Die Lyme-Borreliose ist eine durch Zecken übertragene Infektionskrankheit, die auf der Nordhalbkugel weit verbreitet ist. Ausgelöst wird sie durch Bakterien, die beim Zeckenstich übertragen werden und verschiedene Organe befallen können. Eine der schwerwiegendsten Manifestationen ist die Neuroborreliose, die das Nervensystem betrifft und sich unter anderem als Meningitis (Hirnhautentzündung) äußern kann. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Nachwirkungen einer Borreliose-Meningitis, ihre Behandlung und Diagnose.
Was ist Lyme-Borreliose und Neuroborreliose?
Die Lyme-Borreliose ist eine multisystemische Erkrankung, die durch das Bakterium Borrelia burgdorferi ausgelöst wird. Der Name "Lyme" geht auf eine Stadt in den USA zurück, in der 1975 vermehrt Fälle von Gelenkentzündungen bei Kindern auftraten. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch den Stich von Schildzecken der Art Ixodes ricinus.
Die Neuroborreliose ist eine Form der Lyme-Borreliose, bei der das Nervensystem betroffen ist. Sie tritt bei etwa drei Prozent der Borreliose-Erkrankten auf. Die Symptome können vielfältig sein und reichen von Hirnhautentzündung bis hin zu Nervenlähmungen.
Verlauf der Lyme-Borreliose und Neuroborreliose
Die Lyme-Borreliose verläuft typischerweise in Stadien:
- Frühstadium (3-30 Tage nach Zeckenstich): Typischerweise tritt eine kreisrunde Rötung um die Einstichstelle auf (Erythema migrans), begleitet von grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Abgeschlagenheit und Muskel- und Gelenkschmerzen.
- Disseminiertes Stadium (Wochen bis Monate nach Zeckenstich): In diesem Stadium können neurologische Symptome auftreten, insbesondere die Neuroborreliose. Bei Kindern äußert sich diese oft als Hirnhautentzündung (Meningitis), bei Erwachsenen als Meningoradikuloneuritis (Entzündung der Nervenwurzeln am Rückenmark). Häufig kommt es zu Hirnnervenausfällen, insbesondere zu einer ein- oder beidseitigen Gesichtslähmung (Fazialisparese).
- Spätstadium (Monate bis Jahre nach Zeckenstich): In seltenen Fällen kann es zu einer späten Neuroborreliose kommen, die sich schleichend über Monate oder Jahre entwickelt. Auch chronische Gelenkentzündungen (Lyme-Arthritis) oder Hautveränderungen (Acrodermatitis chronica atrophicans) können auftreten.
Symptome der Neuroborreliose
Die Symptome der Neuroborreliose können vielfältig sein und hängen vom Stadium der Erkrankung ab:
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- Frühe Neuroborreliose:
- Starke, oft nächtliche Nervenschmerzen
- Gesichtslähmung (Fazialisparese), ein- oder beidseitig
- Hirnhautentzündung (Meningitis) mit Kopfschmerzen, Fieber und Nackensteifigkeit (vor allem bei Kindern)
- Entzündung der Nervenwurzeln (Meningoradikuloneuritis) mit Schmerzen und Sensibilitätsstörungen
- Taubheitsgefühl, Seh- oder Hörstörungen
- Lähmungen von Rumpf, Armen oder Beinen (selten)
- Späte Neuroborreliose:
- Schleichende neurologische Symptome über Monate oder Jahre
- Enzephalomyelitis (Entzündung des Gehirns und Rückenmarks)
- Enzephalopathie (Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen)
- Chronische Radikuloneuropathie (Schmerzen und Sensibilitätsstörungen aufgrund von Nervenwurzelentzündungen)
Diagnose der Neuroborreliose
Die Diagnose der Neuroborreliose basiert auf einer Kombination aus:
- Anamnese: Vorheriger Zeckenstich, Erythema migrans, Risikoverhalten (Aufenthalt in Risikogebieten)
- Klinischem Bild: Typische Symptome wie Nervenschmerzen, Gesichtslähmung, Meningitis
- Labordiagnostik:
- Nachweis von Borrelien-Antikörpern im Serum und Liquor (Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit)
- Erhöhte Anzahl von weißen Blutkörperchen und Gesamteiweiß im Liquor
- Bestimmung des Liquor/Serum-Index zum Nachweis einer intrathekalen Antikörperbildung
- Direkter Erregernachweis im Liquor (Kultur oder PCR) in Ausnahmefällen
- CXCL13-Messung im Liquor zur Unterstützung der Diagnose in frühen Stadien
Es ist wichtig zu beachten, dass ein positiver Antikörperbefund allein nicht ausreicht, um eine Neuroborreliose zu diagnostizieren. Er muss immer in Verbindung mit den klinischen Symptomen und weiteren Liquorbefunden interpretiert werden.
Behandlung der Neuroborreliose
Die Neuroborreliose wird mit Antibiotika behandelt. Folgende Antibiotika werden üblicherweise eingesetzt:
- Doxycyclin (oral)
- Ceftriaxon (intravenös)
- Cefotaxim (intravenös)
- Penicillin G (intravenös)
Die Wahl des Antibiotikums hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie Alter des Patienten, Allergien und Schwangerschaft. Die Therapiedauer beträgt in der Regel 14 Tage bei früher Neuroborreliose und 14 bis 21 Tage bei später Neuroborreliose.
