Muskatellersalbei: Erfahrungen und Anwendung gegen Migräne und Kopfschmerzen

Viele Menschen kennen das Gefühl, wenn einfach nicht der richtige Tag ist. Umso wichtiger ist es, gesunde Alternativen zu finden, um mit Stress und Unwohlsein umzugehen. Hierbei können Aromen und ätherische Öle eine unterstützende Rolle spielen. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen mit Muskatellersalbei und seine potenziellen Anwendungen bei Migräne und anderen Kopfschmerzarten.

Kopfschmerzen: Eine Volkskrankheit

Kopfschmerzen sind weit verbreitet und gehören neben Rückenschmerzen zu den häufigsten Schmerzformen. Etwa zwei Drittel der Bevölkerung leiden gelegentlich oder regelmäßig darunter. Dabei unterscheidet man zwischen primären und sekundären Kopfschmerzen, je nach Ursache. Primäre Kopfschmerzen, wie Spannungskopfschmerz, Migräne oder Cluster-Kopfschmerz, sind eigenständige Krankheitsbilder. Sekundäre Kopfschmerzen hingegen sind Folge einer anderen Erkrankung, beispielsweise Tumoren, Stirnhöhlenentzündung oder Meningitis.

Es gibt bis zu 250 verschiedene Arten von Kopfschmerzen, wobei Spannungskopfschmerzen und Migräne die häufigsten sind und etwa 90 % aller Kopfschmerzdiagnosen ausmachen.

Spannungskopfschmerz

Spannungskopfschmerzen äußern sich meist als mittelstarke, dumpf-drückende Schmerzen, die beidseitig über den gesamten Kopf verteilt sind. Oft werden sie im Nacken oder Hinterkopf empfunden oder strahlen von dort aus. Im Gegensatz zur Migräne treten keine Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Sehstörungen auf. Betroffene können oft noch arbeiten. Ein chronischer Spannungskopfschmerz liegt vor, wenn er an mehr als 15 Tagen im Monat oder 180 Tagen im Jahr auftritt.

Als Ursache wird eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit der Kopfmuskulatur diskutiert. Schlechte Sitzpositionen, unbequeme Betten oder ein Fehlbiss können Spannungskopfschmerzen auslösen. Psychologin Dr. Ulrike Nagorsen betont, dass die Ursachen oft ungeklärt sind, aber viele Patienten eine erhöhte Anspannung in Nacken- und Rückenmuskulatur aufweisen. Flüssigkeits- und Frischluftmangel können ebenfalls eine Rolle spielen. Weitere Auslöser sind negativer Stress, Wetterfühligkeit, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Übersäuerung des Körpers.

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Migräne

Migräne ist eine chronische Kopfschmerzkrankheit mit akuten, meist halbseitig auftretenden Schmerzattacken. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. In einigen Fällen kündigt sich eine Migräne durch neurologische Symptome wie Sehstörungen (Flimmersehen, Lichtblitze, Gesichtsfeldausfälle), Sprachstörungen, Missempfindungen (Kribbeln, Taubheitsgefühl) oder Lähmungen an. Diese Vorform wird als Migräne-Aura bezeichnet. Die Kopfschmerzen selbst sind pochend, pulsierend oder hämmernd und von mittlerer bis starker Intensität. Sie entstehen durch Entzündungsbotenstoffe im Gehirn, die die Blutgefäße anschwellen lassen. Körperliche Bewegung verstärkt den Schmerz, was die Arbeitsfähigkeit einschränkt.

Charakteristische Begleitsymptome sind Übelkeit, Erbrechen sowie Licht-, Lärm- und Geruchsüberempfindlichkeit. Die Schmerzen können 18-72 Stunden anhalten. Die Ursachen der Migräne sind weitgehend ungeklärt. In 60-70 % der Fälle wird ein Zusammenhang mit familiären Vorbelastungen und einem Ungleichgewicht von Botenstoffen wie Serotonin vermutet. Auslösende Faktoren können psychischer Stress, Alkohol (besonders Rotwein), bestimmte Speisen (Schokolade, Hartkäse) und hormonelle Veränderungen (Menstruationsbeginn) sein. Dr. Nagorsen betont die Rolle neurovaskulärer Prozesse im Hirnstamm und eine erhöhte Instabilität der Blutgefäße bei Migränepatienten. Stresshormone beeinflussen den Gefäßdurchmesser, weshalb Stressreduktion wichtig ist.

