Nervenzellen, auch Neuronen genannt, sind essenziell für unsere Wahrnehmung und unser Handeln. Sie ermöglichen uns Bewegung, Geruch, Geschmack, Gefühl und Denken. Sie warnen uns vor potenziellen Gefahren, indem sie uns beispielsweise signalisieren, wenn Badewasser zu kalt oder zu heiß ist. Die Schmerzwahrnehmung ist für den Organismus überlebenswichtig. Der Schmerz sorgt dafür, dass wir lernen, nicht auf die heiße Herdplatte zu fassen.
Die Rolle der Nervenzellen bei der Schmerzwahrnehmung
Es gibt verschiedene Arten von Nervenzellen, die auf unterschiedliche Aufgaben spezialisiert sind. Nozizeptoren, auch "Schmerzsinneszellen" genannt, fungieren als Frühwarnsystem des Körpers und weisen auf potenziell schädliche Einflüsse hin. Der Name Nozizeptor leitet sich von den lateinischen Wörtern "Nocivus" (schädlich) und "acceptor" (Empfänger) ab. Diese Schmerzsinneszellen liegen als freie Nervenendigungen in Haut, Organen und Muskeln.
Aktivierung der Nozizeptoren
Nozizeptoren werden durch verschiedene Reize aktiviert, die von außen auf den Körper einwirken. Dazu gehören:
- Mechanische Reize: z.B. Stoßen des kleinen Zehs gegen die Bettkante
- Thermische Reize: Hitze, Kälte
- Chemische Reize: Säuren, Gifte
- Elektrische Reize
Auch körpereigene "Schmerzstoffe" (Schmerzmediatoren wie das Gewebshormon Prostaglandin) können diese Nervenzellen anregen.
Weiterleitung der Schmerzsignale
Die Schmerzsignale werden mithilfe bioelektrischer oder chemischer Botenstoffe (Neurotransmitter) über die schnell leitenden, markhaltigen A-delta-Fasern (bis zu 120 m/s) und die langsam leitenden, marklosen C-Fasern (max. 2 m/s) zum Rückenmark transportiert. Das Rückenmark bildet zusammen mit dem Gehirn das Zentralnervensystem (ZNS). Dort werden die Reize verarbeitet und interpretiert.
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Beteiligung verschiedener Hirnareale
An diesem Prozess sind unterschiedliche Hirnareale beteiligt:
- Thalamus: Sammlung und Weiterleitung der Signale
- Limbisches System: Emotionale Bewertung des Schmerzes
- Hypothalamus: Anpassung von Körperreaktionen wie Atmung und Schweißbildung an die Situation
- Hypophyse: Ausschüttung von Stresshormonen
- Großhirnrinde: Bewusste Wahrnehmung und rationale Bewertung des Schmerzes
Neuralgien: Wenn Nerven selbst Schmerzen verursachen
Nerven können nicht nur Schmerzsignale weiterleiten, sondern auch selbst Schmerzen verursachen. In der Medizin spricht man dann von einer Neuralgie, also Nervenschmerzen. Über 5 Millionen Menschen in Deutschland kennen diese plötzlich einschießenden, heftigen Schmerzattacken. Sie können harmlos sein und nach einigen Tagen oder Wochen wieder verschwinden, aber auch bestehen bleiben und chronisch werden.
Arten von Neuralgien
Neuralgien breiten sich im Versorgungsgebiet eines oder mehrerer Nerven aus, weshalb sie häufig auch nach ihrem Ausbreitungsgebiet benannt sind. Beispiele hierfür sind:
- Trigeminusneuralgie: Schmerzen im Gesicht, zumeist auf einer Gesichtshälfte
- Ischialgie: Schmerzen im Versorgungsgebiet des Nervus ischiadicus, oft vom Gesäß über die Oberschenkelrückseite in den Unterschenkel bis zum Fuß ausstrahlend. Treten gleichzeitig auch Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule auf, spricht man von einer Lumboischialgie.
