Meningismus, früher auch als epidemische Genickstarre bekannt, bezeichnet eine schmerzhafte Nackensteifigkeit, die vor allem bei Erkrankungen der Hirnhäute auftritt. Betroffene können ihren Kopf aufgrund von Schmerzen und Verspannungen der Nackenmuskulatur nicht mehr aktiv zur Brust beugen. Ein Meningismus ist immer ein Fall für den Arzt.
Was ist Meningismus?
Der Begriff Meningismus leitet sich vom medizinischen Fachausdruck "Meningen" für Hirnhäute ab. Auslöser der Schmerzen ist meist eine Erkrankung der Hirnhäute, typischerweise eine Hirnhaut-Entzündung (Meningitis). Durch die Reizung der Hirnhäute entstehen Schmerzen und Meningismus-Symptome wie Nackensteifigkeit.
Symptome des Meningismus
Menschen mit Meningismus haben starke Schmerzen im Kopf- und Nackenbereich beim Versuch, den Kopf in Richtung Brustbein zu beugen. Sie vermeiden diese Bewegung, und die Nackenmuskulatur verspannt sich als Reaktion auf die Schmerzen, was die Kopfbeugung zusätzlich erschwert. Es entsteht der Eindruck einer Nackensteifigkeit, obwohl weder die Halswirbel noch die Nackenmuskulatur an sich beeinträchtigt sind. Entsprechend verschwindet die Nackensteifigkeit bei tiefer Bewusstlosigkeit.
Die Nackensteife ist oft nicht das einzige Symptom. Typischerweise leiden die Patienten zusätzlich unter Kopfschmerzen, Übelkeit und einer erhöhten Licht- sowie Geräusch-Empfindlichkeit (Photophobie beziehungsweise Phonophobie). Diese Beschwerden werden auch unter der Bezeichnung "meningeales Syndrom" zusammengefasst.
Schmerzentstehung bei Meningismus
Es gibt drei Hirnhäute, die wie Schichten übereinander liegen und das gesamte Gehirn und Rückenmark umgeben:
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- Innere Hirnhaut (Pia mater)
- Mittlere Hirnhaut (Arachnoidea)
- Äußere Hirnhaut (Dura mater)
Die innere und mittlere Haut werden auch als weiche Hirnhäute bezeichnet, die äußere als harte Hirnhaut. Sie haben eine Schutzfunktion und spielen eine wichtige Rolle beim Blutabfluss und der Nährstoffversorgung.
Vor allem die äußere Hirnhaut ist sehr schmerzempfindlich. Sind die Hirnhäute gereizt, ist sie für teils starke Kopfschmerzen verantwortlich. Beugt der Patient seinen Kopf nach vorne, übt dies einen leichten Zug auf die Hirnhäute aus, wodurch sich ein schon vorhandener Schmerz in Kopf- und Nacken-Bereich verstärkt. Befindet sich eine Erkrankung der Hirnhäute noch in einem frühen Stadium oder sind die Meningen nur leicht gereizt, besteht in Ruhe womöglich (noch) kein Schmerz. Erst das Beugen des Kopfes löst dann die Schmerz-Reaktion aus.
Was tun bei Meningismus?
Meningismus ist ein Notfall und deutet fast immer auf eine ernste Erkrankung hin. Unabhängig von möglichen weiteren Symptomen ist es daher ratsam, sich schnellstmöglich in eine Notaufnahme zu begeben beziehungsweise den Notarzt zu rufen.
Bei einem sogenannten Pseudo-Meningismus fehlen in der Regel zusätzliche Beschwerden wie Übelkeit oder Licht-Empfindlichkeit. Diese bleiben aber in manchen Fällen auch bei einem "echten" Meningismus aus. Daher ist bei eine plötzlich auftretende Nackensteife immer ein Fall für den Arzt.
Ursachen und mögliche Erkrankungen
Klassischerweise tritt ein Meningismus bei einer Hirnhaut-Entzündung (Meningitis) auf, dann oft als erstes Symptom. Auslöser einer solchen Entzündung der Hirnhäute sind meist bestimmte Bakterien oder Viren, seltener auch Pilze oder Parasiten. Nicht jede Meningitis wird zwingend von einem Meningismus begleitet. Bei erkrankten Neugeborenen ist zum Beispiel häufig keine Nackensteifigkeit vorhanden.
