Muskelkrämpfe als Nebenwirkung von Blutdrucksenkern: Ursachen, Auswirkungen und Management

Viele Menschen greifen bei Kopf- oder Rückenschmerzen schnell zu Tabletten. Allerdings können Medikamente selbst die Ursache für schmerzhafte Beschwerden sein. Gerade bei älteren und multimorbiden Patienten ist es wichtig, dass Apotheker aufmerksam sind, damit Nebenwirkungen einer Pharmakotherapie nicht mit einem anderen Arzneimittel behandelt werden, das wiederum unerwünschte Wirkungen hat. Dies gilt insbesondere für Muskelschmerzen.

Ursachen von Muskelkrämpfen

Muskelkrämpfe sind unwillkürliche, schmerzhafte Kontraktionen der Skelettmuskulatur, die oft mit einer tastbaren Verhärtung einhergehen. Nächtliche Wadenkrämpfe sind besonders häufig. Die Ursachen für Muskelkrämpfe sind vielfältig:

  • Neurogene Muskelkrämpfe: Diese entstehen durch eine nervale Übererregbarkeit motorischer Nerven. Es wird angenommen, dass eine Übererregbarkeit der Alpha-Motoneurone, an der afferente Nervenfasern von Dehnungsrezeptoren in Sehnen und Muskeln beteiligt sind, eine Rolle spielt. Dies erklärt auch, warum Dehnen des betroffenen Muskels oft zu einer raschen Besserung führt. Eine Überaktivität von Ionenkanälen in den terminalen Aufzweigungen der motorischen Nerven kann ebenfalls zu einer Übererregbarkeit der Nerven führen.
  • Begünstigende Faktoren: Starkes Schwitzen, unzureichende Flüssigkeitsaufnahme nach körperlicher Anstrengung, muskuläre Überlastung und Störungen des Mineralhaushaltes (z.B. durch Diuretika, Durchfall, Nierenfunktionsstörung oder Hämodialyse) können Muskelkrämpfe begünstigen. Auch hormonelle Störungen der Schilddrüse oder der Nebenniere sowie Unterzuckerungen können eine Rolle spielen. In der Schwangerschaft treten Muskelkrämpfe ebenfalls häufiger auf.
  • Medikamente: Verschiedene Medikamente können Muskelkrämpfe als Nebenwirkung verursachen. Dazu gehören unter anderem Statine, Carvedilol, Ramipril, Risperidon und Citalopram.
  • Neurologische Erkrankungen: Neurologische Erkrankungen der motorischen Nerven, Polyneuropathien, Spinalstenose, Nervenwurzelschädigungen (z.B. durch Bandscheibenvorfälle) sowie Autoimmunerkrankungen oder genetische Faktoren können ebenfalls Muskelkrämpfe verursachen.

Muskelkrämpfe als Nebenwirkung von Blutdrucksenkern

Einige blutdrucksenkende Medikamente, insbesondere Diuretika und ACE-Hemmer, können Muskelkrämpfe als Nebenwirkung auslösen.

Diuretika

Diuretika werden zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt, indem sie die Ausscheidung von Wasser und Elektrolyten über die Nieren fördern. Dies kann jedoch zu einem Ungleichgewicht im Elektrolythaushalt führen, insbesondere zu einem Mangel an Kalium, Natrium und Magnesium. Diese Elektrolytstörungen können Muskelkrämpfe begünstigen.

ACE-Hemmer

ACE-Hemmer wie Ramipril werden ebenfalls zur Behandlung von Bluthochdruck und Herzinsuffizienz eingesetzt. Sie wirken, indem sie die Bildung von Angiotensin II hemmen, einem Hormon, das die Blutgefäße verengt. ACE-Hemmer können jedoch auch den Abbau von Bradykinin hemmen, einer Substanz, die Entzündungen fördern und Muskelkrämpfe auslösen kann.

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Candesartan

Candesartan ist ein Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker, der zur Behandlung von Bluthochdruck und Herzinsuffizienz eingesetzt wird. Obwohl Candesartan im Allgemeinen gut verträglich ist, können als häufigste Nebenwirkungen Atemwegsinfektionen, Benommenheit und Schwindel auftreten. Muskelkrämpfe sind in den Fachinformationen nicht explizit als häufige Nebenwirkung aufgeführt, aber es ist wichtig, mögliche Zusammenhänge zu berücksichtigen.