- Post-Zoster-Neuralgie: Anfallsartige brennende, stechende oder auch dumpfe Schmerzen nach einer Gürtelrose
Ursachen von Nervenschmerzen
Die anfallsartigen brennenden, stechend oder auch dumpfen Schmerzen (neuropathische Schmerzen) einer Neuralgie werden durch dauerhafte Reizung oder Schädigung von Nerven ausgelöst. Das unterscheidet sie von den nozizeptiven Schmerzen, die durch akute Reizung der Schmerzsinneszellen (Zeh an Bettkante) entstehen. Nervenschädigungen wiederum haben vielfältige Ursachen:
- Entzündungen
- Viren
- Diabetes mellitus
- Operationen
- Mechanische Einflüsse
Auch wenn die Schädigung des Nervs bereits abgeheilt ist, können weiterhin Schmerzen auftreten, da Nervenzellen lernen und ein (Schmerz-)Gedächtnis bilden können. Die Nerven sind dann derart überempfindlich, dass selbst schwache Schmerzreize oder psychische Reize wie Stress oder starke Emotionen genügen, um starke Schmerzen auszulösen.
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Die Rolle der Psyche bei der Schmerzwahrnehmung
Die Psyche spielt eine besondere Rolle bei der Wahrnehmung von Schmerzen. Das Gehirn verarbeitet und speichert Schmerz besonders effizient, wenn dieser mit negativen Gefühlen (z. B. Angst, Trauer) einhergeht. Starke und insbesondere chronische Schmerzen stellen eine enorme Belastung für die Betroffenen dar, die sogar zu Depressionen führen kann. Die damit verbundenen negativen Emotionen können wiederum zu einem verstärkten Schmerzempfinden führen.
Diagnose von Neuralgien
Viele Neuralgie-Betroffene quälen sich lange, bevor sie eine Diagnose erhalten, da sich Nervenschmerzen sehr unterschiedlich äußern und oft schwer zu erkennen sind. Für die Diagnose und zielgerichtete Behandlung benötigt der Arzt daher ein genaues Bild vom Charakter der Schmerzen:
- Wann treten sie auf?
- Wo treten sie auf?
- Wie lange dauern sie?
- Wie stark sind sie?
Außerdem muss er der Schmerzursache auf den Grund gehen: Wird der Schmerz durch innere Reize (z. B. Entzündung) oder durch äußere Reize (z. B. Hitze, Druck) ausgelöst? Liegt dem Schmerz eine funktionelle Störung, Fehlstellung bzw. -bildung zugrunde oder handelt es sich tatsächlich um Nervenschmerzen?
Schmerzen auf der linken Körperseite: Mögliche Ursachen und Differentialdiagnostik
Schmerzen auf der linken Körperseite können vielfältige Ursachen haben, von harmlosen Muskelverspannungen bis hin zu ernsthaften medizinischen Problemen wie einem Herzinfarkt. Die Symptome können plötzlich auftreten und unterschiedlich intensiv sein. Es ist wichtig, die genaue Ursache durch ärztliche Untersuchung abzuklären, besonders wenn die Schmerzen stark oder anhaltend sind.
Häufige Ursachen für linksseitige Schmerzen
- Wirbelsäule und Muskulatur: Schmerzhafte Verspannungen in der Lenden- oder Brustwirbelsäule können auf die linke Seite ausstrahlen. Häufig sind muskuläre Dysbalancen oder Fehlhaltungen die Auslöser.
- Interkostalneuropathien: Eine Kompression und Reizung der Nerven zwischen den Rippen kann zu Schmerzen, Taubheit, Kribbeln oder Brennen in der Brust oder im Rücken führen.
- Fehlbelastungen: Lang anhaltende Fehlbelastungen können zu Beschwerden führen.
- Unfälle: Stumpfe Traumata, wie das Anstoßen des Brustkorbes, können Prellungen verursachen und Schmerzen auslösen.
- Entzündungen: Entzündungen von Muskeln und Nerven im Bereich des Rippenbogens können ebenfalls Schmerzen verursachen. Differentialdiagnostisch sollte auch an die Bauchspeicheldrüse, Eierstockentzündungen bei Frauen oder eine Divertikulitis gedacht werden.
- Überlastungen: Belastungen über das gewohnte Maß hinaus können zu Schmerzen führen.
- Herz: Schmerzen im linken Brustbereich können auf Herzprobleme hindeuten, aber oft sind auch muskuläre Ursachen oder Nervenreizungen beteiligt. Bei anhaltenden oder akut bedrohlichen Beschwerden sollte umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Eine koronare Herzkrankheit (KHK) kann zu Verengungen der Herzkranzgefäße und im schlimmsten Fall zu einem Herzinfarkt führen.
