Nachsorge nach Hirnblutung: Rehabilitation für ein selbstständiges Leben

Ein Schlaganfall, auch Apoplex oder Hirninsult genannt, ist ein einschneidendes Ereignis, das das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen grundlegend verändern kann. Die Rehabilitation spielt eine entscheidende Rolle, um den Alltag nach einer Hirnblutung möglichst selbstständig gestalten zu können. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Nachsorge und Rehabilitation nach einer Hirnblutung, von der Akutbehandlung bis zur langfristigen Betreuung.

Die Akutphase: Behandlung und Stabilisierung

Unmittelbar nach einer Hirnblutung steht die medizinische Stabilisierung im Vordergrund. In dieser Phase sind die Überwachung der Vitalfunktionen, die Kontrolle des Drucks innerhalb des Schädels (intrakranieller Druck) und die Vermeidung von Sekundärschäden entscheidend. Bei der Akutbehandlung wird versucht, das im Gehirn verschlossene Gefäß wieder zu eröffnen. Die Patient*innen sind oft noch einige Tage sehr kritisch krank und müssen auf einer Stroke Unit oder Intensivstation überwacht werden, weil sich ein Schlaganfall wiederholen kann und zum Beispiel durch Schluckstörungen Lungenentzündungen drohen.

Frührehabilitation: Der Start in ein neues Leben

Bereits während des Aufenthalts auf der Intensivstation beginnen rehabilitative Maßnahmen durch Therapeut*innen. Eine Reha sollte spätestens nach vier bis acht Tagen auf der Stroke Unit beginnen. Die sogenannte Phase B, die Frühreha, findet im Akutkrankenhaus statt - bei denjenigen, die einen Rehabilitationsbedarf haben, aber so schwer betroffen sind, dass sie noch die Strukturen eines Krankenhauses benötigen. Ein erstes Rehabilitationsziel ist oft die Entwöhnung von der Beatmungsmaschine. Trachealkanülen werden oftmals als Beatmungszugang bei langfristiger Beatmung angelegt. Auch nach einer erfolgreichen Entwöhnung vom Beatmungsgerät können die Ärzt:innen einliegende Trachealkanülen nur in den seltensten Fällen sofort entfernen, denn die Kanülen schützen vor dem sogenannten Einatmungssog (Aspirationen), der zu einer Lungenentzündung führen kann. Schluckstörungen sind eine sehr häufige Folge von Hirnblutungen und können durch Verschlucken zu schweren Lungenentzündungen führen.

Ein interdisziplinäres Team aus Ärzt:innen, Physiotherapeut:innen, Ergotherapeut:innen, Logopäd:innen und Neuropsycholog:innen arbeitet eng zusammen, um die Patient:innen bestmöglich zu betreuen.

Inhalte der Frührehabilitation

  • Physiotherapie: Wiederherstellung der motorischen Funktionen, Verbesserung von Kraft, Koordination und Gleichgewicht, Förderung der Mobilität. Mit moderner Technik wie dem Lokomat® (für das Gehen) oder dem Armeo® (für Arm- und Handbewegungen) können Bewegungen effektiv geübt werden. Durch die Behandlung mit Botulinumtoxin lassen sich Muskelverkrampfungen lockern und Beschwerden wie Schmerzen oder erhöhter Speichelfluss reduzieren.
  • Ergotherapie: Unterstützung der Patient:innen dabei, ihre Selbstständigkeit bei alltäglichen Aktivitäten wiederzuerlangen. Dazu gehören das Ankleiden, Essen und die persönliche Hygiene.
  • Logopädie: Diagnostik und Therapie von Sprach- und Schluckstörungen. Für die Diagnostik stehen radiologische und endoskopische Verfahren zur Bewertung des Schluckens zur Verfügung.
  • Neuropsychologie: Behandlung kognitiver Beeinträchtigungen und Sprachstörungen.
  • Psychosoziale Unterstützung: Emotionale und psychosoziale Unterstützung ist entscheidend für den Erfolg der Rehabilitation.