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Neben einer Meningitis durch Erreger gibt es noch einige andere Auslöser, die potenziell die Hirnhäute reizen und in weiterer Folge einen Meningismus verursachen:
- Subarachnoidal-Blutung: Eine Art von Schlaganfall mit Einblutung zwischen der inneren und mittleren Hirnhaut. Das Hauptsymptom sind plötzliche, sehr starke Kopfschmerzen.
- Meningeosis neoplastica: Absiedelung von Tumorzellen in den weichen Hirnhäuten; diese treten im Spätstadium verschiedener Krebs-Erkrankungen auf.
- Sinus-Thrombose: Blutgerinnsel in den großen Blutabflüssen (Sinus) des Gehirns. Diese befinden sich in der harten Hirnhaut.
- Sepsis ("Blutvergiftung"): Ausbreitung von Bakterien oder Pilzen von einem Entzündungsherd in den gesamten Blutkreislauf, sodass sie verschiedene Organe (wie die Hirnhäute) befallen.
- Sonnenstich: Entzündungsreaktion der Hirnhäute durch längere direkte Sonnen-Einstrahlung auf Kopf und Nacken.
- Blei-Vergiftung: Mögliche Folgen sind unter anderem Krämpfe und Entzündungen der Hirngefäße (Blei-Enzephalopathie). Im Verlauf führt das mitunter zu einer Reizung der Hirnhäute.
Pseudomeningismus
Sind die Ursache für eine schmerzhafte Nackensteifigkeit nicht gereizte Hirnhäute, sondern andere Faktoren, spricht man von einem Pseudomeningismus. Zu den Ursachen eines solchen Nackenbeugeschmerzes zählen beispielsweise Brüche, Bandscheibenvorfälle oder Verschleiß-Erscheinungen (Arthrose) in der Halswirbelsäule. Auch Migräne oder Tumoren führen gelegentlich zu einem Pseudomeningismus.
Diagnostik des Meningismus
Besteht ein Verdacht auf Meningismus, fragt der Arzt zunächst, ob neben der Nackensteifigkeit noch weitere Beschwerden auftreten. Hier ergeben sich auch Hinweise auf eventuelle andere Auslöser.
Bei der körperlichen Untersuchung beugt der Arzt den Kopf des Betroffenen nach vorne, während dieser auf dem Rücken liegt. Er achtet darauf, ob die Kopfbeugung erschwert ist und ob der Patient Schmerzen angibt - dies sind Hinweise auf einen Meningismus.
Es gibt außerdem noch weitere Anzeichen für einen Meningismus, die der Arzt bei Bedarf überprüft: die sogenannten Nervendehnungszeichen. Durch bestimmte Manöver dehnt er dabei die Hirnhäute des Patienten, was zu Schmerzen führt. Zu den Nervendehnungszeichen gehören:
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- Lasègue-Zeichen: Der Arzt hebt das gestreckte Bein des auf dem Rücken liegenden Patienten an. Bei gereizten Hirnhäuten führt das ab einer gewissen Beugung zu Schmerzen in Bein, Gesäß oder Rücken.
- Kernig-Zeichen: Der Patient befindet sich in Rückenlage und hat das Bein in Hüft- und Kniegelenk gebeugt. Der Arzt streckt nun langsam das Bein im Kniegelenk, wobei die gleichen Schmerzen auftreten wie beim Lasègue-Zeichen.
- Brudzinski-Zeichen: Wieder liegt der Patient auf dem Rücken. Der Arzt beugt dessen Kopf nach vorne, woraufhin der Patient reflexartig die Beine anzieht, um Schmerzen zu vermeiden.
Man spricht von Nervendehnungszeichen, weil während dieser Testmanöver nicht nur bei einem Meningismus Schmerzen auftreten, sondern auch wenn Nervenwurzeln am Rückenmark gereizt sind. Die Nackensteifigkeit fehlt dann aber in der Regel.
Hat sich der Verdacht auf Meningismus bestätigt, sucht der Arzt mithilfe zusätzlicher Untersuchungen die Ursache. Dazu zählen zum Beispiel Untersuchungen von Blut und Nervenwasser (Liquor) auf mögliche Erreger einer Meningitis, zudem bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT).