- Nervenreizungen und -kompressionen: Eine Reizung des Interkostalnervs kann zu anhaltenden Schmerzen führen.
- Stress und Anspannung: Dauerhafter Stress kann zu unbewusster Muskelanspannung im gesamten Körper führen.
- Panikattacken und Angstzustände: Schmerzen in der linken Brustseite werden manchmal fälschlich für Herzbeschwerden gehalten, obwohl sie auf eine psychische Ursache zurückzuführen sind.
- Somatoforme Störungen: Wenn keine körperliche Erklärung gefunden wird, sollten psychosomatische Ursachen in Betracht gezogen werden.
- Bandscheibenvorfall: Ein Bandscheibenvorfall in der Brustwirbelsäule (BWS) kann zu Schmerzen in der linken Körperhälfte führen, die sich bei bestimmten Bewegungen verstärken und in die Arme ausstrahlen können.
- Schlaganfall: Ein Schlaganfall in der rechten Gehirnhälfte kann zu Beeinträchtigungen und Schmerzen in der linken Körperhälfte führen.
- Multiple Sklerose (MS): MS ist eine chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems, die das Gehirn, das Rückenmark und die Nerven betrifft. Auch Schmerzen und Taubheitsgefühle im Bereich der linken Körperseite können auftreten.
- Koronare Herzerkrankung (KHK) und Herzinfarkt: Ein Herzinfarkt und eine KHK könnten linksseitige Schmerzen im Bereich des Brustkorbes verursachen.
- Psychische Ursachen: Stressbedingte Probleme und Überlastungen können auch bei einem gesunden Herzen zu Schmerzen im Brustkorb führen. Auch die Psyche kann eine große Rolle spielen, da die Muskeln des Brustkorbes unter einem gewissen Tonus stehen, der auch vegetativ gesteuert wird.
- Herzneurose: Patienten mit Herzneurose glauben, dass ihr Herz erkrankt ist, obwohl es zahlreiche unauffällige Untersuchungen gegeben hat.
- Taubheitsgefühl zwischen den Rippen: Dies kann durch Reizungen der Nerven zustande kommen, die zwischen den Muskeln der Rippen verlaufen. Eine Muskelverhärtung, die auf einen Nerv drückt, verursacht nicht selten auch ein Taubheitsgefühl oder ein Kribbeln.
- Schonatmung: Viele Patienten mit Schmerzen in der linken Körperseite gehen automatisch in eine Schonatmung, was zu einer Minderbelüftung der Lunge führen kann.
- Myogelosen: Schmerzhafte Muskelverhärtungen, die durch eine Ansammlung von Stoffwechselprodukten in den Muskelfasern verursacht werden, können starke bis stärkste messerstichartige Schmerzen verursachen, die den Symptomen eines Herzinfarktes ähneln können.
- Muskuläre Dysbalancen: Kommt es aus verschiedenen Gründen zu einem Ausfall von Muskeln einer Seite, müssen die intakten Muskeln dieser Seite eine entsprechende Mehrarbeit leisten.
Diagnostische Maßnahmen bei linksseitigen Schmerzen
- Ärztliche Untersuchung: Bei Atemnot, Druck auf der Brust und einem akuten Krankheitsbild muss sofort ein notärztlicher medizinischer Rat eingeholt werden, da man einen Herzinfarkt ausschließen muss. Der Behandler wird den Oberkörper des Patienten untersuchen, und auf die Rippen drücken um zu sehen, ob dies Druckbeschwerden verursacht oder nicht.
- EKG: Ein EKG gehört zur Basisdiagnostik von allen Oberkörperschmerzen.
- MRT: Ein MRT wird immer dann eingesetzt, wenn man vermutet, dass muskuläre Verletzungen oder auch Verletzungen von Sehnen oder Nerven die Beschwerden verursachen.
- Elektromyogramm (EMG): Mit dieser Maßnahme kann man ebenfalls Fehlbelastungen herausfinden.
- Wirbelsäulenvermessungen: Diese werden immer dann durchgeführt, wenn man herausfinden will, ob eine entsprechende Fehlbelastung im Bereich der Wirbelsäule und des Oberkörpers vorhanden ist.
