Migräne Ursachen und Behandlung: Die Rolle der Wirbelsäule

Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die weit mehr als nur Kopfschmerzen umfasst. Oftmals wird die Verbindung zwischen Migräne und Problemen der Wirbelsäule, insbesondere des Nackens, unterschätzt. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Wirbelsäulenfehlstellungen, Nervenreizungen im Genick und Migräne, sowie Behandlungsansätze.

Migräne: Mehr als nur Kopfschmerzen

Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen, von der etwa 12 bis 14 Prozent aller Frauen und 6 bis 8 Prozent aller Männer in Deutschland betroffen sind. Die erste Migräneattacke tritt bei den meisten Frauen bereits zwischen dem 12. und 16. Lebensjahr auf. Zentrales Symptom einer Migräne sind die häufig einseitigen, pulsierend-pochenden Kopfschmerzen. Dazu können heftige Übelkeit mit Erbrechen, extreme Licht-, Geräusch- und Geruchsempfindlichkeit kommen. Eine Attacke kann zwischen vier und 72 Stunden dauern.

Neben den typischen pochenden Kopfschmerzen kann eine Migräne u.a. auch Schmerzen im Gesicht, am Nacken, in den Augen oder im Zahnbereich verursachen. Menschen, die wiederholt unter derartigen Beschwerden leiden, sollten sie unbedingt von einem Nervenarzt oder Neurologen abklären lassen.

Die Rolle des Genicks bei Migräne

Das Genick, der Übergang zwischen Kopf und Halswirbelsäule, spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Migräne. Hier erklären wir Ihnen, wie Migräne entsteht. Wie Wirbelfehlstellungen im Genick durch schmerzhafte Entzündungen und Nervenreizungen Migräne auslösen können. Wir zeigen wissenschaftlich fundiert die Zusammenhänge zwischen Nervenreizungen im Genick und Durchblutungs-Störungen in Teilen des Gehirns.

Das Genick besteht aus zwei Gelenksebenen zur Beugung und Drehung des Kopfes. Die Ebene zwischen Schädelbasis (Sb) und erstem Halswirbel (Atlas) (1) dient der Kopfbeugung nach vorn und hinten. Das Genick ist der am dichtesten benervte Abschnitt der gesamten Wirbelsäule. Es enthält mehr als eine Million Nervenenden und damit 10mal mehr als jedes andere der großen Gelenke (z.B.

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Entstehung von Migräne im Genick

Migräne entwickelt sich nach unseren Erkenntnissen im Genick aus einer akuten Fehldrehung und Blockierung des ersten Halswirbels bzw. Beides führt durch Überdehnung bzw. Kompression der umliegenden Weichteile zu Nervenreizungen und schmerzhaften Entzündungen in den extrem dicht benervten, wirbelnahen Geweben. Die dadurch erregten Ganglien drosseln sowohl die regionale Durchblutung in den Entzündungsgebieten als auch Teile der Hirndurchblutung. Die folgenden Veränderungen der Blutverteilungsmuster innerhalb und außerhalb des Gehirns erzeugen die Schmerzen und Beschwerden der Migräne bzw. Messungen beim Menschen im Migräne-Anfall haben ergeben, dass der Blutfluss in einzelnen Hirnarterienästen um mehr als die Hälfte sinken kann.

Bei einem akuten Bewegungsverlust des Genicks infolge Verdrehung und Blockierung des ersten Halswirbels (2) entstehen neurogene Entzündungen (3), die von schmerzleitenden Nerven aus der Umgebung des Genicks erzeugt werden (4). Das dadurch erregte Ganglion verändert die Durchblutung einzelner Hirnareale (5,6). Mit speziellen bildgebenden Verfahren, zum Beispiel mit der Einzelphotonen-Emissions-Computer-Tomografie (SPECT), kann die Hirndurchblutung dargestellt werden. Fig. 1 In den hinteren Hirnabschnitten im Bereich des Sehzentrums sind deutlich helle Zonen der Minderdurchblutung (rote Pfeile) erkennbar. Fig. 2In den mittleren Abschnitten des Stirnlappens im Bereich der oberen Pole sind ebenfalls Zonen von Minderdurchblutung (rote Pfeile) zu erkennen. Die nebenstehende Grafik zeigt die Verhältnisse am Gehirn in dreidimensionaler Animation. Dabei wurde der mittlere computertomografische Längsschnitt aus Fig. Dadurch kommt es im Rückenmark (3) zu hochgradiger Erregung von Nerven.

Würde der Druck nur ca. 15 Sekunden lang ausgeübt, könnte damit ein Anfall spontan ausgelöst werden. Sie erreichen schließlich das Rückenmark (3), das die Umschaltung auf Schmerzleitungen zum Gesicht („Explosion“) sowie auf Signalleitungen zu Gehirn und Hirngefäßen vornimmt, die für die Migräne-Begleitsymptome verantwortlich sind (z.B.

