Ein Schlaganfall ist ein einschneidendes Ereignis, das nicht nur das Leben der Betroffenen, sondern auch das ihrer Angehörigen massiv verändern kann. In Deutschland erleiden jährlich etwa 250.000 Menschen einen Schlaganfall, was ihn zur dritthäufigsten Todesursache macht. Etwa 20 % der Patienten sterben innerhalb der ersten vier Wochen nach dem Ereignis. Von den Überlebenden bleibt ein Drittel pflegebedürftig, ein weiteres Drittel trägt bleibende Behinderungen davon. Glücklicherweise erholt sich ein Drittel der Patienten wieder vollständig. Der Behandlungserfolg hängt maßgeblich davon ab, wie schnell ein Patient behandelt werden kann. Daher ist es wichtig, die Ursachen, Risikofaktoren und Präventionsmaßnahmen zu kennen, um das Risiko zu minimieren und im Notfall richtig zu handeln.
Was ist ein Schlaganfall?
Ein Schlaganfall, auch Apoplex genannt, tritt auf, wenn die Blutzufuhr zum Gehirn unterbrochen wird. Dies führt zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen, wodurch Nervenzellen absterben können. Man unterscheidet zwei Hauptformen:
- Ischämischer Schlaganfall (Hirninfarkt): Diese Form macht etwa 80 % aller Schlaganfälle aus. Sie entsteht durch den Verschluss eines Blutgefäßes im Gehirn, meist durch ein Blutgerinnsel (Thrombus) oder eine Verengung der Arterien (Arteriosklerose).
- Hämorrhagischer Schlaganfall (Hirnblutung): Diese Form tritt auf, wenn ein Blutgefäß im Gehirn platzt und Blut in das umliegende Gewebe austritt. Dies kann durch hohen Blutdruck, Gefäßmissbildungen (Aneurysmen) oder Arteriosklerose verursacht werden.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Hauptursache für einen Schlaganfall ist die Arteriosklerose der großen Gefäße (Makroangiopathie). Weitere Ursachen sind:
- Erkrankung der kleinen Gefäße (Mikroangiopathie)
- Embolien (z. B. durch Vorhofflimmern)
- Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Rauchen, Fettstoffwechselstörungen, Übergewicht, Bewegungsmangel, übermäßiger Alkoholkonsum und Drogenkonsum (Kokain, Ecstasy).
Viele dieser Risikofaktoren sind beeinflussbar, was die Bedeutung der Prävention unterstreicht.
Bluthochdruck
Bluthochdruck ist ein wesentlicher Risikofaktor für einen Schlaganfall. Vielen Patienten ist nicht bewusst, dass sie unter Bluthochdruck leiden. Nur etwa 50 % der Betroffenen wissen von ihrem Zustand, und von diesen wird nur die Hälfte behandelt. Von den Behandelten sind nur 50 % ausreichend eingestellt, was bedeutet, dass nur 12,5 % der Gesamtheit eine adäquate Therapie erhalten. Eine Blutdrucksenkung um 20 mm Hg kann das Schlaganfallrisiko um 42 % senken.
Lesen Sie auch: Hüft-TEP und Nervenschmerzen
Für eine korrekte Blutdruckmessung sollte man folgende Punkte beachten:
- Das Gerät sollte geprüft und in Ordnung sein.
- Die Messungen sollten zu verschiedenen Zeiten durchgeführt werden.
- Vor der Messung sollte man zwei bis drei Minuten ruhig sitzen.
- Die Druckmanschette sollte in Herzhöhe angebracht werden.
Diabetes mellitus
Bei Patienten mit Diabetes mellitus ist das Schlaganfallrisiko um das 1,6- bis 6-fache erhöht. Besonders gefährlich ist die Kombination von Diabetes und Bluthochdruck. Eine sorgfältige Blutdruckeinstellung ist hier unbedingt notwendig, mit dem Ziel, den diastolischen Druck unter 85 mm Hg zu senken.
Rauchen
Rauchen steigert den Blutdruck, erhöht die Konzentration des »schlechten« LDL-Cholesterins im Blut und verstärkt die Klebrigkeit der Blutplättchen, was das Schlaganfallrisiko erhöht. Die Steigerung des Schlaganfallrisikos beträgt das anderthalb- bis zweifache. Zwei Jahre nach der letzten Zigarette erreicht man:
- Sein Ausgangsrisiko, wenn man weniger als 20 Zigaretten pro Tag geraucht hat.
