Die Harnblase ist ein bemerkenswertes Organ des menschlichen Körpers. Sie ist nicht nur dehnbar, sondern spielt auch eine entscheidende Rolle bei der Speicherung und Ausscheidung von Urin. Dieser Artikel beleuchtet die Anatomie der Blase, ihre Funktion und die verschiedenen Erkrankungen, die sie betreffen können.
Einführung in die Harnblase
Die Blase, oder Vesica urinaria, ist ein muskulöses Hohlorgan im vorderen Beckenbereich, das Teil des Harnsystems ist. Ihre Hauptaufgabe ist das Sammeln und Speichern von Urin, der von den Nieren produziert wird, bis er über die Harnröhre ausgeschieden werden kann. Die Blase befindet sich hinter dem Schambein und vor dem Mastdarm (beim Mann) bzw. der Gebärmutter (bei der Frau).
Anatomie der Harnblase im Detail
Die Harnblase ist ein komplex aufgebautes Organ, das sich in verschiedene Abschnitte unterteilen lässt:
- Lage und Verbindungen: Die Blase liegt im vorderen Beckenbereich, oberhalb der Nieren. Die Nieren sind über die Harnleiter mit der Blase verbunden, zwei dünne Schläuche, die den Urin transportieren. Nach unten führt die Harnröhre von der Blase zum Scheidenausgang bei der Frau bzw. zum Penis beim Mann. Die Blase befindet sich etwa auf Höhe des Schambeins und kann sich, wenn sie sich füllt, weiter nach oben ausdehnen.
- Aufbau: Die Blase besteht aus drei Hauptabschnitten: dem Blasenscheitel (Apex), dem Blasenkörper (Corpus) und dem Blasengrund (Fundus). Im gefüllten Zustand kann der Blasenscheitel durch die Bauchdecke ertastet werden.
- Innenrelief: Das Innere der Harnblase wird in das Trigonum vesicae, die Seitenwände, die Hinterwand und die Vorderwand eingeteilt. Das Trigonum vesicae wird von den Uretermündungen (Ostium ureteris rechts und links) und der inneren Harnröhrenöffnung (Ostium urethrae int.) begrenzt. Zwischen den Ostien der Harnleiter befindet sich die Ureterenleiste (Plica interureterica).
- Fassungsvermögen: Je nach Größe hat die Blase ein durchschnittliches Fassungsvermögen von bis zu 500 Millilitern. Das maximale Fassungsvermögen kann jedoch bis zu 900 bis 1500 Milliliter betragen.
- Wandstruktur: Die Blasenwand besteht aus drei Schichten glatter Muskulatur, die sich bei der Entleerung unwillkürlich zusammenzieht. Im Inneren ist die Harnblase mit einer Schleimhaut (Urothel) ausgekleidet.
Spezielle anatomische Strukturen
- Ureterovesikaler Übergang: Die Harnleiter treten schräg durch die Harnblasenwand, wodurch ein ventilartiger Verschluss entsteht, der einen Rückfluss des Urins in Richtung der Nieren verhindert.
- Trigonum vesicae: Dieses dreieckige Gebiet an der Basis der Blase ist besonders empfindlich und spielt eine wichtige Rolle bei der Auslösung des Harndrangs.
- Waldeyer-Scheide: Eine äußere Schicht glatter Muskulatur, die sich um den Ureter lagert und das tiefe Trigonum vesicae bildet.
- M. detrusor vesicae: Der Blasenmuskel, der für die Kontraktion der Blase während der Miktion verantwortlich ist.
- Schließmuskeln: Im Bereich der Harnröhrenmündung gibt es zwei Schließmuskeln (Sphinkter), die verhindern, dass der Harn aus der Harnblase austritt. Der innere Schließmuskel öffnet sich reflektorisch, während der äußere Schließmuskel willkürlich gesteuert werden kann.
Funktion der Harnblase
Die Harnblase hat zwei Hauptfunktionen:
- Urinspeicherung: Die Blase dient als Zwischenspeicher für den Urin, der kontinuierlich von den Nieren produziert wird. Durch ihre Dehnbarkeit kann sie größere Mengen Urin aufnehmen, ohne dass der Druck im Inneren stark ansteigt.
- Urinentleerung (Miktion): Bei ausreichender Füllmenge wird der Harndrang ausgelöst. Durch die Kontraktion des Blasenmuskels und die Entspannung der Schließmuskeln kann der Urin kontrolliert ausgeschieden werden.
Der Prozess der Miktion
- Füllung der Blase: Nervenzellen in der Blasenwand erfassen den Füllstand der Blase und leiten diese Informationen an das Rückenmark und das Gehirn weiter.
- Harndrang: Ab einer Füllmenge von etwa 200 bis 500 Millilitern verspürt man den dringenden Wunsch zur Entleerung der Harnblase.
