Polyneuropathie des linken Fußes: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Die Polyneuropathie ist eine neurologische Erkrankung, die das periphere Nervensystem betrifft. Das periphere Nervensystem (PNS) umfasst den Teil der Nerven, der außerhalb des zentralen Nervensystems (ZNS) liegt, also nicht innerhalb des Schädels oder des Wirbelkanals. Funktionell sind die Nerven des PNS jedoch mit dem zentralen Nervensystem verbunden, indem sie Impulse von Gehirn und Rückenmark zu den Organen und Geweben leiten und so physiologische Reaktionen auslösen. Das PNS besteht aus dem somatischen (willkürlichen) Nervensystem, das für willkürliche Bewegungen und Reflexe zuständig ist, und dem autonomen (unwillkürlichen) Nervensystem, das Körperfunktionen wie Atmung und Verdauung steuert. Bei den meisten Polyneuropathien sind Nerven des willkürlichen Nervensystems betroffen.

Die Erkrankung manifestiert sich oft zuerst in den unteren Extremitäten, typischerweise symmetrisch und fortschreitend. Patienten bemerken zu Beginn oft ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl in Fingern, Händen, Zehen und Füßen, begleitet von Schmerzen oder Krämpfen. Unbehandelt verschlimmern sich die Symptome, insbesondere das Schmerzempfinden.

Symptome einer Polyneuropathie

Eine Polyneuropathie kann sich durch vielfältige Symptome äußern, je nachdem, welche Nerven geschädigt sind. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Empfindungsstörungen: Kribbeln, Taubheitsgefühle, vermindertes Temperatur- oder Schmerzempfinden, Gefühl von Ameisenlaufen oder Pelzigkeit.
  • Schmerzen: Oft brennend oder stechend, manchmal begleitet von Überempfindlichkeit.
  • Muskelschwäche: Muskelkrämpfe, Muskelzucken, Gangschwierigkeiten und Unsicherheiten beim Gehen.
  • Autonome Störungen: Verdauungsstörungen, Blasenentleerungsstörungen, Störungen der Herzfunktion.

Dr. Frank Bergmann vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) erklärt, dass sich eine Polyneuropathie oft zunächst in Regionen bemerkbar macht, die weit vom Rückenmark entfernt liegen. Symptome wie Brennen oder schmerzhafte Missempfindungen in beiden Füßen, Taubheits- oder Pelzigkeitsgefühle, geschwollene Beine ohne Verdickung oder unangenehmer Druck an den Füßen trotz passender Schuhe können auftreten. Diese Beschwerden treten besonders in Ruhe auf, meist nachts im Liegen, und lassen bei Bewegung oft nach.

Ursachen einer Polyneuropathie

Die Ursachen für Polyneuropathien sind vielfältig. Diabetes mellitus und Alkoholismus stehen an erster Stelle, aber auch Infektions- oder Stoffwechselkrankheiten, Mangelernährung und Medikamente können periphere Nerven schädigen. Insgesamt sind über 200 Auslöser bekannt.

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Erworbene Polyneuropathien

Die erworbene Polyneuropathie ist die häufigste Form und entwickelt sich als Folge einer anderen Erkrankung oder durch äußere Einflüsse.

  • Diabetische Polyneuropathie: Diabetiker sind besonders gefährdet, da dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte zu Schädigungen der kleinen Gefäße führen, die die peripheren Nerven versorgen. Diese Form beginnt oft in den Zehen und Füßen und ist durch Kribbeln und ein herabgesetztes Schmerz- und Temperaturgefühl gekennzeichnet. Eine optimale Blutzuckereinstellung ist entscheidend, um der Entwicklung oder dem Fortschreiten der Erkrankung entgegenzuwirken.
  • Alkoholische Polyneuropathie: Chronischer Alkoholkonsum kann durch neurotoxische Wirkungen zu funktionellen Beeinträchtigungen der peripheren Nerven führen. Neben der akuten Giftwirkung des Alkohols spielt auch eine langfristige Unterversorgung mit B-Vitaminen eine Rolle, da alkoholabhängige Menschen sich oft einseitig ernähren.
  • Critical-Illness-Polyneuropathie: Diese Sonderform entsteht durch eine Schädigung der Nerven durch das eigene Immunsystem, z. B. bei langwierigen intensivmedizinischen Behandlungen. Sie äußert sich vor allem in schwindender Kraft und Muskelmasse in den Extremitäten und der Rumpfmuskulatur. Nach Beendigung der Behandlung bessert sich der Befund meist wieder, unterstützt durch intensive therapeutische Maßnahmen.
  • Weitere Ursachen: Medikamente (z. B. Chemotherapeutika), Schwermetalle, Autoimmunerkrankungen, Infektionen (z. B. Borreliose, HIV), Stoffwechselstörungen (z. B. Schilddrüsenstörungen) und Vitaminmangel (z. B. Vitamin B12) können ebenfalls eine Polyneuropathie verursachen.

Angeborene Polyneuropathien

Angeborene Polyneuropathien sind selten und beruhen auf vererbbaren Krankheiten wie Enzymdefekten, veränderten Proteinen oder einer eingeschränkten Nervenleitgeschwindigkeit. Ihre Symptomatik unterscheidet sich meist von der der erworbenen Polyneuropathien.

Diagnose einer Polyneuropathie

Die Diagnose erfordert Erfahrung. Der Arzt wird zunächst die medizinische Vorgeschichte, die Intensität und Dauer der Beschwerden erfragen, um Hinweise auf mögliche Ursachen zu finden.