Der Teufelskreis von Entzündungen und Fehlhaltungen

Das Entzündungsgeschehen spielt sich in der Regel auf beiden Seiten des Genicks ab, meist jedoch mit unterschiedlicher Intensität. Bei Seitenwechsel - in der Regel durch Drehung des ersten Halswirbels in die andere Richtung - entwickelt sich der Anfall nach demselben pathologischen Muster auf der anderen Seite. Dazu können vor allem Kopf- und Körperfehlhaltungen in der Nacht beitragen. Im Migräneanfall verändert sich das Blutverteilungsmuster im Gehirn durch Störung seiner eigenständigen Regulation.

Zusammenhang zwischen Kopf-, Gesichts- und Nackenschmerzen

Erklären lässt sich der Zusammenhang zwischen Kopf-, Gesichts- und Nackenschmerzen durch eine Verbindung zwischen dem Trigeminusnerv, der für die Wahrnehmung von Schmerzen im Gesicht, dem vorderen Kopf und den Hirnhäuten zuständig ist, und dem großen Hinterhauptsnerv, der am Hinterkopf und Nacken verläuft. Ausläufer beider Nerven treffen im Gehirn zusammen. Kommt es Migräne-bedingt zu einer verstärkten Aktivität des Trigeminusnervs, können über die Verbindung auch Schmerzen im Nacken und Hinterkopf auftreten.

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Diagnose und Abklärung

Menschen die häufig unter Schmerzen am Kopf, im Gesicht oder dem Nacken leiden, sollten ihre Beschwerden abklären lassen, damit eine korrekte Diagnose gestellt und eine spezifische Therapie eingeleitet werden kann. „Neben den typischen pochenden Kopfschmerzen können bei der Migräne auch Schmerzen im Gesicht, am Nacken, in den Augen oder den Zähnen auftreten. Menschen, die wiederholt unter derartigen Beschwerden leiden, sollten sie unbedingt von einem Nervenarzt oder Neurologen abklären lassen. Grundsätzlich besteht sonst die Gefahr, dass Kopfschmerzen auch durch Medikamenten-Übergebrauch chronisch werden und eine Behandlung dann nur noch eingeschränkt möglich ist“, erklärt Prof. Dr. Gereon Nelles vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN). Die Diagnose ist im Prinzip einfach. Dafür ist aber eine umfangreiche Anamnese erforderlich. Ergänzend kann eine neurologische Untersuchung Gewissheit bringen, sowie der Ausschluss von anderen Ursachen, wie etwa einem Tumor.

Therapieansätze bei Migräne

Ob bei der Diagnose der Migräne, der Behandlung der akuten Schmerzattacke oder der Prophylaxe - die Medizin hat in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gemacht, so dass Patienten in fachärztlicher Behandlung wirksam geholfen werden kann. Die Therapie setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen.

Akuttherapie

„Für die Akuttherapie existieren wirkungsvolle Medikamente. Eine Migräneattacke mit leichten bis mittelgradigen Schmerzen kann mit rezeptfreien Wirkstoffen behandelt werden, wie Ibuprofen, ASS oder Paracetamol. Bei schweren Migräne-Attacken können so genannte Triptane angewandt werden“, berichtet Prof. Nelles. Schmerzmittel können nach Absprache mit dem Facharzt mit Arzneien gegen Übelkeit kombiniert werden, um solche häufigen Begleiterscheinungen der Migräne zu lindern. Triptane sollten pro Monat nicht öfter als 10 Mal angewendet werden.

Migräneprophylaxe

Für Menschen, die unter Migräne leiden, gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, den Kopfschmerzen auch ohne die Einnahme von Medikamenten vorzubeugen. Dabei spielt es eine große Rolle, die individuellen Auslöser (Trigger) der Kopfschmerz-Attacken zu kennen uns sie im Alltag soweit möglich zu meiden. „Auch bestimmte verhaltenstherapeutische Ansätze können das Auftreten und die Stärke von Migräne-Anfällen reduzieren. Diese Verfahren verbinden Entspannungstechniken mit Stress- und Reizverarbeitungstrainings und können Migräne abwenden, die durch Stress und Anspannung hervorgerufen wird“, rät der Nervenarzt. Auch regelmäßiges körperliches Training und Stressabbau können eine Migräne sehr positiv beeinflussen. „Falls mehr als drei Attacken im Monat auftreten oder die Attacken jeweils sehr lange dauern kann eine medikamentöse Prophylaxe sinnvoll sein“, ergänzt der Experte. Etabliert für die medikamentöse Migräneprophylaxe sind u.a. Betablocker und das Epilepsiemedikament Topiramat. In Zukunft wird möglicherweise eine neue Generation von Substanzen, so genannte monoklonale Antikörper, für die Migränetherapie zur Verfügung stehen, wie Ende April 2017 auf dem amerikanischen Neurologen-Kongress in Boston berichtet wurde.

