Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, das fast jeden Menschen im Laufe seines Lebens betrifft. Es ist wichtig, zwischen symptomatischen und primären Kopfschmerzen zu unterscheiden. Symptomatische Kopfschmerzen sind oft Begleiterscheinungen anderer Erkrankungen wie Erkältungen oder Menstruation, während primäre Kopfschmerzen eigenständige Krankheitsbilder darstellen. Zu den häufigsten Formen primärer Kopfschmerzen gehören Spannungskopfschmerzen, Migräne und Cluster-Kopfschmerzen.
Formen von Kopfschmerzen
Es gibt verschiedene Arten von Kopfschmerzen, wobei Spannungskopfschmerzen und Migräne am häufigsten vorkommen.
- Spannungskopfschmerzen: Sie sind die häufigste Form von Kopfschmerzen und betreffen rund 90 Prozent der Deutschen mindestens einmal im Leben. Die Schmerzen sind meist nicht so stark, dass sie den Alltag beeinträchtigen, können aber dennoch sehr belastend sein. Sie werden oft als drückend oder bohrend beschrieben und treten beidseitig hinter der Stirn, im Nacken oder im gesamten Kopf auf. Im Gegensatz zur Migräne verschlimmern sich Spannungskopfschmerzen nicht bei körperlicher Anstrengung und werden nicht von Übelkeit, Licht- oder Geräuschempfindlichkeit begleitet.
- Migräne: Migräne tritt anfallsartig auf und kann zwischen vier und 72 Stunden dauern. Die Kopfschmerzen werden als pochend und pulsierend beschrieben und treten typischerweise nur auf einer Seite des Kopfes auf. Begleitsymptome wie Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Übelkeit und Erbrechen sind häufig. Einige Patienten erleben vor einem Migräneanfall eine Aura, die sich durch Lähmungserscheinungen, Kribbeln oder Sehstörungen äußern kann.
- Cluster-Kopfschmerz: Dieser Kopfschmerz wird als stechend, bohrend und brennend empfunden und sitzt hinter einem Auge. Die Anfälle treten gehäuft in Clustern auf und dauern bis zu drei Stunden.
- Symptomatische Kopfschmerzen: Diese Kopfschmerzen sind meist eine Folge anderer Erkrankungen wie Erkältung oder Menstruation.
Ursachen von Spannungskopfschmerzen
Spannungskopfschmerzen sind ein komplexes Zusammenspiel aus körperlichen und psychischen Faktoren. Eine häufige Ursache sind Muskelverspannungen, die im Bereich von Schultern, Nacken, Augen- und Gesichtsmuskeln auftreten können. Langes Arbeiten am Schreibtisch und vor dem Computer, Stress, aber auch psychische Belastungen können diese Verspannungen und somit Kopfschmerzen auslösen. Auch körperlicher Stress, etwa durch Infekte, Alkoholkonsum oder Schlafmangel, kann zu Muskelverspannungen und Spannungskopfschmerzen führen.
Der genaue Zusammenhang zwischen Muskelverspannungen und Kopfschmerzen wird noch erforscht. Es ist noch nicht abschließend geklärt, ob Muskelverspannungen immer Kopfschmerzen verursachen oder ob beide Phänomene auch aus anderen Gründen gemeinsam auftreten können. Fest steht jedoch, dass Muskelverspannungen eine wichtige Rolle bei Spannungskopfschmerzen spielen.
Symptome von Spannungskopfschmerzen
Spannungskopfschmerzen werden oft als ein Gefühl beschrieben, als würde ein Ring um den Kopf liegen. Die Schmerzen beginnen meist an der Stirn oder im Nacken und breiten sich beidseitig bis zu den Schläfen aus. Im Gegensatz zur Migräne gehen Spannungskopfschmerzen meist nicht mit Übelkeit oder Erbrechen einher. Körperliche Bewegung kann die Kopfschmerzen eher verbessern als verschlimmern. In seltenen Fällen kann es auch zu einer erhöhten Empfindlichkeit für Lärm oder Lichtreize kommen.
