Myasthenia Gravis: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Myasthenia gravis (MG), in Deutschland oft auch Myasthenie genannt, ist eine seltene Autoimmunerkrankung, die durch eine Störung der Kommunikation zwischen Nerven und Muskeln gekennzeichnet ist. Diese Störung führt zu einer belastungsabhängigen Muskelschwäche, die verschiedene Bereiche des Körpers betreffen kann. Die Erkrankung ist zwar nicht heilbar, aber es gibt eine Reihe von Behandlungsmöglichkeiten, die die Symptome lindern und den Verlauf der Erkrankung günstig beeinflussen können.

Was ist Myasthenia Gravis?

Bei Autoimmunerkrankungen richtet sich das körpereigene Immunsystem aufgrund einer Fehlfunktion gegen eigentlich harmlose Zellen und/oder Gewebe des Körpers und greift diese an. Im Falle von Myasthenia gravis werden Autoantikörper (AAk) gebildet, die sich gegen Rezeptoren und Enzyme richten, welche für die Kommunikation zwischen Nervenzellen und Muskeln sehr wichtig sind. Genauer gesagt, stören diese Antikörper die Reizübertragung an der neuromuskulären Endplatte, der Kontaktstelle zwischen Nerv und Muskel.

Die Myasthenie ist eine vergleichsweise unbekannte Erkrankung. Deshalb hat es sich DESITIN als Experte für seltene Erkrankungen und Störungen des zentralen Nervensystems, etwa Parkinson und Epilepsie, zur Aufgabe gemacht, vor allem über die Symptome der Erkrankung aufzuklären. So sollen sowohl Ärztinnen und Ärzte als auch Patientinnen und Patienten für die Diagnose der Erkrankung sensibilisiert werden. Außerdem wollen wir mit verschiedenen Produkten unseren Beitrag zur Behandlung der Myasthenia gravis leisten.

Ursachen von Myasthenia Gravis

Die genauen Ursachen für die Entstehung von Myasthenia gravis sind noch nicht vollständig geklärt. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise Antikörper gegen körpereigenes Gewebe produziert. Im Falle von Myasthenia gravis richten sich diese Autoantikörper gegen Acetylcholin-Rezeptoren in den Synapsen zwischen motorischen Nerven und Muskeln. Dadurch wird die Übertragung von Bewegungsbefehlen aus dem Gehirn nicht richtig auf den Muskel übertragen, und es kommt zu Bewegungsstörungen.

Warum der Körper seine eigenen Acetylcholinrezeptoren angreift, ist, wie bei so vielen Autoimmunerkrankungen, nicht abschließend geklärt. Eine besondere Rolle wird jedoch einer Fehlfunktion des Thymus zugeschrieben. Zudem gibt es einige Betroffene, die keine Antikörper gegen Acetylcholinrezeptoren aufweisen, sondern gegen ein Enzym, welches an der Bildung und Regeneration der neuromuskulären Verbindungsstelle beteiligt ist. Diese Form der Myasthenie muss anders behandelt werden.

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Da es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt, kommen verschiedene Auslöser infrage, welche eine Myasthenia gravis verursachen oder ihre Ausprägung verschlimmern können, bis hin zu einem Schub (myasthene Krise), den ca. 10-15 % aller Patientinnen und Patienten mit Myasthenie mindestens einmal im Leben erleiden. Auslöser eines solchen Schubs sind oft Infektionskrankheiten.

Rolle der Thymusdrüse

Eine wichtige Rolle bei Myasthenia gravis spielt die Thymusdrüse, ein Organ des Immunsystems. Die Thymusdrüse liegt hinter dem Brustbein und bildet sich bei gesunden Menschen ab dem Jugendalter zurück. Bei vielen Patientinnen und Patienten mit Myasthenie ist die Thymusdrüse vergrößert und überaktiv. Daher führt die Entfernung der Thymusdrüse in einigen Fällen zur Besserung der Myasthenie Symptome. Es ist jedoch zu beachten, dass eine vergrößerte Thymusdrüse auch ein Anzeichen für einen Thymus-Tumor (Thymom) sein kann, und in diesem Fall eine Operation unerlässlich ist. Gleichzeitig können Thymome somit auch für entsprechende Veränderungen der Thymusdrüse verantwortlich sein, die in der Folge zu Myasthenia gravis führen. Bei Patientinnen und Patienten mit einer Myasthenie findet sich bei 10 - 15 % der Betroffenen ein Thymom.