- Willkürliche Steuerung: Über den äußeren Schließmuskel lässt sich der Urinabfluss der Blase willkürlich steuern. Wir können also aktiv entscheiden, wann wir die Blase entleeren möchten, indem wir diesen Muskel bewusst anspannen oder entspannen.
- Entleerung: Zum Entleeren der Blase entspannen sich die Schließmuskeln und die Harnröhre dehnt sich aus, sodass der Urin durch die Harnröhre abfließen kann.
Erkrankungen der Harnblase
Es gibt verschiedene Erkrankungen, die die Harnblase betreffen können. Einige der häufigsten sind:
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- Blasenschwäche (Harninkontinenz): Betroffene haben das Problem, dass sie unkontrolliert Harn verlieren, da sie die Harnabgabe nicht oder nicht ausreichend kontrollieren können. Es gibt verschiedene Formen der Inkontinenz, wie z.B. die Belastungsinkontinenz, die Dranginkontinenz und die Überlaufinkontinenz.
- Blasenentzündung (Zystitis): Dabei ist die Schleimhaut der Blase entzündet. Ursache dafür ist meist eine Infektion mit Bakterien, welche über die Harnröhre in die Blase gelangen.
- Reizblase: Diese Form der Blasenfunktionsstörung betrifft etwa 10 bis 20 Prozent aller Menschen im Laufe des Lebens. Für die Reizblase gibt es keine organische Ursache, die Auslöser sind nicht vollständig geklärt.
- Blasensteine: Hierbei kristallisieren Stoffe aus dem Harn aus und bilden feste Bestandteile. Diese können zu Schmerzen und Beschwerden führen, insbesondere wenn sie die Harnröhre verlegen.
- Blasenkrebs (Harnblasenkarzinom): Eine bösartige Erkrankung der Harnblase, die vor allem bei älteren Menschen auftritt.
- Harnverhalt: Kann die gefüllte Harnblase nicht auf natürlichem Wege entleert werden, spricht man von einem Harnverhalt. Dieser Zustand ist ein medizinischer Notfall und kann zu Nierenschäden führen.
- Harnblasenfisteln oder sackartige Ausstülpungen an der Blasenwand (Harnblasendivertikel)
Faktoren, die die Häufigkeit des Wasserlassens beeinflussen
Verschiedene Faktoren beeinflussen, wie häufig jemand zur Toilette muss. Dazu gehören:
- Flüssigkeitsaufnahme: Wenn man etwa 2 Liter am Tag trinkt, sind 5 bis 7 Toilettengänge am Tag und 1 zusätzlicher Toilettengang in der Nacht vollkommen normal.
- Individuelle Unterschiede: Mann und Frau haben jeweils unterschiedliche Blasenvolumen. Bei Frauen ist es kleiner, weil die Gebärmutter ebenfalls Platz im Bauchraum beansprucht. Darüber hinaus hat jeder Mensch aber auch ein individuell unterschiedliches Fassungsvermögen.
- Alter: Im Alter kann sich die Nierenleistung reduzieren, der Rhythmus der Urinproduktion verändern und das Fassungsvermögen der Harnblase abnehmen.
- Medikamente: Einige Medikamente können die Häufigkeit des Wasserlassens beeinflussen.
- Erkrankungen: Bestimmte Erkrankungen, wie z.B. Diabetes mellitus, können zu häufigerem Wasserlassen führen.
Diagnostik und Behandlung von Blasenerkrankungen
Die Diagnose von Blasenerkrankungen umfasst in der Regel eine körperliche Untersuchung, eine Urinanalyse und bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Zystoskopie. Die Behandlung hängt von der Art der Erkrankung ab und kann Medikamente, Physiotherapie oder eine Operation umfassen.
Die Rolle des Nervensystems bei der Blasenfunktion
Das zentrale Nervensystem spielt eine entscheidende Rolle bei der Steuerung der Blasenfunktion. Die Blase wird von verschiedenen Bereichen des autonomen Nervensystems gesteuert. Vom Parasympathikus ausgehende Reize stimulieren die Kontraktion des Detrusormuskels, während vom Sympathikus ausgehende Reize die Kontraktion des inneren Harnröhrenschließmuskels stimulieren.
Harninkontinenz im Alter
Im Alter treten häufiger Probleme mit der Blasenkontrolle auf. Dies kann verschiedene Ursachen haben, wie z.B. eine reduzierte Nierenleistung, ein verändertes Fassungsvermögen der Harnblase oder geschlechtsspezifische Veränderungen wie eine Prostatavergrößerung bei Männern.
Neurogene Blasenstörung
Eine neurogene Blase ist eine Blasenfunktionsstörung, die durch eine Schädigung des Nervensystems verursacht wird. Dies kann zu Problemen bei der Speicherung und Entleerung von Urin führen.
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Harnwegsinfektionen vorbeugen
Um Harnwegsinfektionen vorzubeugen, ist es wichtig, ausreichend zu trinken, regelmäßig die Blase zu entleeren und eine gute Hygiene zu beachten.
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