Muskelkrampf der glatten Muskulatur: Ursachen und Behandlung

Muskelschmerzen sind ein weit verbreitetes Phänomen, das in den meisten Fällen harmlos ist und im Rahmen von Muskelverspannungen, Muskelkater, leichten Muskelzerrungen oder Virusinfektionen auftritt. Allerdings können Muskelschmerzen (Myalgie) auch Symptom einer ernsthafteren Erkrankung sein oder durch muskuläre Funktionsstörungen ausgelöst werden.

Arten von Muskelschmerzen

Muskelschmerzen können sich lokal in einzelnen Muskeln oder Muskelgruppen äußern, aber auch diffus in der Muskulatur des ganzen Körpers wahrgenommen werden. Sie können akut (nach Belastungen, Verletzungen oder bei viralen Infekten) oder chronisch (aufgrund von anhaltenden Fehlhaltungen/Belastungen oder Nährstoffmangel) auftreten. Die Schmerzen selbst können dumpf, ziehend, stechend, brennend und/oder krampfartig sein und auf Druck, in Ruhe oder bei Belastung entstehen. Am häufigsten werden sie in den Beinen und Armen sowie als Rückenschmerzen, Nackenschmerzen oder Schulterschmerzen wahrgenommen.

Ursachen von Muskelkrämpfen

Muskelkrämpfe sind eine spezielle Form von Muskelschmerzen, die meist plötzlich unter Belastung oder in Ruhephasen auftreten. Sie sind durch eine unwillkürliche und schmerzhafte Kontraktion des betroffenen Muskels gekennzeichnet, der sich dabei steinhart verhärten kann. Die Ursachen für Muskelkrämpfe sind vielfältig und können sowohl die Skelettmuskulatur als auch die glatte Muskulatur der inneren Organe und Gefäße betreffen.

Ursachen für Muskelkrämpfe in der Skelettmuskulatur

Die häufigsten Ursachen für Muskelkrämpfe in der Skelettmuskulatur sind:

  • Muskelüberlastung: Eine ungewohnte oder übermäßige Belastung der Muskulatur, wie sie beispielsweise beim Sport oder bei schwerer körperlicher Arbeit vorkommt, kann zu Muskelkrämpfen führen.
  • Flüssigkeits- und Elektrolytmangel: Durch starkes Schwitzen, insbesondere bei hohen Temperaturen, verliert der Körper Flüssigkeit und wichtige Mineralstoffe wie Natrium, Kalium, Kalzium und Magnesium. Dieser Mangel kann die Erregbarkeit der Muskelfasern verändern und Krämpfe auslösen.
  • Durchblutungsstörungen: Eine mangelnde Durchblutung der Muskulatur, beispielsweise durch verengte Blutgefäße oder Krampfadern, kann zu einem Sauerstoffmangel im Muskel führen und Krämpfe begünstigen.
  • Nervenerkrankungen: Bestimmte Nervenerkrankungen, wie beispielsweise Polyneuropathie oder Radikulopathie, können die Nervenimpulse, die die Muskeln steuern, beeinträchtigen und Krämpfe verursachen.
  • Stoffwechselerkrankungen: Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Schilddrüsenunterfunktion können ebenfalls Muskelkrämpfe auslösen.
  • Medikamente: Einige Medikamente, wie beispielsweise Diuretika (Entwässerungstabletten), Statine (Cholesterinsenker) oder Abführmittel, können als Nebenwirkung Muskelkrämpfe verursachen.
  • Fußfehlstellungen: Fehlstellungen der Fußgelenke können zu einer verstärkten oder einseitigen Belastung der Muskulatur führen und Krämpfe begünstigen.
  • Schwangerschaft: Während der Schwangerschaft kann es aufgrund von hormonellen Veränderungen, Elektrolytverschiebungen und der zusätzlichen Belastung der Beinmuskulatur zu Muskelkrämpfen kommen.

Ursachen für Muskelkrämpfe in der glatten Muskulatur

Krämpfe der glatten Muskulatur können verschiedene Organe betreffen und unterschiedliche Beschwerden verursachen. Häufige Beispiele sind:

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  • Oberbauchkrämpfe: Diese können durch ein krampfhaftes Zusammenziehen der Muskulatur in den Verdauungsorganen hervorgerufen werden. Mögliche Ursachen sind Entzündungen der Gallenblase, des Magens oder der Bauchspeicheldrüse, Gallensteine, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, erhöhter Kaffee- oder Alkoholkonsum, Magen- oder Darmgeschwüre, Nierensteine oder eine Nierenbeckenentzündung.
  • Unterbauchkrämpfe: Auch hier können Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Entzündungen des Darms oder der Blase, eine Blinddarmentzündung, Divertikulitis, ein Tumor des Dickdarms oder Erkrankungen der Gebärmutter und Eierstöcke bei Frauen die Ursache sein.
  • Afterkrämpfe: Diese werden vermutlich durch Krämpfe oder Spasmen in der glatten Muskulatur des Enddarms verursacht. Vergrößerte Hämorrhoiden könnten durch eine sauerstoffarme Situation in der Umgebung einen solchen Spasmus auslösen.

Diagnose von Muskelkrämpfen

Bei gelegentlichen Muskelkrämpfen ist in der Regel keine ärztliche Untersuchung erforderlich. Treten die Krämpfe jedoch häufiger, stärker oder in ungewöhnlicher Form auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache abzuklären.

