Verbrennungen und Verbrühungen sind traumatische Ereignisse, die nicht nur akute Schmerzen verursachen, sondern auch langfristige Nervenschäden und chronische Schmerzen nach sich ziehen können. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Behandlung von Nervenschmerzen nach Verbrennungen, beginnend mit der Erstversorgung und Prävention bis hin zu langfristigen Managementstrategien.
Einleitung
Verbrennungen und Verbrühungen sind thermische Schädigungen der Haut, der Hautanhangsgebilde und eventuell auch tieferliegender Gewebe. Verbrennungen entstehen durch Feuer oder Kontakt mit heißen Gegenständen, Verbrühungen durch heiße Flüssigkeiten oder Dampf. Rund 4 Prozent aller Unfälle werden in Deutschland durch Verbrennungen und Verbrühungen verursacht. Es ist wichtig, Ausdehnung und Tiefe einer Verbrennungswunde richtig einzuschätzen.
Erstversorgung bei Verbrennungen
Bei einer Verbrennung ist schnelles Handeln entscheidend, um die Schäden zu minimieren und Komplikationen vorzubeugen. Die folgenden Schritte sollten beachtet werden:
- Sicherheit geht vor: Entfernen Sie die verunfallte Person von der Hitzequelle. Achten Sie dabei auf Ihre eigene Sicherheit.
- Kühlung: Kühlen Sie die Verbrennung sofort mindestens 20 Minuten lang mit kaltem oder kühlem (nicht eisigem) Wasser. Im Gesicht können feuchte Tücher verwendet werden, wobei die Atemwege immer frei bleiben müssen. Besondere Vorsicht ist beim Kühlen großer Verbrennungen oder bei Verbrennungen bei Säuglingen und Kleinkindern geboten, um keine Unterkühlung auszulösen. Spätestens wenn der ansprechbare Patient fröstelt, ist die Maßnahme abzubrechen.
- Wundabdeckung: Decken Sie die Brandwunde locker und keimfrei ab. Verwenden Sie dazu ein steriles Verbandtuch, Metallinetuch oder Frischhaltefolie. Vermeiden Sie es, die Wunde einzuwickeln. Wenn Sie kein Verbandtuch oder Metallinetuch zur Verfügung haben, können Sie die Wunde mit frischem, sauberen Leinentuch bedecken. Andernfalls lassen Sie die Brandwunde unbedeckt.
- Kleidung: Entfernen Sie rasch, aber vorsichtig die verbrühte Kleidung. Mit der Haut verkrustete Kleidung nicht ausziehen. Heiße oder brennende Stoffe, die unmittelbar auf die Haut gelangt sind, nicht entfernen; dennoch sofort Kaltwasseranwendung.
- Notruf: Tätigen Sie den Notruf 112, insbesondere bei schweren Verbrennungen, großflächigen Verletzungen, Verbrennungen im Gesichtsbereich oder bei Atemwegsbeschwerden.
- Weitere Maßnahmen:
- Die betroffene Person ansprechen, beruhigen.
- Bei Kleiderbränden sofort löschen: Person möglichst aufhalten, mit Wasser übergießen, die Flammen mit einer Decke ersticken, oder den Betroffenen auf dem Boden wälzen.
- Feuer löschen.
- Schutzhandschuhe anziehen.
- Wärmeerhalt/Betroffenen zudecken.
- Ggf. Arzt aufsuchen.
Prävention von Verbrennungen
Verbrennungen sind oft vermeidbar. Durch einfache Vorsichtsmaßnahmen kann das Risiko deutlich reduziert werden:
- Verzichten Sie beim Grillen auf nicht geeignete Brandbeschleuniger.
- Füllen Sie in Wärmflaschen kein kochendes Wasser, wickeln Sie diese in ein Tuch, um direkten Hautkontakt zu vermeiden.
- Beaufsichtigen Sie Ihr Kind in der Nähe von offenem Feuer (z. B. Kerze, Kamin, Grill).
- Gehen Sie besonnen mit Feuer um, seien Sie Ihrem Kind ein Vorbild.
- Erklären Sie Ihrem Kind frühzeitig die Gefahren im Umgang mit Feuer. Verbote nützen meist nichts, sondern erhöhen eher die kindliche Neugier.
- Nichts Heißes essen oder trinken, solange ihr Kind auf ihrem Schoß sitzt.