Reha-Phasen: Von B bis D

Die Einteilung in Reha-Phasen erfolgt anhand verschiedener Scores, die auch Komorbiditäten berücksichtigen.

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  • Phase B (Frühreha): Für Patient*innen, die sich gar nicht mehr selbstständig versorgen können, also zusätzlich z.B. eine schwere Schluckstörung, eine schwere Störung der Aufmerksamkeit oder des Schlaf-Wach-Rhythmus haben.
  • Phase C: Für Patient*innen, die „nur“ nicht mehr laufen können.
  • Phase D: Für Patient*innen, die weniger schwer betroffen sind und eine Anschlussheilbehandlung benötigen, die wahlweise stationär oder ambulant erfolgen kann. Wer nach einem Schlaganfall nur ein Kribbeln in einer Hand hat, bekommt zum Beispiel weder Phase C noch D, sondern eine Anschlussheilbehandlung.

Stationäre und ambulante Rehabilitation

Ein großer Teil der Schlaganfall-Patienten absolviert nach der Akutklinik eine Rehabilitation. Die Rehabilitation findet meistens stationär, also in einer Rehabilitationsklinik, statt und wird in der Regel vom zuständigen Kostenträger für drei Wochen bewilligt. Sollten Ihre behandelnden Ärzte zum Ende dieser Zeit weiteren Bedarf sehen, kann die Maßnahme auf Antrag verlängert werden. Für ältere Schlaganfall-Patienten kommen grundsätzlich zwei medizinische Fachrichtungen in Frage, die neurologische und die geriatrische Rehabilitation. Neurologen werden in aller Regel die Rehabilitation in einer neurologischen Fachklinik empfehlen. Hier erhalten Patienten deutlich mehr Therapie-Einheiten als in der geriatrischen Rehabilitation. Wissenschaftliche Studien konnten nachweisen, dass hiervon auch ältere Patienten profitieren. Für Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen bzw.

Neben der stationären Rehabilitation gibt es ambulante Rehabilitationszentren. Diese haben den Vorteil, dass Patienten abends und am Wochenende Zuhause sind und im heimischen Umfeld erproben können, ob das Training mit den Therapeuten sie gut auf die Aktivitäten ihres täglichen Lebens vorbereitet. Ambulante Zentren sind seltener als Kliniken, häufig befinden sie sich in größeren Städten oder Ballungszentren. Für die ambulante Rehabilitation müssen Patienten in der Lage sein, sich selbst zu versorgen oder die Versorgung im heimischen Umfeld muss durch Angehörige und/oder einen Pflegedienst gesichert sein. Die meisten Schlaganfall-Patienten durchlaufen eine stationäre neurologische Rehabilitation.

Ablauf einer stationären neurologischen Rehabilitation

  1. Eingangsuntersuchung und Aufnahmegespräch: Formulierung von Therapiezielen und Erstellung eines Therapieplans.
  2. Therapie: Ziel ist, verlorengegangene Funktionen so weit wie möglich wiederherzustellen oder - wo das nicht möglich erscheint - mit dem Patienten Kompensationsstrategien einzuüben, z.B. die linke Hand als „Ersatzhand“ zu trainieren. Die Ziele sollten sich jedoch immer am Lebensalltag des Patienten orientieren. Ein weiteres Ziel der Reha ist es, Patienten bei einer notwendigen Umstellung des Lebensstils zu unterstützen, um einen wiederholten Schlaganfall zu vermeiden.
  3. Abschlussgespräch: Das Behandlungsteam bespricht mit Ihnen bzw. Ihrem Angehörigen die weitere, ambulante Versorgung und leitet ggfs. erste Schritte in die Wege.

Therapieangebote während der Rehabilitation

  • Ergotherapie
  • Physiotherapie (Krankengymnastik)
  • Logopädie
  • Neuropsychologie
  • Ernährungsberatung
  • Wiedererlangung der Alltagskompetenz

Herausforderungen und Lösungsansätze

Trotz der vielfältigen Rehabilitationsmöglichkeiten gibt es in DeutschlandVersorgungslücken.

