Parkinson-Symptome, Nebenwirkungen und Medikamente: Ein umfassender Überblick

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die durch den Verlust von Dopamin-produzierenden Neuronen im Gehirn gekennzeichnet ist. Dies führt zu einer Vielzahl von motorischen und nicht-motorischen Symptomen, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Obwohl es keine Heilung für Parkinson gibt, stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Parkinson-Krankheit, ihre Symptome, die wichtigsten Medikamente und ihre Nebenwirkungen.

Morbus Parkinson: Ursachen und Symptome

Morbus Parkinson ist eine häufige neurologische Erkrankung, die das extrapyramidal-motorische System (EPS) und die Basalganglien betrifft. In Deutschland liegt die Prävalenz bei 100 bis 200 von 100.000 Einwohnern, wobei fast 2 % aller Erwachsenen über 65 Jahre betroffen sind. Mit der Veränderung der Altersstruktur der Bevölkerung ist in Zukunft mit einem weiteren Anstieg der Prävalenz zu rechnen.

Die genaue Ursache der Parkinson-Krankheit ist unbekannt, aber es wird angenommen, dass sie das Ergebnis eines komplizierten Zusammenspiels von genetischen und Umweltfaktoren ist. Konvergierende Evidenz hebt die Rolle von Neuroinflammation und oxidativem Stress bei der Pathogenese der Parkinson-Krankheit hervor.

Zu den wichtigsten motorischen Symptomen gehören:

  • Muskelzittern (Tremor)
  • Muskelsteifheit (Rigor)
  • Verlangsamung der Bewegungen (Bradykinesie)
  • Haltungsinstabilität und Gangstörungen

Neben den motorischen Symptomen können auch nicht-motorische Symptome auftreten, wie z.B.:

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  • Kognitive Beeinträchtigungen
  • Schlafstörungen
  • Autonome Störungen (z.B. Verstopfung, orthostatische Hypotonie)
  • Sensorische Störungen
  • Depressionen

Medikamentöse Therapie: Dopaminerge Wirkstoffe im Fokus

Die medikamentöse Therapie der Parkinson-Krankheit zielt hauptsächlich darauf ab, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen oder die Dopaminrezeptoren direkt zu stimulieren. Dopaminerge Medikamente, die die Wirkung von Dopamin im depletierten Striatum ersetzen sollen, bilden derzeit die Hauptstütze der Therapie. Die Medikation sollte eingeleitet werden, wenn Patienten aufgrund ihrer Symptome funktionelle Beeinträchtigungen oder soziale Benachteiligung erfahren. Alle verfügbaren Parkinson-Medikamente greifen an der nigrostriatalen Synapse an.

Levodopa: Der Goldstandard der Parkinson-Therapie

Levodopa (L-Dopa) ist ein Prodrug von Dopamin, das die Blut-Hirn-Schranke überwinden kann und im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird. Es lindert vor allem die Bewegungsverlangsamung (Bradykinese) und die Muskelsteifheit (Rigor). Levodopa ist das wirksamste Medikament zur Behandlung der Parkinson-Krankheit und gilt als Goldstandard.

Um zu verhindern, dass Levodopa bereits vor dem Überwinden der Blut-Hirn-Schranke in Dopamin umgewandelt wird, wird es in der Regel in Kombination mit einem Decarboxylase-Hemmer wie Carbidopa oder Benserazid verabreicht. Diese Hemmer blockieren die Umwandlung von Levodopa im Blutkreislauf, sodass mehr Levodopa ins Gehirn gelangt.

Die Dosierung von Levodopa richtet sich nach der Schwere der Symptome und der Verträglichkeit. Zu Therapiebeginn wirkt Levodopa meist sehr gut, vor allem gegen Akinese und Rigor. Die Wirkung kann bereits nach 30 bis 60 Minuten eintreten.

Aktuelle Entwicklungen umfassen wasserlösliche Tabletten für einen beschleunigten Wirkungseintritt (z. B. zur Unterbrechung akuter Phasen schlechter Beweglichkeit) und Retard- oder Depot-Tabletten für eine verzögerte Freisetzung (insbesondere für die Medikation während der Nacht).

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Nebenwirkungen von Levodopa:

Obwohl Levodopa gut wirksam ist, hat es auch erhebliche Nebenwirkungen, die einen wichtigen Aspekt des Leidensdruckes der Patienten ausmachen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:

  • Übelkeit
  • Schwindel (in Zusammenhang mit einer Blutdrucksenkung)
  • Appetitlosigkeit
  • Erhöhter Augeninnendruck (regelmäßige Kontrollen bei Glaukom-Patienten notwendig)
  • Neuropsychiatrische Nebenwirkungen (Delir, Psychose)
  • Motorische Komplikationen (Dyskinesien, On-Off-Fluktuationen)

Dyskinesien sind unwillkürliche hyperkinetische Bewegungen, die meist dann auftreten, wenn das Arzneimittel die Peak-Dosis erreicht hat. Das On-Off-Phänomen bezieht sich auf die Tatsache, dass Patienten mit fortgeschrittener Parkinson-Krankheit schnelle Schwankungen ihrer motorischen Funktion erfahren können. Während des „On”-Zustandes werden die motorischen Symptome relativ gut kontrolliert, aber ein schnelles Nachlassen der Wirkung von Levodopa lässt den Patienten in den „Off”-Zustand zurückfallen, in dem er starke Parkinsonismus-Merkmale aufweist.