Amlodipin

Amlodipin ist ein Calciumkanalblocker, der zur Behandlung von Bluthochdruck und Angina pectoris eingesetzt wird. Mögliche Nebenwirkungen von Amlodipin sind unter anderem Schläfrigkeit, Müdigkeit, Schwindelgefühle, Kopfschmerzen, Wassereinlagerungen (Ödeme) in Armen und Beinen, Herzrasen, Herzklopfen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Hautrötungen, Hautausschlag, Juckreiz, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie Krämpfe.

Statine und Muskelbeschwerden

Statine, die zur Senkung des Cholesterinspiegels eingesetzt werden, sind dafür bekannt, Muskelschmerzen und -krämpfe zu verursachen. Eine Studie des ECRC-Teams von MDC und Charité hat gezeigt, dass Statine tatsächlich Tausende von Genen in den Muskelzellen beeinflussen, was zu Wachstums- und Teilungsstörungen der Zellen führt. Die Gabe von Omega-3- oder Omega-6-Fettsäuren konnte die negativen Auswirkungen der Statine teilweise rückgängig machen.

Diagnose und Behandlung von Muskelkrämpfen

In den meisten Fällen sind Muskelkrämpfe harmlos und bedürfen keiner weiteren Diagnostik. Bei einer deutlichen Zunahme der Häufigkeit, Muskelkrämpfen in ungewöhnlichen Körperregionen oder dem Auftreten von Muskelkrämpfen zusammen mit Faszikulationen oder Muskelschwäche ist jedoch eine weitere Diagnostik durch den Neurologen erforderlich, um zugrundeliegende neuromuskuläre Erkrankungen auszuschließen.

Sofortmaßnahmen bei akuten Muskelkrämpfen

  • Dehnung: Sofortige Dehnung des betroffenen Muskels kann den Krampf lösen.

Vorbeugende Maßnahmen

  • Überprüfung der Medikamente: Überprüfen Sie Ihre Medikamente auf Muskelkrämpfe als mögliche Nebenwirkung und besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob diese pausiert oder ersetzt werden können.
  • Reduktion von Alkohol und Koffein: Reduzieren Sie Ihren Alkohol- und Koffeinkonsum.
  • Regelmäßige Dehnung: Regelmäßige Dehnung der betroffenen Muskeln, z.B. abends vor dem Zubettgehen, kann die Neigung zu Muskelkrämpfen reduzieren.
  • Elektrostimulation: Eine spezielle repetitive Elektrostimulation der zu Muskelkrämpfen neigenden Muskeln kann zu einer Verminderung von Muskelkrämpfen führen.
  • Magnesium: Die Einnahme von Magnesium kann hilfreich sein, allerdings sind häufig höhere Dosen erforderlich, die jedoch Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt (Durchfall) verursachen können.
  • Chinin: Die Anwendung von Chinin Sulfat ist in Deutschland seit 2015 wieder rezeptpflichtig und wird kontrovers diskutiert, da es zwar wirksam ist, aber auch Sicherheitsbedenken bestehen.

Medikamentöse Therapie

Weitere Medikamente zur Therapie von Muskelkrämpfen, z.B. Natrium- und Kalziumkanal blockierende Substanzen (Antiepileptika, Medikamente zur Behandlung neuropathischer Schmerzen), können hilfreich sein, bedürfen aber der regelmäßigen Einnahme und Begleitung durch einen Arzt.

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Wichtige Hinweise

  • Ärztliche Beratung: Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten, wenn Sie unter Muskelkrämpfen leiden, insbesondere wenn diese neu auftreten, sich verschlimmern oder von anderen Symptomen begleitet werden.
  • Medikationsberatung: Nehmen Sie mehrere Medikamente ein? Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Apotheker pharmazeutisch beraten, um mögliche Wechselwirkungen und Nebenwirkungen zu erkennen. In Apotheken wird eine erweiterte Medikationsberatung bei Patienten mit Polymedikation angeboten, die von den Krankenkassen erstattet wird.
  • Nicht eigenmächtig Medikamente absetzen: Setzen Sie Medikamente nicht eigenmächtig ab, sondern besprechen Sie dies immer mit Ihrem Arzt.

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