Mangel an Reha-Plätzen

Es gibt zu wenige Reha-Plätze, insbesondere in der Phase B. In ganz Deutschland gibt es ca. 5.000 Frühreha-Betten für die Phase B. In Bayern sind wir diesbezüglich mit allein rund 1.300 Betten relativ gut ausgestattet. Die Zahlen zu den Phase-C- und -D-Betten sind leider weniger verlässlich, weil diese Rehas meist nicht in Akutkliniken stattfinden und daher in den Krankenhausplänen nicht vor - kommen. Wir gehen aber davon aus, dass es in ganz Deutschland ca. 15.000 Phase-C- oder -D-Betten gibt. Als Folge werden Patient*in - nen häufig nicht in die richtige Rehaphase oder zu spät verlegt. Nicht jeder Schlaganfallpatient, der in die Reha-Phase B verlegt werden müsste, bekommt zeitnah ein solches Bett.

Bürokratische Hürden

Kliniken müssen Maßnahmen der Phasen C und D erst beim Kostenträger beantragen und auf eine Kostenübernahme warten. Dies verzögert nicht nur den so wichtigen Prozess der Verlegung, sondern führt auch dazu, dass wir deutlich weniger Phase-C-Betten haben als wir sie gerne hätten. Zu Pandemiezeiten wurde interessanterweise der Bewilligungsvorbehalt für eine Reha aufgehoben und wir Krankenhäuser konnten die Patientinnen direkt in eine Reha verlegen. Einige Multicenter-Auswertungen haben gezeigt, dass dies die Wartezeit auf einen Reha-Platz um etwa ein Viertel verkürzt und die Wahrscheinlichkeit, dass Schlaganfallpatientinnen überhaupt in die Neuroreha kommen, um ein Viertel erhöht hat.

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Verbesserung der intersektoralen Versorgung

Die Zusammenarbeit zwischen Akutkliniken, Rehakliniken und niedergelassenen Ärzten ist wichtig, aber noch nicht optimal. Hier sind der Informationsfluss und die Kommunikationskanäle noch nicht optimal und ich setze große Hoffnung in eine weitere Digitalisierung der Medizin. Die hausärztliche, fachärztliche und stationäre Versorgung müsste besser ineinandergreifen, um für diese Patientinnen ein tragbares Gesamtkonzept zu entwickeln: Wollen die Patientinnen eine Versorgung zu Hause, durch die Angehörigen oder in einem Pflegeheim? Brauchen diese Patient*innen dann noch einen wertvollen Phase-B Reha-Platz, oder nicht?

Bessere Vergütung

Die Vergütung für die Versorgung von Phase-C- und D-Patient*innen, die ja immer noch eingeschränkt sind und einen gewissen Pflegebedarf haben, müsste besser werden.

Sekundärprophylaxe: Einen erneuten Schlaganfall verhindern

In der Sekundärprophylaxe zur Verhinderung eines weiteren Schlaganfalls hat sich in den letzten Jahren enorm viel verändert. Man kann viel bewirken, wenn man sich etwa um die Höhe des Blutdrucks, der Cholesterinwerte, die Diabeteseinstellung oder den Nikotinverzicht etc. kümmert. In der Nachsorge von Schlaganfällen wünsche ich mir von den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen, dass sie sich genauso als Teil der Behandlungskette sehen wie die Akut- und die Frührehakliniken. Die Sekundärprävention umfasst dabei nicht nur blutverdünnende Medikamente, sondern auch die Behandlung von Risikofaktoren (Blutdruckkontrolle, Blutzuckerkontrolle, Umstellung auf fettarmes, ausgewogenes Essen oder einen Rauchstopp).