- Gefäße mit heißen Flüssigkeiten so platzieren, dass Kinder diese nicht erreichen können.
- Keine herunterhängenden Tischdecken verwenden.
Schweregrade von Verbrennungen
Je nachdem, welche Hautschichten betroffen sind, werden Verbrennungen in verschiedene Schweregrade eingeteilt:
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- Verbrennung 1. Grades: Nur die Epidermis (oberste Hautschicht) ist betroffen. Symptome sind Rötung, Schmerzen und Schwellung. Die Heilung erfolgt in der Regel ohne Narbenbildung.
- Verbrennung 2. Grades: Die Schädigung reicht bis in die Dermis (Lederhaut). Es bilden sich Blasen, die sehr schmerzhaft sein können. Man unterscheidet zwischen:
- Grad 2a: Oberflächliche Schädigung der Dermis. Die Wundflächen sind stark gerötet und verursachen schwere Schmerzen. Diese Verbrennungen heilen in der Regel innerhalb von zwei Wochen ohne Narben ab, es können allerdings Veränderungen der Hautfarbe zurückbleiben.
- Grad 2b: Die gesamte Lederhaut mit den Blutgefäßen und Hautnerven ist zerstört. Sie verursachen daher kaum Schmerzen und haben einen hellen bis weißen Wundgrund. Sie benötigen mindestens 3 Wochen um auszuheilen und hinterlassen Narben.
- Verbrennung 3. Grades: Alle Hautschichten sind zerstört. Die Haut ist weiß, grau oder schwarz und fühlt sich lederartig an. Es besteht keine Schmerzempfindung mehr, da die Nervenendigungen zerstört sind.
- Verbrennung 4. Grades: Die Schädigung erstreckt sich bis auf das darunterliegende Gewebe, wie Muskeln, Knochen oder Sehnen. Es kommt zu Verkohlung.
Ursachen und Risikofaktoren
Verbrennungen und Verbrühungen entstehen, wenn der Körper starker Hitze ausgesetzt ist. Ab Temperaturen von über 44 Grad Celsius wird Gewebe zerstört. Neben der Höhe der Temperatur ist die Dauer der Hitzeeinwirkung wesentlich an der Entstehung einer Verbrennung beteiligt. Bei lang andauernder Hitzeeinwirkung genügen schon Werte über 40 Grad Celsius, um Gewebe zu zerstören.
Eine Verbrennung oder Verbrühung entsteht beispielsweise durch:
- Offenes Feuer, Flammen, Brand, Explosion: klassische Verbrennung
- Kochendes/heißes Wasser, Wasserdampf, Öl und andere Flüssigkeiten: Verbrühung
- Heißes Metall, Plastik, Kohle, Glas: Kontaktverbrennung
- Lösungs- und Reinigungsmittel, Beton, Zement: chemische Verbrennung
- Elektrischen Strom im Haushalt, Hochspannungsleitungen, Blitze: Elektroverbrennung
- Sonne, Solarium, Strahlenbehandlungen durch UV- und Röntgenstrahlen: Strahlenverbrennung
Darüber hinaus resultiert eine Verbrennung möglicherweise auch aus dem Kontakt zu bestimmten Pflanzen wie dem Riesen-Bärenklau (Herkulesstaude) oder zu Wärmflaschen und Heizkissen.
Die Verbrennungskrankheit
Bei schweren Verbrennungen (etwa ab 20 Prozent verbrannter Körperoberfläche bei Erwachsenen) kann es zur sogenannten Verbrennungskrankheit kommen. Dabei handelt es sich um eine systemische Reaktion des Körpers auf das Trauma, die zu einem Schock, Organversagen und sogar zum Tod führen kann. Hauptsymptom ist ein generalisiertes »Capillary leak syndrome«, das sehr rasch auftritt und auf etwa 24 Stunden nach dem Trauma begrenzt ist. Dabei kommt es zu einem generalisierten interstitiellen Ödem, das durch das Ausströmen von intravasalem Volumen in das Gewebe verursacht wird. Direkte Folge ist ein Missverhältnis von intravasalem Flüssigkeitsvolumen und -bedarf, also ein Schock.
