Muskelkrämpfe nach Erbrechen: Ursachen, Behandlung und Prävention

Übelkeit und Erbrechen sind weit verbreitete Beschwerden, die viele Ursachen haben können. Sie entstehen nicht im Bauch, sondern im Gehirn, genauer gesagt im Brechzentrum. Dieses Zentrum wird durch verschiedene Reize aktiviert, was zu einer reflexartigen Reaktion der Muskeln führt, die letztendlich das Erbrechen auslösen. In manchen Fällen können nach dem Erbrechen Muskelkrämpfe auftreten. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Muskelkrämpfen nach Erbrechen, gibt Tipps zur Behandlung und Prävention und erklärt, wie man die Beschwerden lindern kann.

Wie Erbrechen entsteht

Das Brechzentrum im Gehirn wird durch verschiedene Faktoren gereizt, darunter verdorbene Nahrung, Giftstoffe, Medikamente, ungewöhnlich hohe Konzentrationen bestimmter Stoffwechselprodukte und Hormone. Sobald das Brechzentrum aktiviert ist, reagieren bestimmte Muskeln reflexartig:

  • Der untere Schließmuskel der Speiseröhre erschlafft.
  • Das Zwerchfell und die Bauchmuskeln ziehen sich schnell zusammen.
  • Dies erhöht den Druck auf den Bauchraum und den Magen.
  • Gleichzeitig kehrt die Muskulatur der Speiseröhre ihre wellenförmigen Bewegungen um.

Erbrechen ist also ein aktiver Prozess, im Gegensatz zum Hochwürgen unverdauter Nahrung (Regurgitation).

Ursachen von Muskelkrämpfen nach Erbrechen

Muskelkrämpfe nach Erbrechen können verschiedene Ursachen haben:

Elektrolytverlust

Erbrechen führt zu einem erheblichen Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyten wie Natrium, Kalium, Kalzium und Magnesium. Diese Elektrolyte sind essenziell für die Muskelkontraktion und Nervenfunktion. Ein Mangel kann Muskelkrämpfe auslösen. Besonders bei Babys, Kleinkindern und älteren Menschen kann ein kritischer Flüssigkeitsverlust rasch erreicht werden.

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Dehydration

Der Flüssigkeitsverlust durch Erbrechen kann zu Dehydration führen, was die Muskeln zusätzlich belastet und Krämpfe begünstigt. Anzeichen für Dehydration sind trockener Mund, wenig oder kein Urin, Schwäche oder Apathie.

Überanstrengung der Bauchmuskulatur

Der Brechakt selbst beansprucht die Bauchmuskulatur stark. Wiederholtes und heftiges Erbrechen kann zu einer Überanstrengung und somit zu Krämpfen in diesen Muskeln führen.

Begleiterkrankungen und Medikamente

Bestimmte Erkrankungen und Medikamente, die Übelkeit und Erbrechen verursachen, können ebenfalls Muskelkrämpfe als Nebenwirkung haben.

Mögliche Ursachen für Übelkeit und Erbrechen

Die Suche nach den Ursachen für Übelkeit und Erbrechen gestaltet sich oft schwierig, da beide Symptome bei zahlreichen Erkrankungen auftreten können. Hier sind einige der wichtigsten Ursachen:

Vergiftungen, Genuss- und Suchtmittel

  • Lebensmittelvergiftung: Durchfall, krampfartige Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen nach dem Essen können auf eine Lebensmittelvergiftung hindeuten, ausgelöst durch Bakteriengifte (Toxine) wie Campylobacter oder Salmonellen.
  • Sonstige Vergiftungen: Übelkeit und Erbrechen können auch bei Vergiftungen mit Medikamenten, Kohlenmonoxid oder Pflanzenschutzmitteln auftreten. Bei Verdacht auf eine Vergiftung sollte sofort der Giftnotruf gewählt werden.
  • Alkohol und Nikotin: Diese Stoffe sind Giftstoffe für den Körper. In leichteren Fällen verursachen sie Übelkeit, Erbrechen und Nervosität, in schwereren Fällen Krämpfe und Bewusstseinsstörungen.
  • Koffein: Ein Zuviel an Koffein kann zu Übelkeit, Erbrechen, Nervosität und Schwitzen führen.
  • Drogen: Eine Überdosis oder der Entzug von Drogen kann Übelkeit, Erbrechen, Verwirrtheit und Krampfanfälle verursachen.

Allgemeine Ursachen im Bauchraum

  • Akuter Bauch (akutes Abdomen): Ein bedrohlicher Symptomkomplex aus plötzlich auftretenden, heftigen Bauchschmerzen, angespannter Bauchdecke, Übelkeit, Erbrechen, Schweißausbrüchen, Herzrasen und Blutdruckabfall.
  • Eingeklemmter Leistenbruch: Plötzlich auftretende starke Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, wobei der Bruchsack hart und schmerzhaft ist.
  • Bauchfellentzündung (Peritonitis): Übelkeit, Erbrechen, rasch zunehmende, heftigste Bauchschmerzen, brettharter Bauch, kalter Schweiß und Herzrasen, oft zusätzlich Angst und Fieber.