- Das doppelte Ausgangsrisiko, wenn man mehr als 20 Zigaretten pro Tag geraucht hat.
Übergewicht und Fettstoffwechselstörungen
Übergewicht ist ein wichtiger indirekter Risikofaktor für einen Schlaganfall. Übergewichtige Menschen haben ein deutlich erhöhtes Risiko, einen Bluthochdruck oder erhöhte Blutfette zu haben.
Cholesterin spielt ebenfalls eine Rolle: LDL-Cholesterin transportiert Cholesterin in die Zellen, während HDL-Cholesterin dem Abtransport dient. Überschüssiges LDL-Cholesterin lagert sich an die Gefäßwände an und schädigt sie. Bei Cholesterinwerten bis 279 mg/dl besteht das 1,8-fache, bei Werten von 280 mg/dl und mehr das 2,6-fache Risiko, an einem Schlaganfall zu sterben. Eine medikamentöse Senkung des Cholesterinspiegels kann das Risiko um 31 % reduzieren.
Lesen Sie auch: Rehabilitation bei Gesichtsfeldausfall
Alkohol
Ein hoher Alkoholkonsum (mehr als 30 g Alkohol pro Tag, entsprechend 1 Liter Bier, 0,4 Liter Wein oder 0,1 Liter Schnaps) erhöht das Risiko für:
- Bluthochdruck (doppeltes Risiko)
- Schlaganfall (2-3-faches Risiko)
- Hirnblutung (3-4-faches Risiko)
Ein geringer Alkoholkonsum kann das Schlaganfallrisiko senken.
Bewegungsmangel
Sport erhöht den Blutdruck vorübergehend, führt aber nach Ende der Aktivität zu einer lang anhaltenden Blutdrucksenkung. Eine Senkung des Schlaganfallrisikos ist nachgewiesen für Personen, die mindestens zweimal pro Woche 30 Minuten Sport treiben. Ältere Menschen und solche mit Gefäßrisikofaktoren sollten vorher ihren Hausarzt fragen.
Prävention
Die beste Prävention eines Schlaganfalls besteht in der Vermeidung von Risikofaktoren. Dazu gehören:
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene, mediterrane Ernährung mit viel Gemüse, nicht zu viel Fleisch und wenig Alkohol.
- Ausreichend Bewegung: 20 bis 30 Minuten Bewegung pro Tag, bei der man leicht schwitzt.
- Vermeidung von Übergewicht.
- Nichtrauchen.
- Kontrolle und Behandlung von Risikofaktoren: Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Fettstoffwechselstörungen sollten frühzeitig erkannt und behandelt werden.
Medikamentöse Prävention
- Blutdrucksenker: Reduzieren das Schlaganfallrisiko durch bessere Blutdruckwerte.
- Statine (z. B. Simvastatin oder Atorvastatin): Senken den Cholesterinspiegel und reduzieren das Risiko eines neuen Hirninfarktes auch bei normalen oder nur leicht erhöhten Cholesterinwerten.
- Thrombozytenaggregationshemmer (z. B. ASS = Acetylsalicylsäure (Aspirin) 100 mg/Tag, Clopidogrel): Vermindern die »Klebrigkeit« der Blutplättchen und damit die Gefahr eines Hirninfarkts. Die vorbeugende Wirkung ist jedoch nur für Patienten nach einem Schlaganfall und nur bei bestimmten Schlaganfalltypen erwiesen.
- Orale Antikoagulantien (z. B. Marcumar, NOAKs wie Dabigatran, Rivaroxaban, Apixaban, Edoxaban): Hemmen die Blutgerinnung und vermindern das Schlaganfallrisiko, insbesondere bei Vorhofflimmern.
Operation bei Carotisstenose
Die Einengung der Halsschlagader (Carotisstenose) bringt ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko mit sich. Eine Operation bei "stummer" (asymptomatischer) Verengung der Halsschlagader wird nur in Zentren mit sehr niedriger Komplikationsrate durchgeführt. Der Nutzen ist nur bei Männern erwiesen.
