Opipramol ist ein in Deutschland häufig verschriebenes Psychopharmakon, das zur Gruppe der trizyklischen Antidepressiva gehört. Es wird oft zur Behandlung von Angstzuständen, Unruhe, Schlafstörungen, Spannungszuständen und Depressionen eingesetzt. Obwohl es strukturell zu den trizyklischen Antidepressiva zählt, unterscheidet sich sein Wirkmechanismus von anderen Medikamenten dieser Klasse. Opipramol wirkt hauptsächlich durch die Bindung an Sigma-Rezeptoren im Gehirn und im zentralen Nervensystem, wodurch es das NMDA-System beeinflusst und den Dopamin-Turnover erhöht. Seine anticholinerge Aktivität ist jedoch gering.
Was ist Opipramol?
Opipramol wirkt angstlösend, beruhigend, dämpfend und schwach antidepressiv. Es wird schnell und vollständig resorbiert, wobei die Leber es teilweise zu Deshydroxyethyl-Opipramol umwandelt. Die Plasmaproteinbindung beträgt etwa 91 %, und die maximale Plasmakonzentration wird etwa drei Stunden nach der Einnahme erreicht. Die Ausscheidung erfolgt zu 70 % renal und zu 30 % über die Fäzes.
Anwendungsgebiete von Opipramol
Opipramol ist in Deutschland und Österreich zur Therapie der generalisierten Angststörung und von sogenannten somatoformen Störungen zugelassen. In der Schweiz wird es bei Verstimmungszuständen eingesetzt, die mit Angst, Depressivität und Unruhe einhergehen, sowie bei psychosomatischen Erkrankungen. Eine generalisierte Angststörung zeichnet sich durch anhaltende Angst aus, die nicht auf bestimmte Situationen oder Objekte bezogen ist. Somatoforme Störungen sind körperliche Beschwerden, für die keine organische Ursache gefunden werden kann.
Dosierung und Einnahme von Opipramol
Die Wirkung von Opipramol tritt allmählich ein, und eine regelmäßige Einnahme über mindestens zwei Wochen ist erforderlich, um festzustellen, ob das Medikament die gewünschten Symptome lindert. Wenn die gewünschte Wirkung erzielt wird, sollte die Therapie für ein bis zwei Monate fortgesetzt werden. Opipramol wird in der Regel zu oder nach den Mahlzeiten eingenommen. Aufgrund seiner sedierenden Wirkung ist es ratsam, die höhere Dosis am Abend einzunehmen.
Erwachsene Patienten ab 18 Jahren nehmen Opipramol üblicherweise dreimal täglich ein: morgens und mittags je 50 mg, abends 100 mg. Die Tageshöchstdosis beträgt 50 bis 300 Milligramm. Die Dosierung und Einnahmehäufigkeit werden jedoch individuell vom Arzt festgelegt.
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Das Absetzen von Opipramol: Was Sie wissen müssen
Wenn Opipramol abgesetzt wird, ist ein langsames Ausschleichen der Therapie ratsam, um unerwünschte Absetzerscheinungen zu vermeiden. Ein abrupter Abbruch kann zu verschiedenen Symptomen führen, die als Absetzsyndrom bekannt sind.
Was ist das Absetzsyndrom?
Das Absetzsyndrom kann auftreten, wenn eine Behandlung mit Antidepressiva abgebrochen oder die Dosis reduziert wird. Meistens treten die Symptome innerhalb einer Woche auf und können denen eines grippalen Infekts ähneln. Es können jedoch auch weitere, sehr unterschiedliche Beschwerden auftreten.
Häufige Symptome des Absetzsyndroms
Zu den häufigsten Beschwerden gehören:
- Schwindel, Benommenheit
- Gleichgewichtsstörungen
- Abgeschlagenheit
- Kopfschmerzen
- Übelkeit, Erbrechen
- Schlafstörungen bis zur Schlaflosigkeit, Albträume
- Stromschlagähnliche Missempfindungen
- Reizbarkeit, Angst, starke Unruhe
Die Symptome stehen in einem zeitlichen Zusammenhang mit dem Absetzen der Medikamente und treten vorübergehend auf. Meist bilden sie sich von selbst innerhalb von 2-6 Wochen zurück. In der Regel bessern sich die Symptome schnell, wenn die verordneten Medikamente wieder eingenommen werden.
Ursachen und Häufigkeit des Absetzsyndroms
Die genaue Ursache des Absetzsyndroms ist nicht vollständig geklärt, aber es scheint einen Zusammenhang mit der Behandlungsdauer und der Art des verwendeten Antidepressivums zu geben. Bei einer Einnahmedauer von mehr als 4-8 Wochen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Absetzsyndrom auftritt. Die Häufigkeit schwankt in verschiedenen Studien erheblich, von 1 % bis 86 %.
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Wie man Opipramol richtig absetzt
Um eine wiederkehrende Depression oder ein Absetzsyndrom zu vermeiden, sollte das Ausschleichen schrittweise über mindestens 8-12 Wochen erfolgen. Besprechen Sie jede Änderung der Dosis immer mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.
Empfehlungen für das Ausschleichen
- Langsames Ausschleichen: Antidepressiva sollten nicht schlagartig abgesetzt, sondern schrittweise reduziert werden.