Behandlung des Meningismus
Bei einem Meningismus richtet sich die Behandlung nach der jeweiligen Ursache. Eine Meningitis wird in der Regel im Krankenhaus behandelt. Oft ist der erste Schritt eine Antibiotika-Therapie direkt als Infusion in die Vene - denn sollten Bakterien die Auslöser der Meningitis sein, ist schnelles Handeln erforderlich.
Mithilfe der Ergebnisse von Blut- und Liquor-Untersuchung lässt sich die Therapie dann noch einmal genauer auf den Erreger anpassen. Steckt hinter dem Meningismus eine virale Meningitis, lassen sich meist nur die Symptome behandeln, zum Beispiel durch Schmerzmittel und fiebersenkende Medikamente.
Auch bei anderen Ursachen der Nackensteifigkeit richtet sich die Therapie nach der Grunderkrankung. So ist zum Beispiel auch eine Subarachnoidal-Blutung ein medizinischer Notfall, der eine schnelle Operation erfordert. Auch bei einer Sepsis oder eine Sinus-Thrombose ist eine schnelle Behandlung im Krankenhaus wichtig.
Rufen Sie bei Verdacht auf einen Meningismus bei sich selbst, einem Kind oder einer anderen Person also in jedem Fall den Notarzt!
Die Rolle der Meningitis bei Muskelkrämpfen
Obwohl Muskelkrämpfe nicht direkt mit Meningitis in Verbindung stehen, können sie indirekt durch die Erkrankung ausgelöst werden. Die Entzündung der Hirnhäute kann zu neurologischen Symptomen führen, die Muskelverspannungen und -krämpfe verursachen können.
Meningitis im Detail
Die Meningitis ist eine Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute (Meningen). Meist wird diese Entzündung durch Viren oder Bakterien verursacht. Typische Symptome sind starke Kopfschmerzen, hohes Fieber, Nackensteifigkeit, Übelkeit und Erbrechen, mitunter auch Bewusstseinsstörungen. Eine Meningitis ist ein medizinischer Notfall, der sofort im Krankenhaus behandelt werden muss.
Ursachen der Meningitis
Die Auslöser der Meningitis sind vielfältig, meist verursachen Bakterien oder Viren die Entzündung.
Bakterielle Meningitis:
Mögliche Erreger sind zum Beispiel:
- Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae): Vorausgehen kann eine Entzündung im Hals-Nasen-Ohren-Bereich, wie eine Mittelohr- oder Nasennebenhöhlenentzündung.
- Meningokokken (Neisseria meningitidis): Meningokokken werden durch Tröpfcheninfektion übertragen und sind sehr ansteckend. Menschen mit einer Meningokokken-Meningitis müssen deshalb schnell isoliert werden.
- Streptococcus pneumoniae ist der häufigste Erreger der bakteriellen Meningitis in Europa.
- Neben den Haufenbakterien (Pneumokokken und Meningokokken) sind beim Erwachsenen Listerien, Staphlykokken, Enterobakterien, Pseudomonas und Haemophilis influenzae die wichtigsten Erreger.
- Neugeborene sind insbesonders durch b-Streptokokken gefährdet.
Virale Meningitis:
Mögliche Erreger sind zum Beispiel:
- Enteroviren: Sie sind die häufigste Ursache für virale Hirnhautentzündungen.
- Herpesviren: Insbesondere das Herpes-simplex-Virus (HSV) und das Varizella-Zoster-Virus (der Erreger von Windpocken und Gürtelrose) können eine schwere Meningoenzephalitis (Entzündung des Gehirns) verursachen. Hier ist eine sofortige intravenöse Therapie mit dem antiviralen Medikament Aciclovir lebensrettend und muss bereits bei Verdacht begonnen werden.
- FSME-Virus: Das Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus wird durch Zeckenstiche übertragen.
- Enteroviren wie Coxsackie- oder Echo-Viren.
- Sandmückenfieber-Virus (Sandmückenfiebervirus; SFV): Phleboviren; Übertragung: Stich von Sandmücken der Gattung Phlebotomus (P. perniciosus, P. perfiliewi).
Seltener kann eine Hirnhautentzündung auch durch Pilzinfektionen verursacht werden, vor allem bei Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem.
