Neurologische Rehabilitation nach einem Schlaganfall: Ein umfassender Überblick

Ein Schlaganfall, medizinisch auch Apoplex oder Apoplexia cerebri genannt, ist ein einschneidendes Ereignis, das durch eine plötzliche Unterbrechung der Blutzufuhr zum Gehirn verursacht wird. Diese Minderdurchblutung, meist ausgelöst durch Verstopfungen in den hirnversorgenden Arterien, führt zu einer unzureichenden Sauerstoffversorgung des Gehirns. Bereits nach etwa 10 Minuten ohne ausreichende Sauerstoffversorgung beginnen Gehirnzellen abzusterben. In selteneren Fällen kann eine Blutung im Gehirn die Ursache für die Mangeldurchblutung sein. Unabhängig von der Ursache ist eine sofortige Behandlung unerlässlich, um das Ausmaß der Schäden zu minimieren.

Patienten, die einen Schlaganfall erlitten haben, leiden häufig unter neurologischen Problemen wie Lähmungen (Paresen), Sprach- und Sprechstörungen, Schluckstörungen, Störungen des Muskeltonus (Spastik) sowie Beeinträchtigungen der Konzentration, des Gedächtnisses, der Stimmung und des Antriebs. Auch Einschränkungen der Alltagskompetenz sind häufige Folgen. Die Rehabilitation spielt eine entscheidende Rolle, um Betroffenen zu helfen, ihren Alltag möglichst selbstständig zu gestalten und das Vertrauen in ihren Körper zurückzugewinnen.

Bedeutung der neurologischen Rehabilitation

Die neurologische Reha ist nach einem Schlaganfall von besonderer Bedeutung, um Beschwerden zu lindern und die Leistungsfähigkeit zu verbessern. Sie zielt darauf ab, verlorengegangene Funktionen so weit wie möglich wiederherzustellen oder, falls dies nicht möglich ist, Kompensationsstrategien zu erlernen. Dabei orientieren sich die Ziele immer am Lebensalltag des Patienten, mit dem Ziel, eine möglichst hohe Lebensqualität und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu erreichen.

Unabhängig von der Art des Schlaganfalls ist eine frühzeitige Einleitung der geeigneten Rehabilitationsbehandlung entscheidend, da dies die Erfolgsaussichten der Therapie verbessert.

Ursachen und Risikofaktoren eines Schlaganfalls

Es gibt zwei Haupttypen von Schlaganfällen:

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  • Ischämischer Schlaganfall: Diese Form wird durch eine Blockade einer Arterie verursacht, die das Gehirn mit Blut versorgt. Meistens ist ein Ast der inneren Halsschlagader betroffen. Die Hirnzellen werden nicht mehr mit Blut versorgt und sterben nach etwa 4 bis 5 Stunden ab.
  • Hämorrhagischer Schlaganfall: Bei einer Hirnblutung als Ursache für einen Schlaganfall tritt Blut aus einem geplatzten Gefäß aus dem Gehirnraum aus. Dabei kann die Einblutung direkt in das Gehirn (intrazerebrale Blutung) oder in die Hirnhaut (Subarachnoidalblutung) gehen. Grund dafür sind anormale oder schwache, unter Druck stehende Blutgefäße im Gehirn.

Generell steigt mit zunehmendem Alter das Risiko eines Schlaganfalls. Die meisten Schlaganfälle treten in einem Alter über 75 Jahren auf. Weitere Risikofaktoren sind:

  • Vorhofflimmern: Diese Herzrhythmusstörung ist neben einer Verengung der Halsschlagader eine häufige Ursache für einen Schlaganfall.
  • Bereits erlittener Schlaganfall: Das Risiko eines Rückfalls ist für Betroffene, die in der Vergangenheit bereits einen Schlaganfall erlitten haben, erhöht.
  • Ungesunde Lebensweise: Durch eine gesunde Lebensführung und eine ausgewogene Ernährung können viele Risikofaktoren minimiert werden.

Bei einem Drittel der Schlaganfälle lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen.

Erkennen eines Schlaganfalls: Der FAST-Test

Beim Auftreten von Schlaganfallsymptomen ist eine rasche Behandlung unerlässlich, um dauerhafte Schäden zu vermeiden. Daher ist es wichtig, die ersten Symptome frühzeitig zu erkennen. Der FAST-Test kann helfen, Schlaganfallsymptome schnell zu erkennen:

  • Face (Gesicht): Bitten Sie die Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herab?
  • Arms (Arme): Lassen Sie die Person beide Arme mit den Handflächen nach oben ausstrecken. Kann die Person beide Arme gleichmäßig heben?
  • Speech (Sprache): Lassen Sie die Person einen einfachen Satz nachsprechen. Ist die Sprache verwaschen oder undeutlich?
  • Time (Zeit): Wenn eines dieser Symptome auftritt, wählen Sie sofort den Notruf.

Diagnostik und Akutbehandlung

Je eher ein Schlaganfall erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung. Meist werden Patientinnen und Patienten in einer speziellen Schlaganfall-Klinik oder Schlaganfall-Station (Stroke Unit) behandelt.