Dopaminagonisten: Alternative oder Ergänzung zu Levodopa

Dopaminagonisten stimulieren die Dopaminrezeptoren im Gehirn und ahmen so die Wirkung von Dopamin nach. Sie werden häufig als Ersttherapie bei jüngeren Patienten eingesetzt, um den Beginn einer Levodopa-Therapie hinauszuzögern und das Risiko von Dyskinesien zu verringern. Dopaminagonisten können auch in Kombination mit Levodopa verwendet werden.

Nebenwirkungen von Dopaminagonisten:

Dopaminagonisten sind im Allgemeinen schlechter verträglich als Levodopa und führen häufiger zu Nebenwirkungen wie:

  • Wassereinlagerungen (Ödeme)
  • Schläfrigkeit
  • Verstopfung
  • Schwindel
  • Halluzinationen
  • Übelkeit
  • Impulskontrollstörungen (z.B. Spielsucht, Kaufsucht, Hypersexualität)

COMT-Hemmer: Verlängerung der Levodopa-Wirkung

COMT-Hemmer (Catechol-O-Methyltransferase-Hemmer) hemmen den Abbau von Levodopa und Dopamin im Gehirn, wodurch die Wirkdauer von Levodopa verlängert wird. Sie werden in der Regel in Kombination mit Levodopa und einem Decarboxylase-Hemmer eingesetzt. Beispiele für COMT-Hemmer sind Entacapon, Tolcapon und Opicapon.

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Nebenwirkungen von COMT-Hemmern:

COMT-Hemmer können zu einer Verstärkung von Levodopa-induzierten Nebenwirkungen, einschließlich der Dyskinesien, führen. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind:

  • Mundtrockenheit
  • Diarrhö
  • Lebertoxizität (insbesondere bei Tolcapon)

MAO-B-Hemmer: Schutz vor Dopaminabbau

MAO-B-Hemmer (Monoaminooxidase-B-Hemmer) verlangsamen den Dopaminabbau im Gehirn, wodurch die Dopaminkonzentration erhöht wird. Sie können als Monotherapie im Frühstadium der Erkrankung eingesetzt werden, um den Beginn einer Levodopa-Therapie hinauszuzögern, oder in Kombination mit Levodopa, um die Levodopa-Dosis zu reduzieren. Häufig verwendete MAO-B-Hemmer sind Selegilin und Rasagilin.

Nebenwirkungen von MAO-B-Hemmern:

MAO-B-Hemmer sind im Allgemeinen gut verträglich, können aber folgende Nebenwirkungen verursachen:

  • Schlafstörungen
  • Übelkeit
  • Kopfschmerzen
  • Orthostatische Hypotonie

Amantadin: Linderung von Dyskinesien

Amantadin ist ein weiteres Medikament, das bei der Behandlung der Parkinson-Krankheit eingesetzt werden kann. Es kann zur Behandlung von Rigor, Ruhetremor und Müdigkeit verwendet werden und eine kurzzeitige Verbesserung der Symptome bewirken. Seine nützlichste Eigenschaft ist jedoch wahrscheinlich die Tatsache, dass es verwendet werden kann, um die Schwere von Levodopa-induzierten Dyskinesien zu begrenzen.

Nebenwirkungen von Amantadin:

  • Verlängerung der QT-Zeit
  • Hautveränderungen (Livedo reticularis)
  • Verwirrtheit
  • Halluzinationen

Anticholinergika: Kaum noch Relevanz

Anticholinergika sind eine relativ alte Medikamentenklasse, die in der Behandlung der Parkinson-Erkrankung aufgrund zahlreicher Nebenwirkungen weitgehend obsolet geworden ist. Sie können einen gewissen Nutzen bei der Verbesserung des Rigors und Tremors bei Parkinson-Patienten erzielen, werden aber im Allgemeinen bei älteren Patienten oder Patienten mit kognitiven Problemen vermieden.

