Die Frage, ob ein Zusammenhang zwischen Migräne und Narkose besteht, ist komplex und vielschichtig. Es gibt Hinweise darauf, dass Migränepatienten nach Operationen ein erhöhtes Risiko für bestimmte Komplikationen haben könnten. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Zusammenhänge und gibt Einblicke in aktuelle Forschungsergebnisse.
Einleitung
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft sehr starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Diese Kopfschmerzen können von weiteren Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet sein. Eine Narkose, auch Anästhesie genannt, ist ein Verfahren, bei dem ein Patient durch Medikamente in einen Zustand der Bewusstlosigkeit oder Schmerzfreiheit versetzt wird, um operative Eingriffe zu ermöglichen.
Erhöhtes Schlaganfallrisiko bei Migränepatienten nach Operationen?
Eine Studie hat gezeigt, dass Migränepatienten ein erhöhtes Risiko haben, nach einer Operation einen Schlaganfall zu erleiden. Besonders gefährdet sind Patienten, bei denen die Migräne-Attacken von einer Aura begleitet werden.
Studienergebnisse im Detail
Ein Forscherteam aus den USA, Deutschland und Dänemark hat Belege dafür gefunden, dass Migränepatienten nach einer Operation in besonderem Maße gefährdet sind, einen ischämischen Insult zu erleiden. Die Forscher analysierten Daten von 124.558 chirurgischen Patienten, darunter 10.179 mit ärztlich diagnostizierter Migräne. Die Ergebnisse zeigten, dass die Migränediagnose die Wahrscheinlichkeit für einen perioperativen ischämischen Schlaganfall innerhalb eines Monats signifikant erhöhte (Odds Ratio, OR 1,75). Das Insultrisiko war für Migränepatienten mit Aura deutlich höher als für solche ohne Aura (OR 2,61 bzw. 1,62, jeweils im Vergleich mit Patienten ohne Migräne).
Zeitpunkt des Schlaganfalls
In fast der Hälfte der Fälle (46,2 Prozent) ereignete sich der Insult in den ersten beiden Tagen nach der Operation. Ein gutes Viertel trat dagegen erst nach der Entlassung auf; auch hierfür war die Wahrscheinlichkeit bei Migränepatienten besonders stark erhöht (OR 1,94).
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Art des Eingriffs
Insgesamt waren Eingriffe an den Gefäßen und am Herzen am risikoreichsten; die Schlaganfallraten lagen hier bei 4,0 bzw. 3,5 Prozent.
Erneute Klinikeinweisungen
Die Migräne wirkte sich zudem erheblich auf die Rate der erneuten Klinikeinweisungen aus: Insgesamt mussten 10.088 Studienteilnehmer innerhalb von 30 Tagen nach der Entlassung ein zweites Mal in die Klinik. Unter den Migränepatienten war dieses Risiko um 31 Prozent erhöht.
Risikobewertung
Die Forscher fordern, bei der perioperativen Risikobewertung routinemäßig abzuklären, ob der Patient an einer Migräne leidet.
Mögliche Ursachen für das erhöhte Risiko
Die genauen Ursachen für das erhöhte Schlaganfallrisiko bei Migränepatienten nach Operationen sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch einige Theorien:
- Empfindlichkeit gegenüber Durchblutungsstörungen: Migränepatienten reagieren möglicherweise besonders empfindlich auf zerebrale Durchblutungsstörungen.
- Mikroembolien: Mikroembolien auf der Basis von Shuntanomalien in Lunge oder Herz könnten eine Rolle spielen. Ein Rechts-Links-Shunt, der beispielsweise bei einem offenen Foramen ovale (PFO) vorkommen kann, ermöglicht es, dass Thromben aus dem venösen System in den arteriellen Kreislauf gelangen und so einen Schlaganfall auslösen können.
- Vasopressoren: Eine hohe Dosis von Vasopressoren, die während der Narkose zur Stabilisierung des Blutdrucks verabreicht werden, könnte das Risiko erhöhen.
- Neurogene Entzündung: Während einer Migräneattacke kommt es zu einer neurogenen Entzündung des Hirngewebes und der Hirnhäute, die möglicherweise die Gefäße beeinflusst.
Die Rolle der Anästhesie
Die Anästhesie spielt eine entscheidende Rolle bei Operationen. Anästhesisten sind Fachärzte, die die Patienten während des gesamten Prozesses der Narkose begleiten. Sie überwachen und steuern alle lebenswichtigen Körperfunktionen des Patienten vor, während und nach der Operation.