Zur Diagnostik werden bildgebende Verfahren wie die Schlaganfall-CT und das Schlaganfall-MRT eingesetzt. Bei einer CT kann man die Ursache sehr gut festmachen und erkennen, ob es sich um eine Durchblutungsstörung oder eine Hirnblutung handelt. Darüber hinaus kann ein Schlaganfall-MRT Auskunft über das Stadium und das Alter eines ischämischen Schlaganfalls geben.

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Die Akutbehandlung zielt darauf ab, die Schäden im Gehirn des Patienten möglichst zu minimieren. Bei einem ischämischen Schlaganfall kann, wenn möglich, eine Thrombolyse (Lyse-Therapie) durchgeführt werden, bei der Medikamente verabreicht werden, die das Blutgerinnsel auflösen sollen. Als weitere Methode steht die Thrombektomie zur Verfügung, wenn größere Blutgefäße im Gehirn verschlossen sind. Hierbei handelt es sich um ein katheterbasiertes Verfahren, bei dem versucht wird, das verschlossene Gefäß wieder zu eröffnen.

Ist der Schlaganfall Folge einer Hirnblutung, so kann eine Operation am offenen Gehirn erforderlich sein. In der Regel erfolgt die Überwachung auf der Stroke Unit, um den Blutdruck rasch zu senken und Komplikationen früh zu erkennen und zu behandeln.

Phasen der neurologischen Rehabilitation

Im Bereich der neurologischen Rehabilitation gibt es ein Phasenmodell mit den Phasen A bis F, das von der Bundesarbeitsgemeinschaft Rehabilitation (BAR) entwickelt wurde. Je nach Hilfebedarf des Patienten kommt eine bestimmte Rehabilitationsphase infrage. Im Verlauf der Rehabilitation kann es bei zunehmender Selbstständigkeit zu einem Wechsel in die nächste Phase kommen.

  • Phase A (Akutphase): Hier wird eine intensive Behandlung und Rehabilitation mit ärztlichen und therapeutischen Schwerpunkten durchgeführt.
  • Phase B (Frührehabilitation): Oberstes Ziel ist es, die körperlichen Funktionen wiederherzustellen. Besonderes Augenmerk gilt den Körperfunktionen, die durch den Schlaganfall womöglich geschädigt wurden.
  • Phase C: Die Rehabilitationsziele richten sich nach den Maßgaben der Deutschen Rentenversicherung. Ziele sind die Minderung bestehender Behinderungen und Fehlhaltungen.
  • Phase D: Sie schafft einen möglichen Übergang von der medizinischen Rehabilitation zurück in die Erwerbsfähigkeit. Sie enthält insbesondere Leistungen sowie begleitende Hilfen zur nachhaltigen Sicherung des Erfolges der medizinischen Rehabilitation.
  • Phase E: Hier werden Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben und am Leben in der Gesellschaft erbracht.
  • Phase F (Langzeitpflege): Patientinnen und Patienten, die trotz intensiver Behandlung und Rehabilitation einen andauernden und hohen Pflegebedarf haben, fallen in die Phase F.

Inhalte und Therapieangebote der neurologischen Rehabilitation

Die verschiedenen Rehabilitationsmöglichkeiten beinhalten unterschiedliche Angebote im Therapiebereich. Im Bereich der Rehabilitation für noch hilfebedürftige Patienten ist z. B. auch die aktivierende Pflege durch das Pflegepersonal Bestandteil der Therapie. Der behandelnde Arzt legt den individuellen Behandlungsplan für den einzelnen Patienten fest. Im Verlauf der Rehabilitationsbehandlung wird dieser den Möglichkeiten des Patienten immer wieder neu angepasst.

Zu den Therapiemöglichkeiten während der Rehabilitation gehören:

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  • Physiotherapie (Krankengymnastik): Ziel ist die Wiederherstellung der gestörten motorischen Funktionen, vor allem durch wiederholtes, aufgabenorientiertes Üben.
  • Ergotherapie: Sie unterstützt die Patientinnen und Patienten dabei, sich im Alltag wieder zurechtzufinden und ein möglichst selbstständiges Leben zu führen.
  • Logopädie: Hier werden Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen behandelt.
  • Neuropsychologie: Bei komplexen Störungen werden diese analysiert und behandelt.
  • Ernährungsberatung: Sie hilft, eine gesunde Ernährung zu etablieren, um Risikofaktoren zu minimieren und den Heilungsprozess zu unterstützen.
  • Wiedererlangung der Alltagskompetenz: Durch Training und den Einsatz von Hilfsmitteln soll eine größtmögliche Unabhängigkeit in den Verrichtungen des täglichen Lebens erreicht werden.

