Nervenstimulation bei Erwachsenen: Erkenntnisse aus der Babyforschung

Das menschliche Gehirn ist ein faszinierendes Organ, das ständig umgebaut wird und dessen Funktionsweise eng mit Lernprozessen und Emotionen verbunden ist. Die Forschung an Babys und Kindern liefert wichtige Erkenntnisse darüber, wie das Gehirn funktioniert und wie Nerven stimuliert werden können, um die Entwicklung und das Wohlbefinden zu fördern.

Das menschliche Gehirn: Ein komplexes Netzwerk

Das Gehirn eines Erwachsenen besteht aus etwa 100 Milliarden Nervenzellen, die über Synapsen miteinander verbunden sind. Diese Verbindungen ermöglichen die Weiterleitung von Informationen und die Verarbeitung von Reizen. Das Gehirn ist in zwei Hälften unterteilt, die linke und die rechte Gehirnhälfte, die durch einen Balken miteinander verbunden sind. Vereinfacht gesagt ist die linke Gehirnhälfte die analytische, die rechte Gehirnhälfte die kreative. Beim Lernen werden Sinneszellen angeregt, die wiederum die Synapsen aktivieren. Je mehr Synapsen und Nervenzellen bei diesem Prozess beteiligt sind, desto nachhaltiger wird das Wissen verankert.

Die Bedeutung von Interesse, Beziehung und Selbstbestimmung beim Lernen

Die moderne Hirnforschung hat drei Voraussetzungen identifiziert, die das Lernen erleichtern: Interesse, Beziehung und Selbstbestimmung.

  • Interesse: Wenn sich Kinder für etwas interessieren, lernen sie schnell und behalten das Wissen langfristig. Dies liegt daran, dass im Gehirn Botenstoffe ausgeschüttet werden, die die Stabilisierung neuer Netzwerke fördern. Die Montessoripädagogik unterstützt die Eigeninitiative der Kinder, indem sie nach ihren Interessen und im eigenen Tempo lernen dürfen.
  • Beziehung: Eine positive Beziehung zu Pädagogen oder Bezugspersonen führt dazu, dass angenehme Emotionen das Lernen begleiten und ebenfalls Botenstoffe ausgeschüttet werden.
  • Selbstbestimmung: Eigeninitiative ist eine wichtige Kraft. Kinder lernen am besten, wenn sie eine Sache von der ersten Idee bis zur Verwirklichung selbstständig realisieren können.

Die Kindheit: Eine prägende Lebensphase

Die Kindheit ist eine Zeit des Lernens, des Ausprobierens und der Entwicklung von Fähigkeiten. Kinder lernen über das Ausprobieren und Tun und müssen manche Dinge oft erleben, um Routinen zu entwickeln und Abläufe zu verinnerlichen. Sie entwickeln grundlegende Fähigkeiten, Selbstbild und Weltverständnis. Neugier, Entdeckungsdrang und die Freude am Spiel sind essenzielle Elemente für eine gesunde Entwicklung.

Das Spiel als Arbeit des Kindes

Das Spiel ist für Kinder von großer Bedeutung. Im Spiel erkunden sie ihre Umwelt, schlüpfen in fremde Rollen und üben, die Perspektive anderer einzunehmen. Das Spiel ist auch mit seinen Ritualen, den Regeln und Wiederholungen wichtig, weswegen Kinder oft nicht genug davon bekommen können. Das Ritual bietet ihnen einen Rahmen, um Neues zu erproben und gibt gleichzeitig Sicherheit.

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Das Zeitgefühl von Kindern

Der Zeitbegriff ist bei Kindern eher unklar. Kleine Kinder sind noch sehr im Moment verhaftet und können schwer einschätzen, wie lange eine Stunde ist. Routinen sind daher wichtig, um ihnen Sicherheit zu geben. Grundschulkinder beginnen sich für Uhrzeiten und Kalender zu interessieren, ein abstraktes Zeitverständnis entwickelt sich aber erst bis zum Jugendalter.

Die körperliche und geistige Entwicklung von Kindern

Kinder haben einen höheren Stoffwechsel als Erwachsene und erholen sich oft in kurzer Zeit. Ihr Energielevel hängt aber auch stark von der Motivation ab. Auch das Gehirn braucht im Kindesalter unglaublich viel Nahrung, da ständig neue Nervenverknüpfungen gebildet werden. In den ersten zwei Jahren lernen Kinder, sich zu drehen, zu sitzen, zu gehen und Treppen zu steigen. Im Kita-Alter üben sie, das Essbesteck zu benutzen, einen Stift zu halten und Knöpfe zu schließen. Am Ende des zweiten Lebensjahrs entwickeln Kinder ein neues Verständnis von sich selbst und ihrem Verhalten und entwickeln Emotionen wie Stolz, Scham oder Schuldgefühle.