Therapieansätze bei Kopfschmerzen

Schulmedizinische Behandlung

In der Schulmedizin werden zur Behandlung von Spannungskopfschmerzen und Migräne Medikamente eingesetzt, meist Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Naproxen und Diclofenac (nichtsteroidale Antirheumatika, NSAR). Diese wirken schmerzstillend und entzündungshemmend. Mögliche Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden, Blutgerinnungsstörungen und Analgetikaasthma. Paracetamol und Phenazon werden ebenfalls verwendet, wobei Paracetamol als schwächeres Schmerzmittel mit besserer Verträglichkeit gilt, aber bei längerem Gebrauch lebertoxische Nebenwirkungen haben kann. Bei mittelschwerer bis schwerer Migräne werden Triptane verordnet, die den Schmerz und die Begleitsymptome lindern, indem sie die Ausschüttung von Neuropeptiden hemmen. Triptane dürfen nicht bei Durchblutungsstörungen des Herzens oder Gehirns angewendet werden und sind bei Spannungskopfschmerzen wirkungslos.

Die Dosierung der Schmerzmittel muss sorgfältig abgewogen werden, da sowohl eine zu starke als auch eine zu schwache Dosierung zu Dauerkopfschmerzen führen kann. Synthetische Schmerzmittel sollten nicht öfter als 10 Tage im Monat und nicht länger als drei Tage in Folge eingenommen werden. Sie sind als Übergangslösung zu ursächlicheren Therapien zu betrachten. Bei häufigen Kopfschmerzen sind naturheilkundliche Maßnahmen, Ursachenforschung und Lebensstiländerungen ratsam.

Naturheilkundliche Behandlung

Naturheilkundliche Maßnahmen zielen darauf ab, die Ursachen des Kopfschmerzes zu beseitigen und die Grundregulation des Körpers wiederherzustellen. Schmerzen werden als Ausdruck einer Fehlregulation betrachtet, die es auf physischer und seelischer Ebene zu erkennen und zu verändern gilt.

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Phytotherapie

Heilpflanzen bieten die Möglichkeit, die Beschwerdeursachen individuell auf die Lebenssituation abzustimmen. Eine wesensgemäße Anwendung berücksichtigt, dass die Natur eine Art Universalsprache ausgebildet hat, die es ermöglicht, den Organismus als Ganzes umzustimmen und Umstellungsprozesse in der Lebensführung zu unterstützen.

  • Passionsblume (Passiflora incarnata): Bei Kopfschmerzen, die aus Zerfahrenheit, Disharmonie oder Herzensunruhe entstehen. Wirkt harmonisierend, angst- und krampflösend.
  • Hafer (Avena sativa): Bei Spannungskopfschmerzen, die aus Belastungen, Zeitdruck oder Überforderung entstehen. Wirkt aufrichtend und stärkend bei nervösen Erschöpfungszuständen.
  • Gundelrebe (Glechoma hederacea): Fördert das Loslassen von Altem, Gelassenheit und Lebendigkeit.
  • Pestwurz (Petasitis): Hat sich bei Migräne bewährt und kann die Anzahl der Anfälle reduzieren.

Aromatherapie

Aromatherapien wirken auf stofflicher und sinnlicher Ebene und sollten professionell begleitet werden. Es ist wichtig, Aromen zu verwenden, die der Patient mag. Entspannende und schmerzstillende Wirkungen sind für ätherische Öle von Lavendel, Majoran oder Pfefferminze nachgewiesen. Pfefferminze hat eine vergleichbare schmerzstillende und kühlende Wirkung wie eine Kopfschmerztablette ohne bekannte Nebenwirkungen. Bei Kopfschmerzen haben sich auch Angelikawurzelöl, Grapefruitöl, Litseaöl und Bergamottenöl bewährt. Bei Kindern und Jugendlichen mit Spannungskopfschmerzen werden gute Erfolge mit Mandarine, Bergamotteminze und Vanille berichtet.

Zur Anwendung gibt man 1-2 Tropfen auf ein Taschentuch und reibt damit Schläfen und Nacken ein. Alternativ können die Öle in ein heißes Entspannungsbad gegeben werden, nachdem sie mit Honig, Sahne oder Meersalz als Emulgatoren vermischt wurden. Für das Bad können auch Öle von Muskatellersalbei, Rosengeranie oder Sandelholz verwendet werden.

Spagyrik

Spagyrik ist ein anderer Name für Alchemie, übertragen auf die Herstellung von Arzneimitteln. Spagyrischen Zubereitungsformen liegt die Vorstellung zugrunde, dass Stoffe nicht in erster Linie durch Eigenschaften, sondern durch Prinzipien charakterisiert sind. Zur Linderung von Spannungskopfschmerzen hat die Spagyrik eine aufwändige Mischung entwickelt, die die Prinzipien kolloidalen Silbers, Silbercitrats sowie einer Tabakblätterdilution nutzt und diese mit einer spagyrischen Komplextinktur aus Beifußkraut, Mistelkraut, Pfingstrosenblüten, Christrosenwurzel, sowie Ammoniumbromid, Kaliumbromid und Natriumbromid kombiniert.