Ursachen im Magen-Darm-Trakt

  • Nahrungsmittelunverträglichkeit: Übelkeit und Erbrechen nach dem Konsum bestimmter Nahrungsmittel, oft begleitet von Bauchschmerzen, Durchfall oder Blähungen. Beispiele sind Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz), Fruchtzuckerunverträglichkeit (Fruktoseintoleranz) sowie Nahrungsmittelallergien.
  • Überlastung des Magens: Völlegefühl, Übelkeit und Erbrechen nach dem Essen zu großer Portionen oder zu schnellem Essen.
  • Reizmagen: Übelkeit, Erbrechen und Aufstoßen sowie Schmerzen oder Druckgefühl in der Magengegend.
  • Gastritis: Übelkeit nach dem Essen, begleitet von Erbrechen, Aufstoßen sowie Schmerzen oder Druckgefühl in der Magengegend.
  • Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre: Übelkeit, Erbrechen, Aufstoßen, Appetitlosigkeit sowie Schmerzen oder Druckgefühl in der Magengegend.
  • Magenkrebs (Magenkarzinom): Unangenehmer Geruch beim Aufstoßen mit Magenschmerzen, Abneigung gegen bestimmte Speisen, Übelkeit, Völlegefühl, Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme.
  • Magendurchbruch (Magenperforation): Plötzlich eintretende, bohrende Schmerzen, die oft in die linke Schulter ausstrahlen, brettharter Bauch, Übelkeit und Erbrechen.
  • Reizdarm: Wiederkehrende Übelkeit, Aufstoßen und Appetitlosigkeit mit Bauchschmerzen sowie ein Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung.
  • Blinddarmentzündung (Appendizitis): Übelkeit, Erbrechen und rasch zunehmende Schmerzen, die vom Nabel in den rechten Unterleib wandern.
  • Infektiöse Durchfallerkrankung (Magen-Darm-Grippe, Brechdurchfall): Starke Durchfälle, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, verursacht durch Viren oder Bakterien.
  • Darmverschluss (Ileus): Übelkeit, Erbrechen (selten Koterbrechen), rasch zunehmende heftigste Bauchschmerzen und ein aufgetriebener Bauch.
  • Verschluss einer Darmarterie (Mesenterialinfarkt): Plötzlich einsetzende heftige Bauchschmerzen mit Übelkeit, Erbrechen und Blutdruckabfall.

Ursachen im Bereich von Leber, Gallenblase und Bauchspeicheldrüse

  • Leberentzündung (Hepatitis): Übelkeit, Appetitlosigkeit, Abneigung gegen Fett sowie Abgeschlagenheit, Druckgefühl im rechten Oberbauch, eventuell begleitet von Gelbsucht, dunklem Urin, entfärbtem Stuhl und Juckreiz.
  • Akutes Leberversagen: Plötzliche Abnahme der Leberfunktion mit Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen.
  • Gallenkolik: Übelkeit, Erbrechen und sehr starke kolik-artige Schmerzen im rechten Oberbauch, Ausstrahlen der Schmerzen in die rechte Schulter und Juckreiz.
  • Akute Bauchspeicheldrüsenentzündung (akute Pankreatitis): Übelkeit, Erbrechen und gürtelförmige Oberbauchschmerzen, eventuell mit Fieber und Gelbsucht.
  • Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (chronische Pankreatitis): Ständig oder wiederholt auftretende Episoden von Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen in Oberbauch und Rücken.
  • Bösartiger Tumor der Bauchspeicheldrüse (Pankreaskarzinom): Oberbauchbeschwerden, die gürtelförmig in den Rücken ziehen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Mattigkeit und Abnahme der Leistungsfähigkeit.

Ursachen im Bereich der Nieren

  • Nierenkolik: Übelkeit, Erbrechen und sehr starke, kolik-artige Schmerzen in einer Flanke, Ausstrahlung in den seitlichen Unterbauch, die Schamlippen beziehungsweise Hoden oder in den Rücken.
  • Akute Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis): Übelkeit, Erbrechen sowie Schmerzen im Oberbauch und an den Flanken, Fieber, Schüttelfrost und Schmerzen beim Wasserlassen.
  • Harnvergiftung (Urämie) bei Nierenversagen: Uringeruch von Atem und Haut, Übelkeit, Erbrechen, bräunlich-grauer Haut sowie Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme).
  • Addison-Krankheit: Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen mit Gewichtsabnahme und Austrocknung, vermehrte Haut- und Schleimhautpigmentierung, depressive Verstimmung und gesteigerte Erregbarkeit.

Ursachen im Bereich der Geschlechtsorgane

  • Eileiterriss bei Eileiterschwangerschaft: Starke Blutungen in den Bauchraum mit Ausbildung eines akuten Abdomens (unter anderem mit Übelkeit und Erbrechen).
  • Eileiter- und Eierstockentzündung (akute Adnexitis): Stechende Schmerzen im Unterbauch, Fieber, gelblich-grüner, übelriechender Ausfluss und ausgeprägtes Krankheitsgefühl, eventuell Übelkeit und Erbrechen.
  • Stielgedrehte Eierstockzyste (Ovarialzyste): Übelkeit, Erbrechen, Pulsbeschleunigung und Schweißausbruch.
  • Hodenverdrehung (Hodentorsion): Plötzliche und sehr starke Hodenschmerzen, die in die Leistengegend und den Unterbauch ausstrahlen, Übelkeit und Erbrechen.