Lesen Sie auch: Was Sie über epileptische Anfälle nach Hirnblutungen wissen sollten
Symptome und Erste Hilfe
Es ist entscheidend, die Symptome eines Schlaganfalls zu erkennen und sofort zu handeln. Typische Symptome sind:
- Plötzlich auftretende Lähmungen oder Schwäche einer Körperseite (Gesicht, Arm, Bein)
- Taubheitsgefühl oder Kribbeln auf einer Körperseite
- Sprachstörungen (Schwierigkeiten beim Sprechen oder Verstehen)
- Sehstörungen (Doppelbilder, Gesichtsfeldausfälle, plötzliche Blindheit auf einem Auge)
- Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, Gangunsicherheit
- Plötzlich auftretende, starke Kopfschmerzen
- Bewusstseinsstörungen
FAST-Test
Der FAST-Test ist ein einfacher Schnelltest, um einen Schlaganfall zu erkennen:
- Face (Gesicht): Bitten Sie die Person, zu lächeln. Ist das Gesicht einseitig verzogen?
- Arms (Arme): Bitten Sie die Person, die Arme nach vorne zu strecken und dabei die Handflächen nach oben zu drehen. Sinkt ein Arm ab oder dreht er sich?
- Speech (Sprache): Lassen Sie die Person einen einfachen Satz nachsprechen. Ist die Sprache verwaschen oder unverständlich?
- Time (Zeit): Wenn eines dieser Symptome auftritt, wählen Sie sofort die 112!
Was tun im Notfall?
- Sofort Hilfe holen: Rettungsdienst (112) anrufen.
- Bewusstlose in stabile Seitenlage bringen.
- Informationen bereithalten: Medikamente (Medikamentenplan) und Vorerkrankungen.
- Angehörige sollten telefonisch erreichbar bleiben: Telefonnummer dem Rettungsdienst mitgeben!
- Beruhigen Sie die betroffene Person.
- Achten Sie darauf, dass die Person nicht stürzt.
Behandlung und Rehabilitation
Die Behandlung eines Schlaganfalls sollte so schnell wie möglich in einer spezialisierten "Stroke Unit" erfolgen. Hier stehen verschiedene Therapieoptionen zur Verfügung:
- Thrombolyse: Medikamentöse Auflösung des Blutgerinnsels (nur innerhalb der ersten Stunden nach Symptombeginn möglich).
- Thrombektomie: Mechanische Entfernung des Blutgerinnsels mittels Katheter.
- Operation: Bei Hirnblutungen oder Carotisstenose.
Nach der Akutbehandlung ist eine umfassende Rehabilitation wichtig, um die verloren gegangenen Fähigkeiten wiederzuerlangen und die Lebensqualität zu verbessern. Die Rehabilitation kann folgende Bereiche umfassen:
- Physiotherapie
- Ergotherapie
- Logopädie
- Neuropsychologie
Folgen eines Schlaganfalls
Die Folgen eines Schlaganfalls sind sehr unterschiedlich und hängen von der betroffenen Hirnregion und dem Ausmaß der Schädigung ab. Zu den häufigsten Folgen gehören:
- Neurologische Folgen: Halbseitige Lähmungen, Spastik, Koordinationsstörungen, Schluckstörungen, epileptische Anfälle.
- Neuropsychologische Folgen: Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisstörungen, Neglect (Vernachlässigung einer Körperseite), Demenz.
- Psychische Folgen: Depressionen, Angststörungen, Persönlichkeitsveränderungen.
Leben nach dem Schlaganfall
Ein Schlaganfall kann das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen grundlegend verändern. Es ist wichtig, sich frühzeitig über mögliche Unterstützungsangebote zu informieren und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dazu gehören:
- Rehabilitationsmaßnahmen
- Pflegeleistungen
- Selbsthilfegruppen
- Psychologische Beratung
Sterblichkeit nach Schlaganfall
Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Die altersstandardisierte Sterberate lag im Jahr 2023 bei 36,1 pro 100.000 Personen. Die Schlaganfall-Sterblichkeit steigt ab dem 45. Lebensjahr mit zunehmendem Alter deutlich an.
Fast jeder zweite Patient stirbt innerhalb von fünf Jahren nach dem ersten Schlaganfall. Jeder fünfte erleidet einen erneuten Schlaganfall innerhalb von fünf Jahren. Das Langzeitüberleben und die Wiederholungsrate unterscheiden sich jedoch erheblich je nach Ursache des ersten Schlaganfalls.
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Überlebenswahrscheinlichkeit nach einem ischämischen Schlaganfall deutlich verbessert, was auf Verbesserungen in der medizinischen Versorgung zurückzuführen ist.
tags: #nach #schlaganfall #sterben