Diagnose und Untersuchung
Für die erste Beurteilung einer Verbrennung genügt meist eine Blickdiagnose. Allerdings sind auch die Umstände wichtig, unter denen es zu einer Brandverletzung kam. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird Ihnen daher neben Fragen zu Ihren Beschwerden auch solche zum Unfallhergang (Anamnese) stellen:
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- Wie kam es zur Verbrennung?
- Was hat die Verbrennung verursacht (z.B. offenes Feuer) beziehungsweise haben Sie sich verbrüht, also zum Beispiel an heißem Wasser oder heißem Fett verbrannt?
- Gab es um Sie herum heißen Rauch, giftige Gase oder Ruß in der Luft?
- Haben Sie Schmerzen?
- Ist Ihnen schwindelig oder haben Sie kurzzeitig das Bewusstsein verloren?
Bei leichten Verbrennungen wenden Sie sich an Ihre Hausarztpraxis oder einen Hautarzt beziehungsweise eine Hautärztin (Dermatologe, Dermatologin). Bei schweren Verbrennungen ist eine notärztliche Behandlung nötig!
Nach dem Anamnesegespräch folgt eine körperliche Untersuchung. Der Arzt oder die Ärztin muss beurteilen, wie viel Prozent der Körperoberfläche in etwa betroffen sind. Das ist relevant für die weitere Behandlung und die Prognose. Zudem wird der Arzt oder die Ärztin - besonders bei schwerwiegenderen Verbrennungen - Blutdruck, Puls und Atmung prüfen, die Lunge abhören (Auskultation) und die Herzaktivität überwachen.
Behandlung von Verbrennungen
Die Behandlung von Verbrennungen richtet sich nach dem Schweregrad der Verletzung.
Konservative Therapie
Bei Verbrennungen 1. und 2. Grades (Typ a) erfolgt die Behandlung in der Regel konservativ, also ohne operative Eingriffe. Sie umfasst unter anderem:
- Kühlung: Wie bereits in der Erstversorgung beschrieben.
- Entfernen verbrannter Kleidung: Sofern diese nicht mit der Wunde verklebt ist.
- Schmerzbehandlung: Je nach Bedarf mit Schmerzmitteln.
- Wundreinigung: Sorgfältige Reinigung der Wunde, um Infektionen vorzubeugen.
- Auftragen spezieller antiseptischer Präparate: Zur Desinfektion und zum Schutz vor Infektionen. Desinfizierende Verbände, zum Beispiel mit Silber, Octenidin oder Polyhexanid, sind notwendig (Beispiele: Mepilex Ag®, GlucanPro 3000®, Silverlon®). Sie sollten in bestimmten Abständen gewechselt werden, um eine lokale Keimreduktion zu erreichen. Gelverbände kühlen leicht und wirken dadurch auch schmerzlindernd.
- Anlegen eines Verbandes: Zum Schutz der Wunde und zur Förderung der Heilung. Sterile Pflaster oder Verbände - idealerweise metallbeschichtet - sind am besten geeignet die Wunde abzudecken.
Operative Therapie
Bei Verbrennungen ab dem 2. Grad (Typ b) und 3. Grades ist oft eine operative Behandlung erforderlich. Dabei wird abgestorbenes Gewebe entfernt (Nekrosektomie). Je nach Tiefe und Ausdehnung der Verbrennung kann eine Hauttransplantation notwendig sein.
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Hauttransplantationen dienen dem Wundverschluss und ersetzen die abgestorbenen Teile. Die dazu notwendige Haut wird als Spenderhaut direkt vom Patienten in einer sehr dünnen Schicht entnommen. Manchmal ist eine ausreichende Eigenhauttransplantation nicht möglich. Das kann verschiedene Gründe haben: Es gibt zu wenige Entnahmemöglichkeiten bei ausgedehnten Verbrennungen, der Zustand des Patienten lässt eine Operation vorläufig nicht zu oder die nekrosektomierte Wunde ist für Eigenhauttransplantate noch nicht bereit.
Es gibt verschiedene Arten von Hauttransplantationen:
- allogene Spalthauttransplantation (Spenderhaut): vorübergehender Wundverschluss für eine bis zwei Wochen
- xenologe Transplantate, zum Beispiel Schweinehaut: vorübergehender Wundverschluss für eine bis zwei Wochen
- künstlicher Hautersatz zur vorübergehenden Wundabdeckung.
