Nachtkerzenöl, gewonnen aus den Samen der Nachtkerze (Oenothera biennis), ist ein vielseitiges Naturprodukt, das aufgrund seines hohen Gehalts an essentiellen Omega-6-Fettsäuren, insbesondere Gamma-Linolensäure (GLA), in verschiedenen Bereichen Anwendung findet. Die Pflanze selbst, auch als Nachtstern, Eisenbahnlaterne oder Weinblume bekannt, blüht in den Sommermonaten und offenbart ihre heilenden Kräfte in ihren Samen.
Was ist Nachtkerzenöl?
Nachtkerzenöl ist eine Flüssigkeit, die aus den Samen der Nachtkerze gewonnen wird. Es zeichnet sich durch einen hohen Fettgehalt und eine ölige Konsistenz aus. Die Samen werden nach der Reinigung intensiv getrocknet, um den Flüssigkeitsgehalt zu reduzieren, was für die Qualität des Öls entscheidend ist. Anschließend wird das Öl kalt aus den Samen gepresst, um die wertvollen Inhaltsstoffe zu erhalten. Reines Nachtkerzenöl kann an der Luft schnell ranzig werden, daher sollte es verschlossen und gekühlt aufbewahrt werden.
Inhaltsstoffe und ihre Bedeutung
Für die Wirkung des Nachtkerzenöls ist dessen spezifische Zusammensetzung maßgeblich. Es enthält einen hohen Anteil an Fettsäuren, wobei Linolsäure (ca. 74 %) den größten Anteil ausmacht, gefolgt von Gamma-Linolensäure (ca. 8,7 %), Ölsäure (ca. 8 %) und anderen Fettsäuren (ca. 8 %). Zusätzlich sind Mineralstoffe, Eiweiße und Vitamin E enthalten.
- Linolsäure: Eine essentielle Omega-6-Fettsäure, die in der Haut in Ceramide eingebaut wird und somit die Hautbarriere stärkt.
- Gamma-Linolensäure (GLA): Eine weitere Omega-6-Fettsäure, die entzündungshemmende und schmerzlindernde Gewebshormone (Prostaglandine der Gruppe E1) bildet.
- Vitamin E: Ein Antioxidans, das die Zellen vor freien Radikalen schützt.
Wirkung auf die Nerven
Nachtkerzenöl kann bei diabetesbedingten Nervenschäden helfen, da Gamma-Linolensäure ein wichtiger Baustoff von Nervenzellmembranen ist. Erhöhte Blutzuckerspiegel bei Diabetes können periphere Nerven schädigen, was zu Gefühlsstörungen wie Kribbeln oder Taubheit führen kann. GLA stabilisiert die Zellmembranen von Nervenzellen und könnte sich positiv auf diese Nervenschäden auswirken. Die Forschungsergebnisse sind hierzu aber noch nicht ausreichend, um eine eindeutige Wirkung zu bestätigen.
Weitere Anwendungsgebiete und Wirkungen
Die mehrfach ungesättigten Omega-6-Fettsäuren im Nachtkerzenöl spielen eine wichtige Rolle bei vielen Stoffwechselprozessen im Körper.
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- Hautgesundheit: Nachtkerzenöl unterstützt die Barrierefunktion der Haut, reduziert Wasserverluste und sorgt für eine straffere und gesündere Haut. Es kann bei trockener, rissiger und juckender Haut sowie bei Neurodermitis und Ekzemen helfen.
- Hormonhaushalt: GLA ist an der Regulierung des Hormonhaushalts beteiligt und kann bei Wechseljahrsbeschwerden und zyklusbedingtem Brustspannen helfen.
- Immunsystem: Nachtkerzenöl kann die Bildung von T-Lymphozyten anregen und die Bildung von Immunglobulin E (IgE) hemmen, was sich positiv auf Allergien und Neurodermitis auswirken kann.
- Entzündungshemmung: GLA wirkt entzündungshemmend und kann bei entzündlichen rheumatischen Erkrankungen Linderung verschaffen.
