Muskelkrämpfe und Lercanidipin: Ursachen, Zusammenhänge und Behandlungsmöglichkeiten

Viele ältere Menschen legen Wert auf einen aktiven und gesunden Lebensstil. Dabei möchten sie kleinere Beschwerden oft selbst behandeln, was eine gute Gelegenheit für Apotheken bietet, beratend zur Seite zu stehen. Mit dem Alter verändern sich jedoch die Körperfunktionen, und es können verschiedene altersbedingte Beschwerden auftreten. Dieser Artikel befasst sich mit Muskelkrämpfen im Zusammenhang mit der Einnahme von Lercanidipin, einem Medikament zur Behandlung von Bluthochdruck, sowie mit anderen möglichen Ursachen und Behandlungsansätzen für Muskelkrämpfe im Alter.

Altersbedingte Veränderungen und ihre Auswirkungen

Ab dem 30. Lebensjahr beginnt der physiologische Alterungsprozess, der alle Körperfunktionen beeinflusst. Der Bewegungsapparat und die Organfunktionen können Belastungen weniger gut kompensieren. Beispielsweise nimmt die Knochendichte ab, was zu Osteopenie oder Osteoporose führen und das Risiko für Knochenbrüche erhöhen kann. Auch die Funktion der Sinnesorgane lässt nach, was die Sehkraft beeinträchtigen kann.

Veränderungen im Gastrointestinaltrakt und der Nierenfunktion

Reduzierte Enzymaktivität und Muskelbewegungen des Gastrointestinaltrakts verlängern die Passagezeit der Nahrung. Da die Filtrationsfähigkeit der Nieren abnimmt, werden Abfallprodukte schlechter ausgeschieden. Dies kann Auswirkungen auf die Dosierung von Medikamenten haben, die gegebenenfalls angepasst werden muss.

Hormonelle Veränderungen

Abfallende Hormonspiegel, insbesondere von Östrogen, beeinflussen während und nach den Wechseljahren die Knochendichte, die Durchfeuchtung von Haut und Schleimhäuten sowie das Herz-Kreislauf-System.

Schlafstörungen im Alter

Der Tiefschlaf nimmt mit zunehmendem Alter ab. Menschen brauchen länger, um einzuschlafen, und wachen nachts häufiger auf. Oft kommen Ängste oder seelische Probleme hinzu. Neben den Altersveränderungen können auch eine ungünstige Schlafhygiene, Erkrankungen wie Schmerzen, Asthma oder Herz-Kreislauf-Probleme sowie Medikamente wie Diuretika und Parkinson-Therapeutika die Schlafqualität mindern.

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Lercanidipin: Anwendung, Wirkung und Nebenwirkungen

Lercanidipin ist ein Calciumkanalblocker vom Dihydropyridin-Typ, der zur Behandlung von arteriellem Bluthochdruck (Hypertonie) eingesetzt wird. Der Wirkstoff führt zu einer Erschlaffung der Gefäßwände, wodurch sich die Blutgefäße erweitern und der Blutdruck sinkt. Das Herz muss zudem das Blut gegen einen geringeren Widerstand in den Kreislauf pumpen, was die Herzarbeit entlastet.

Wirkungsweise von Lercanidipin

In den Muskelzellen der Blutgefäßwände sind Calciumkanäle enthalten. Strömt Calcium über diese Kanäle in das Zellinnere, kommt es zu einer Anspannung, die die Blutgefäße verengt. Lercanidipin blockiert diese Calciumkanäle und unterbricht so diesen Mechanismus. Das Arzneimittel verfügt über eine hohe Bioverfügbarkeit, also eine schnelle Resorption und hohe Verfügbarkeit am Wirkort. Zusätzlich ist es lipophil (fettlöslich) und reichert sich so im Körpergewebe an. Dadurch hält die Wirkung länger an, man spricht auch von einer Depot-Wirkung.