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Unbehandelt halten episodische Spannungskopfschmerzen typischerweise einige Stunden bis Tage an. Treten die Schmerzen häufiger als an 15 Tagen im Monat auf, gelten sie als chronisch.
Diagnose von Spannungskopfschmerzen
Am Anfang jeder Spannungskopfschmerz-Diagnose steht ein ausführliches Gespräch zwischen Patient und Arzt. Der Arzt erfragt Details über den Kopfschmerz, wie Beginn, Häufigkeit, Dauer, Schmerzcharakter und Begleitsymptome. Da viele verschiedene Auslöser für Kopfschmerzen denkbar sind, ist es auch wichtig, mehr über die Lebensumstände und Vorerkrankungen des Patienten zu erfahren.
Auf das Gespräch folgt eine eingehende körperliche und neurologische Untersuchung, in der die Funktion verschiedener Nerven und mögliche andere körperliche Symptome, wie etwa muskuläre Dysfunktionen, untersucht werden. Insbesondere werden bei Kopfschmerzen häufig auch die Reflexe und Bewegungen der Augen sowie die Nackenmuskulatur untersucht.
Um bei Verdacht auf Spannungskopfschmerzen andere Kopfschmerzarten auszuschließen, kann in manchen Fällen eine medizinische Bildgebung mit Ultraschall, Computer- oder Kernspintomographie erfolgen. In vielen Fällen ist dies aber nicht notwendig. Zur Diagnose ist es häufig ratsam, ein Tagebuch zu führen, wann die Kopfschmerzen auftreten. So kann sich der Arzt ein Bild von der Art und Häufigkeit der Schmerzen machen und mögliche Auslöser der Kopfschmerzen erkennen. Zudem kann er so Kopfschmerzen aufgrund von Migräne oder andere Ursachen ausschließen und die perfekte Art der Behandlung verordnen.
Behandlungsoptionen bei Spannungskopfschmerzen
Ein Schlüssel zur Behandlung von Spannungskopfschmerzen liegt in der Entspannung von Muskulatur, Körper und Geist. Es gibt verschiedene Behandlungsoptionen, die je nach Schweregrad und Häufigkeit der Kopfschmerzen eingesetzt werden können:
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- Entspannungstechniken und Sport: Oft sind Entspannungstechniken und Sport bereits die beste Schmerztherapie gegen den Spannungskopfschmerz. So lösen sich verkrampfte Muskeln in Schultern und Nacken und führen dazu, dass die Kopfschmerzen nachlassen. Fundierte und leicht erlernbare Entspannungsverfahren, wie Meditationen oder die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson können von Patientinnen und Patienten mit Spannungskopfschmerz selbst zu Hause durchgeführt werden. Sie führen nicht nur zu einer Entspannung der Muskulatur, sondern helfen auch, psychischen Stress zu reduzieren und die Schlafqualität zu verbessern.
- Physiotherapie: Eine wichtige Rolle spielt das Erlernen gesunder Körperhaltungen und Bewegungsabläufe sowie die Kräftigung ausdauernder Muskeln, die für eine gute Körperhaltung unerlässlich sind. Auch erlernen Patientinnen und Patienten in der Physiotherapie gezielte Lockerungsübungen, wie das Armkreisen, das Anheben und Fallenlassen der Arme, die seitliche Dehnung des Kopfes, und Übungen zur Schulterdehnung, die bei Spannungskopfschmerzen helfen.
- Triggerpunktakupunktur: Ein besonderes Verfahren zur Behandlung von Spannungskopfschmerzen ist die Triggerpunktakupunktur. So wie bestimmte Trigger Kopfschmerzen auslösen, kann das Setzen von anderen Triggern auch Entspannung herbeiführen und Schmerzen lindern. Dieses Prinzip macht sich die Triggerpunktakupunktur zunutze. Der Arzt setzt hier an spezifischen Punkten feine Nadeln ein, die einige Minuten im Körper der Patientinnen und Patienten verbleiben.