Häusliche Nachsorge: Unterstützung im Alltag

In der häuslichen Nachsorge sind etwa 70 Prozent der Schlaganfall-Betroffenen nicht ausreichend versorgt. Viele bewerten die Hilfe, die sie erhalten als mangelhaft. 70 Prozent der Teilnehmenden wünschen sich in mindestens einem Bereich mehr Hilfestellungen. Bei den meisten (51 Prozent) betrifft es unterstützende Maßnahmen bei den körperlichen Folgen des Schlaganfalls. Und zwar unabhängig davon, ob der Schlaganfall kürzlich geschah oder bereits Jahre zurückliegt. Zu den ernüchternden Fakten der Befragung zählt auch, dass 41 Prozent der Befragten angaben, sie benötigten mehr Therapien oder Rehabilitationsmaßnahmen, als sie erhalten. 33 Prozent der Erkrankten kämpfen mit den psychischen Beeinträchtigungen und wünschen sich mehr Unterstützung bei deren Bewältigung.

Psychosoziale Hilfen während der Rehabilitation

Psychologische und pädagogische Angebote in der Reha-Klinik können helfen, die verfolgten Behandlungsziele zu sichern und Krankheitsfolgen zu vermeiden, zu überwinden, zu mindern oder ihre Verschlimmerung zu verhüten. Bei Bedarf kommen zum Einsatz:

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  • Hilfen zur seelischen Stabilisierung und zur Förderung der sozialen Kompetenz, u.a. durch Training sozialer und kommunikativer Fähigkeiten und Umgang mit Krisensituationen
  • Training lebenspraktischer Fähigkeiten
  • Hilfen zur Unterstützung bei der Krankheits- und Behinderungsverarbeitung (z.B. durch professionelle psychologische Hilfe oder in einer Schlaganfall-Selbsthilfegruppe)
  • Hilfen zur Aktivierung von Selbsthilfepotenzialen
  • Information und Beratung von Partnern und Angehörigen sowie von Vorgesetzten und Kollegen
  • Vermittlung von Kontakten zu örtlichen Selbsthilfe- und Beratungsmöglichkeiten

Die Rolle der Angehörigen

Die Unterstützung durch Angehörige ist für den Erfolg der Rehabilitation von großer Bedeutung. Sie können den Patienten motivieren, die Therapien aktiv mitzugestalten, und ihm im Alltag helfen, die erlernten Fähigkeiten umzusetzen.

Fazit

Die Rehabilitation nach einer Hirnblutung ist ein komplexer und langwieriger Prozess, der jedoch entscheidend dazu beitragen kann, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und ihnen ein möglichst selbstständiges Leben zu ermöglichen. Eine frühzeitige und umfassende Rehabilitation, eine gute Zusammenarbeit aller Beteiligten und die Unterstützung durch Angehörige sind wichtige Faktoren für den Erfolg. Trotz der bestehenden Herausforderungen gibt es in Deutschland viele engagierte Fachkräfte und Einrichtungen, die sich für die bestmögliche Versorgung von Schlaganfallpatienten einsetzen.

Häufig gestellte Fragen zur neurologischen Reha bei Schlaganfall:

  • Welche Rehaklinik kann nach einem Schlaganfall besucht werden?
  • Wann sollte die Reha nach einem Schlaganfall beginnen? Eine geeignete Rehabehandlung nach einem Schlaganfall muss so schnell wie möglich einsetzen. Durch frühzeitige, gezielte Therapien von Schlaganfallpatienten und Unterstützung Ihren Angehörigen kann der Erfolg der Rehabilitation auch über den Klinikaufenthalt hinaus gesicherter werden.
  • Wie sieht die Behandlung nach einem Schlaganfall aus? In der Schlaganfall Behandlung wird der Therapieplan individuell auf den die Form und die daraus resultierende Beeinträchtigung des Patienten abgestimmt, z.B. Ergotherapie, Logopädie und Physioptherapie.
  • Welche Arten von Therapie nach einem Schlaganfall bieten die MEDIAN Kliniken an? Für die Schlaganfall Therapie wird in den MEDIAN Kliniken für jeden Patienten ein individueller Behandlungsplan erstellt. Dabei steht neben der Wiedererlangung der Alltagskompetenz und den psychosozialen Hilfen weitere Therapieangebote zur Verfügung, wie:
    • Ergotherapie
    • Physiotherapie (Krankengymnastik)
    • Logopädie
    • Neuropsychologie
    • Ernährungsberatung
  • Wie lange dauert eine Schlaganfall-Reha? In den meisten Fällen findet die Rehabilitation stationär in einer darauf spezialisierten Klinik statt. Für leichtere Fälle gibt es ambulante Tageseinrichtungen. Der Aufenthalt in einer Reha-Klinik dauert meist 4 bis 6 Wochen.
  • Was kann eine Schlaganfall-Reha erreichen? Das Ziel der Rehabilitation ist, verlorengegangene Funktionen so weit wie möglich wiederherzustellen oder - wo das nicht möglich erscheint - mit dem Patienten Kompensationsstrategien einzuüben. Die Ziele sollten sich jedoch immer am Lebensalltag des Patienten orientieren, d.h. er soll so gut es geht in sein gewohntes Leben zurückkehren können. Ein weiteres Ziel der Reha ist es, Patienten bei einer notwendigen Umstellung des Lebensstils zu unterstützen, um einen wiederholten Schlaganfall zu vermeiden. Zum Ende der Rehabilitation wird das Behandlungsteam mit Ihnen bzw. Ihrem Angehörigen die weitere, ambulante Versorgung besprechen und ggfs. erste Schritte in die Wege leiten. Ihr Hausarzt erhält einen Bericht über den Verlauf der Rehabilitation.
  • Wie beantrage ich eine Schlaganfall-Reha? Mehr Informationen, wie man eine Schlaganfall-Reha beantragen kann, finden Sie hier.

Funktionsstörungen nach einem Schlaganfall und ihre Behandlung

Ein Schlaganfall kann vielfältige Funktionsstörungen verursachen, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Die neurologische Rehabilitation zielt darauf ab, diese Störungen zu minimieren und die Selbstständigkeit der Patienten im Alltag wiederherzustellen.

Lähmungen (Paresen)

Nach Schädigungen des Gehirns oder Rückenmarks treten häufig Lähmungen auf. Bei einer Lähmung der oberen Extremitäten (Arm, Hand) sind häufig die Alltagshandlungen eingeschränkt wie das Greifen oder Manipulieren von Gegenständen. Bei Lähmungen der unteren Extremitäten (Bein) sind vor allem Gang- und Standfunktionen beeinträchtigt, so z.B. das Gehen ohne Sturzgefahr. Aufgabe der neurologischen Rehabilitation (insbesondere der Physio- und Ergotherapie) ist eine möglichst gute Wiederherstellung der gestörten motorischen Funktionen. Dies wird vor allem durch wiederholtes, aufgabenorientiertes Üben erreicht. Die Auswahl der geeigneten Therapie erfolgt aufgrund langjähriger Erfahrung im interdisziplinären Team von Ärzten, Pflegern und Therapeuten.

Störungen des Muskeltonus (Spastik)

Auch wenn keine Lähmung vorliegt, kann die gezielte Ansteuerung von Bewegungen beeinträchtigt sein. Besonders häufig ist eine zu hohe Muskelspannung (Spastik), die langfristig zu einer Fehlstellung von Gelenken und Extremitäten führen kann. Durch physiotherapeutische Maßnahmen alleine kann oftmals keine ausreichende Besserung erreicht werden. Daher werden für diese Störungen vor allem Medikamente eingesetzt, die entweder als Tablette, lokal in den überaktiven Muskeln (Injektion von Botulinumtoxin) oder sogar durch Implantation einer Medikamentenpumpe in den Rückenmarkskanal appliziert werden. Die Behandlung von Spastizität/Spastik erfordert viel Erfahrung.

Sprach-/Sprechstörungen

Die Sprache ist die wesentliche Grundlage für die Kommunikation zwischen Menschen. Bei vielen Schädigungen des Gehirns ist das Verständnis oder die Produktion von Sprache eingeschränkt. Das Übungsprogramm bei derartigen Defiziten erinnert oft an das Erlernen einer Fremdsprache. In der neurologischen Rehabilitation wird dieses Training vor allem durch Sprachtherapeuten durchgeführt.