Risikofaktoren

Es wird vermutet, dass bestimmte Hormone wie z. B. Östrogene oder Progesteron das Risiko einer Myasthenia gravis erhöhen oder die Erkrankung zumindest beeinflussen können. Bei einer Myasthenia gravis mit frühem Krankheitsbeginn konnte beobachtet werden, dass Frauen dreimal öfter betroffen sind als Männer. Außerdem berichten einige erkrankte Frauen von einer Verschlechterung ihrer Symptome kurz vor dem Einsetzen ihrer Periode, wenn die Progesteron-Konzentration im Körper abfällt.

Neben hormonellen Schwankungen können auch verschiedene Stressfaktoren die Symptome einer Myasthenia gravis verschlimmern. Zu diesen Stressfaktoren gehören beispielsweise fieberhafte Infekte, bestimmte Medikamente, grelles Licht oder Wärme/Hitze. Ruhe und Erholung führen hingegen häufig zu einer Abmilderung der Symptome.

Genetische Faktoren scheinen bei der Myasthenia gravis weniger eine Rolle zu spielen: Nur etwa 4-7 % der Erkrankungsfälle sind mit einer familiären Häufung assoziiert. Es handelt sich also nicht um eine Erbkrankheit. Es kann jedoch passieren, dass Neugeborene von betroffenen Müttern kurz nach der Geburt myasthene Symptome entwickeln. Diese verschwinden im meist nach ein paar Wochen wieder. Man bezeichnet einen solchen Fall als neonatale Myasthenia gravis.

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Signalübertragung an der motorischen Endplatte

Die Signalübertragung zwischen Nerven- und Muskelzellen findet an den Übergängen der beiden Zellen, der sogenannten motorischen Endplatte, statt. Eine angeregte Nervenzelle schüttet verschiedene Botenstoffe sogenannte Neurotransmitter, wie z. B. Acetylcholin an dieser motorischen Endplatte aus. Der Botenstoff wandert von dort durch den synaptischen Spalt in Richtung des Muskels, bindet dort an Rezeptoren auf der Muskelzelloberfläche und überträgt auf diesem Weg das Signal der Nervenzelle. In Folge der Signalübertragung kommt es zur Kontraktion des Muskels.

Bei gesunden Menschen stellt das Immunsystem Antikörper her, die Krankheitserreger erkennen und bekämpfen können, um den Köper vor Infektionen zu schützen. Bei einer Myasthenia gravis werden sogenannte Autoantikörper gebildet, die sich gegen körpereigenes Gewebe richten. Sie docken an den Rezeptoren der Muskelzelle an und blockieren oder verändern diese. An den besetzten Rezeptoren können dann keine Botenstoffe aus der Nervenzelle mehr andocken und die Signalübertragung auf den Muskel wird verhindert.

Symptome von Myasthenia Gravis

Das Hauptsymptom der Myasthenia gravis ist eine belastungsabhängige Muskelschwäche, die sich im Laufe des Tages verstärkt. Die Symptome können von Person zu Person unterschiedlich sein und im Laufe der Zeit variieren. Häufig sind bestimmte Muskelgruppen stärker betroffen als andere.

Die Symptome selbst sind sehr vielseitig und häufig auch typisch für andere Erkrankungen. Zum Beispiel kann eine Myasthenie zu Sprechstörungen und Schluckbeschwerden führen, welche, insbesondere bei älteren Menschen, häufig den typischen Parkinson-Symptomen zugeordnet werden.

Typisch für den Krankheitsverlauf bei einer Myasthenia gravis ist, dass sich die Erkrankung häufig zunächst nur auf die Augenmuskeln, die sogenannte okuläre Muskulatur, auswirkt. Bei etwa 85 % der Betroffenen äußern sich die ersten Symptome in diesem Bereich beispielsweise durch das Hängen der Augenlider (Ptose) und Sehstörungen, wie etwa Doppelbilder.

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Eine generalisierte Form der Myasthenie kann alle Skelettmuskeln betreffen. Oft sind es die Muskeln in Armen und Beinen, sowie die Muskeln, die für Sprechen und Schlucken verantwortlich sind. Dadurch kann es zu Schwierigkeiten bei alltäglichen Aktivitäten kommen. Zum Beispiel beim Ausziehen von Kleidung über dem Kopf, sowie beim Einräumen von Geschirr in hoch hängende Küchenschränke.

Im Allgemeinen ist die Erkrankung nicht ansteckend und ein familiäres Auftreten ist extrem selten. Ca. Betroffen sind also vor allem Frauen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren, während sich die Erkrankung bei Männern eher im höheren Alter zwischen dem 50. Und 80. Lebensjahr manifestiert. Prinzipiell kann die Autoimmunerkrankung jedoch bei beiden Geschlechtern in jedwedem Alter auftreten.