- Medikamente: Zur Akuttherapie episodischer Spannungskopfschmerzen eignen sich bewährte und gut wirksame Schmerzmedikamente, wie etwa ASS oder Ibuprofen. Wichtig ist dabei, diese Medikamente in Rücksprache mit dem Arzt einzunehmen. Bei richtiger Einnahme können sie eine wichtige Säule der Kopfschmerztherapie sein. Bei leichteren Schmerzepisoden hat sich auch Pfefferminzöl bewährt, das direkt auf die Stirn aufgetragen wird.
- Multimodale Schmerztherapie: Gerade, wenn Spannungskopfschmerzen chronisch auftreten, ist die durch die Schmerzen verursachte psychische Belastung groß und die medikamentöse Behandlung herausfordernd. In solchen Fällen kann eine multimodale Schmerztherapie sinnvoll sein, die verschiedene Behandlungsansätze kombiniert.
Migräne: Symptome, Ursachen und Behandlung
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende, meist einseitige pulsierende Kopfschmerzen auszeichnet. Häufig sind sie begleitet von Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit oder Sehstörungen (Aura). Im Gegensatz zu Spannungskopfschmerzen ist der Migräneschmerz intensiver, bewegungsabhängig verstärkt und führt bei vielen Betroffenen zu einem vollständigen Rückzug aus dem Alltag.
Formen der Migräne
Es gibt verschiedene Migräneformen:
- Migräne mit Aura: Vorboten wie Flimmern, Gesichtsfeldausfälle, Kribbeln oder Sprachstörungen treten vor der eigentlichen Schmerzphase auf.
- Migräne ohne Aura: Der häufigere Typ, bei dem der Schmerz direkt auftritt, meist einseitig und pulsierend.
- Chronische Migräne: Besteht, wenn an mehr als 15 Tagen im Monat Kopfschmerzen auftreten, davon mindestens 8 mit Migränesymptomatik.
Eine sorgfältige Differenzialdiagnose ist entscheidend für eine wirksame Behandlung.
Mögliche Auslöser und Einflussfaktoren
Verschiedene Faktoren können Migräneattacken auslösen oder deren Häufigkeit erhöhen, darunter:
- Muskuläre Dysbalancen und Verspannungen: Besonders Nackenverspannungen, aber auch Fehlhaltungen oder funktionelle Kieferstörungen (CMD) können Migräne verstärken.
- Stress und psychische Belastung: Einer der häufigsten Migränetrigger.
- Schlafmangel und Schlafrhythmus-Störungen
- Ernährung und Flüssigkeitsmangel
- Hormonschwankungen
- Wetterumschwung und Umwelteinflüsse
- Bewegungsmangel oder Überanstrengung
Gerade in der physiotherapeutischen Migränebehandlung ist es entscheidend, diese Faktoren zu erkennen und individuelle Strategien zur Prophylaxe zu entwickeln.
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Körperliche Einflussfaktoren
Viele Patientinnen und Patienten mit Migräne leiden auch unter muskulären Beschwerden im Nacken-, Schulter- oder Kieferbereich. Diese körperlichen Spannungen können Migräneattacken verstärken.
- Nackenverspannungen und HWS-Dysfunktionen: Verminderte Beweglichkeit der oberen Halswirbelsäule beeinflusst die Schmerzverarbeitung im Hirnstamm.
- Kiefergelenksprobleme (CMD): Knirschen oder Pressen kann Migräne triggern.
- Haltung und Arbeitsplatzbelastung: Statische Belastung und myofasziale Triggerpunkte wirken als Mitverursacher.
In der Physiotherapie setzt man gezielt an diesen Strukturen an: Manuelle Techniken, Haltungsschulung, funktionelles Training und ggf. Zusammenarbeit mit Zahnärztinnen und Zahnärzten.
Bewegung gegen Migräne
Regelmäßige körperliche Aktivität hilft, Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren.
- Stabilisierung des vegetativen Nervensystems
- Endorphinausschüttung
- Verbesserung der Schlafqualität
- Entzündungshemmung durch moderate Bewegung
Geeignete Trainingsformen sind Ausdauertraining (Walking, Radfahren, Schwimmen), Stabilisationstraining für Nacken, Schulter, Rumpf und Bewegung mit Achtsamkeit (Yoga, Qi Gong).