Behandlung von linksseitigen Schmerzen
- Akutmaßnahmen: Akut kann man auch eine entzündungshemmende Behandlung mit Ibuprofen als Gel oder Tablette durchführen, wenn man sich sicher ist, dass es sich nicht um eine Herzproblematik handelt. In erster Linie sollte man sofort den Oberkörper gerade machen, Schulter nach hinten ziehen und ruhig atmen.
- Kühlung: Nach Unfällen oder Prellungen der Rippen der linken Körperseite sollten kühlende Maßnahmen oder auch das Auftragen von entzündungshemmenden Gelen erfolgen.
- Übungen: Bevor man nicht weiß, was die Ursache der Schmerzen der linken Körperseite ist, sollte man auf Übungen komplett verzichten. Eine Übung wäre der Zehengang durch die Wohnung.
- Physiotherapie: Eine Physiotherapie kann bei muskulären Verspannungen und Fehlhaltungen helfen.
Schmerzen auf der rechten Körperseite: Mögliche Ursachen und Differentialdiagnostik
Auch Schmerzen auf der rechten Körperhälfte können vielfältige Ursachen haben.
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Häufige Ursachen für rechtsseitige Schmerzen
- Bandscheibenvorfall: Durch einen Bandscheibenvorfall kann es zur Einklemmung von Nerven kommen, welche starke Schmerzen im Rücken und unter Umständen mit Ausstrahlung in die Beine verursachen.
- Schlaganfall: Bei einem Schlaganfall kommt es zu einer Minderversorgung des Gehirns mit Blut und somit Sauerstoff.
- Multiple Sklerose (MS): Dies ist eine neurologische Erkrankung, bei der es das eigene Immunsystem die nervenumgebende Wand angreift (Nervenentzündung) und beschädigt.
Begleitende Symptome bei rechtsseitigen Schmerzen
Neben Schmerzen der rechten Körperhälfte können auch weitere begleitende Symptome auftreten, die helfen können die vorliegende Diagnose einzuschränken:
- Lähmungen oder Muskelschwächen: Diese können für eine Schädigung des Rückenmarks oder des Gehirns sprechen.
- Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühle: Diese könnten auf Rückenmarksschädigungen oder Einklemmungen von Nerven zurückzuführen sein.
- Verspannungen und Verkrampfungen der Muskulatur
- Verdauungsbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen oder Fieber: Hier liegt die Ursache meist bei inneren Organen wie z.B. Blinddarmentzündungen, Magen-/Darminfekte oder Gallenblasen-/Leberentzündungen.
Diagnostische Maßnahmen bei rechtsseitigen Schmerzen
- Ultraschall: Mit Hilfe eines Ultraschalls kann häufig die Ursache für Schmerzen der rechten Körperhälfte deutlich eingeschlossen werden.
- Röntgenbild: Bei einem Röntgenbild des Brustkorbes können Frakturen der Rippen oder anderer Knochen ausgeschlossen werden. Außerdem kann die Lunge und umgebende Strukturen beurteilt werden und somit eine Lungenentzündung oder ein Pneumothorax ausgeschlossen werden.
- MRT: Kann durch ein ausführliches Patientengespräch, eine körperliche Untersuchung und durch einfachere bildgebende Maßnahmen wie Ultraschall oder Röntgen die Ursache für Schmerzen der rechten Körperseite nicht gefunden werden, kann der behandelnde Orthopäde ein MRT vorschlagen.
Behandlung von rechtsseitigen Schmerzen
- Schmerztherapie: Eine der häufigsten Ursachen für vor allem Rückenschmerzen und ausstrahlende Schmerzen und Empfindungsstörungen in den Beinen ist ein Bandscheibenvorfall. Dieser wird zunächst mit adäquater Schmerztherapie vor allem durch Medikamente und Trainingstherapie oder Osteopathie behandelt.
- Operation: Können die Schmerzen durch konservative Maßnahmen nicht behoben werden oder verschlimmern sich diese, kann auch eine Operation des Bandscheibenvorfalls in Erwägung gezogen werden.
