Bauchschmerzen sind bei Kindern ein häufiges Problem. Tatsächlich gehören Bauchschmerzen zu den häufigsten Symptomen im Kindesalter. Laut einer Studie gaben 20 Prozent der Kinder zwischen 3 und 17 Jahren zwei oder mehr Schmerzepisoden innerhalb von drei Monaten an. Bei jüngeren Kindern sind Bauchschmerzen die häufigste Ursache für Schmerzen, bei älteren Kindern und Jugendlichen die zweithäufigste nach Kopfschmerzen.
Eltern machen sich oft Sorgen, wenn ihr Kind über Bauchschmerzen klagt. In den meisten Fällen sind die Schmerzen jedoch harmlos und verschwinden schnell von selbst. Es ist wichtig zu wissen, welche Ursachen Bauchschmerzen bei Kindern haben können und wann es notwendig ist, einen Arzt aufzusuchen.
Ursachen von Bauchschmerzen bei Kindern
Die Ursachen für Bauchschmerzen bei Kindern sind vielfältig und hängen oft vom Alter des Kindes ab. Meistens stecken keine ernsthaften Erkrankungen dahinter, sondern Blähungen, Verstopfung oder ein harmloser Infekt. Auch sehr süßes oder fettreiches Essen sowie verdorbene Lebensmittel sind im Kleinkindalter oft Auslöser für Magenschmerzen. Bei Schulkindern hingegen können sich ebenso Aufregung, Nervosität und Stress in Form von Bauchweh äußern.
Hier sind einige häufige Ursachen für Bauchschmerzen bei Kindern:
- Verdauungsprobleme: Verdauungsstörungen, ein Darminfekt oder fehlender Stuhlgang über mehrere Tage können Bauchschmerzen verursachen. Zu fettes, süßes oder auch zu üppiges Essen und verdorbene Lebensmittel sind im Kleinkindalter ebenfalls oft Auslöser für Bauchschmerzen.
- Blähungen: Blähungen entstehen durch Gasbildungen im Magen-Darm-Trakt und sind in der Regel harmlos. Bei Babys können Blähungen auch dadurch entstehen, dass sie beim Saugen und Trinken viel Luft schlucken.
- Infektionen: Magen-Darm-Infekte sind eine häufige Ursache für Bauchschmerzen bei Kindern. In den meisten Fällen werden sie durch Viren verursacht, es können aber auch Bakterien verantwortlich sein. Auch andere Infektionen wie Harnwegsinfekte oder Lungenentzündungen können Bauchschmerzen verursachen.
- Verstopfung: Bei einer Verstopfung wird der Stuhl fester und härter. Beim Stuhlgang kommt es zu Schmerzen oder Beschwerden, und die Zeit zwischen den Darmentleerungen ist länger.
- Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Fruchtzucker (Fruktose) und Milchzucker (Laktose) können aufgrund von Unverträglichkeiten zu Bauchschmerzen und Blähungen führen. Dasselbe gilt auch bei einer sogenannten Zöliakie aufgrund einer Unverträglichkeit gegen das Klebereiweiß (Gluten) im Getreide (Glutenunverträglichkeit).
- Psychische Ursachen: Psychische Prozesse und Gemütslagen haben auch bei Kindern einen großen Einfluss auf Magen und Darm: Freizeit- oder Schulstress, Ärger mit den Eltern, Freunden oder Freundinnen oder Prüfungsangst, Aufregung und Kummer können schnell auf den Magen schlagen und Bauchschmerzen bei Kindern verursachen.
In seltenen Fällen können Bauchschmerzen auch ein Alarmsignal für eine ernsthafte Erkrankung sein, zum Beispiel eine Blinddarmentzündung, eine Infektion der Harnwege oder eine Nierenbeckenentzündung.
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Experten unterscheiden zwischen akuten und chronischen Bauchschmerzen. Bauchschmerzen, die seit mehr als zwei Monaten bestehen und mindestens viermal im Monat auftreten, bezeichnet man als chronisch.