- Ärztliche Begleitung: Jede Änderung der Dosis sollte in Absprache mit einem Arzt erfolgen.
- Aufklärung: Patienten sollten über den Verlauf eines Absetzsyndroms aufgeklärt werden, um Ängste zu reduzieren.
- Regelmäßige Einnahme: Medikamente sollten regelmäßig und am besten immer zum gleichen Zeitpunkt eingenommen werden.
- Behandlungsdauer: Die Symptome sollten so lange behandelt werden, bis es zu einer deutlichen Besserung kommt, und dann mindestens noch ein halbes Jahr darüber hinaus.
Was tun bei Auftreten eines Absetzsyndroms?
Tritt ein Absetzsyndrom auf, sollten die Patient*innen darüber informiert werden, dass es sich in der Regel um einen vorübergehenden und nicht gefährlichen oder lebensbedrohlichen Zustand handelt, der ca. 2 Wochen anhalten kann. Die Symptome sind meist mild und gehen in aller Regel innerhalb von 2-6 Wochen von selbst zurück.
Umgang mit Beschwerden
- Gespräch mit dem Arzt: Der erste Schritt ist immer das Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin.
- Nicht zur ursprünglichen Dosis zurückkehren: Immer nur auf die letzte Stufe zurückgehen und danach mit verlangsamtem Tempo weiter reduzieren.
- Vertrauen: Darauf vertrauen, dass die Absetzsymptome bald wieder aufhören.
Opipramol und Muskelkrämpfe
Einige Patienten berichten über Muskelkrämpfe im Zusammenhang mit dem Absetzen von Opipramol. Es ist wichtig zu beachten, dass Muskelkrämpfe viele Ursachen haben können und nicht unbedingt direkt mit dem Absetzen von Opipramol in Verbindung stehen müssen. Es ist jedoch möglich, dass das Absetzsyndrom Muskelverspannungen oder -krämpfe auslösen kann.
Was tun bei Muskelkrämpfen?
- Arzt konsultieren: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, um die Ursache der Muskelkrämpfe abzuklären.
- Ausschließen anderer Ursachen: Ihr Arzt kann andere mögliche Ursachen für Muskelkrämpfe ausschließen, wie z.B. Elektrolytmangel, Dehydration oder andere Erkrankungen.
- Symptomlinderung: Bei Bedarf können schmerzlindernde oder muskelentspannende Medikamente eingenommen werden, jedoch nur nach Rücksprache mit dem Arzt.
- Physikalische Maßnahmen: Dehnübungen, Massagen und Wärme können helfen, Muskelkrämpfe zu lindern.
- Hydratation und Ernährung: Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eine ausgewogene Ernährung, um Elektrolytmangel vorzubeugen.
Weitere wichtige Hinweise zu Opipramol
Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen
Opipramol ist kontraindiziert bei:
- Akutem Harnverhalt
- Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff bzw. trizyklischen Antidepressiva
- Reizleitungsstörungen im Herzen (z.B. AV-Block)
Opipramol darf nur mit Vorsicht angewendet werden bei:
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- Leber- und Nierenerkrankungen
- Vergrößerung der Prostata
- Herzrhythmusstörungen
- Krampfbereitschaft
- Störungen der Blutbildung
- Engwinkelglaukom (Form von Grünem Star)
Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln
Die Therapie mit Opipramol schließt im Allgemeinen eine zusätzliche Behandlung mit weiteren Psychopharmaka nicht aus. Bei zusätzlicher Gabe von zentraldämpfenden Medikamenten (Beruhigungsmittel, Schlafmittel) oder Medikamenten, die den Serotonin-Spiegel steigern (etwa bestimmte Antidepressiva wie Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) kann es aber zu einer gegenseitigen Wirkverstärkung kommen. Medikamente, die den Herzrhythmus beeinflussen (u.a. Betablocker, Antihistamine, bestimmte Antibiotika, Malariamittel), sollten während der Behandlung mit Opipramol nur bei zwingender Notwendigkeit gegeben werden.
Schwangerschaft und Stillzeit
In der Schwangerschaft sollte Opipramol aufgrund fehlender Daten nicht eingenommen werden. Stillen ist bei Monotherapie mit Opipramol und guter Beobachtung des Kindes akzeptabel. Treten anders nicht erklärbare Symptome wie Sedierung, Trinkschwäche oder Unruhe beim Säugling neu auf, sollten Mütter mit dem behandelnden Arzt Rücksprache halten.
Opipramol und Alkohol
Die zentrale Dämpfung ist eine der prominentesten Nebenwirkungen von Opipramol. Alkohol kann diese verstärken. Bereits geringe Alkoholmengen sind in der Lage, Benommenheit und Schwindel auszulösen. Meiden Sie Alkoholkonsum während der Behandlung mit Opipramol.
Überdosierung von Opipramol
Eine Überdosis Opipramol kann zu Schläfrigkeit, Benommenheit, Koma, Stupor, Verwirrtheit, Ataxie, Anurie, Schock und Atemdepression führen. Auch Bradykardie, Herzversagen und AV-Block sind denkbar. Da es kein Antidot gibt, sollte die Noxe durch Erbrechen oder eine Magenspülung entfernt werden. Für mindestens 48 Stunden müssen die Vitalfunktionen danach überwacht werden.
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