- Osteopathie: Die Behandlung mit der Osteopathie eignet sich gerade dann, wenn eine OP bei einem Bandscheibenvorfall nicht nötig ist oder wenn die Schmerzen muskulär bedingt sind.
- Triggerpunkttherapie: Bei der Triggerpunkttherapie besteht das Ziel durch die Reizung bestimmter myofaszialer Punkte Muskelverhärtungen und Muskelverspannungen zu beseitigen.
- Kinesiotape: Auch bei Schmerzen der rechten Körperseite sollte die Nutzung von Kinesiotapes in Erwägung gezogen werden.
- Muskulärer Dysbalancen-Check: Mit Hilfe eines Muskulären Dysbalancen-Check kann frühzeitig das Ungleichgewicht identifiziert werden und somit auch eingegriffen werden um Beschwerden im höheren Lebensalter zu verhindern.
- Elektromyographie (EMG): Die Untersuchung mittels eines EMG kann helfen, Erkrankungen der Muskulatur oder dessen Nerven aufzuzeigen.
- Schwimmen: Da vor allem Rückenschmerzen häufig durch einen Mangel an Bewegung und daraus folgender Verspannung der Muskulatur entstehen, ist es wichtig regelmäßig Übungen zu machen um Schmerzen vorzubeugen. Als sehr gelenkschonende, jedoch effektives Training für den Rücken, hat sich regelmäßiges Schwimmen bewährt.
Polyneuropathie: Schädigung mehrerer Nerven
Ein Gefühl, als würden Ameisen über die Beine laufen, Schmerzen oder fehlendes Temperaturempfinden in Händen oder Füßen - diese Symptome können Anzeichen für eine Polyneuropathie sein. Der Zusatz „Poly“ drückt aus, dass nicht nur ein einzelner Nerv, sondern mehrere Nerven oder ganze Nervenstrukturen geschädigt sind. Dadurch werden bei Betroffenen Reize zwischen Nerven, Rückenmark und Gehirn nicht mehr richtig weitergeleitet. Diese Funktionsstörung löst die typischen Beschwerden wie Schmerzen, Missempfindungen, Gefühlsstörungen oder Muskelschwäche aus.
Symptome einer Polyneuropathie
Eine Polyneuropathie kann mit unterschiedlichen Symptomen einhergehen, je nachdem, welche Nerven von der Erkrankung betroffen sind. Mediziner unterscheiden sensible, motorische und vegetative Polyneuropathien.
- Sensible Polyneuropathie: Empfindungsstörungen wie Ameisenlaufen, Brennen, Jucken, Taubheitsgefühle oder Kribbeln, vermindertes Temperatur- oder Schmerzempfinden.
- Motorische Polyneuropathie: Muskelschwäche, Muskelschmerzen, Muskelzucken oder Muskelkrämpfe.
- Vegetative Polyneuropathie: Schwindel, Blasenschwäche, Durchfall oder verstärktem Schwitzen.
Die Nervenschädigung kann sich an einer oder beiden Körperhälften bemerkbar machen. Betroffene berichten neben körperlichen Symptomen auch von weiteren Beschwerden - Erschöpfungszustände sind bei einer Polyneuropathie ebenfalls möglich. Oft leiden Betroffene unter brennenden, schneidenden oder stechenden Schmerzen.
Ursachen einer Polyneuropathie
Polyneuropathie kann erblich bedingt oder im Laufe des Lebens erworben sein, was häufiger der Fall ist. Schädigungen an den peripheren Nerven können etwa durch Entzündungsprozesse im Körper als Folge einer Autoimmunerkrankung oder einer Infektion mit bestimmten Viren beziehungsweise Bakterien auftreten.
Weitere Polyneuropathie-Ursachen:
- Erkrankungen der Leber
- Mangelernährung
- Vitaminmangel
- Autoimmunerkrankungen
- Einnahme bestimmter Medikamente
- Kontakt mit giftigen Substanzen
- HIV-Infektionen
- Erkrankungen, die auf Infektionen beruhen: Borreliose oder Syphilis
- Krebserkrankungen
- hormonelles Ungleichgewicht
- erbliche Veranlagung
Diagnose einer Polyneuropathie
Um festzustellen, ob tatsächlich eine Polyneuropathie vorliegt, findet zuerst ein Gespräch statt. Dabei erkundigt sich der Mediziner nach der Krankengeschichte und nach den vorliegenden Beschwerden. Auch eine körperliche Untersuchung ist wichtig. Dabei prüft der Mediziner, ob Muskeln gelähmt oder geschwächt sind. Einschränkungen beim Reizempfinden oder eine Beeinträchtigung der Reflexe können bei der körperlichen Untersuchung ebenfalls auffallen.
