei MS-Patienten führen. Das Pfeiffersche Drüsenfieber, ausgelöst durch EBV, kann beispielsweise mit geschwollenen Lymphknoten einhergehen.
  3. Nebenwirkungen von Medikamenten: Einige Medikamente, die zur Behandlung von MS eingesetzt werden, können als Nebenwirkung Lymphknotenschwellungen verursachen.
  4. Andere Ursachen: Es ist wichtig zu beachten, dass Lymphknotenschwellungen viele andere Ursachen haben können, die nicht mit MS in Zusammenhang stehen, wie z.B. andere Infektionen, Autoimmunerkrankungen oder in seltenen Fällen Krebs.

Wichtiger Hinweis: Wenn bei einem MS-Patienten Lymphknotenschwellungen auftreten, sollte dies immer von einem Arzt abgeklärt werden, um die Ursache zu ermitteln und gegebenenfalls eine geeignete Behandlung einzuleiten.

Die Rolle der Hirnhäute bei MS

Die Hirnhäute spielen eine wesentliche Rolle beim Krankheitsprozess der MS. Bei dieser chronisch entzündlichen Erkrankung des Zentralnervensystems greifen spezielle Immunzellen fälschlicherweise das eigene Hirngewebe an. Die Hirnhäute dienen hierbei nicht nur als Eintrittspforte für die selbstzerstörerischen Zellen in das Gehirn, sondern sie sind auch der Ort, an dem die Zellen den selbstzerstörerischen Angriff auslösen und dauerhaft weiterführen. Überraschenderweise sind nahezu ausschließlich die inneren, dem Gehirn anliegenden Schichten der Hirnhäute an dem Autoimmunangriff auf das Gehirn beteiligt. Die äußere, eigentlich „immunfreundliche“, harte Hirnhaut (Dura), ist dagegen vom Entzündungsprozess praktisch ausgeschlossen.

Aktuelle MS-Forschung und neue Medikamente

Die MS-Forschung ist weiterhin sehr aktiv, und es werden ständig neue Medikamente und Therapien entwickelt. Ein wichtiger Schwerpunkt liegt auf der Weiterentwicklung von immunmodulatorischen Substanzen, die das Voranschreiten der Behinderung effektiver unterbinden sollen. Durch Immunmodulatoren kann die Immunantwort im Körper beeinflusst und neu ausgerichtet werden. Ein weiterer Fokus liegt auf der Erforschung der Rolle von T-Zellen und B-Zellen, um die Mechanismen der Autoimmunreaktion besser zu verstehen. Andere Studien zielen darauf ab, den Anwendungskomfort durch längere Anwendungsintervalle oder eine orale Verabreichung zu erhöhen.

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