Ursachen im Bereich von Herz und Kreislauf

  • Akute Herzschwäche (Herzversagen): Akute Schwäche, Unwohlsein, Übelkeit, rasch zunehmende Atemnot, Herzklopfen, Herzrasen, sehr niedrigem Blutdruck sowie Schockzeichen.
  • Chronische Herzschwäche: Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Übelkeit, Blähungen und Wasseransammlungen (Ödeme) in den Unterschenkeln.
  • Herzinfarkt (Myokardinfarkt): Übelkeit, Erbrechen, starke Schmerzen oder Engegefühl in der Brust, Atemnot, kalter Schweiß und Angst.
  • Herz-Enge (Angina pectoris): Die gleichen Beschwerden wie ein Herzinfarkt.

Diagnose

Die Diagnose von Übelkeit und Erbrechen erfordert eine sorgfältige Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) und körperliche Untersuchung. Wichtig sind die Begleitumstände und Begleitsymptome, der Zustand des Betroffenen und der körperliche Untersuchungsbefund. Bei Bedarf werden Laboruntersuchungen und bildgebende Verfahren wie Ultraschall (Sonografie) durchgeführt.

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Behandlung von Muskelkrämpfen nach Erbrechen

Die Behandlung von Muskelkrämpfen nach Erbrechen zielt darauf ab, die zugrunde liegenden Ursachen zu beheben und die Symptome zu lindern:

Elektrolytausgleich

Der Verlust von Elektrolyten muss ausgeglichen werden. Dies kann durch spezielle Elektrolytlösungen aus der Apotheke oder durch den Konsum von Gemüsebrühe (Bouillon) erreicht werden. Bei Kindern unter zwei Jahren sollten ausgewogene Fertigpräparate verwendet werden.

Rehydrierung

Es ist wichtig, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Erlaubt ist, worauf man Lust hat, auch bei Kindern. Zu meiden sind lediglich säurehaltige Getränke wie unverdünnte Fruchtsäfte und natürlich Alkohol.

Schonen des Verdauungstrakts

Leichte Kost, kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt und der Verzicht auf Genussmittel helfen, den Magen-Darm-Trakt zu schonen.

Medikamentöse Behandlung

Bei starken Bauchkrämpfen können sogenannte Spasmolytika helfen. Diese Medikamente wirken krampflösend und können die Schmerzen lindern.

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Hausmittel

  • Wärme: Eine Wärmflasche oder ein warmes Bad können die Muskeln entspannen und Krämpfe lindern.
  • Entspannung: Ruhe und Entspannung sind wichtig, um den Körper zu unterstützen.
  • Tees: Warme Tees wie Pfefferminz-, Kamillen-, Fenchel- oder Anistee können beruhigend wirken.

Ernährungsempfehlungen zur Vorbeugung von Muskelkrämpfen und Übelkeit

Eine angepasste Ernährung kann helfen, Muskelkrämpfen und Übelkeit vorzubeugen:

  • Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst und gedünstetem Gemüse.
  • Leicht verdauliche Kost: Vermeiden Sie schwere, fettige Speisen, stark gesüßte oder viel Fruchtzucker enthaltende Nahrungsmittel sowie Milchprodukte.
  • Ballaststoffe: Vollkornprodukte mit vielen Ballaststoffen sättigen lang anhaltend und fördern die Verdauung.
  • Gesunde Fette: Nehmen Sie gesunde Fettsäuren (Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren) aus Fisch, kaltgepressten Ölen, Nüssen und Samen zu sich.
  • Vermeiden Sie Reizstoffe: Verzichten Sie auf Alkohol, Kaffee und Nikotin sowie auf Gewürze, die die Säurebildung anregen.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:

  • Das Erbrechen stark und anhaltend ist.
  • Blut im Erbrochenen ist.
  • Anzeichen von Dehydration auftreten.
  • Die Muskelkrämpfe sehr stark sind oder häufig auftreten.
  • Zusätzliche Symptome wie starke Bauchschmerzen, Fieber oder Bewusstseinsstörungen auftreten.

Prävention von Übelkeit und Erbrechen

Einige Maßnahmen können helfen, Übelkeit und Erbrechen vorzubeugen:

  • Sorgfältige Nahrungszubereitung und -lagerung: Dies schützt vor infektiösen Magen-Darm-Erkrankungen.
  • "Cook it, peel it or leave it": Diese Regel hilft, Magen-Darm-Erkrankungen auf Reisen zu vermeiden.
  • Magenschleimhaut schonen: Vermeiden Sie Reizstoffe wie Alkohol, Kaffee, Nikotin, zuckerhaltige Nahrungsmittel und Milch.
  • Stress reduzieren: Achten Sie auf ausreichende Ruhephasen und Entspannung im Alltag.
  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft fördert eine gesunde Darmperistaltik.

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