Einflussfaktoren auf die Entwicklung

Die Entwicklung eines Kindes wird von vielen Faktoren geprägt, darunter genetische Veranlagungen, neurologische Prozesse und Umwelteinflüsse. Nicht alle Kinder durchlaufen Entwicklungsschritte im gleichen Tempo oder auf die gleiche Weise. Eine verlässliche und feinfühlige Bezugsperson unterstützt Kinder dabei, ein stabiles Urvertrauen in ihre Umwelt zu entwickeln.

Die Rolle der Eltern bei der Vorbereitung auf das Leben

Eltern spielen eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung ihrer Kinder auf das Leben. Eine liebevoll-zugewandte Erziehung ist wichtig, bei der Eltern emotional warm und zugänglich sind. Gleichzeitig sollten sie Strukturen setzen, diese möglichst einhalten und ans Alter der Kinder anpassen. Lob und Kritik sollten sich die Waage halten. Eltern sollten sich bewusstmachen, dass niemand perfekt ist und es normal ist, mal ungeduldig zu sein.

Die Bedeutung von Selbstständigkeit und Medienkompetenz

Ein gesundes Maß an Selbstständigkeit, kombiniert mit klaren, altersgerechten Regeln für den Medienkonsum, kann Kindern helfen. Eltern sollten eine ausgewogene Herangehensweise finden und Kinder nicht überfordern. Anregungen für das Kind schaffen, wie zum Beispiel die Montessori-Pädagogik es vormacht: die Umgebung so gestalten, dass die Kleinen sie explorieren können, und so Impulse für altersgemäße Lernprozesse zu geben.

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Der Umgang mit Gefühlen

Kinder brauchen Hilfe von außen, um ihr Verhalten, ihre Emotionen und ihren Erregungszustand zu regulieren. Selbstregulation heißt, das eigene Erregungsniveau auf einen angenehmen Zustand zu bringen. Bei Trotzverhalten oder Wutanfällen sind Rückzugsmöglichkeiten wichtig. Kinder dürfen auch mal laut sein und ihre Wut zeigen.

Nervenstimulation als Therapieansatz

Die Forschung an Babys und Kindern hat gezeigt, dass Nervenstimulation ein vielversprechender Therapieansatz sein kann. So können beispielsweise gezielte Reize die Steuerungsfähigkeit des Gehirns für Bewegung und Haltung beeinflussen. Die Vojta-Therapie regt durch ihre Reizsetzung das Gehirn selbst an, „angeborene gespeicherte Bewegungsmuster“ selbst zu aktivieren. Bei der Bobath-Therapie wird mit gesetzten Bewegungsanreizen das motorische Lernen spielerisch angeregt.

Vagusnerv-Stimulation

Eine weitere Form der Nervenstimulation ist die Vagusnerv-Stimulation. Der Vagusnerv spielt eine zentrale Rolle bei der Kommunikation zwischen Gehirn und Körper und kann mit einer elektrischen Stimulation am Ohr gezielt angeregt werden. Studien haben gezeigt, dass die Vagusnerv-Stimulation die Aktivität des Magens beeinflussen und möglicherweise bei der Behandlung von Depressionen und Essstörungen helfen kann.

Entwicklungstrauma und seine Auswirkungen

Viele Menschen leiden unter den Folgen eines Entwicklungstrauma, ohne es zu wissen. Entwicklungstrauma kann entstehen, wenn Menschen nicht genügend Bindung bekommen, sie sich zu wenig gesehen fühlen, sie schreien gelassen werden oder es Bindungsunterbrechungen gibt. Dies kann zu Problemen wie Schlaflosigkeit, Burnout und Schwierigkeiten in Beziehungen führen.

Die Bedeutung von Bindung und Zuwendung

Babys können keinen inneren Zustand selbst regulieren und sind auf die Regulierung durch ihre Bezugspersonen angewiesen. Wenn Kinder nicht gefühlt, nicht gesehen werden oder die Mütter sich hilflos fühlen, überträgt sich der Stress der Mutter auf das Kind. Dies hat gravierende Auswirkungen auf das Nervensystem.

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Psychische Erkrankungen und ihre Ursachen

Seelische Störungen wie Depression oder Schizophrenie gelten als Fehlregulierungen des Gehirns. Die Schaltkreise des Hirns funktionieren anders als sie sollten. Generell geht man bei seelischen Störungen von einer Wechselwirkung von psychosozialen und biologischen Faktoren aus. Studien zeigen, dass depressive Störungen familiär gehäuft auftreten.