Diagnostik bei Migräne
Die Diagnose einer Migräne erfolgt in der Regel durch erfahrene Ärzt*innen anhand einer ausführlichen Anamnese und international anerkannter Kriterien (z. B. ICHD-3). Im Gespräch werden Häufigkeit, Art und Begleitsymptome der Kopfschmerzattacken sowie mögliche Auslöser systematisch erfasst. Bildgebende Verfahren (z. B. MRT) sind nur bei untypischen Verläufen erforderlich, um andere Ursachen auszuschließen.
Ergänzend spielt die physiotherapeutische Diagnostik eine große Rolle, da sie funktionelle und muskuläre Faktoren identifizieren kann, die Migräneattacken begünstigen oder verstärken. Hierzu zählen:
- Untersuchung der Beweglichkeit der Halswirbelsäule
- Analyse muskulärer Dysbalancen, v. a. im Nacken, Schulter- und Kieferbereich
- Erkennung von Triggerpunkten und Haltungsmustern
- Berücksichtigung von Stress, Schlafverhalten und Alltagsbelastungen
Diese ganzheitliche Diagnostik bildet die Grundlage für einen individuell zugeschnittenen Therapieplan.
Physiotherapeutische Behandlungsansätze bei Migräne
Die Physiotherapie leistet einen zentralen Beitrag zur nachhaltigen Linderung von Migräne und zur Prävention neuer Attacken - sowohl als eigenständige Therapie als auch als Ergänzung zu ärztlicher Behandlung.
- Manuelle Therapie: Durch gezielte Mobilisation der Halswirbelsäule lassen sich Bewegungseinschränkungen lösen, muskuläre Verspannungen abbauen und Schmerzreize deutlich reduzieren.
- Kräftigungsübungen: Spezielle Übungen für die Nacken-, Schulter- und Rückenmuskulatur sorgen für eine bessere Stabilität und beugen erneuten Verspannungen vor.
- Entspannungsverfahren: Methoden wie progressive Muskelentspannung, Atemtechniken oder Yoga senken nachweislich das Migränerisiko, reduzieren Stress und helfen, den Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
- Lebensstilberatung: Physiotherapeutinnen und -therapeuten beraten zu einem gesunden Schlafrhythmus, regelmäßiger Bewegung und alltagstauglichen Strategien zur Stressbewältigung - alles zentrale Säulen zur Vorbeugung von Migräneattacken.
Medikamentöse Behandlung von Migräne
Bei der medikamentösen Behandlung von Migräne werden zwei Ansätze unterschieden: die Akuttherapie und die Prophylaxe.
- Akuttherapie: Zur Behandlung akuter Migräneanfälle werden Schmerzmittel wie Aspirin, Ibuprofen oder Paracetamol eingesetzt. Bei stärkeren Anfällen können Triptane helfen, die speziell gegen Migräne entwickelt wurden. Auch Mittel gegen Übelkeit können sinnvoll sein.
- Prophylaxe: Wenn Migräneanfälle häufig auftreten oder die Lebensqualität stark beeinträchtigen, kann eine vorbeugende Behandlung mit Medikamenten wie Betablockern, Antidepressiva oder Antiepileptika in Erwägung gezogen werden. Seit kurzem gibt es auch CGRP-Antikörper, die gezielt in die Entstehung der Migräne eingreifen und Attacken deutlich reduzieren können.
Weitere Behandlungsansätze bei Migräne
Neben Medikamenten und Physiotherapie gibt es noch weitere Behandlungsansätze, die bei Migräne helfen können:
- Verhaltenstherapie: Eine Verhaltenstherapie kann helfen, Stress abzubauen und den Umgang mit Migräne zu erleichtern.
- Biofeedback: Durch Biofeedback können Patienten lernen, Körperfunktionen wie Muskelspannung oder Herzfrequenz bewusst zu beeinflussen und so Migräneanfälle zu reduzieren.
- Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei Migräne helfen kann.
- Ernährungsumstellung: In einigen Fällen kann eine Ernährungsumstellung, z.B. der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel, die Migräneattacken auslösen können, helfen.
Prognose bei Migräne
Mit einer individuell angepassten Therapie, die sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Ansätze umfasst, kann die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken deutlich reduziert werden.
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