Um den Ursachen auf den Grund zu gehen und um herauszufinden, welche Nerven wie stark geschädigt sind, gibt es zahlreiche Untersuchungsmethoden:
- Elektroneurographie: Misst die elektrischen Impulse der Nerven.
- Elektromyographie: Macht deutlich, ob und wie stark die Muskeln auf die Nervensignale ansprechen.
- Untersuchungen von Urin, Gehirnwasser, Blut oder Gewebeproben sowie genetische Tests und bildgebende Verfahren: Diese Methoden sind sinnvoll, wenn etwa Diabetes und Alkoholkrankheit als Ursache unwahrscheinlich sind und das Beschwerdebild sowie elektrophysiologische Untersuchungsbefunde weiteren Abklärungsbedarf ergeben.
Behandlung einer Polyneuropathie
Bei einer Polyneuropathie gibt es verschiedene Behandlungsansätze:
- Auslöser vermeiden und behandeln: Um weitere Schäden zu verhindern und um die Beschwerden zu lindern, wird die zugrunde liegende Ursache beseitigt oder behandelt.
- Schmerzen lindern: Eine begleitende Schmerztherapie verschafft Betroffenen Linderung. Zum Einsatz kommen Antidepressiva und bestimmte Medikamente, die ursprünglich für Epilepsien entwickelt wurden (Antikonvulsiva).
- Begleitende Therapien: Je nach vorliegender Nervenschädigung können weitere Behandlungsansätze hilfreich sein, etwa Physio- oder Ergotherapie.
Tipps für die Vorsorge und mehr Lebensqualität bei Polyneuropathie
- Blutzucker kontrollieren: Menschen mit Diabetes kontrollieren am besten regelmäßig ihren Blutzucker und nehmen ärztlich verordnete Medikamente ein.
- Füße kontrollieren: Eine Polyneuropathie an Beinen oder Füßen erhöht das Risiko für Fußgeschwüre - eine regelmäßige Kontrolle auf Wunden ist also wichtig.
- Bewegen: Menschen mit Polyneuropathie können bei Schmerzen und Missempfindungen von verschiedenen Angeboten wie Aquagymnastik oder Gehtraining profitieren.
Neuralgische Amyotrophie: Entzündung eines Nervengeflechts
Bei einer neuralgischen Amyotrophie ist ein bestimmtes Nervengeflecht in der Nähe des Schlüsselbeins entzündet. Die Entzündung verursacht reißende Schmerzen und Lähmungen im Arm und in der Schulter.
Symptome einer neuralgischen Amyotrophie
- Heftige Schmerzen in der Schulter oder im Arm, die sich bis zur Hand ausbreiten.
- Die Schmerzen treten plötzlich abends oder nachts auf.
- Zusätzlich kann es zu Muskelschwäche und Lähmungen einzelner Muskelpartien kommen.
Ursachen einer neuralgischen Amyotrophie
Es gibt zwei Formen der neuralgischen Amyotrophie: die erbliche (hereditäre) und die mit unbekannter Ursache (idiopathisch). Bei den meisten Menschen mit neuralgischer Amyotrophie ist die Ursache unklar. Bekannt ist nur, dass die Störung von einer Entzündung des Plexus brachialis - einem Nervengeflecht am Schlüsselbein - begleitet wird.
Diagnose einer neuralgischen Amyotrophie
Nach einer ausführlichen Befragung durch die Ärztin oder den Arzt schließt sich eine körperliche und neurologische Untersuchung an. Hilfreich sind außerdem eine Elektroneurographie und eine Elektromyographie, um eine neuralgische Amyotrophie zu erkennen.
Behandlung einer neuralgischen Amyotrophie
Da die Ursache der Erkrankung nicht bekannt ist, können Ärztinnen und Ärzte bislang nur die Symptome behandeln. Um die Schmerzen und Lähmungen zu lindern, lassen sich verschiedene Schmerzmittel und entzündungshemmend wirkende Medikamente wie Kortikosteroide einsetzen. Kortikosteroide verkürzen die Heilungsdauer und vermindern das Risiko neuer Schmerzattacken.