Symptome von Bauchschmerzen bei Kindern
Die Symptome von Bauchschmerzen bei Kindern können je nach Ursache variieren. Bei Säuglingen äußern sich akute Bauchschmerzen meist durch Weinen, Nahrungsverweigerung, Erbrechen oder Durchfall. Das Baby krümmt sich evtl., reagiert empfindlich auf Berührung des Bauches und will nicht essen. Ältere Kinder können Bauschmerzen meist gut beschreiben.
Hier sind einige häufige Symptome von Bauchschmerzen bei Kindern:
- Bauchkrämpfe
- Blähungen
- Übelkeit
- Erbrechen
- Durchfall
- Verstopfung
- Appetitlosigkeit
- Fieber
- Blut im Stuhl
- Blässe
- Weinen oder Schreien (bei Säuglingen)
- Anziehen der Beine an den Körper (bei Säuglingen)
Diagnose von Bauchschmerzen bei Kindern
Da so viele unterschiedliche Ursachen Bauchschmerzen hervorrufen können, kann nur ein Arzt die genaue Diagnose stellen. Die Beobachtungen der Eltern und die Auskunft der Kinder können für den Pädiater zusätzlich sehr hilfreich sein.
Der Arzt wird zunächst eine Anamnese erheben und das Kind körperlich untersuchen. Dabei wird der Bauch abgetastet und abgehört. Folgende Fragen können bei der Diagnose helfen:
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- Kann das Kind den Ort des Schmerzes nennen bzw. strahlt dieser aus?
- Wann treten die Beschwerden auf - zu bestimmten Tageszeiten, nach dem Essen?
- Erbricht sich das Kind, hat es Durchfall oder Verstopfung?
- Wie sind der Stuhl und das Erbrochene beschaffen - ist evtl. Blut beigemengt?
- Konsumiert ein Kind viel Milch oder Fruchtsäfte, isst es viel Obst oder nimmt es evtl. über Getränke viel Süßstoff auf?
- Liegen chronische Darmerkrankungen in der Familie vor, wie z.B. Morbus Crohn oder Zöliakie, und gibt es Hinweise darauf oder auf eine andere organische Erkrankung?
Je nach Symptomen und Befunden können weitere Untersuchungen sinnvoll sein. Es können Blutproben, Stuhlproben und Urinuntersuchungen benötigt werden. Eine Ultraschalluntersuchung liefert weitere Informationen. Bei Bedarf wird eine gynäkologische Untersuchung durchgeführt. Bei unklarer Ursache kann eine Computertomografie oder eine Röntgenuntersuchung durchgeführt werden.
Behandlung von Bauchschmerzen bei Kindern
Die Behandlung von Bauchschmerzen bei Kindern richtet sich nach der Ursache. In vielen Fällen können einfache Hausmittel die Beschwerden lindern.
Hier sind einige Tipps zur Behandlung von Bauchschmerzen bei Kindern:
- Tee: Eine Tasse Tee und ein wenig Zuwendung können schon einmal vieles richtig machen. Kräutertees mit Anis, Kümmel oder Fenchel können Krämpfe im Bauch lösen. Kamillentee beruhigt den Magen.
- Wärme: Eine Wärmflasche, ein warmes Bad oder ein Kirschkernkissen können bei Bauchschmerzen helfen.
- Bauchmassage: Bei Säuglingen reiben Sie mit etwas Öl, beispielsweise Kümmelöl, sanft den Bauch um den Nabel herum für mehrere Minuten im Uhrzeigersinn. Diese Bauchmassage unterstützt die natürliche Darmbewegung und transportiert die Luft im Bauch Richtung Ausgang.
- Schonkost: Bei Durchfall oder Erbrechen sollte das Kind Schonkost essen. Geeignet sind beispielsweise Zwieback, Reis, Kartoffeln, Bananen und geriebene Äpfel. Vermeiden Sie es, zu üppige Portionen zu servieren.