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Das Vorgespräch mit dem Anästhesisten
Vor einer Operation findet ein ausführliches Gespräch mit dem Anästhesisten statt. In diesem Gespräch werden die Patienten zu Allergien, Vorerkrankungen und ihrem allgemeinen gesundheitlichen Zustand befragt. Es ist wichtig, dass Patienten in diesem Gespräch alle relevanten Informationen angeben, einschließlich der Migräne.
Auswahl der Narkosemittel und -art
Mithilfe der Informationen aus dem Vorgespräch wählt der Anästhesist das Narkosemittel und die Narkoseart aus, die für den Patienten persönlich am besten geeignet sind. Ziel ist es, die Narkose so sicher und schonend wie möglich zu gestalten.
Hinweise für Patienten
Patienten sollten die Hinweise im Vorgespräch vor der Operation unbedingt einhalten. Besonders wichtig ist es, vor der Narkoseeinleitung nichts mehr zu essen oder zu trinken. Mindestens sechs Stunden vor der Narkoseeinleitung sollte der Patient keine Nahrung mehr zu sich nehmen. Klare Flüssigkeiten wie Wasser, fruchtfleischlose Säfte, Tee oder Kaffee ohne Milch können in kleinen Mengen bis zu zwei Stunden vor Narkoseeinleitung getrunken werden.
Migräne: Mehr als nur Kopfschmerzen
Die Migräne ist eine neurobiologisch bedingte Funktionsstörung des Gehirns, der Hirnhaut und der jeweiligen Blutgefäße, für die eine erbliche Veranlagung besteht. Während einer Migräneattacke kommt es zu einer vorrübergehenden Fehlfunktion schmerzregulierender Systeme.
Die Entstehung der Migräne
Früher gingen Wissenschaftler von einer Fehlsteuerung der Blutgefäße im Gehirn aus. Nach aktuellen Untersuchungen ist das Geschehen vermutlich auf eine Störung des Gleichgewichtszustandes von Schmerzzentren im Hirnstamm zurückzuführen. Im Gehirn wird ein Bereich - das so genannte Migräne-Zentrum im Hirnstamm (periaquäduktales Grau) - aktiviert und verstärkt durchblutet. Dieses „Migräne-Zentrum“ reagiert über-empfindlich auf Reize.
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Botenstoffe und Entzündungen
Die Überaktivität der Nervenzellen im Hirnstamm führt dazu, dass die (C-)Fasern des Trigeminusnervs Schmerzsignale an das Gehirn senden. Dies hat auch eine vermehrte Ausschüttung von Botenstoffen (vasoaktive Neuropeptide) zur Folge, die eine Dehnung der Blutgefäße bewirken und die Gefäßwände für Blutflüssigkeit durchgängig machen (Extravasation) und bestimmte Blutbestandteile (z.B. entzündliche Eiweißstoffe) freisetzen. Es kommt zu einer Aufschwemmung und einer Art Entzündung des Hirngewebes und der Hirnhäute. Diese so genannte neurogene Entzündung verursacht wiederum Schmerzimpulse, welche ausstrahlen und den Migränekopfschmerz bewirken.
Auslöser von Migräne
Bestimmte innere und äußere Faktoren, so genannte Trigger, können bei entsprechender Veranlagung eine Migräne begünstigen. Zu den häufigsten Auslösern gehören:
- Wechselnder Schlaf-Wach-Rhythmus
- Unregelmäßigkeiten im Tagesablauf
- Hormonveränderungen
- Stress
- Verqualmte Räume
- Bestimmte Nahrungsmittel
- Äußere Reize wie (Flacker)Licht, Lärm oder Gerüche
- Wetter- und Höhenveränderungen
- Starke Emotionen
- Medikamente
Kopfschmerzarten: Ein Überblick
Kopfschmerzen sind nicht gleich Kopfschmerzen. Neben Migräne gibt es viele weitere Varianten, wie Spannungskopfschmerzen, Cluster-Kopfschmerzen und Medikamenten-Kopfschmerzen.
Migräne
Bei der Migräne handelt es sich um pulsierende „Halbseiten-Kopfschmerzen“ im Bereich der Schläfe, der Stirn und des Auges. Die Anfälle können zwischen 4 bis 72 Stunden andauern und kehren in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen wieder. Oft sind sie von Licht- und Geräuschempfindlichkeit sowie Übelkeit und Erbrechen begleitet. Bei etwa 15 bis 20% der Betroffenen kündigt sich eine Migräneattacke mit Wahrnehmungsstörungen an, der sogenannten Aura.