Psychosoziale Hilfen während der Rehabilitation

Psychologische und pädagogische Angebote in der Reha-Klinik können helfen, die verfolgten Behandlungsziele zu sichern und Krankheitsfolgen zu vermeiden, zu überwinden, zu mindern oder ihre Verschlimmerung zu verhüten. Bei Bedarf kommen zum Einsatz:

  • Hilfen zur seelischen Stabilisierung und zur Förderung der sozialen Kompetenz
  • Training lebenspraktischer Fähigkeiten
  • Hilfen zur Unterstützung bei der Krankheits- und Behinderungsverarbeitung
  • Hilfen zur Aktivierung von Selbsthilfepotenzialen
  • Information und Beratung von Partnern und Angehörigen
  • Vermittlung von Kontakten zu örtlichen Selbsthilfe- und Beratungsmöglichkeiten

Umgang mit spezifischen Funktionsstörungen

Die neurologische Rehabilitation adressiert eine Vielzahl von Funktionsstörungen, die nach einem Schlaganfall auftreten können:

  • Lähmungen (Paresen): Aufgabe der neurologischen Rehabilitation ist eine möglichst gute Wiederherstellung der gestörten motorischen Funktionen.
  • Störungen des Muskeltonus (Spastik): Die Behandlung erfordert viel Erfahrung und kann Medikamente, Injektionen von Botulinumtoxin oder die Implantation einer Medikamentenpumpe umfassen.
  • Sprach-/Sprechstörungen: Das Training erinnert oft an das Erlernen einer Fremdsprache und wird vor allem durch Sprachtherapeuten durchgeführt.
  • Schluckstörungen: Die Schluckfunktionen können trainiert werden, allerdings kann eine Besserung u.U. lange dauern. Für eine Zwischenzeit ist es möglicherweise erforderlich, Nahrung und Getränke in einer anderen Konsistenz anzubieten.
  • Störungen der Stimmung und des Antriebs: Die Behandlung erfordert eine einfühlsame, interdisziplinäre Behandlung, vor allem in enger Absprache zwischen Ärzten, Pflegern und Neuropsychologen.
  • Störungen der Konzentration und des Gedächtnisses: Vor allem Experten für Neuropsychologie haben eine besondere Expertise darin, diese Defizite genau zu identifizieren und dann gezielt zu trainieren.

Dauer und Verlauf der Rehabilitation

Die Dauer einer Schlaganfall-Rehabilitation ist abhängig von vielerlei Faktoren wie Ort der Schädigung, Schweregrad der Symptome, dem Auftreten von Neglect (Aufmerksamkeitsstörung), von Begleiterkrankungen und Risikofaktoren sowie von dem sozialen Netzwerk des Patienten. In den meisten Fällen findet die Rehabilitation stationär in einer darauf spezialisierten Klinik statt und dauert meist 4 bis 6 Wochen. Für leichtere Fälle gibt es ambulante Tageseinrichtungen.

Vorbereitung der weiteren Versorgung

Jede Rehabilitation ist nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu dem endgültigen Ziel: der Entlassung in den Alltag. Nicht bei allen Patienten ist eine Rückkehr in das bisherige Umfeld möglich, bei manchen müssen neue Wohnformen gefunden werden. Bei anderen Patienten muss möglicherweise eine berufliche Umorientierung erfolgen. Für alle diese Fragen werden Patienten und ihre Angehörigen intensiv vor allem durch die Sozialdienstmitarbeiter der Kliniken beraten, die sich eng mit den Ärzten, den Pflegern und den Therapeuten abstimmen.

Zum Ende der Rehabilitation wird das Behandlungsteam mit Ihnen bzw. Ihrem Angehörigen die weitere, ambulante Versorgung besprechen und ggfs. erste Schritte in die Wege leiten. Ihr Hausarzt erhält einen Bericht über den Verlauf der Rehabilitation.

Leben nach dem Schlaganfall

Nach einem Schlaganfall ist die Behandlung in einer Reha-Klinik wichtig, um den Alltag wieder sorgenfrei bewältigen zu können. Die Rehabilitation findet meistens stationär, also in einer Rehabilitationsklinik, statt und wird in der Regel vom zuständigen Kostenträger für drei Wochen bewilligt. Sollten Ihre behandelnden Ärzte zum Ende dieser Zeit weiteren Bedarf sehen, kann die Maßnahme auf Antrag verlängert werden.

Ein weiteres Ziel der Reha ist es, Patienten bei einer notwendigen Umstellung des Lebensstils zu unterstützen, um einen wiederholten Schlaganfall zu vermeiden.

  • Ernährung: Eine besondere Ernährung nach einem Schlaganfall kann eine gute Prävention sein, um einen weiteren Schlaganfall zu verhindern. Orientieren Sie sich an den Grundregeln der „mediterranen Diät“: Eine Mischkost aus viel Obst und Gemüse, Olivenöl, Fisch sowie wenig rotem Fleisch.
  • Bewegung: Mehr körperliche Aktivität in den Alltag zu bringen, ist ebenfalls wichtig.
  • Selbsthilfegruppen: Sowohl für Schlaganfall-Patienten selbst als auch für deren Angehörige können Schlaganfall-Selbsthilfegruppen eine große Unterstützung sein, um mit den Folgen und Auswirkungen eines Schlaganfalls zu leben.

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