Anamnese

Neben dem Beschwerdemuster gibt die Krankengeschichte wichtige Hinweise auf die Ursache. Fragen nach Diabetes mellitus, Alkoholkonsum, Medikamenteneinnahme und anderen Erkrankungen sind relevant.

Neurologische Untersuchung

Der Arzt überprüft Muskelkraft, Reflexe sowie die Wahrnehmung von Berührungen, Temperatur und Vibration. Man kann eine Polyneuropathie vermuten, wenn sich das Gefühl in den Füßen beim Sockenanziehen verringert oder wenn eine Gangunsicherheit auftritt, ohne dass eine andere Erkrankung als Ursache in Frage kommt.

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Elektrophysiologische Untersuchungen

  • Elektroneurographie (ENG): Misst die Nervenleitgeschwindigkeit, also wie schnell Nerven Erregungen weiterleiten.
  • Elektromyographie (EMG): Zeichnet die elektrische Aktivität eines Muskels in Ruhe und bei Anspannung auf.

Weitere Untersuchungen

  • Blut- und Urinuntersuchungen: Können Hinweise auf auslösende Krankheiten geben, z. B. Vitaminmangel oder Diabetes mellitus.
  • Lumbalpunktion: Analyse des Nervenwassers zur Feststellung entzündlicher Polyneuropathien.
  • Genetische Untersuchungen: Bei Verdacht auf eine genetische Polyneuropathie.
  • Nervenbiopsie: Entnahme und Untersuchung eines kleinen Nervenstücks unter dem Mikroskop, um die Ursache zu ermitteln. Auch die Entnahme und Analyse einer Hautprobe kann aufschlussreich sein.
  • Bildgebende Verfahren: Röntgen, Ultraschall, MRT zur weiteren Abklärung.

Es ist wichtig, die Polyneuropathie von anderen Erkrankungen wie einer Wirbelkanalverengung (Spinalkanalstenose) abzugrenzen, da diese ähnliche Symptome verursachen können.

Behandlung einer Polyneuropathie

Die Therapie richtet sich nach der Ursache und dem Beschwerdebild. Ziel ist es, die Ursache zu behandeln, Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Behandlung der Ursache

  • Diabetes: Optimale Blutzuckereinstellung, regelmäßige Fußuntersuchungen und Schutz der Füße.
  • Alkohol: Verzicht auf Alkohol, ausgewogene Ernährung.
  • Entzündungen: Glukokortikoide oder Immunglobuline.
  • Vitaminmangel: Substitution der fehlenden Vitamine.

Schmerztherapie

Gegen die Schmerzsymptomatik werden Pregabalin oder Gabapentin sowie alternativ Duloxetin oder Amitriptylin eingesetzt. Diese Medikamente modifizieren die Schmerzwahrnehmung auf unterschiedlichen Wegen und haben sich als effektiver gegenüber klassischen Schmerztabletten erwiesen. Hierzu bedarf es der Unterstützung eines erfahrenen Neurologen oder Schmerztherapeuten. Auch Pflaster mit Lidocain oder Capsaicin können helfen.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

  • Physiotherapie: Bei Muskelschwäche oder Gleichgewichtsstörungen.
  • Ergotherapie: Unterstützung bei ungünstigen Bewegungsabläufen.
  • Psychotherapie: Hilfe bei Schmerzen, Schlafstörungen oder Depressionen.
  • Rehabilitation: Bei bisher nicht ausreichender Beschwerdefreiheit.
  • Regelmäßige Bewegung oder Physiotherapie: Sind als langfristige Behandlungen am effektivsten.
  • Neural-Akupunktur: Kann Missempfindungen und Schmerzen behandeln.
  • Elektrische oder magneto-elektrische Stimulation: Kann Lähmungen und Muskelschwund ergänzend zur Physiotherapie behandeln.

Heilungsaussichten

Ob eine Heilung möglich ist, hängt vom Zeitpunkt der Diagnose, der zugrundeliegenden Erkrankung und dem Ausmaß der Nervenschädigung ab. Kann die Ursache frühzeitig beseitigt werden, ist eine Heilung möglich. Ist die Krankheit schon fortgeschritten oder die Ursache nicht behebbar, kann man versuchen, den Krankheitsverlauf günstig zu beeinflussen.

Vorbeugung

Eine Polyneuropathie lässt sich nicht immer verhindern. Regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, Vermeidung von Alkohol und die Kontrolle von Risikofaktoren wie Diabetes können jedoch das Risiko verringern.

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Tipps für mehr Lebensqualität

  • Blutzucker kontrollieren: Bei Diabetes regelmäßig den Blutzucker messen und Medikamente einnehmen.
  • Füße kontrollieren: Regelmäßig auf Wunden untersuchen, besonders bei Polyneuropathie an Beinen oder Füßen.
  • Bewegen: Angebote wie Aquagymnastik oder Gehtraining nutzen, um Schmerzen und Missempfindungen zu lindern.

Das Burning-Feet-Syndrom

Das Burning-Feet-Syndrom ist eine spezielle Form der Polyneuropathie, die durch brennende Schmerzen in den Füßen gekennzeichnet ist. Es kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden, darunter Diabetes mellitus, arterielle Verschlusskrankheit, Morton-Neuralgie und Fußpilz. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und umfasst Maßnahmen wie Blutzuckereinstellung, Schonung, Kühlung der Füße und Schmerzmittel.

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