Physiotherapie und Bewegungstherapie

Basierend auf diesem Zusammenhang ist es nach Prof. Dr. Kerstin Lüdtke, Professorin für Physiotherapie der Universität zu Lübeck, „wichtig zu überprüfen, ob Störungen im Bereich der Halswirbelsäule bei Patienten mit Migräne vorliegen und wenn ja, diese zu behandeln, um einen möglichen Triggerfaktor zu reduzieren“. Viele Menschen neigen zum Beispiel beim Telefonieren und Radfahren dazu, das Kinn nach vorne zu drücken. Diese unnatürliche Haltung des Kopfes ist oftmals Grund für Verspannungen im Nacken und begünstigt eine Migräne-Attacke. Nicht nur Menschen, die häufig unter anderen Kopfschmerzformen leiden, sondern auch Migräne-Patienten haben oft sogenannte Triggerpunkte in der Nackenmuskulatur. Im Alltag nehmen wir oftmals eine nach vorne gebeugte Haltung ein, welche die Brustmuskulatur auf Dauer verkürzt und die Schultermuskulatur überstrapaziert. Die dadurch entstehenden Verspannungen können wiederum eine Migräne-Attacke begünstigen.

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Viele Patientinnen und Patienten bemerken, dass sich Migräneanfälle nach einem langen Tag am Schreibtisch oder nach starker körperlicher Belastung häufen. Die Muskulatur rund um Nacken, Schultern und oberen Rücken spielt also eine zentrale Rolle. Kräftigungsübungen für den Rücken und Nackenbereich sind essenziell. Physiotherapie und gezielte Trainingspläne können dabei helfen, muskuläre Dysbalancen zu korrigieren.

Manche Migränepatienten spüren vor einer Attacke eine wachsende Nackenspannung. In dieser Phase kann eine gezielte Bewegungstherapie helfen, die Migräne abzuschwächen oder sogar zu verhindern. Hat die Attacke bereits begonnen, müssen die Übungen jedoch gezielt angepasst werden - dann geht es eher um sanfte Bewegungen und Entspannung bzw.

Alternative Behandlungsmethoden: Die foreas Therapie

Eine mögliche Ursache für Migräne ist ein verschobener Atlaswirbel. Wenn es zu einer Verschiebung des Atlaswirbels kommt, dann kommt es nicht nur zu einer Verlagerung des Kopfes zu einer Seite, sondern auch zu einer Verschiebung einzelner Schädelknochen. Insbesondere das Keilbein dreht sich und drückt auf das Stammhirn. Hier liegt die Zentrale für die Durchblutung. Eine veränderte Durchblutung kann die Migräne auslösen. Durch die Korrektur der Wirbel in unserer Praxis in Bergneustadt geht das Keilbein wieder in seine physiologische Position zurück und das Stammhirn wird nicht mehr gereizt. Bei der foreas Behandlung in Bergneustadt wird mithilfe eines Vibrationsgerätes der Atlaswirbel und wenn nötig alle weiteren Halswirbel schonend in ihre korrekte Position bewegt. Des Weiteren findet eine Massage mittels Vibrationsgerätes statt, um die Rückenmuskulatur optimal zu lockern. Die foreas Methode ist eine ganzheitliche Betrachtung der Wirbelsäule mit besonderem Fokus auf dem Atlaswirbel und der Kiefergelenke. In einer Fehlstellung des Atlaswirbels & des Kiefers liegt eine der Hauptursachen für Ihre dauerhaften Schmerzen an Kopf, Nacken & Rücken.Durch unsere professionelle Atlas- & Halswirbelsäulenkorrektur verhelfen wir Ihrer Wirbelsäule zu mehr Beweglichkeit und zu schmerzfreierem Bewegen.

Ganzheitliche Betrachtung und digitale Unterstützung

Der Körper funktioniert als eine Einheit über eine sogenannte Ursache-Folge-Kette. Das bedeutet, dass verschiedene Strukturen wie die Wirbelsäule, das Bindegewebe und die Muskulatur nicht isoliert betrachtet werden können. Diese sind eng miteinander verbunden bzw. Besonders die Muskeln im Hals-, Nacken- und oberen Rückenbereich stehen über verschiedene Muskelketten sogar in Verbindung mit dem Bauchraum. Diese Dauerbelastung führt dazu, dass die Durchblutung und Versorgung beeinträchtigt wird und die Strukturen gereizt werden. Dadurch können Kopfschmerzen oder Migräne entstehen. Über die Zeit führt diese passive unvorteilhafte Haltung zu funktionellen Einschränkungen, die sich nicht nur auf den Nacken, sondern auf den gesamten Bewegungsapparat in Disharmonie und Dysfunktion auswirken. Das zeigt, warum eine ganzheitliche Betrachtung so wichtig ist: Es geht nicht nur um die Stelle, an der der Schmerz sich meldet, sondern darum, wo das herkommt, bzw.

Fazit: Nur wer aktiv und regelmäßig an seinen Haltungs- und Bewegungsmustern arbeitet, kann damit langfristig Schmerzen besser in den Griff bekommen.

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