Spezielle Behandlungen bei Inhalationstrauma
Bei Gesichtsverbrennungen müssen Sie immer damit rechnen, dass Flammen eingeatmet wurden.
Symptome:
- Schwellung der Schleimhäute des Mundes und des Rachenraumes
- Atemnot
Erste-Hilfe-Maßnahmen:
- Atmung kontrollieren
- Atemerleichterung durch besondere Sitzhaltung
- Schockbekämpfung
- Vorsicht bei Kaltwasseranwendung im Gesicht
- Vorsichtige Wundbedeckung (Sichtbehinderung)
Langzeitfolgen und Narbenbehandlung
Verbrennungen können langfristige Folgen haben, insbesondere wenn sie tiefe Hautschichten betreffen. Narbenbildung ist eine häufige Komplikation, die zu Bewegungseinschränkungen, Juckreiz und psychischen Belastungen führen kann.
Die Nachbehandlung bei Verbrennung umfasst gegebenenfalls auch die Anwendung spezieller Pflaster zur Narbenpflege.
Bei zeitgerechter Wundheilung entstehen im Allgemeinen keine hypertrophen Narben. Wichtige Empfehlung: keine intensive Sonneneinstrahlung für sechs bis zwölf Monate. Bei Verbrennungen von Grad 2B und 3 ist je nach Behandlung das Tragen von speziell angefertigter Kompressionswäsche erforderlich, da dies die Narbenbildung vermindert. Narben müssen so lange komprimiert werden, bis sie nicht mehr aktiv sind, das heißt, auf Druck nicht mehr heller werden. Die Patienten müssen die Druckverbände ein bis zwei Jahre lang Tag und Nacht tragen. Kinder mit so schweren Brandverletzungen müssen während der gesamten Wachstumsphase überwacht werden.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Narbenbehandlung:
- Kompressionsbehandlung: Das Tragen von Kompressionskleidung kann die Narbenbildung reduzieren.
- Silikonauflagen: Spezielle Silikonfolien können auf die Narben aufgebracht werden, um das Gewebe geschmeidig zu halten und Juckreiz zu lindern (Beispiel Mepiform®).
- Physiotherapie: Übungen zur Verbesserung der Beweglichkeit und zur Dehnung des Narbengewebes.
- Lasertherapie: Kann zur Verbesserung des Erscheinungsbildes von Narben eingesetzt werden.
- Korrekturoperationen: Bei stark beeinträchtigenden Narben können operative Eingriffe zur Auflösung von Narbensträngen oder zur Hauttransplantation in Betracht gezogen werden.
Transplantierte Haut muss der Patient besonders pflegen. Tägliches Eincremen ist notwendig, da bei der Hauttransplantation nur die Hautzellen, nicht jedoch Schweiß- oder Talgdrüsen transplantiert werden. Daher ist auch eine Temperaturregelung durch Schwitzen, zum Beispiel beim Sport, nur noch eingeschränkt möglich. Die operierten Areale sollten ebenfalls keiner intensiven Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden.
Nervenschmerzen nach Verbrennungen
Nervenschmerzen (neuropathische Schmerzen) können eine Folge von Verbrennungen sein, insbesondere wenn Nerven während der Verletzung beschädigt wurden. Diese Schmerzen können chronisch werden und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.
Ursachen von Nervenschmerzen nach Verbrennungen
- Direkte Nervenschädigung: Die Hitzeeinwirkung kann Nervenendigungen und Nervenbahnen direkt schädigen.
- Narbenbildung: Narbengewebe kann auf Nerven drücken und diese reizen.
- Entzündungsreaktionen: Entzündungen im Bereich der Verbrennung können Nerven sensibilisieren und Schmerzen verursachen.
Symptome von Nervenschmerzen
Die Symptome von Nervenschmerzen können vielfältig sein:
- Brennende, stechende oder schneidende Schmerzen
- Elektrisierende Schmerzen
- Überempfindlichkeit gegenüber Berührungen (Allodynie)
- Verstärkte Schmerzempfindung (Hyperalgesie)
- Juckreiz (neuropathischer Pruritus)
Behandlung von Nervenschmerzen
Die Behandlung von Nervenschmerzen nach Verbrennungen ist oft komplex und erfordert einen multimodalen Ansatz.