Fibromyalgie-Syndrom: Chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen
Chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen, oft Rücken, Armen und Beinen, sind häufig. Die Diagnose „Fibromyalgie-Syndrom“ (FMS) wird aber erst gestellt, wenn neben den ausgedehnten Schmerzen der rechten und linken Körperseite sowie des Ober- und Unterkörpers weitere Symptome hinzukommen. Dies sind ein Steifigkeits- oder Schwellungsgefühl der Hände, der Füße oder im Gesicht, Müdigkeit, Erschöpfung, Konzentrations- und Schlafstörungen.
Ursachen des Fibromyalgie-Syndroms
Die Ursache des Fibromyalgie-Syndroms ist nach wie vor ungeklärt. Man weiß nur so viel: Es handelt sich nicht um eine entzündlich-rheumatische Erkrankung. Und: Auch wenn die Schmerzen in den Muskeln empfunden werden, ist das Fibromyalgie-Syndrom keine Erkrankung der Muskeln und Gelenke. Als Ursache wird heute unter anderem eine funktionelle Störung der Schmerzverarbeitung im Gehirn diskutiert.
Behandlungsmöglichkeiten beim Fibromyalgie-Syndrom
In der Behandlung des Fibromyalgie-Syndroms haben sich vor allem ein individuell angepasstes Ausdauertraining und eine begleitende Psychotherapie als wirksam erwiesen. Medikamente werden nur unterstützend für eine begrenzte Zeit eingesetzt.
Flankenschmerzen: Schmerzen im seitlichen Bauchbereich
Bei Flankenschmerzen handelt es sich um Schmerzen, die im Bereich der seitlichen Bauchregion auftreten und auch in den Unterbauch ausstrahlen können.
Ursachen für Flankenschmerzen
Flankenschmerzen haben verschiedene Ursachen:
- Harnsteine (Nierensteine, Harnleitersteine) mit resultierender Harnstauungsniere
- aufsteigende Harnwegsentzündungen mit Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)
- Verengungen des Harnleiterabgangs aus der Niere (Ureterabgangsstenose)
- Wirbelsäulenerkrankungen
Auch die Lokalisation der Schmerzen gibt erste Hinweise auf mögliche Ursachen:
- Flankenschmerzen links: Einseitige Schmerzen links können auf Erkrankungen der linken Niere, Nebenniere, Milz und Teile des Darms hindeuten.
- Flankenschmerz rechts: Mögliche Ursachen für die Schmerzen können eine Erkrankung der rechten Niere, der Harnwege, Leber, Gallenblase oder auch der Bauchspeicheldrüse sein.
- Flankenschmerzen beidseitig: Wenn beide Nieren von einer Grunderkrankung betroffen sind, kann sich dies in beidseitigen Flankenschmerzen äußern. Es kann aber auch ein Hinweis auf eine Muskelverspannung im unteren Rückenbereich sein.
Symptome bei Flankenschmerzen
Die Symptome bei Flankenschmerzen können variieren. Folgende begleitende Symptome sind möglich:
- Übelkeit und/oder Erbrechen
- Ausstrahlung in den Unterbauch
- Fieber und/oder Schüttelfrost
- verstärkter Bewegungsdrang bei Nierenkolik
- Bewegungseinschränkungen bei Erkrankungen der Wirbelsäule oder Rückenmuskulatur
Behandlung von Flankenschmerzen
Die Behandlung erfolgt immer in Abhängigkeit von der Ursache. Bei einer Nierenbeckenentzündung erhalten die Patientinnen und Patienten in der Regel ein Antibiotikum im Rahmen der Therapie. Eine hohe Trinkmenge und körperliche Schonung sind empfehlenswert. Harnsteine können je nach Größe und Lage spontan über den Urin ausgeschieden werden. Sind die Steine zu groß, werden sie mit der passenden OP-Methode zerkleinert und entfernt. Bei Rücken- und/oder Wirbelsäulenbeschwerden wird häufig eine Physiotherapie und begleitende Schmerztherapie verordnet.
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