Anwendung von Lercanidipin

Patienten mit leichter bis mittelschwerer arterieller Hypertonie (Bluthochdruck) nehmen Lercanidipin ein. Tabletten mit Lercanidipin sollten einmal täglich mindestens 15 Minuten vor einer Mahlzeit mit einem großen Glas Wasser eingenommen werden. Die Dosis für Erwachsene beträgt üblicherweise 10 mg des Wirkstoffs 1-mal pro Tag. Ist eine Dosiserhöhung durch den Arzt erforderlich, sollte diese schrittweise durchgeführt werden, denn es dauert ca. 2 Wochen, bis die maximale Wirkung erreicht wird. Lercanidipin ist mit anderen Herzmedikamenten (wie Betablockern, Diuretika oder ACE-Hemmern) kombinierbar.

Mögliche Nebenwirkungen von Lercanidipin

Wie alle Medikamente kann auch Lercanidipin Nebenwirkungen verursachen. Häufige Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Schwindel, flüchtige Hautrötung mit Hitzegefühl (Flush), Pulsbeschleunigung, Herzklopfen und Wassereinlagerungen (Ödeme), vor allem an den Beinen oder Armen.

Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen

Lercanidipin wird im Körper über ein Enzymsystem in der Leber abgebaut. Werden diese Enzyme durch andere Arzneistoffe gehemmt, wird der Wirkstoff nicht mehr abgebaut und reichert sich an. Im umgekehrten Fall, bei zusätzlicher Einnahme von Enzym-Induktoren, wird Lercanidipin schneller abgebaut und ist somit weniger wirksam oder zeigt mehr unerwünschte Wirkungen. Es ist wichtig, dass Sie Ihren Arzt informieren, wenn Sie weitere Medikamente einnehmen, einnehmen wollen oder kürzlich eingenommen haben. Vorsicht ist bei gleichzeitiger Einnahme von Alkohol und Grapefruitsaft geboten, da sich die Wirkung von Lercanidipin verstärken kann. Rauchen kann sich ungünstig auf den Blutdruck auswirken.

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Muskelkrämpfe: Ursachen und Zusammenhänge

Muskelkrämpfe sind plötzliche, unwillkürliche und schmerzhafte Kontraktionen eines oder mehrerer Muskeln. Sie können verschiedene Ursachen haben, darunter:

  • Flüssigkeitsmangel: Unzureichende Flüssigkeitsaufnahme kann zu Muskelkrämpfen führen.
  • Elektrolytstörungen: Ein Mangel an Elektrolyten wie Magnesium, Kalium oder Kalzium kann Muskelkrämpfe begünstigen.
  • Durchblutungsstörungen: Arteriosklerose oder andere Durchblutungsstörungen können die Muskeln unzureichend mit Sauerstoff versorgen und Krämpfe verursachen.
  • Nervenerkrankungen: Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Parkinson können Muskelkrämpfe auslösen.
  • Medikamente: Einige Medikamente, wie Diuretika oder Statine, können als Nebenwirkung Muskelkrämpfe verursachen.
  • Überlastung: Intensive körperliche Anstrengung oder ungewohnte Belastung der Muskeln kann zu Krämpfen führen.

Muskelkrämpfe als mögliche Nebenwirkung von Lercanidipin

Obwohl Muskelkrämpfe nicht als häufige Nebenwirkung von Lercanidipin bekannt sind, können sie in seltenen Fällen auftreten. Es ist wichtig, andere mögliche Ursachen auszuschließen, bevor man die Muskelkrämpfe direkt mit der Einnahme von Lercanidipin in Verbindung bringt.

Magnesium und Muskelkrämpfe

Magnesium spielt eine wichtige Rolle bei der Muskelentspannung. Ein Magnesiummangel kann daher Muskelkrämpfe begünstigen. Einige Studien deuten darauf hin, dass Magnesiumpräparate bei der Behandlung von Muskelkrämpfen helfen können, insbesondere bei älteren Menschen.