Mögliche Nachwirkungen der Borreliose-Meningitis
Obwohl die Neuroborreliose in den meisten Fällen gut behandelbar ist und vollständig ausheilt, können in einigen Fällen Nachwirkungen bestehen bleiben. Diese können vielfältig sein und die Lebensqualität der Betroffenen beeinträchtigen.
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Neurologische Spätfolgen
- Chronische Schmerzen: Nervenschmerzen können auch nach erfolgreicher Antibiotikatherapie persistieren.
- Sensibilitätsstörungen: Taubheitsgefühl, Kribbeln oder andere Missempfindungen können zurückbleiben.
- Lähmungen: In seltenen Fällen können Lähmungen, insbesondere der Gesichtsnerv (Fazialisparese), dauerhaft bestehen bleiben.
- Kognitive Beeinträchtigungen: Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme und andere kognitive Defizite können auftreten.
- Müdigkeit und Erschöpfung: Chronische Müdigkeit (Fatigue) ist eine häufige Begleiterscheinung nach einer Neuroborreliose.
- Schlafstörungen: Schlafstörungen können die Erholung beeinträchtigen und die Müdigkeit verstärken.
- Psychische Probleme: Depressionen, Angstzustände und Reizbarkeit können als Folge der Erkrankung auftreten.
- Hörschäden: In seltenen Fällen kann eine Meningitis zu Hörschäden bis hin zur Taubheit führen, insbesondere bei Kindern.
- Beeinträchtigung der geistigen Entwicklung: Eine zu spät behandelte Meningitis kann bei Kindern zu bleibenden Schäden der geistigen Entwicklung führen.
Post-Lyme-Syndrom (PLS)
Bei manchen Patienten bestehen auch Monate oder Jahre nach einer erfolgreichen Behandlung der Neuroborreliose unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Konzentrationsschwäche und Schmerzen fort. In diesem Fall spricht man vom Post-Lyme-Syndrom (PLS) oder Post-Treatment Lyme Disease Syndrome (PTLDS).
Die Ursachen des PLS sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass eine protrahierte (auto)immunologische Aktivierung oder eine Borreliose-induzierte Vaskulitis eine Rolle spielen könnten. Eine erneute Antibiotikatherapie ist bei PLS in der Regel nicht sinnvoll, da kein aktiver entzündlich-infektiöser Prozess mehr nachweisbar ist. Stattdessen sollte der Fokus auf die Behandlung der individuellen Symptome gelegt werden.
Andere Spätfolgen
- Chronische Gelenkentzündungen (Lyme-Arthritis): Schubweise oder chronisch verlaufende Entzündungen der Gelenke, vor allem der Kniegelenke, können auftreten.
- Hautveränderungen (Acrodermatitis chronica atrophicans): Chronisch-entzündliche Hautveränderungen, vor allem an den Extremitäten, können sich entwickeln.
- Herzbeteiligung (Lyme-Karditis): In seltenen Fällen kann es zu Herzrhythmusstörungen oder einer Herzmuskelentzündung kommen.
Behandlung von Spätfolgen
Die Behandlung von Spätfolgen der Borreliose-Meningitis richtet sich nach den individuellen Symptomen und kann Folgendes umfassen:
- Schmerztherapie: Bei chronischen Schmerzen können Schmerzmittel, Physiotherapie und andere schmerzlindernde Maßnahmen eingesetzt werden.
- Physiotherapie: Zur Verbesserung der Beweglichkeit und Kraft bei Lähmungen oder Gelenkbeschwerden.
- Ergotherapie: Zur Verbesserung der Alltagskompetenzen bei kognitiven Beeinträchtigungen.
- Psychotherapie: Bei psychischen Problemen wie Depressionen oder Angstzuständen.
- Kognitives Training: Zur Verbesserung der Konzentration und des Gedächtnisses.
- Behandlung von Begleiterkrankungen: Behandlung von Schlafstörungen, Fatigue und anderen Begleiterkrankungen.
- Rheumatologische Behandlung: Bei chronischen Gelenkentzündungen.
- Kardiologische Untersuchung: Nach einer Myokarditis zur Überprüfung der Herzfunktion.
Prävention
Der beste Schutz vor den Nachwirkungen einer Borreliose-Meningitis ist die Prävention einer Borreliose-Infektion:
- Schutz vor Zeckenstichen:
- Tragen von langer Kleidung bei Aufenthalten in der Natur
- Verwendung von Anti-Zecken-Sprays/-Lotionen
- Absuchen des Körpers nach Zecken nach jedem Aufenthalt im Freien
- Schnelle Entfernung von Zecken mit einer Zeckenzange oder Zeckenkarte
- Desinfektion der Einstichstelle nach Entfernung der Zecke
- Früherkennung und Behandlung:
- Beobachtung der Einstichstelle auf Rötungen (Erythema migrans)
- Ärztliche Abklärung bei grippeähnlichen Symptomen oder neurologischen Beschwerden nach einem Zeckenstich
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