Medikamentöse Therapie
- Gabapentinoide: Gabapentin und Pregabalin sind Medikamente, die häufig zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen eingesetzt werden. Sie wirken, indem sie die Erregbarkeit der Nervenzellen reduzieren. Pregabalin wurde in einer Dosis von 75 mg 2‑mal täglich verabreicht und individuell auf 2‑mal 300 mg pro Tag erhöht. Hierbei wurde nach 28 Tagen eine signifikante Reduktion (p < 0,01) der Juckreizintensität bei Patienten in der Pregabalingruppe im Vergleich zur Placebogruppe beschrieben, insbesondere haben Patienten mit einer großflächigen Verbrennung davon profitiert [31]. Auch bei Kindern mit Verbrennungen scheint Gabapentin wirksam zu sein [39]. Dabei wurde berichtet, dass innerhalb von 24 h nach Beginn der Behandlung alle Kinder über eine deutliche Verringerung des Juckreizes berichteten, und so wurde die Einnahme von Antihistaminika reduziert.
- Antidepressiva: Trizyklische Antidepressiva (z.B. Amitriptylin) und selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI) können ebenfalls zur Schmerzlinderung eingesetzt werden. Für die orale Gabe von Antidepressiva gibt es nur Einzelberichte, z. B. zur Behandlung der Notalgia paraesthetica mit 10 mg Amitriptylin abends, hier zeigte sich eine Reduktion der Juckreizintensität von 7 auf 4 auf der VAS nach einer 3‑monatigen Behandlung [45].
- Opioide: In schweren Fällen können Opioide zur Schmerzlinderung eingesetzt werden, allerdings ist aufgrund des Suchtpotenzials Vorsicht geboten.
- Lokalanästhetika: Lidocain-Pflaster oder -Cremes können lokal aufgetragen werden, um die Schmerzen zu lindern. Lokalanästhetika wurden als Creme (2,5 % Lidocain und 2,5 % Prilocain [56, 57]), als 5 %iges lidocainhaltiges Pflaster [58] sowie regionalanästhetisch (Nervenblockade mit Tetracain und Bupivacain; [59, 60]) zur Behandlung des neuropathischen Pruritus versucht.
- Capsaicin: Die lokale Anwendung von Capsaicin, dem Inhaltsstoff scharfer Chilischoten, aktiviert die Transient Receptor Potential Vanniloid 1 (TRPV1)-Rezeptoren, die auf Keratinozyten und primär afferenten C‑Fasern vorkommen [32]. Der Behandlungserfolg nach einer 4‑wöchigen Behandlung mit 0,025 % Capsaicinsalbe bei Notalgia paraesthetica wurde bereits 1995 bei 70 % der mit Capsaicin behandelten Patienten vs. 30 % der mit dem Vehikel behandelten Patienten nachgewiesen [32].
Nicht-medikamentöse Therapie
- Physiotherapie: Kann helfen, die Beweglichkeit zu verbessern und Narbengewebe zu lockern.
- Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Die TENS erwies sich in 2 Studien, eine davon randomisiert-kontrolliert, bei Patienten mit Juckreiz nach Verbrennungen als wirksam [73, 74].
- Akupunktur: In einer retrospektiven Analyse fand sich, dass Akupunktur bei 12 von 16 Patienten mit neuropathischem Juckreiz eine symptomatische Linderung des Juckreizes bewirkte [77].
- Psychotherapie: Kann helfen, mit den chronischen Schmerzen umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern. Schon bei der Aufnahme, sobald die Patienten ansprechbar seien, werden diese "gescreent, ob irgendwelche Tendenzen dafür da sind, posttraumatische Belastungsstörungen - also psychische Probleme nach einem Unfall - zu entwickeln", erklärt Rapp.
Alternative Therapien
- Cannabinoide: Eine erfolgreiche Behandlung des Pruritus wurde bei einem Patienten mit amyotropher Lateralsklerose durch Cannabinoide [79] beschrieben.
Neuropathischer Pruritus
Ein häufiges und belastendes Symptom nach Verbrennungen ist neuropathischer Juckreiz. Dieser entsteht durch Schädigung oder Dysfunktion von Nervenfasern, die für die Juckreizübertragung verantwortlich sind. Die Behandlung des neuropathischen Pruritus kann schwierig sein und erfordert oft eine Kombination verschiedener Therapieansätze.
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