Schluckstörungen

Auch wenn es uns im Alltag nicht so bewusst wird, ist das Schlucken von Speisen und Getränken ein hochkomplexer Vorgang, der ein präzises, zeitlich sehr genau koordiniertes Zusammenspiel vieler Muskelgruppen im Rachen erfordert. Bei vielen neurologischen Erkrankungen ist die Präzision dieser Abläufe eingeschränkt, was zum Verschlucken und möglicherweise nachfolgend auch zu Komplikationen (z.B. Lungenentzündung) führen kann. Auf der Vermeidung derartiger Komplikationen liegt ein wesentliches Augenmerk, insbesondere in der neurologischen Frührehabilitation. Die Schluckfunktionen können trainiert werden, allerdings kann eine Besserung u.U. lange dauern. Für eine Zwischenzeit ist es daher möglicherweise erforderlich, Nahrung und Getränke in einer anderen Konsistenz anzubieten. Manchmal ist auch das Anlegen einer Ernährungssonde erforderlich. Die Wahl der adäquaten Therapie, bei der einerseits ein guter Behandlungserfolg erzielt werden kann, andererseits aber auch eine ausreichende Ernährung der Patienten sichergestellt ist, erfordert eine enge Abstimmung, insbesondere zwischen Ärzten, Pflegern und Logopäden.

Störungen der Stimmung und des Antriebs

Nach Aufnahme in die Reha-Klinik, gerade auch nach einer langen Behandlung in Akutkrankenhäusern, kommen unsere Patienten häufig zum ersten Mal zur Ruhe und realisieren ihre neuen Defizite. Dabei schränkt eine Hirnschädigung selber häufig die Fähigkeit ein, derartige Belastungen zu verarbeiten. Daher erfahren viele Patienten im Laufe ihrer Rehabilitation eine Minderung von Stimmung und/oder Antrieb. Die Behandlung derartiger Defizite erfordert eine einfühlsame, interdisziplinäre Behandlung, vor allem in enger Absprache zwischen Ärzten, Pflegern und Neuropsychologen. Oft reichen Gespräche alleine nicht aus, um eine dauerhafte Besserung zu erreichen, sodass ergänzend auch moderne Medikamente angeboten werden. Neuere Studien zeigen, dass eine gezielte Behandlung von Stimmung und Antrieb meist in einem besseren Rehabilitationserfolg resultiert. Daher liegt auf dieser Behandlung ein besonderes Augenmerk.

Störungen der Konzentration und des Gedächtnisses

Die effektive Verarbeitung und Speicherung der vielen gleichzeitig eintreffenden Sinneseindrücke ist wohl die größte Leistung des menschlichen Gehirns. Daher ist gerade diese Funktion nach einer neurologischen Erkrankung häufig sehr früh und manchmal sehr lange beeinträchtigt. Häufig reicht die Behandlungsnotwendigkeit über die stationäre Behandlung hinaus. Vor allem unsere Experten für Neuropsychologie haben eine besondere Expertise darin, diese Defizite genau zu identifizieren und dann gezielt zu trainieren.

Dauer einer Reha nach Hirnblutungen

Die Reha nach Hirnblutungen ist eine Langzeitbehandlung. Dabei wird mittels verschiedener Methoden versucht, Folgeschäden zu begrenzen und weitere Blutungen in der Zukunft zu vermeiden. Bei besonders starken Hirnblutungen kann auch eine mehrjährige Reha notwendig sein.

Vorbereitung der weiteren Versorgung

Jede Rehabilitation ist nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu dem endgültigen Ziel: der Entlassung in den Alltag. Nicht bei allen Patienten ist eine Rückkehr in das bisherige Umfeld möglich, bei manchen müssen neue Wohnformen gefunden werden. Bei anderen Patienten muss möglicherweise eine berufliche Umorientierung erfolgen. Für alle diese Fragen werden Patienten und ihre Angehörigen intensiv vor allem durch die Sozialdienstmitarbeiter der MEDIAN Kliniken beraten, die sich eng mit den Ärzten, den Pflegern und den Therapeuten abstimmen.

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