Häufige Symptome

  • Augen: Hängende Augenlider (Ptose), Doppelbilder (Diplopie), Sehstörungen
  • Gesicht: Erschwertes Kauen, schlaffe Gesichtszüge, Schluckbeschwerden, Sprechstörungen (abgehacktes, stakkatoartiges, gehauchtes, unregelmäßiges, unpräzises und monotones Sprechen)
  • Extremitäten: Muskelschwäche in Armen und Beinen, Schwierigkeiten beim Heben von Gegenständen, Ermüdung nach körperlicher Anstrengung
  • Atmung: In schweren Fällen Atemnot und Ateminsuffizienz

Myasthene Krise

In etwa 10-15 % der Fälle kann es zu einer myasthenen Krise kommen, einem lebensbedrohlichen Zustand, der durch eine rapide Verschlechterung der Symptomatik verursacht wird. Die Betroffenen benötigen meist eine mechanische Beatmung und/oder künstliche Ernährung.

Auswirkungen auf den Körper

Die Myasthenia gravis kann verschiedene Bereiche des Körpers beeinträchtigen:

  • Augen: Schwäche der Augenmuskeln, hängende Augenlider, verschwommenes oder doppeltes Sehen
  • Nacken, Rücken und Schultern: Müdigkeit, Schmerzen, Schwäche, Krämpfe
  • Kernbereich: Schwäche
  • Arme und Finger: Krämpfe, Schwierigkeiten beim Greifen und Heben, Kraftverlust, Schmerzen, Müdigkeit
  • Gesicht: Schwierigkeiten beim Kauen, Ermüdung des Kiefers, Verschlucken oder Erbrechen, Erschlaffung der Gesichtsmuskeln
  • Stimme: Müdigkeit, Schwierigkeiten beim Sprechen, Veränderungen der Stimme
  • Atmung: Müdigkeit, flache Atmung, Kurzatmigkeit
  • Füße, Beine und Hüfte: Krämpfe, Müdigkeit und Schwäche, Zuckungen, Schmerzen

Diagnose von Myasthenia Gravis

Ein großes Problem bei der Diagnose der Erkrankung ist, dass die Symptome dem Krankheitsbild häufig nicht richtig bzw. frühzeitig zugeordnet werden. Deshalb ist es wichtig, dass sowohl Ärztinnen und Ärzte als auch Angehörige und Betroffene besser darüber informiert werden, welche - oft unspezifischen - Anzeichen auf eine Myasthenie hinweisen können.

Die Diagnose der Myasthenia gravis beruht vor allem auf den typischen Beschwerden, dem Alter des Patienten und der Beschaffenheit der Thymusdrüse. Dafür erfragt der Arzt die Vorgeschichte und untersucht den Betroffenen auf körperliche Symptome wie ermüdende Muskeln, unterschiedlich stark ausgeprägte Muskelschwäche sowie die betroffenen Körperregionen. Auch eine Untersuchung der Thymusdrüse kann sinnvoll sein. Darüber hinaus unterstützen Labortests dabei, eine fehlerhafte Impulsübertragung zwischen Nerven und Muskeln, den Erkrankungstyp anhand der ursächlichen Antikörper sowie den Schweregrad zu bestimmen. Diese Untersuchungen helfen, die jeweils sinnvolle Therapie und den Behandlungserfolg objektiv einzuschätzen. Welche Untersuchungen und Tests bei welchem Patienten sinnvoll sind, entscheidet dabei der behandelnde Arzt.

Die Diagnose der Myasthenia gravis kann umso zielführender ablaufen, je besser Patientinnen und Patienten und deren Angehörige wissen, was sie bei einem Arzttermin erwartet. Insbesondere auf bestimmte Fragen in der Anamnese kann man sich gezielt vorbereiten, woraufhin die Ärztinnen und Ärzte besser abwägen können, welche anschließenden Untersuchungen notwendig sind.