Die Rolle von Genen und Erleben

Die Wahrscheinlichkeit einer affektiven Störung ist genetisch bedingt. Dass die Erkrankung dann tatsächlich auftritt, löst dann aber in der Regel ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren aus. Das können zum Beispiel hormonelle Umstellungen im Wochenbett oder psychosoziale Faktoren wie Verluste, Trennungen oder berufliche Enttäuschungen sein.

Die Auswirkungen von Belastungen in der Kindheit

Belastende Erfahrungen in der frühen Kindheit, wie beispielsweise eine gestörte Eltern-Kind-Bindung, gelten als Hauptrisikofaktoren für die Entwicklung von psychischen Erkrankungen im Erwachsenenalter. Frühkindliche Stresserfahrungen können die Funktion von bestimmten Gehirnzellen langanhaltend beeinträchtigen.

Die Behandlung psychischer Erkrankungen

Psychopharmaka wirken auf die Funktionen des Gehirns ein, indem sie Einfluss auf die chemische Signalübertragung am synaptischen Spalt nehmen. Auch Psychotherapie kann das Gehirn verändern und neue positive Beziehungserfahrungen ermöglichen.

Die Hirnentwicklung im Kindesalter

In den letzten Jahren hat die Hirnforschung große Fortschritte gemacht und eine Unmenge neuer Erkenntnisse über das Gehirn, seine Struktur und die in ihm ablaufenden Prozesse gesammelt. Diese Forschungsergebnisse sind auch für Erzieher/innen von großer Bedeutung, da sie ihnen helfen, Lern- und Bildungsprozesse besser zu verstehen und effektiver zu gestalten.

Die Struktur des Gehirns

Das Gehirn besteht aus dem Großhirn, dem Kleinhirn, dem Zwischenhirn und dem Hirnstamm. Das Großhirn ist für höhere kognitive Funktionen wie Denken, Sprache und Gedächtnis zuständig. Das Kleinhirn steuert unbewusst die Muskulatur und hält den Körper im Gleichgewicht. Das Zwischenhirn umfasst den Thalamus und den Hypothalamus, die wichtige Steuerzentren für Sinneswahrnehmung und vegetative Funktionen sind. Der Hirnstamm steuert grundlegende und überlebenswichtige Funktionen wie Herzfrequenz, Atmung und Blutkreislauf.

Die Entwicklung des Gehirns im Mutterleib

Schon im Mutterleib nimmt das Gehirn Informationen auf und verarbeitet diese. Beispielsweise reagiert der Fötus ab der 19. Woche auf Schmerz. Der Fötus kann ab der 26. Woche hören, ab der 29. Woche schmecken und ab der 32. Woche sehen.

Die Entwicklung des Gehirns nach der Geburt

Bei der Geburt enthält das Gehirn eines Säuglings rund 100 Milliarden Neuronen, die gleiche Anzahl wie beim Erwachsenen. Die Nervenzellen des Neugeborenen sind aber noch nicht voll ausgebildet und wenig vernetzt. In den ersten drei Lebensjahren nimmt die Zahl der Synapsen rasant zu. Das Gehirn eines Dreijährigen ist mehr als doppelt so aktiv wie das eines Erwachsenen und hat somit auch einen fast doppelt so hohen Glukoseverbrauch.

Die Plastizität des Gehirns

Die Ausbildung von doppelt so vielen Synapsen wie letztlich benötigt ist ein Zeichen für die große Plastizität des Gehirns - und die enorme Lern- und Anpassungsfähigkeit des Säuglings bzw. Kleinkinds. Das Neugeborene fängt geistig praktisch bei null an und ist weitgehend auf Wahrnehmung und Reaktion beschränkt.

Die Bedeutung von Erfahrungen und Lernprozessen

Lernen in der Kindheit und Jugend unterscheidet sich vom Lernen bei Erwachsenen darin, dass Erfahrungen und Lernprozesse dazu genutzt werden, die noch unreifen funktionellen Schaltkreise des Gehirns, insbesondere des limbischen „Belohnungs-“Systems zu optimieren. Defizitäre Elternhäuser und mangelhafte Schulsysteme wirken sich zwangsläufig auch auf die Hirnentwicklung aus, sie verhindern die Optimierung des Gehirns und können langfristig nahezu irreversible funktionelle Defizite im heranwachsenden Gehirn hinterlassen.

Sensible Phasen der Hirnentwicklung

Es gibt nachgeburtliche Zeitfenster der Hirnentwicklung und der Verhaltensentwicklung, die „sensiblen“ oder „kritischen“ Phasen. Bei der Gehirnentwicklung liegen diese sensiblen Phasen je nach Gehirnregion in der vorschulischen und frühen schulischen Lebenszeit.

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