Nachtkerzenöl bei Neurodermitis
Personen mit trockener und rissiger Haut profitieren von einer Anwendung des Nachtkerzenöls. Ebenso hilft es bei lokalen Entzündungen und Wunden aufgrund seiner antibakteriellen Wirkung. Das Pflanzenöl versorgt die Haut mit Feuchtigkeit und Fett. Neurodermitis-Erkrankte profitieren von einer Nachtkerzenöl-Behandlung. Für die positive Wirkung des Öls bei Neurodermitis ist v. a. die Gamma-Linolsäure verantwortlich. Durch eine Stoffwechselstörung wird diese Fettsäure bei den Betroffenen nicht ausreichend gebildet. Die Gamma-Linolsäure stärkt hier die Barrierefunktion der Haut, lindert die Entzündungen und schützt vor Verlust der Hautfeuchtigkeit.
Nachtkerzenöl bei zyklusbedingtem Brustspannen
Viele Frauen leiden im Rahmen ihres Zyklus an wiederkehrenden schmerzhaften Brustspannen. Hier führt das Nachtkerzenöl über eine Regulierung der Hormonausschüttung (v. a. des Prolaktins) zu einer Besserung der Beschwerden. Nicht zu empfehlen ist die Einnahme von Nachtkerzenöl bei bösartigen Brusterkrankungen.
Nachtkerzenöl bei Rheuma und PMS
Ob Nachtkerzenöl auch entzündliche rheumatische Erkrankungen und das prämenstruelle Syndrom (PMS) lindert, ist bislang noch umstritten. Einige Studien zeigen positive Ergebnisse, bei anderen wiederum fehlt der Wirkungsnachweis. Bei entzündlich bedingten Rheumabeschwerden könnte die durch Gamma-Linolensäure erhöhte Produktion von entzündungshemmenden Prostaglandinen die Beschwerden verringern. Beim PMS sollen pflanzliche Hormone, sogenannte Phytohormone, verantwortlich sein, die in den Nachtkerzensamen enthalten sind. Diesen Phytohormonen werden progesteron- und östrogenregulierende Wirkungen zugesprochen, die den Menstruationszyklus normalisieren und prämenstruelle Beschwerden lindern sollen. Dennoch gibt es für beide Anwendungsgebiete noch keine offiziellen Empfehlungen.
Anwendung von Nachtkerzenöl
Nachtkerzenöl kann sowohl innerlich als auch äußerlich angewendet werden.
- Innerliche Anwendung: In Form von Kapseln zur Nahrungsergänzung.
- Äußerliche Anwendung: Als Öl, Salbe oder Creme direkt auf die Haut aufgetragen.
Bei der Verwendung ist auf die Reinheit des Öls zu achten.
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Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Grundsätzlich sollte man kein minderwertiges Nachtkerzenöl kaufen, das aus Kostengründen in einem Schnellverfahren unter hohen Temperaturen hergestellt wird. Achten Sie auf eine hohe Konzentration an Omega-6-Fettsäuren und darauf, dass keine Zusatzstoffe enthalten sind. Verwenden Sie lieber Bio-Qualität.
Nebenwirkungen und Gegenanzeigen
Bei der bestimmungsgemäßen Anwendung von Nachtkerzen-Präparaten kommt es nur sehr selten zu Nebenwirkungen. Wenn doch, sind dies Verdauungsbeschwerden, weiche Stühle und Kopfschmerzen. Überempfindlichkeitsreaktionen treten fast nie auf.
Wer Blutgerinnungshemmer einnimmt, sollte Nachtkerzenöl nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen. Denn Nachtkerzenöl hemmt die Bildung von Thromboxan. Dabei handelt es sich um Botenstoffe, die die Zusammenballung von Blutplättchen (sogenannte Thrombozytenaggregation) aktivieren. Nichtsteroidale Schmerzmittel wie Diclofenac, Naproxen oder Ibuprofen könnten durch ihre Prostaglandinsynthesehemmung die Wirkung von Nachtkerzenöl verringern. Bei Anfallsleiden (Epilepsie) sollte vor der Anwendung von Nachtkerzenpräparaten unbedingt ein Arzt gefragt werden. Nachtkerzenöl könnte das Risiko von Anfällen begünstigen. Bei der Einnahme von Nervendämpfungsmittel (Neuroleptika) wie Fluphenazin, Promethazin und Chlorpromazin wird von der Einnahme von Nachtkerzenöl vorsorglich abgeraten. Schwangere, Stillende und Frauen mit östrogenabhängigem Brustkrebs sollten Nachtkerzenöl aufgrund der enthaltenen Phytohormone nicht einnehmen.
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