- Flüssigkeit: Es ist wichtig, dass das Kind ausreichend trinkt, um einer Dehydration vorzubeugen. Geeignet sind Wasser, Tee oder verdünnte Säfte. Zum Ausgleich des Elektrolythaushalts eignen sich Elektrolytlösungen.
- Ruhe: Das Kind sollte sich ausruhen und schonen.
Bei funktionellen Bauchschmerzen ist es wichtig, die Auslöser zu vermeiden und zu lernen, besser mit bestimmten Problemen umzugehen. Mit zunehmendem Alter des Kindes nehmen funktionelle Bauchschmerzen ab. Bei einer Bauchmigräne können Entspannungsverfahren und Reizabschirmung die Beschwerden lindern.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
In den meisten Fällen sind Bauchschmerzen bei Kindern harmlos und verschwinden von selbst. Es gibt jedoch einige Situationen, in denen man einen Arzt aufsuchen sollte:
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- Wenn die Bauchschmerzen sehr stark sind oder länger als eine Stunde anhalten.
- Wenn das Kind Fieber, Durchfall, Erbrechen oder blutigen Stuhl hat.
- Wenn sich die Bauchdecke sehr angespannt anfühlt.
- Wenn sich das Kind nicht beruhigen lässt und generell sehr schlapp wirkt.
- Wenn die Bauchschmerzen auch nachts auftreten.
- Wenn das Kind Anzeichen einer Dehydration zeigt (z.B. trockene Lippen, wenig Urin).
- Wenn der Verdacht auf eine Blinddarmentzündung besteht.
- Wenn das Kind unter sechs Jahren alt ist.
- Wenn die Bauchschmerzen immer wiederkehren.
- Wenn das Kind akut schwere Bauchschmerzen hat (Blässe, anhaltendes Schreien oder Weinen, ein stark gewölbter oder eingezogener Bauch signalisieren meist starke Bauchschmerzen. Das Kind bewegt sich kaum und zieht die Beine an den Körper).
- Wenn sich die Bauchschmerzen nach etwa einer Stunde nicht bessern oder sich der Schmerzanfall wiederholt.
- Wenn gleichzeitig noch andere Symptome wie Durchfall, blutiger Stuhl, Fieber, Erbrechen, Schüttelfrost auftreten.
Bei akuten, starken Bauchschmerzen und insbesondere bei folgenden Warnsymptomen sollten Sie ärztliche Hilfe suchen:
- anhaltende Schmerzen im rechten Ober- oder Unterbauch
- lang anhaltende Schmerzen über 12 Stunden
- anhaltendes Erbrechen, Erbrechen von Galle
- nächtliche Beschwerden
- blutiges Erbrechen und/oder Blut im Stuhl
- ungewollter Gewichtsverlust
- verlangsamtes Längenwachstum
- unerklärbares Fieber
- Gelenkentzündung
Funktionelle Bauchschmerzen
Bauchschmerzen ohne organische Ursache sind häufig chronisch oder wiederkehrend, können jedoch auch akut auftreten. Häufig treten zusätzlich Symptome wie Übelkeit oder Blässe auf. Das Kind reagiert mit Bauchschmerzen auf Stress, Anspannung, Angst usw. Die Schmerzen gehen meist von selbst vorüber.
Ursache können Stress, Ängste unterschiedlicher Art, Schlaflosigkeit, zu viel Bildschirmkonsum, familiäre Spannungen etc. sein. Die Therapie kann abhängig von der Ursache sehr unterschiedlich ausfallen.
Bei funktionellen Bauchschmerzen wirken mehrere Faktoren zusammen. Ist Ihr Kind davon betroffen, sollten Sie gemeinsam auf eine kleine medizinische Entdeckungsreise gehen. Beobachten Sie, wie Ihr Kind normalerweise auf Schmerzen und Ängstlichkeit reagiert. Nutzen Sie Ablenkungsmanöver wie Spiele mit ein bisschen Bewegung. Steuern Sie mit neuen Abläufen oder Routinen gegen alte Muster.