Symptome der Meningitis
Die Anzeichen einer Meningitis können sich schnell entwickeln. Anzeichen einer Meningitis sind zum Beispiel:
- Starke Kopfschmerzen
- Hohes Fieber
- Nackensteifigkeit (Meningismus)
- Bewusstseinsstörungen (von leichter Verwirrtheit bis zum Koma)
Allerdings treten nicht immer alle vier Symptome gemeinsam auf. Weitere häufige Beschwerden sind Übelkeit, Erbrechen, starke Licht- und Geräuschempfindlichkeit (Lichtscheu) sowie epileptische Anfälle.
Bei einer durch Meningokokken verursachten Meningitis ist ein Warnsignal ein typischer Hautausschlag, der als kleine, rote oder violette Flecken (Petechien) beginnt. Sie können sich zu größeren Einblutungen entwickeln (Purpura fulminans) und deuten darauf hin, dass die Blutgerinnung durch die Infektion gestört ist. Das kann Zeichen einer schweren Blutvergiftung (Sepsis) sein.
Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Symptome oft untypisch. Bei Verdacht auf eine Meningitis sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen oder den Notruf (112) wählen. Achten Sie auf diese Warnzeichen:
- Plötzliche starke Kopfschmerzen
- Fieber
- Nackensteifigkeit, das bedeutet Sie können den Kopf nicht mehr nach vorne zur Brust beugen.
Diagnose der Meningitis
Um eine Meningitis schnell und sicher festzustellen, sind verschiedene Untersuchungen notwendig. Neben der körperlichen Untersuchung wird Blut abgenommen und unter anderem auf Entzündungswerte und mögliche Erreger untersucht. Außerdem wird Nervenwasser aus dem Lumbalbereich, dem Bereich der unteren Lendenwirbelsäule, entnommen (Lumbalpunktion). So kann der Arzt oder die Ärztin feststellen, ob Bakterien oder Viren die Meningitis verursacht haben - was entscheidend für die weitere Behandlung ist. In manchen Fällen kann auch ein CT oder MRT erforderlich sein, um einen erhöhten Druck im Gehirn auszuschließen.
Behandlung der Meningitis
Die Therapie hängt entscheidend vom Erreger ab.
Behandlung der bakteriellen Meningitis:
Patienten und Patientinnen mit Verdacht auf eine bakterielle Meningitis werden sofort im Krankenhaus, meist auf einer Intensivstation, aufgenommen. Sie erhalten Antibiotika über die Vene und zusätzlich wird oft ein Kortisonpräparat gegeben. Es kann bei Pneumokokken-Meningitis die Sterblichkeit und bei einer Meningokokken-Meningitis das Risiko für Folgeschäden wie einen Hörverlust senken.
Behandlung der viralen Meningitis:
Die meisten viralen Hirnhautentzündungen werden symptomatisch mit fiebersenkenden und schmerzlindernden Medikamenten behandelt.
Komplikationen und Langzeitfolgen der Meningitis
Meningitis ist eine schwere Erkrankung, die sowohl akute Komplikationen als auch bleibende Schäden verursachen kann.
Akute Komplikationen:
Mögliche Komplikationen sind zum Beispiel:
- Hirnödem: Eine Schwellung des Gehirns, die zu einem lebensbedrohlichen Anstieg des Hirndrucks führen kann.
- Epileptische Anfälle
- Schlaganfälle durch Entzündungen der Blutgefäße im Gehirn.
- Systemische Komplikationen: zum Beispiel eine Blutvergiftung oder Gerinnungsstörungen.
Langzeitfolgen:
Auch nach überstandener Krankheit können dauerhafte Beeinträchtigungen zurückbleiben.
- Hörschäden: Hörverlust bis hin zur Taubheit ist eine der häufigsten Folgen, besonders nach einer Pneumokokken-Meningitis. Eine frühzeitige audiologische Untersuchung nach der Erkrankung ist daher sehr wichtig.
- Neurologische Defizite: Dazu zählen Lähmungen, Gleichgewichtsstörungen (Ataxie) und epileptische Anfälle.
- Kognitive Beeinträchtigungen: Viele Betroffene klagen über Probleme mit der Konzentration und der Merkfähigkeit.