Weitere Ursachen für Beschwerden im Alter

Neben Muskelkrämpfen können im Alter noch weitere Beschwerden auftreten, die die Lebensqualität beeinträchtigen können. Dazu gehören:

  • Schwindel: Schwindel ist per se keine Alterserscheinung, sondern hat vielfältige Ursachen, zum Beispiel Blutdruckprobleme oder Erkrankungen des Gleichgewichtorgans, kann aber auch eine unerwünschte Arzneimittelwirkung sein.
  • Hautprobleme: Im Lauf der Jahre nehmen Feuchtigkeitsbindung, Elastizität, Durchblutung, Unterhautfettgewebe und Zellerneuerung ab. Die Haut wird dünn, trocken und empfindlicher.
  • Venenschwäche: Hitze, abnehmende Elastizität der Gefäße in den Beinen, undichte Epithelwände: Tritt Flüssigkeit aus den Blutgefäßen ins Gewebe über, entstehen Schwellungen in Knöcheln und Unterschenkeln.
  • Harninkontinenz: Mit zunehmendem Alter verringert sich die Blasenkapazität, aber eine Blasenschwäche sollte immer ärztlich abgeklärt werden.
  • Mangelernährung: Mit zunehmendem Alter sinken Grundumsatz und Resorptionsleistung des Gastrointestinaltrakts. Die Menge an notwendigen Mikronährstoffen bleibt aber gleich oder kann sich durch Grunderkrankungen (Diabetes) oder eine Dauermedikation mit bestimmten Medikamenten sogar erhöhen.

Was tun bei Muskelkrämpfen unter Lercanidipin?

Wenn Sie unter der Einnahme von Lercanidipin Muskelkrämpfe entwickeln, sollten Sie folgende Schritte unternehmen:

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  1. Arzt konsultieren: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die Muskelkrämpfe. Er kann andere mögliche Ursachen ausschließen und die Medikation überprüfen.
  2. Flüssigkeitszufuhr erhöhen: Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme, insbesondere bei körperlicher Aktivität.
  3. Elektrolyte ausgleichen: Essen Sie elektrolytreiche Lebensmittel wie Bananen (Kalium) oder grünes Blattgemüse (Magnesium). Bei Bedarf können Sie auch Elektrolytpräparate einnehmen.
  4. Magnesiumpräparate: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker über die Einnahme von Magnesiumpräparaten.
  5. Dehnübungen: Regelmäßige Dehnübungen können helfen, Muskelkrämpfen vorzubeugen.
  6. Alternative Medikamente: In Absprache mit Ihrem Arzt kann geprüft werden, ob es alternative Medikamente zur Behandlung Ihres Bluthochdrucks gibt, die weniger wahrscheinlich Muskelkrämpfe verursachen.

Die Rolle der Apotheke

Die Apotheke kann eine wichtige Anlaufstelle für ältere Menschen sein, die unter Muskelkrämpfen oder anderen altersbedingten Beschwerden leiden. Das Apothekenteam kann:

  • Beratung zu Medikamenten: Über die Wirkungen und Nebenwirkungen von Medikamenten informieren, insbesondere im Hinblick auf mögliche Muskelkrämpfe.
  • Empfehlungen zu Nahrungsergänzungsmitteln: Empfehlungen zu Magnesium- oder anderen Elektrolytpräparaten geben.
  • Tipps zur Vorbeugung: Tipps zur Vorbeugung von Muskelkrämpfen geben, z.B. durch ausreichende Flüssigkeitszufuhr, elektrolytreiche Ernährung und Dehnübungen.
  • Überprüfung der Medikation: Die Medikation auf mögliche Wechselwirkungen oder unerwünschte Nebenwirkungen überprüfen.
  • Vermittlung an Ärzte: Bei Bedarf an einen Arzt verweisen.

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