Nebenwirkungen von Anticholinergika:

  • Mundtrockenheit
  • Verstopfung
  • Harnverhalt
  • Kognitive Beeinträchtigungen
  • Verwirrtheit
  • Halluzinationen

Weitere Therapieansätze

Neben der medikamentösen Therapie gibt es weitere Therapieansätze, die bei der Behandlung der Parkinson-Krankheit eingesetzt werden können:

  • Tiefe Hirnstimulation (THS): Ein chirurgisches Verfahren, bei dem Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns implantiert werden, um die Symptome zu lindern.
  • Physiotherapie: Hilft, die Beweglichkeit, Kraft und Koordination zu verbessern.
  • Ergotherapie: Hilft, die Selbstständigkeit im Alltag zu erhalten oder wiederherzustellen.
  • Logopädie: Hilft bei Sprach- und Schluckstörungen.
  • Psychotherapie: Hilft, mit den psychischen Belastungen der Erkrankung umzugehen.
  • Künstlerische Therapien: Kunst-, Mal- oder Tanztherapien können ebenso in Erwägung gezogen werden.
  • Medizinisches Cannabis: Kann für die Behandlung von parkinsontypischen Begleitsymptomen wie Zittern, Schmerzen, Schlafstörungen und psychischen Beschwerden in Frage kommen.
  • Alternative Therapien: Akupunktur, Magnetstimulation oder Massage können im Einzelfall geeignet sein.

Wichtige Hinweise zur Medikamenteneinnahme

  • Die Medikamente sollten zu festen Uhrzeiten eingenommen werden, um eine gleichmäßige Wirkung zu erzielen.
  • L-Dopa sollte nicht früher als eine Stunde vor oder nach eiweißreichen Mahlzeiten eingenommen werden, da dies die Aufnahme beeinträchtigen kann.
  • Dopaminagonisten werden zu den Mahlzeiten eingenommen.
  • Es ist wichtig, die Einnahme der Medikamente nicht zu vergessen. Erinnerungshilfen wie Notizzettel oder Smartphone-Apps können hilfreich sein.
  • Bei der Einnahme von L-Dopa ist außerdem Vorsicht beim Verzehr von Eiweiß geboten. Zwar ist Eiweiß ein wichtiger Nährstoff und Bestandteil einer gesunden Ernährung, da Proteine sättigen und gleichzeitig ein wichtiger Baustein für Zellen und Muskeln sind.
  • Die Behandlung ist sehr individuell und muss häufig angepasst werden.

Medikamenteninduzierte Bewegungsstörungen

Einige Medikamente können als Nebenwirkung Bewegungsstörungen auslösen. Diese reichen von Zittern (Tremor) und plötzlichen Bewegungen von Armen und Beinen (Chorea) bis hin zu anhaltenden Muskelanspannungen mit ungewöhnlichen Körperhaltungen (Dystonie). Auch parkinsonartige Bewegungsstörungen können vorkommen.

Die häufigste Ursache ist eine Therapie mit Antipsychotika (Neuroleptika). Weitere Medikamente, die für die Entstehung für Bewegungsstörungen verantwortlich sein können, sind u. a. bestimmte Mittel gegen Übelkeit (Antiemetika), Reserpin, Lithium, Kalziumantagonisten, Ciclosporin A, Antiepileptika, Antidepressiva, Antihistaminika sowie Medikamente, die für die Behandlung der Parkinson-Krankheit eingesetzt werden (z. B. Levodopa, Dopaminagonisten).

Die vorrangigsten Behandlungsoptionen bei medikamentenbedingten Bewegungsstörungen sind Absetzen des auslösenden Medikaments, Dosisreduktion oder ein Wechsel des Medikaments. In einigen Fällen kann eine zusätzliche medikamentöse Therapie zur Linderung der Beschwerden sinnvoll sein.

Persönlichkeitsveränderungen und Stimmungsextreme

Im Rahmen von Parkinson sind Persönlichkeitsveränderungen und Stimmungsextreme sowohl für Parkinson-Betroffene als auch für Angehörige häufig bedrohlich. Sind die Veränderungen stark ausgeprägt, können sie sogar als emotional belastender wahrgenommen werden als rein körperliche Symptome.

Fallen Ihnen als Betroffene:r oder Angehörige:r eine Wesensveränderung bei Parkinson auf, so ist wichtig, dass Sie den behandelnden Arzt bzw. die Ärztin darüber informieren. Besonders bei psychotischen Veränderungen müssen möglicherweise die Medikamente gewechselt werden. Auch bei anderen Persönlichkeitsveränderungen kann eine Anpassung der Parkinson-Therapie die Stimmungslage verbessern.

Betroffene und Angehörige können bereits zu einem frühen Zeitpunkt offen miteinander besprechen, welche Persönlichkeitsveränderung auf sie zukommen kann. Gemeinsam kann eine Art Notfallplan erarbeitet werden, was zu tun ist, wenn eine manifeste Depression oder eine Psychose auftreten. Auch eine Patientenverfügung für den Fall einer späteren Demenz ist meist sinnvoll.

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