Meningismus und Nackensteife
Als Nackensteife bezeichnet man die eingeschränkte und schmerzhafte Beugung des Kopfes hin zur Brust. Betroffene können ihren Kopf also nur eingeschränkt nach vorne beugen. Mitunter wird der Begriff Meningismus als Synonym verwendet. Meningismus bezeichnet eine Schonhaltung zur Schmerzlinderung bei entzündeten Hinhäuten (Meningen). Der Opisthotonus (ein Krampf der Rückenmuskulatur) beschreibt eine maximale Schonhaltung: Hals und Rücken sind komplett überstreckt und die Körperhaltung erscheint konkav.
Unter den potenziell lebensbedrohlichen Erkrankungen sind infektiöse Meningitiden die häufigste Ursache für eine Nackensteife. Andere Erkrankungen wie intrakranielle Blutungen, Tumoren, Autoimmunopathien mit Manifestation im zentralen Nervensystem (z. B. Lupus erythematodes) oder das Kawasaki-Syndrom sind eher seltene Ursachen.
Ursachen für Nackensteife
- Blockierung der Halswirbelsäule: Plötzliches Eintreten der Bewegungseinschränkung bei ruckartiger Bewegung oder nach langem Liegen/Schlafen, oft schmerzhaft, kaum Krankheitsgefühl.
- Geschwollene und entzündete Halslymphknoten: Die Erkrankung wird durch eine lokale Infektion, z. B. Rachenentzündung, hervorgerufen. Typisch sind verschiebbare, vergrößerte und druckschmerzhafte Lymphknoten.
- Hirnhautentzündung (Meningitis): Die Meningitis ist eine seltene, aber sehr schwere Erkrankung, meist durch Bakterien (Meningokokken) verursacht. Die Erkrankung wird bei akut beeinträchtigtem Allgemeinzustand, Kopfschmerzen und Fieber unklarer Ursache in Betracht gezogen.
- Subarachnoidalblutung: Von einer Subarachnoidalblutung können junge Erwachsene betroffen sein. Es handelt sich um eine spezielle Form der Hirnblutung aufgrund der akuten Blutung der großen und mittleren Blutgefäße im Subarachnoidalraum. Anfangssymptome sind plötzlich auftretende Kopfschmerzen („Vernichtungskopfschmerz"). Im Verlauf sind Bewusstseinseintrübung und Meningismus möglich.
- Medikamente: Einige Medikamente, wie z. B. das Antibiotikum Trimethoprim, können eine aseptische Meningitis verursachen.
- Andere Infektionen: Eiteransammlungen (Abszesse) im Kopf-Hals-Bereich oder unterhalb des Unterkiefers (submandibulär), Infektion des Knochenmarks von Rückenwirbeln (vertebrale Osteomyelitis).
- Schiefhals (Torticollis): Ein Schiefhals entsteht z. B. durch Verkürzung eines Muskels. Kann auch ein Symptom von schweren Erkrankungen wie Tumoren sein.
- Tumoren: Sehr selten, Hirntumoren oder Tumoren des Rückenmarks. Als Initialsymptom tritt gelegentlich Nackensteifigkeit oder ein Schiefhals auf.
Untersuchung bei Nackensteife
Um die Ursache für die Nackensteife festzustellen, sollten Sie die behandelnden Ärzt*innen über den Beginn und den Verlauf Ihrer Schmerzen informieren. Unter Umständen werden Ihnen folgende Fragen gestellt:
- Gab es eine ruckartige, ungewohnte Bewegung der Halswirbelsäule?
- Haben Sie Kopfschmerzen?
- Bestehen Husten oder Schnupfen?
- Sind andere Personen in Ihrem Umfeld ebenfalls erkrankt?
- Welche Medikamente haben Sie eingenommen?
Bei der körperlichen Untersuchung wird Ihr Allgemeinzustand beurteilt und der Bewegungsumfang Ihrer Halswirbelsäule untersucht. Das ärztliche Personal achtet auch auf Anzeichen für ein Trauma, wie Prellmarken am Kopf. Bei Verdacht auf eine bakterielle Hirnhautentzündung wird Ihre Haut untersucht, da kleine Einblutungen (Petechien) Zeichen eines schweren Verlaufes sein können (sog. Waterhouse-Friderrichsen-Syndrom).
