Nervenschädigung nach Leistenbruchoperation: Ursachen, Symptome, Behandlung und rechtliche Aspekte

Eine Leistenbruchoperation ist heutzutage ein Routineeingriff, dennoch kann es in manchen Fällen zu Komplikationen kommen, darunter auch Nervenschädigungen. Diese können verschiedene Beschwerden verursachen, von vorübergehenden Sensibilitätsstörungen bis hin zu chronischen Schmerzen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Nervenschädigungen nach Leistenbruchoperationen und geht auch auf die rechtlichen Aspekte ein.

Einführung

Mehr als 200.000 Patienten werden jährlich in Deutschland wegen eines Leistenbruchs operiert. Obwohl die Operation als Routineeingriff gilt, leidet jeder 10. bis 20. Patient danach dauerhaft unter Schmerzen etwa in der Leiste, im Bein, im Hoden oder am Hodensack. Jedes Jahr kommen allein in Deutschland 10.000 bis 20.000 neue Schmerzpatienten nach Leistenbruch-Operationen hinzu.

Ursachen von Nervenschädigungen nach Leistenbruchoperationen

Nervenschädigungen nach einer Leistenbruchoperation können verschiedene Ursachen haben:

  • Direkte Verletzung der Nerven während der Operation: Skalpell, Tacker, ja selbst Nadel und Faden können hier viel Unheil anrichten. Bei Operationen zur Behebung eines Leistenbruchs werden je nach Indikation offene oder endoskopische Verfahren angewendet. Abhängig vom Verfahren gibt es - neben typischen Komplikationen - auch eine Reihe von Fehlermöglichkeiten.
  • Kompression oder Dehnung der Nerven: So kann es während des operativen Eingriffs zu Schädigungen des Nervensystems kommen, etwa aufgrund von Kompressionen, Dehnungen, Traumen oder der Patientenlagerung.
  • Entzündungsreaktionen: Davon abgesehen können Entzündungsprozesse nach einer Operation dazu führen, dass die peripheren Nerven erkranken.
  • Vernarbungen: Narbenbildung mit Netzschrumpfung stellen weitere potenzielle Ursachen dar.
  • Verklumpung des Netzes: Zudem stehen die Netze im Verdacht, durch Verschluss des Samenleiters unfruchtbar machen zu können. Bei der von Experten nicht empfohlenen, aber gleichwohl beliebten Plug- oder Stöpseltechnik ist die Gefahr von Verklumpungen besonders groß. Zudem kommt es immer wieder vor, dass Plugs anfangen, unkontrolliert durch den Körper zu wandern.
  • Kontakt der Nerven mit dem eingesetzten Kunststoffnetz: Dafür können hierbei andere Nerven, die nicht von einer schützenden Hülle umgeben sind, in direkten Kontakt mit dem Netz kommen.

Es gibt Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit postoperativer Neuropathien erhöhen. Dazu zählen zum einen Vorerkrankungen der peripheren Nerven. Zum anderen gibt es Nervenschäden begünstigende Erkrankungen, darunter Diabetes, sehr hoher oder sehr niedriger Body-Mass-Index, periphere Gefäßerkrankungen, Alkoholabhängigkeit oder eine Arthritis. Darüber hinaus gibt es Risikofaktoren, die die empfundene Stärke von Nervenschmerzen beeinflussen, darunter eine subjektiv erniedrigte Schmerzschwelle oder eine pessimistische Erlebnisverarbeitung.

Symptome einer Nervenschädigung nach Leistenbruchoperation

Typische Anzeichen für eine Nervenschädigung nach einer Leistenbruchoperation sind:

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  • Taubheitsgefühle: Taubheit im Bereich des linken Oberschenkels.
  • Kribbeln
  • Schmerzen: Leistenschmerzen, die in seltenen Fällen auch andauern können.
  • Lähmungserscheinungen: Ein Versagen des linken Beins am Entlassungstag.
  • Veränderte Hautsensibilität: So reagieren Betroffene unter- oder überempfindlich(manchmal auch beides) auf Reize wie Kälte, Wärme, Berührung oder Druck.
  • Schmerzattacken: Letztere können sich kribbelnd, brennend, stechend, einschießend oder elektrisierend äußern.
  • Muskelverkümmerung: Manchmal vermeiden die Betroffenen es, den schmerzbereitenden Körperteil zu bewegen, wodurch die entsprechenden Muskeln verkümmern können.

Einige Patienten berichten auch über Schmerzen in der Genitalregion oder ein unangenehmes Gefühl beim Samenerguss.

Diagnose von Nervenschädigungen nach Leistenbruchoperation

Wenn nach einer Operation plötzlich Taubheitsgefühle, Lähmungen oder unerklärliche Schmerzen auftreten, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Eine neurologische Untersuchung kann helfen, die Ursache der Beschwerden zu finden und zwischen neuropathischen und nozirezeptiven Schmerzen zu unterscheiden. Der neuropathische Schmerz entsteht durch direkte Nervenschädigung/Irritation und führt zu einer gestörten Schmerzverarbeitung. Für den betroffenen Patienten macht sich der neuropathische Schmerz in der Leiste mit lokalisierten Kribbeln, Stechen und Brennen bemerkbar.