Schüsslersche Biochemie

Das vom homöopathischen Arzt Wilhelm Heinrich Schüssler entwickelte Heilungsverständnis basiert auf der Annahme, dass alle Krankheiten Ausdruck einer gestörten Biochemie sind, und diese wiederum ein gestörter Mineralhaushalt zugrunde liegt.

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Muskatellersalbei (Salvia sclarea)

Muskatellersalbei war eine der wichtigsten heiligen Pflanzen der Kelten. Das ätherische Öl des Muskatellersalbeis ist besonders hilfreich bei prämenstruellen Syndromen und anderen Menstruationsproblemen. Es enthält bis zu 7 % Sclareol, das eine dem Östrogen verwandte Molekularstruktur hat, was einige der hormonähnlichen Wirkungen erklärt. Studien deuten darauf hin, dass das Öl den Thalamus anregen und die Absonderung von Encephalinen fördern kann.

Wirkung und Anwendung

  • Hormonelle Wirkung: Reguliert den Hormonhaushalt und hilft bei Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen und Migräne.
  • Nervenstärkend und entkrampfend: Wirkt beruhigend bei Anspannung und belebend bei Erschöpfung.
  • Stimmungsaufhellend: Kann die Stimmung heben und wird deshalb gern bei Depressionen eingesetzt.
  • Weitere Anwendungen: Bei Muskel- und Magenbeschwerden, Hautleiden und Erkältungskrankheiten.
  • Aromatherapie: Im Bad zur Entspannung, auf ein Tuch geträufelt gegen Heuschnupfen.

Hildegard von Bingen und Muskatellersalbei

Hildegard von Bingen empfiehlt im 162. Kapitel ihrer "Physica": "Wer Kopfschmerzen hat, koche Muskateller-Salbei in Wasser, drücke das Wasser aus und lege ihn so heiß ringsum auf seinen Kopf und bedecke das Haupt mit einem Tuch, um so einzuschlafen, und es wird ihm besser gehen. Seine gute Wärme nämlich vermindert die verschiedenartigen Säfte, die den Kopf quälen."

Sie beschreibt zahlreiche weitere Anwendungen und Rezepte gegen Kopfschmerzen, die oft die Verwendung von Kräutern, Ölen und Salben beinhalten. Viele dieser Rezepte zielen darauf ab, die "Säfte" im Körper auszugleichen und die Wärme zu regulieren.

Vorsichtsmaßnahmen und Nebenwirkungen

  • Alkohol: Muskatellersalbei kann die berauschende Wirkung von Alkohol verstärken.
  • Schwangerschaft: Sollte während der Schwangerschaft nicht innerlich angewendet werden (Ausnahme: Dammmassage-Öl ca. 4 Wochen vor dem Geburtstermin).
  • Albträume: Bei manchen Menschen kann die Aufnahme kleiner Mengen zu intensiven Albträumen führen.
  • Hautreizungen: Kann im Mund- und Rachenbereich bei empfindlichen Menschen zu leichten Verbrennungen führen.

Weitere Erfahrungen und Hinweise

  • Einige Menschen empfinden Düfte im Allgemeinen als Kopfschmerz auslösend, insbesondere Pfefferminze und süße Parfüms. Hier ist Vorsicht geboten und es sollte getestet werden, ob Muskatellersalbei eine Linderung bringt oder die Beschwerden verstärkt.
  • Pfefferminzöl (z.B. in Euminz) kann bei manchen Menschen bei Kopfschmerzen helfen.
  • Es ist wichtig, auf die Qualität der ätherischen Öle zu achten und sie sparsam zu verwenden.

Weitere Tipps und Hausmittel gegen Kopfschmerzen

Neben Muskatellersalbei gibt es weitere Hausmittel und Tipps, die bei Kopfschmerzen helfen können:

  • Frische Luft: Regelmäßiges Lüften sorgt für eine gute Sauerstoffversorgung.
  • Entspannung: Stressabbau durch Entspannungsübungen, Meditation oder Yoga.
  • Kräutertees: Kamillenblütentee oder Ingwerdrink können Linderung verschaffen.
  • Lavendelkissen: Ein Kissen oder Stoffbeutel, gefüllt mit Lavendelblüten, Zitronenmelissenblättern und Rosen, kann Spannungen lösen und Kopfschmerzen vertreiben.
  • Zitronige Düfte: Frische zitronige Düfte wirken bei den meisten Menschen schmerzlindernd.
  • Hydrokultur: Pflanzen in Hydrokultur oder Tongranulat ziehen, um Schimmelpilzsporen und Bakterien in der Erde zu vermeiden.

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