Die Diagnose umfasst in der Regel:

  • Anamnese: Der Arzt befragt den Patienten nach Art, Häufigkeit, Dauer und Lokalisation der Krämpfe, möglichen Auslösern, Begleitsymptomen, Vorerkrankungen und eingenommenen Medikamenten.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die Muskulatur auf Verspannungen, Verhärtungen oder andere Auffälligkeiten.
  • Laboruntersuchungen: Eine Blutuntersuchung kann Aufschluss über Elektrolytstörungen, Entzündungen, Stoffwechselerkrankungen oder andere Grunderkrankungen geben.
  • Neurologische Untersuchung: Bei Verdacht auf eine Nervenerkrankung kann eine neurologische Untersuchung durchgeführt werden.
  • Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Röntgen oder MRT erforderlich sein, um die Ursache der Krämpfe zu finden.

Behandlung von Muskelkrämpfen

Die Behandlung von Muskelkrämpfen richtet sich nach der Ursache. In den meisten Fällen können die Beschwerden jedoch durch einfache Maßnahmen gelindert werden.

Akutmaßnahmen bei Muskelkrämpfen

  • Dehnen: Dehnen des betroffenen Muskels ist die effektivste Sofortmaßnahme. Bei einem Wadenkrampf beispielsweise kann man die Zehen mit den Händen in Richtung Oberkörper ziehen oder sich in Schrittstellung vor eine Wand stellen und die Ferse des hinteren Beins auf den Boden drücken.
  • Massieren: Massieren des verkrampften Muskels kann helfen, die Verspannung zu lösen und die Durchblutung anzuregen.
  • Wärme: Wärme, beispielsweise in Form einer Wärmflasche, eines warmen Bades oder einer warmen Dusche, kann die Muskeln entspannen und die Schmerzen lindern.
  • Bewegung: Leichte Bewegung, wie beispielsweise ein kurzes Umhergehen, kann die Durchblutung fördern und den Krampf lösen.

Vorbeugende Maßnahmen gegen Muskelkrämpfe

  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend Flüssigkeit, insbesondere bei sportlicher Betätigung oder bei hohen Temperaturen. Empfohlen werden mindestens 2 Liter Wasser oder ungesüßter Tee pro Tag.
  • Elektrolytzufuhr: Achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr von Elektrolyten, insbesondere Natrium, Kalium, Kalzium und Magnesium. Bei Bedarf können Elektrolytgetränke oder Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden.
  • Ausgewogene Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und Milchprodukten kann dazu beitragen, einem Mineralstoffmangel vorzubeugen.
  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung, insbesondere Ausdauersportarten wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren, kann die Durchblutung fördern und Krämpfen vorbeugen.
  • Dehnübungen: Regelmäßiges Dehnen der Waden- und Oberschenkelmuskulatur kann die Muskeln geschmeidig halten und Krämpfen vorbeugen.
  • Vermeidung von Überlastung: Vermeiden Sie eine Überlastung der Muskulatur, insbesondere bei ungewohnten oder anstrengenden Tätigkeiten.
  • Bequeme Schuhe: Tragen Sie bequeme Schuhe mit ausreichend Platz für die Füße. Bei Fußfehlstellungen können Einlagen helfen, die Füße zu entlasten und Krämpfen vorzubeugen.

Medikamentöse Behandlung von Muskelkrämpfen

In einigen Fällen kann eine medikamentöse Behandlung erforderlich sein, um Muskelkrämpfe zu lindern oder zu verhindern.

  • Magnesium: Magnesiumpräparate können bei Magnesiummangel helfen, Muskelkrämpfe zu reduzieren.
  • Chinin: Chininsulfat ist ein Medikament, das bei häufigen und schweren Muskelkrämpfen eingesetzt werden kann. Es ist jedoch verschreibungspflichtig und kann Nebenwirkungen haben.
  • Muskelrelaxanzien: Muskelrelaxanzien können bei starken Muskelverspannungen und Krämpfen helfen, die Muskeln zu entspannen. Sie sind jedoch ebenfalls verschreibungspflichtig und können Nebenwirkungen haben.
  • Schmerzmittel: Bei Bedarf können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol zur Linderung der Schmerzen eingenommen werden.

Alternative Behandlungsmethoden

Einige alternative Behandlungsmethoden können ebenfalls bei Muskelkrämpfen helfen:

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  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, Muskelverspannungen zu lösen, die Muskulatur zu stärken und die Beweglichkeit zu verbessern.
  • Manuelle Therapie: Manuelle Therapie kann helfen, Blockaden und Fehlstellungen im Körper zu lösen, die zu Muskelverspannungen und Krämpfen führen können.
  • Akupunktur: Akupunktur kann helfen, Schmerzen zu lindern und Muskelverspannungen zu lösen.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen und Muskelverspannungen zu reduzieren.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

In den meisten Fällen sind Muskelkrämpfe harmlos und können selbst behandelt werden. In folgenden Fällen sollte jedoch ein Arzt aufgesucht werden:

  • Die Krämpfe treten häufiger, stärker oder in ungewöhnlicher Form auf.
  • Die Krämpfe dauern länger als einige Minuten an.
  • Die Krämpfe treten in mehreren Muskeln gleichzeitig auf.
  • Die Krämpfe werden von anderen Symptomen wie Fieber, Schwellungen, Taubheitsgefühlen oder Lähmungen begleitet.
  • Es bestehen Vorerkrankungen wie Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion oder Nervenerkrankungen.
  • Die Krämpfe treten als Nebenwirkung von Medikamenten auf.

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