Behandlung von Nervenschädigungen nach Leistenbruchoperation

Die Behandlung von Nervenschädigungen nach einer Leistenbruchoperation ist oft langwierig und erfordert einen multimodalen Ansatz. Die Therapie postoperativer neuropathischer Schmerzen kann wie folgt aussehen:

  • Medikamentöse Therapie: Typischerweise gegen neuropathische Schmerzen eingesetzte Medikamente sind unter anderem Antikonvulsiva, trizyklische Antidepressiva, selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer oder Opioide. Eine lokale Therapie erfolgt zum Beispiel mittels Lidocain-Pflastern. Meistens ist es sinnvoll, mehrere Medikamente miteinander zu kombinieren.
  • Nicht-medikamentöse Therapie: Die nicht-medikamentöse Behandlung neuropathischer Schmerzen erstreckt sich unter anderem auf warme Fußbäder, transkutane elektrische Nervenstimulation, Akupunktur, milde Infrarotstrahlung, Applikation von Kälte, Physio- und Ergotherapie und Psychotherapie (Verbesserung der Schmerzakzeptanz).
  • Invasive Therapie: Manchmal ist es sinnvoll beziehungsweise erforderlich, neuropathische Schmerzen zusätzlich invasiv zu behandeln. Dies erfolgt unter anderem durch selektive Nervenblockaden, Ganglionblockaden oder Neuromodulationsverfahren.
  • Operation: Durch langjährige Erfahrung mit Eingriffen in Lokalanästhesie ist es uns möglich intraoperativ, d.h. während des operativen Eingriffs, den Schmerzpunkt aufzusuchen. Diese präzise intraoperative Schmerzantwort (intraoperative nerve response) ermöglicht die genaue Lokalisation der Schmerzursache. Die betroffenen, sensiblen Nerven können dann selektiv befreit und ggfs. durchtrennt werden. In seltenen Fällen kann auch eine Netzentfernung erforderlich sein.

Die optimale Behandlung postoperativer Nervenschmerzen erfordert ein multimodales Therapiemanagement, bestehend aus medizinischer und medikamentöser Behandlung, psychologisch-therapeutischen Maßnahmen sowie Bewegungstherapie. Hierzu müssen sich Patienten meist in spezialisierte Schmerzzentren begeben. Wichtig ist, dass die Therapie neuropathischer Schmerzen langfristig kontrolliert wird: So sollten Erfolg und Auswirkungen der Schmerzlinderung auf die Lebensbereiche des Patienten dokumentiert werden, beispielsweise in einem Schmerztagebuch.

Rechtliche Aspekte

Wenn nach einer Operation Nervenschäden auftreten, ist es wichtig, die rechtlichen Aspekte zu berücksichtigen. Ein Nervenschaden nach einer Operation kann Ihr Leben dramatisch verändern. Als spezialisierte Kanzlei für Medizinrecht setzen wir uns dafür ein, dass Sie zu Ihrem Recht kommen und eine angemessene Entschädigung erhalten. Zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren. Je früher Sie handeln, desto besser sind Ihre Chancen auf eine erfolgreiche Durchsetzung Ihrer Ansprüche.

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Behandlungsfehler

Nicht jeder Nervenschaden ist auf einen Behandlungsfehler zurückzuführen. In manchen Fällen handelt es sich um unvermeidbare Komplikationen. Wenn jedoch ein Behandlungsfehler vorliegt, hat der Patient Anspruch auf Schadensersatz und Schmerzensgeld.

Aufklärungspflicht

Der behandelnde Arzt hat bei einer Leistenbruchoperation den Patienten mündlich darüber aufzuklären, dass durch den Eingriff im Bruchbereich verlaufende Nerven verletzt und dadurch Leistenschmerzen ausgelöst werden können, die in seltenen Fällen auch andauern können. Spricht der Arzt mit dem Patienten dagegen nur von möglichen „Sensibilitätsstörungen“ oder „Missempfindungen“, so ist dies nicht ausreichend für die Aufklärung über die Risiken einer Leistenbruchoperation.

Beweisführung

Die Beweisführung bei Nervenschäden nach Operationen ist oft komplex. Grundsätzlich muss der Patient beweisen, dass ein Behandlungsfehler vorliegt und dieser ursächlich für den Schaden ist.

Verjährung

Die reguläre Verjährungsfrist beträgt drei Jahre ab Kenntnis des Schadens und der Person des Schädigers. Die absolute Verjährungsfrist liegt bei 30 Jahren nach der schädigenden Handlung.

Prävention

Um Nervenverletzungen während der OP möglichst gleich zu vermeiden, empfiehlt sich eine Operation nur dann, wenn sie auch wirklich nötig ist. Sogenannte weiche oder Sportlerleisten sollten Chirurgen am besten gar nicht anrühren.

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»Wir müssen den Ärzten klarmachen, dass die Leiste eine Hochrisiko-Region ist«, sagt Aasvang. »Und wenn die jungen Ärzte die Operationsmethode erlernen, muss ihnen auch beigebracht werden, wie sie die wichtigen Nerven fachgerecht aufspüren, damit sie sie beim Schneiden, Tackern oder Nähen nicht verletzen.«

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