Diagnoseverfahren

  • Klinische Anamnese: Erhebung der medizinischen Vorgeschichte, gezielte Fragen nach Doppelbildern, Kau- und Schluckbeschwerden, Gewichtsabnahme und der Verschlechterung der Symptomatik unter Belastung bzw. Besserung in Ruhe.
  • Neurologische Untersuchung: Gezielte Untersuchung spezifischer Symptome, z. B. Haltetests des Kopfes, der Arme und Beine oder der Eisbeutel-Test bei hängenden Augenlidern.
  • Pharmakologische Tests:
    • Edrophoniumchlorid-Test: Injektion von Edrophoniumchlorid, einem kurzwirksamen Cholinesterasehemmer. Verbesserung der Muskelspannung nach der Injektion deutet auf Myasthenia gravis hin.
    • Pyridostigmin-Test: Ähnlich wie der Edrophoniumchlorid-Test, jedoch mit dem Cholinesterasehemmer Pyridostigmin, der oral verabreicht wird.
  • Blutuntersuchungen:
    • Antikörpertests: Nachweis von Antikörpern gegen Acetylcholinrezeptoren (ACh-Rezeptoren), MuSK (muskelspezifische Tyrosinkinase), LRP4 (Lipoprotein-related protein 4) und Titin.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen:
    • Repetitive Nervenstimulation: Messung der elektrischen Aktivität zwischen Gehirn und Muskeln bei wiederholter Nervenstimulation.
    • Einzelfaser-Elektromyographie (EMG): Messung der elektrischen Aktivität einzelner Muskelfasern.
  • Bildgebende Verfahren:
    • Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) des Brustkorbs: Zum Nachweis einer Vergrößerung der Thymusdrüse oder eines Thymoms.
  • Lungenfunktionstests: Überprüfung, ob die Erkrankung Auswirkungen auf die Atmung hat.

Differenzialdiagnose

Vor allem zu Beginn der Erkrankung kann es sinnvoll sein, vor der Diagnosestellung andere Erkrankungen auszuschließen. Abhängig von den vorliegenden Beschwerden können u. a. folgende weitere Erkrankungen in Frage kommen: Lambert-Eaton-Syndrom, medikamenteninduzierte myasthene Syndrome, Polymyositis, Dermatomyositis, mitochondriale Muskeldystrophie, okulopharyngeale Muskeldystrophie, Guillain-Barré-Syndrom oder auch ein Hirntumor.

Klassifikation der Myasthenia Gravis

Die Myasthenia gravis kann nach verschiedenen Kriterien eingeteilt werden, z. B. nach dem Zeitpunkt des Auftretens der ersten Symptome, den beteiligten Muskelgruppen, dem Vorhandensein bestimmter Antikörper oder dem Schweregrad der Erkrankung.

Einteilung nach Zeitpunkt des Auftretens

  • Neonatale Myasthenie: Tritt bei Neugeborenen von Müttern mit Myasthenia gravis auf.
  • Juvenile Myasthenie: Tritt vor dem 18. Lebensjahr auf.
  • Adulte Myasthenie: Tritt zwischen dem 18. und 50. Lebensjahr auf.
  • Altersmyasthenie: Tritt nach dem 50. Lebensjahr auf.

Einteilung nach beteiligten Muskelgruppen

  • Okuläre Myasthenie: Betrifft ausschließlich die Augenmuskeln.
  • Generalisierte Myasthenie: Betrifft neben den Augenmuskeln auch andere Muskelgruppen im Körper.

Einteilung nach Antikörpern

  • AChR-positive Myasthenie: Antikörper gegen Acetylcholinrezeptoren sind nachweisbar.
  • MuSK-positive Myasthenie: Antikörper gegen muskelspezifische Tyrosinkinase (MuSK) sind nachweisbar.
  • LRP4-positive Myasthenie: Antikörper gegen Lipoprotein-related protein 4 (LRP4) sind nachweisbar.
  • Seronegative Myasthenie: Keine Antikörper gegen AChR, MuSK oder LRP4 nachweisbar.

Einteilung nach Schweregrad (MGFA-Klassifikation)

Die Myasthenia Gravis Foundation of America (MGFA) hat eine Klassifikation entwickelt, die den Schweregrad der Erkrankung in fünf Klassen einteilt:

  • Klasse I: Rein okuläre Myasthenie, die sich auf die äußeren Augenmuskeln und den Lidschluss beschränkt.
  • Klasse II: Leichte generalisierte Myasthenie, bei der zusätzlich zu den Augenmuskeln auch andere Muskelgruppen betroffen sind.
  • Klasse III: Mäßiggradige generalisierte Myasthenie, wobei auch hier andere Muskelgruppen als die Augenmuskeln betroffen sind.
  • Klasse IV: Schwere generalisierte Myasthenie.
  • Klasse V: Intubationsbedürftigkeit mit oder ohne künstliche Beatmung.

Weiterhin werden die Klassen II bis IV in Subgruppen A und B unterteilt, wobei A die Betonung auf die Muskulatur der Extremitäten beziehungsweise des Rumpfs legt und B eine besondere Beteiligung der Mundrachenmuskulatur und/oder Atemmuskulatur beschreibt.