Möglicherweise werden spezifische Funktionstests durchgeführt, bei der die Hirnhäute gedehnt werden. Patient*innen mit gereizten Hirnhäuten nehmen bei diesen Tests spezifische Schonhaltungen ein.
- Beim Lasègue-Test liegen Sie auf dem Rücken, während Ihr Bein in gestreckter Position angehoben wird. Der Test gilt als positiv, wenn Sie dabei ins Bein ausstrahlende Rückenschmerzen erleben.
- Beim Brudzinski-Test liegen Sie auf dem Rücken, während das ärztliche Personal Ihren Kopf anhebt. Bei gereizten Hirnhäuten beugen Betroffene reflektorisch ihre Hüfte und Kniegelenke.
- Beim Kernig-Test liegen Sie auf dem Rücken und die untersuchende Person hebt Ihre gestreckten Beine an. Wenn Sie bei der Durchführung Ihre Kniegelenke reflektorisch beugen, gilt der Test als positiv.
Wann ins Krankenhaus?
Die Nackensteife ist ein Warnsymptom, das bei unterschiedlichen lebensbedrohlichen Erkrankungen vorliegen kann. Wird eine schwerere Erkrankung vermutet, erfolgt eine schnellstmögliche Abklärung im Krankenhaus.
Bei Verdacht auf eine Meningitis als Ursache der Nackensteife sind innerhalb der 1. Stunde im Krankenhaus eine Lumbalpunktion (Untersuchung des „Nervenwassers“), Blutuntersuchungen sowie die Einleitung einer antibiotischen Therapie angezeigt.
Virale Meningitis: Erreger und Verlauf
Eine virale Meningitis kann durch verschiedene Viren ausgelöst werden, darunter Enteroviren (z. B. Coxsackie- oder Echo-Viren) und Herpesviren (z. B. Herpes-simplex-Virus). Die Viren sind in der Lage, das zentrale Nervensystem (ZNS) zu erreichen und eine Entzündung der Hirnhäute (Meningen) auszulösen.
Die Viren infizieren in der Regel zuerst Schleimhäute (z. B. im Atemtrakt oder Darm) oder gelangen durch Insektenstiche (FSME) in das Blut. Sie gelangen über die Blut-Hirn-Schranke in die Meningen (Hirnhäute), die das Gehirn und das Rückenmark umschließen. Die Immunantwort des Körpers auf die virale Infektion führt zur Freisetzung von Zytokinen (entzündungsfördernde Moleküle), die die Meningen weiter reizen.
Die Infektion der Meningen aktiviert die Immunzellen (z. B. Lymphozyten) des ZNS, was zu einer Entzündungsreaktion führt. Die systemische Immunantwort wird durch die Virämie ausgelöst, was zu Fieber und allgemeinem Unwohlsein führt. Die Entzündung der Meningen führt in der Regel zu Ödemen (Schwellungen) und einem erhöhten Hirndruck, der für die meisten klinischen Symptome verantwortlich ist.
Virale Meningitiden verlaufen meistens selbstlimitierend und heilen ohne schwerwiegende Folgen aus. Die Krankheit manifestiert sich in typischen Symptomen wie Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteifigkeit und Lichtempfindlichkeit. Obwohl die meisten Fälle von viraler Meningitis selbstlimitierend sind, können schwerere Verläufe mit einer Meningoenzephalitis verbunden sein, die zu neurologischen Komplikationen führen kann.
Fallbeispiel
Die 46-jährige Cornelia T. hat über Nacht ungewohnt heftige Kopfschmerzen mit Fieber von 39°C bekommen. Dann hat sie eine schwere Übelkeit verspürt, die bereits zu zweimaligem Erbrechen geführt hat. Sie klagt zudem über das Gefühl eines extrem steifen Nackens. Sie vertrage helles Licht nicht und bei Eintreffen in der Notaufnahme wird die Patientin zunehmend schläfrig. Sie reagiert nur noch apathisch auf einfache Aufforderungen. Dieser Fall deutet stark auf eine Meningitis hin und erfordert sofortige ärztliche Abklärung.
Meningitis und Enzephalitis
Enzephalitis und Meningitis sind Bezeichnungen für Entzündungen im Bereich des Zentralen Nervensystems: des Gehirns, der Gehirnhäute und des Rückenmarks.
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