Multiple Sklerose und die Rolle von Sonnenblumenöl: Eine umfassende Betrachtung

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die weltweit Millionen Menschen betrifft. Die Krankheit ist durch Entzündungen, Demyelinisierung und Degeneration der Axone gekennzeichnet. Obwohl es keine Heilung gibt, können verschiedene Behandlungen und Lebensstiländerungen helfen, die Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Ernährung, insbesondere die Wahl der richtigen Fette.

Ernährung als Schlüssel zur Unterstützung der Gesundheit bei MS

Eine gesunde Ernährung ist für jeden Menschen wichtig, aber für MS-Betroffene kann sie eine besonders entscheidende Rolle spielen. Durch die Wahl der richtigen Lebensmittel können Betroffene ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit positiv beeinflussen und Entzündungsprozesse im Körper reduzieren. Eine antientzündliche Ernährung steht dabei im Fokus.

Fette sind neben Proteinen und Kohlenhydraten ein Grundbaustein unserer Ernährung. Sie sind Energielieferanten und Träger der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K. Einige Fette können jedoch das Entzündungsgeschehen im Körper beeinflussen, insbesondere Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren.

Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren: Das richtige Verhältnis ist entscheidend

Omega-6-Fettsäuren finden sich vor allem in tierischen Lebensmitteln, während Omega-3-Fettsäuren in fettem Fisch, Leinöl, Hanföl und Rapsöl vorkommen. Omega-3-Fettsäuren haben eine entzündungshemmende Wirkung, während Omega-6-Fettsäuren Entzündungen fördern können, wenn sie im Übermaß vorhanden sind.

Das ideale Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 liegt bei 5:1. In der Realität nehmen die meisten Menschen jedoch deutlich mehr Omega-6-Fettsäuren zu sich, was zu einem Ungleichgewicht führen kann. Dieses Ungleichgewicht kann für Menschen mit Autoimmunerkrankungen wie MS problematisch sein.

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Sonnenblumenöl: Ein kritischer Blick

Sonnenblumenöl ist ein weit verbreitetes Pflanzenöl, das reich an Vitamin E ist. Allerdings hat es ein ungünstiges Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren (121:1). Dies bedeutet, dass Sonnenblumenöl bei übermäßigem Konsum Entzündungsprozesse im Körper fördern kann.

Julia Bierenfeld, Ernährungsberaterin und MS-Expertin, empfiehlt, Omega-6-lastige Öle wie Sonnenblumenöl, Distelöl und Sojaöl zu reduzieren und stattdessen Omega-3-haltige Öle in die Ernährung zu integrieren.

Alternativen zu Sonnenblumenöl

Es gibt viele gesündere Alternativen zu Sonnenblumenöl, die ein besseres Fettsäureprofil aufweisen:

  • Rapsöl: Rapsöl hat ein neutrales Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 (2:1) und ist vielseitig einsetzbar, sowohl für die kalte als auch für die warme Küche.
  • Leinöl und Hanföl: Diese Öle sind reich an Omega-3-Fettsäuren und eignen sich hervorragend für die kalte Küche, z.B. für Salate. Sie sind jedoch nicht hitzestabil und sollten nicht zum Braten verwendet werden.
  • Olivenöl: Olivenöl hat ein moderates Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 (9:1) und ist reich an einfach ungesättigten Fettsäuren, die ebenfalls gesundheitsfördernd sind.

Antientzündliche Ernährung bei MS: Mehr als nur die Wahl der richtigen Fette

Eine antientzündliche Ernährung bei MS umfasst mehr als nur die Auswahl der richtigen Fette. Es geht darum, den Körper mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen, die er benötigt, um Entzündungen zu reduzieren und das Immunsystem zu stärken.

Wichtige Bestandteile einer antientzündlichen Ernährung

  • Pflanzliche Lebensmittel: Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte sollten die Basis der Ernährung bilden. Sie liefern wichtige Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Ballaststoffe und Antioxidantien.
  • Antioxidantien: Antioxidantien schützen den Körper vor freien Radikalen, die bei Entzündungsprozessen entstehen. Sie sind in vielen pflanzlichen Lebensmitteln enthalten, insbesondere in Beeren, dunklem Blattgemüse und Kräutern.
  • Ballaststoffe: Ballaststoffe fördern eine gesunde Verdauung und unterstützen die Darmgesundheit. Sie sind in Vollkornprodukten, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten enthalten.
  • Selen: Selen ist ein wichtiges Spurenelement, das für die Funktion des Immunsystems und den Schutz vor oxidativem Stress benötigt wird. Es ist in Kokosnüssen, Steinpilzen, Thunfisch und Fleisch enthalten.
  • Magnesium: Magnesium ist wichtig für das Zusammenspiel von Nerven und Muskeln und hat eine entzündungshemmende Wirkung. Es kommt in Vollkorngetreide, Nüssen, grünen Bohnen und dunkler Schokolade vor.
  • B-Vitamine: B-Vitamine spielen eine wichtige Rolle für das Nervensystem, verbessern neurologische Symptome und unterstützen Konzentration und geistige Leistungsfähigkeit. Sie kommen vor allem in Hülsenfrüchten, Fisch, grünem Gemüse und Vollkorngetreide vor.
  • Kalium: Kalium ist wichtig für die Reizweiterleitung in den Muskel- und Nervenzellen. Es ist in Gurken, Ananas, Spargel, Artischocken, Zwiebeln, Avocado, Kartoffeln, Reis und Nüssen enthalten.

Lebensmittel, die vermieden werden sollten

  • Industriell verarbeitete Lebensmittel: Diese enthalten oft viele gesättigte Fettsäuren, Zucker, Salz und Konservierungsstoffe und liefern kaum Antioxidantien.
  • Zucker: Übermäßiger Zuckerkonsum kann Entzündungen im Körper fördern.
  • Alkohol: Alkohol kann Entzündungsprozesse verstärken und den oxidativen Stress im Körper erhöhen.
  • Schweinefleisch: Schweinefleisch enthält Arachidonsäure, eine Omega-6-Fettsäure, die Entzündungen fördern kann.
  • Transfette: Transfette entstehen bei der industriellen Härtung von Pflanzenölen und in stark erhitzten Fetten. Sie stören die Verwertung von gesunden ungesättigten Fettsäuren und fördern Entzündungsprozesse im Darm.

Weitere wichtige Aspekte für ein gesundes Leben mit MS

Neben der Ernährung gibt es noch weitere Faktoren, die das Wohlbefinden und den Krankheitsverlauf bei MS beeinflussen können:

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  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung und Sport können Symptome wie Fatigue, Spastiken und Muskelschwäche verbessern.
  • Stressmanagement: Stress kann Entzündungsprozesse im Körper verstärken. Entspannungsübungen wie Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen.
  • Vitamin D: Ein Vitamin-D-Mangel ist bei MS-Patienten häufig. Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D kann die Krankheitsaktivität reduzieren.
  • Darmgesundheit: Eine gesunde Darmflora ist wichtig für das Immunsystem und kann Entzündungsprozesse im Körper reduzieren. Probiotika und Präbiotika können helfen, die Darmflora zu unterstützen.
  • Rauchen: Rauchen kann die Krankheit verstärken und den Verlauf beschleunigen.

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