Behandlung von Myasthenia Gravis

Für Autoimmunerkrankungen gilt weiterhin, dass man ihnen weder effektiv vorbeugen noch sie heilen kann. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Wird die entzündlich neuromuskuläre Autoimmunerkrankung dagegen frühzeitig erkannt und behandelt, können Betroffene mithilfe einer medikamentösen Therapie ein nahezu unbeeinträchtigtes Leben führen.

Medikamentöse Therapie

  • Acetylcholinesterasehemmer: Diese Medikamente (z. B. Pyridostigmin) hemmen den Abbau von Acetylcholin im synaptischen Spalt und verbessern so die Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel.
  • Immunsuppressiva: Diese Medikamente (z. B. Kortikosteroide, Azathioprin, Mycophenolatmofetil) unterdrücken die Aktivität des Immunsystems und reduzieren die Produktion von Autoantikörpern.
  • Biologika: Neuartige monoklonale Antikörper wie Rituximab und Eculizumab greifen spezifisch in den Krankheitsprozess ein und können das Krankheitsgeschehen in bestimmten Konstellationen nachhaltig positiv beeinflussen.

Thymektomie

Bei Patientinnen und Patienten mit einer Myasthenie findet sich bei 10 - 15 % der Betroffenen ein Thymom. Teilweise wird auch eine Entfernung des Thymus erwogen, obwohl kein Tumor nachweisbar ist.

Die Entfernung der Thymusdrüse (Thymektomie) kann bei einigen Patienten, insbesondere bei jüngeren Patienten mit AChR-positiver Myasthenie, zu einer Besserung der Symptome führen.

Immuntherapie

In schweren Fällen, insbesondere bei myasthenen Krisen, können Immuntherapien wie die Plasmapherese oder die intravenöse Gabe von Immunglobulinen (IVIG) eingesetzt werden, um die Autoantikörper aus dem Blut zu entfernen oder die Immunantwort zu modulieren.

Rehabilitation

Die Rehabilitation stellt einen wichtigen Baustein in der Förderung der Lebensqualität und beruflichen Leistungsfähigkeit dar. Therapieziele sind die Verbesserung und das Erhalten der Selbständigkeit, die Selbstversorgung und Teilhaben am sozialen Leben. Durch Physiotherapie wird ein langsamer und kontinuierlicher Aufbau der Muskelkraft und der Ausdauer angestrebt. Außerdem sollen Bewegungsabläufen in Hinsicht auf Koordination und Dosierung von Kraft verbessert werden. Ein weiterer Therapiepfeiler ist das sensomotorische Training mit Schwerpunkt auf Koordination und Feinmotorik. Der Patient soll wieder dazu hingeführt werden, alltägliche Aufgaben selbstständig zu erledigen: Ankleiden, Waschen, Autofahren, Schreiben usw.

Die Logopädie ist eine weitere Abteilung in der Rehabilitation zur Behandlung von Myasthenia gravis. Betroffene mit Schluck- oder Sprechstörungen werden dort behandelt. Sie sollen lernen, wie sie Muskeln in Hals und Kehlkopf dazu nutzen können, ökonomisch zu sprechen und schlucken.

Ernährung

Einen bestimmten Ernährungsplan müssen Betroffene mit Myasthenia gravis in der Regel nicht befolgen. Die neurologische Fachgesellschaft gibt in ihren Behandlungsleitlinien keine speziellen Ernährungsempfehlungen.

Leben mit Myasthenia Gravis

Dank der heutigen Behandlungsmöglichkeiten ist der Verlauf der Erkrankung in der Regel günstig und führt nicht mehr zu einer Verkürzung der Lebenserwartung. Die meisten Patientinnen und Patienten können trotz Einschränkungen ihrer körperlichen Belastbarkeit ein weitgehend normales Leben führen und ihren Beruf ausüben. Es gibt jedoch keine Möglichkeit, die Muskelkraft vollständig wiederherzustellen. Alle Patientinnen und Patienten müssen ihre individuellen Belastungsgrenzen herausfinden. Es besteht die Hoffnung, dass zukünftige Forschung noch bessere Behandlungsmöglichkeiten hervorbringt.

Es ist wichtig, den Alltag auf die Erkrankung abzustimmen. So ist die Belastbarkeit am Morgen größer als am Abend, und Ruhephasen zur Erholung sollten immer wieder eingeplant werden. Körperliche und psychische Belastungen wirken symptomverstärkend und sollten weitgehend vermieden werden.

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