Spannungskopfschmerzen
Bei Spannungskopfschmerzen handelt es sich um dumpfe, drückende sowie beidseitig auftretende Kopfschmerzen, die im ganzen Kopf, im Bereich von Scheitel, Schläfen oder Hinterkopf austreten. Außer, dass die Betroffenen das Gefühl haben, nicht klar denken zu können, werden Spannungskopfschmerzen in der Regel nicht von weiteren Symptomen begleitet.
Cluster-Kopfschmerzen
Cluster-Kopfschmerzen betreffen vornehmlich Männer im Alter von durchschnittlich 20 bis 40 Jahren. Die heftigen, einseitigen Kopfschmerzattacken treten vornehmlich nachts gehäuft im Frühjahr und im Herbst in der Augenhöhle bzw. dahinter auf. Sie können sich bis in die Schläfe ausbreiten und dauern in der Regel 15 Minuten bis 3 Stunden.
Medikamenten-Kopfschmerzen
Die meist dumpfen, bohrenden oder drückenden Medikamenten-Kopfschmerzen sind mittelstarke bis starke Dauerkopfschmerzen, die beidseitig im gesamten Kopf vorkommen. Allerdings ähnelt die Charakteristik oftmals den Kopfschmerzen, die ursprünglich zur Einnahme von Schmerzmitteln führten. Der Medikamenten-Kopfschmerz ist die Folge eines Teufelskreises, in den insbesondere Migräne- und Spannungskopfschmerz-Patienten geraten können.
Therapie von Migräne und anderen Kopfschmerzarten
Die Therapie von Kopfschmerzen richtet sich nach der Art und Schwere der Beschwerden.
Medikamentöse Therapie der Migräne
Die medikamentöse Therapie erfolgt bei leichten Attacken mit Schmerzmitteln wie Acetylsalicylsäure oder nichtsteroidalen Antirheumatika, bei schweren Anfällen mit Triptanen. Zur Vorbeugung eignen sich Betablocker, Calciumantagonisten, Antiepileptika und das Antidepressivum Amitryptilin.
Nicht-medikamentöse Therapie der Migräne
Zur Vorbeugung eignen sich Entspannungsverfahren, Verhaltenstherapie, Ausdauersport und Akupunktur.
Therapie von Spannungskopfschmerzen
Die Behandlung akuter Spannungskopfschmerzen kann mit Eispackungen oder Einreibungen mit Pfefferminzöl sowie Medikamenten erfolgen. Treten Spannungskopfschmerzen chronisch auf, gehören Entspannungsverfahren, ein Stressbewältigungstraining, die kognitive Verhaltenstherapie, Ausdauersport, Akupunktur und die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) zu den möglichen Behandlungsmethoden. Vorbeugend werden zudem Antidepressiva wie Amitriptylin verordnet.
Therapie von Cluster-Kopfschmerzen
Herkömmliche Schmerzmittel sind bei Cluster-Kopfschmerzen nicht effektiv. Die Betroffenen können zur Behandlung ihrer Schmerzen medizinischen Sauerstoff inhalieren oder Triptane als Nasenspray anwenden. Darüber hinaus können Triptane unter die Haut gespritzt werden. Zur Vorbeugung werden Glucocorticoide über einen Zeitraum von 2 bis 5 Tagen als Stoßtherapie verabreicht und dann ausgeschlichen. Parallel beginnt eine Dauertherapie mit einem Calciumantagonisten wie z.B. Verapamil.
Therapie von Medikamenten-Kopfschmerzen
Um den Teufelskreis zu durchbrechen, müssen die Betroffenen auf die Einnahme von Schmerzmitteln komplett verzichten. Eine begleitende medikamentöse prophylaktische Therapie kann im Einzelfall sinnvoll sein. Unterstützend haben sich ein Stressbewältigungstraining und Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelentspannung bewährt.
Persönliche Erfahrungen und Fallbeispiele
Der Text enthält die Beschreibung eines rel. kleinen Eingriffs (Impingement + Bursitis Schulter links) sowie vorherige Operationen (Schulter rechts Kapsel-Labrum Plastik, Impingement OP Rechts). Beim letzten Eingriff kam es allerdings zu einem Zwischenfall. Die einzige Idee, die aufkam, war, dass der Zwischenfall mit der chron. Migräne zusammenhängen könne und es irgendeine Kreuzreaktion gegeben haben könnte. Allerdings nahm der Patient zum OP Zeitpunkt keinerlei Migräne Medis ein.