Epilepsie ist eine der vier häufigsten neurologischen Erkrankungen. Hinter dem Begriff Epilepsie verbirgt sich ein Sammelbegriff verschiedener Erkrankungen des Gehirns, dessen gemeinsames Merkmal das wiederholte Auftreten epileptischer Anfälle ist. Die Ursachen dafür sind vielfältig und sehr individuell: Genetische Veränderungen, Missbildungen des Gehirns, Stoffwechselstörungen, Hirntumore oder auch ein Schlaganfall sind nur einige Ursachen.
Ein epileptischer Anfall ist definiert als das vorübergehende Auftreten von objektiven und/oder subjektiven Zeichen als klinischer Ausdruck einer exzessiven oder synchronisierten neuronalen Hirnaktivität. Die Inzidenz unprovozierter epileptischer Anfälle beträgt ca. 55 auf 100.000 Personenjahre, sie hat einen U‑förmigen Verlauf mit einer hohen Inzidenz im frühen Kindesalter (130 auf 100.000 Personenjahre) und jenseits des 65. Lebensjahrs (110 auf 100.000 Personenjahre). Die 1‑Jahres-Prävalenz für Epilepsien beträgt in Industrienationen ca. 7 auf 1000 Personen.
Klassifizierung epileptischer Anfälle und Epilepsieformen
Epileptische Anfälle werden nach der Internationalen Liga gegen Epilepsie in fokal (d. h. in einer Hirnhemisphäre) beginnend und generalisiert (d. h. in Netzwerkstrukturen beider Hirnhemisphären) beginnend eingeteilt. Wenn der Beginn unbeobachtet war oder von dem Patienten/der Patientin nicht erinnert wurde, gilt dieser als unbekannt. Fokal beginnende Anfälle werden in bewusst und nicht bewusst erlebte Formen eingeteilt, diese können einen motorischen und einen nichtmotorischen Beginn haben. Fokal beginnende Anfälle können sich im Verlauf auch auf die Gegenseite ausbreiten und in bilateral tonisch-klonische Anfälle übergehen; in der Regel ist dann auch mindestens der kontralaterale Motorkortex beteiligt. Der Begriff „generalisiert“ ist nur für Anfälle vorbehalten, die generalisiert beginnen. Anfälle mit generalisiertem oder unbekanntem Beginn werden in motorische und nichtmotorische Formen klassifiziert.
Epilepsien werden wie epileptische Anfälle in fokale und in generalisierte Formen eingeteilt. Zudem gibt es kombiniert generalisierte und fokale Epilepsien sowie unklassifizierte Epilepsien. Eine weitere Spezifizierung der Art der Epilepsie in ein Epilepsiesyndrom (wie juvenile myoklonische Epilepsie oder mesiale Temporallappenepilepsie) ist bei Vorliegen weiterer klinischer oder EEG- bzw.
Ursachen und Auslöser von Epilepsie
Die Ursachen für Epilepsie sind vielfältig. Jeder Mensch kann in bestimmten Situationen einen epileptischen Anfall bekommen. Manche neigen eher dazu, manche weniger. Erst wenn sich die Anfälle auch ohne äußeren Anlass wiederholen, spricht man von einer Epilepsie. Genetische Veranlagungen, Fehlbildungen im Gehirn, Hirnverletzungen, Schlaganfälle, Infektionen oder Stoffwechselstörungen können dazu zählen. Auch Alkoholmissbrauch oder Drogenkonsum können Auslöser sein. In manchen Familien tritt Epilepsie über mehrere Generationen hinweg auf. Das kann ein Hinweis auf eine genetische Veranlagung für die Erkrankung sein.
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Ein Anfall kann bei Epileptikern durch unterschiedliche Auslöser (Trigger) hervorgerufen werden: Bei einigen spielen flackerndes Licht, Videospiele oder laute Geräusche eine Rolle. Darüber hinaus sind auch die körperliche Verfassung (zum Beispiel Schlafmangel, hormonelle Schwankungen) und der Gemütszustand (wie Ärger, Angst) für die Entstehung eines Anfalls verantwortlich. Ein Krampfanfall kann ebenfalls durch Stress hervorgerufen werden.
Symptome und Diagnose von Epilepsie
Die Symptome und Anzeichen für Epilepsie sind wiederkehrende Anfälle, die sich sehr unterschiedlich äußern können. Möglich sind Krampfanfälle, Zuckungen, kurze Bewusstseinsverluste, plötzliche Verhaltensänderungen oder ungewöhnliche Sinneswahrnehmungen. Manche Betroffene spüren eine „Aura“, also eine Vorahnung vor dem Anfall. Die Symptome hängen stark von der Art der Epilepsie und der betroffenen Gehirnregion ab.
Für eine erfolgreiche Behandlung ist eine eindeutige Diagnose Voraussetzung. Um herauszufinden, ob der Anfall einer Epilepsie oder einer anderen Erkrankung zuzuordnen ist, sollte ein Neurologe (Facharzt für Erkrankungen des Nervensystems) aufgesucht werden. Eine behandlungsbedürftige Epilepsie liegt dann vor, wenn dem ersten Anfall weitere folgen oder ein erhöhtes Risiko hierfür gegeben ist. Eine Beschreibung der Anfälle sowohldurch den Betroffenen selbst als auch durch Angehörige (Fremdbeschreibung) sind für die Diagnostik von enormer Bedeutung. Hilfreich können in diesem Zusammenhang auch Videoaufzeichnungen des epileptischen Anfalls oder die Beobachtung in einer spezialisierten Klinik sein. Mithilfe der Elektroenzephalographie (EEG) wird die elektrische Gehirnaktivität aufgezeichnet. Bestimmte Muster lassen auf eine erhöhte Anfallsneigung schließen. Allerdings genügt das EEG allein nicht, um eine Epilepsie zu diagnostizieren. Die Magnetresonanztomographie (MRT) - auch Kernspintomogramm genannt - macht hirnorganische Veränderungen sichtbar, die wiederum Hinweise auf die Ursache geben können. In einigen Fällen untersucht der Arzt zudem das Hirnwasser (Liquor), beispielsweise, wenn der Verdacht auf eine Hirn- oder Hirnhautentzündung vorliegt.
Therapieansätze bei Epilepsie
Das Ziel der Therapie der Epilepsien ist Anfallsfreiheit bzw. eine bestmögliche Anfallskontrolle bei keinen oder allenfalls minimalen unerwünschten Wirkungen. Dies soll den Patient:innen eine hohe Lebensqualität ermöglichen. Die bisherigen Termini „Antiepileptikum“ und „Antikonvulsivum“ waren unscharf, weil sie fälschlicherweise suggerierten, dass die Erkrankung Epilepsie behandelt wird bzw. dass es nur um die Behandlung motorischer („konvulsiver“) Anfälle geht. Der neue englischsprachige Terminus „antiseizure medication“ beschreibt den Sachverhalt treffsicherer, Ziel der Therapie ist die Verhinderung des Auftretens weiterer Anfälle. Analog wurde im deutschsprachigen Raum der Begriff „Anfallssuppressivum“ bzw.
So vielseitig sich die Erkrankung selbst zeigt, so unterschiedlich sind auch die Möglichkeiten der Therapie. Am Beginn der Behandlung steht meist ein medikamentöser Ansatz, der bei optimaler Einstellung bei bis zu 70 Prozent aller Betroffenen zu einer Anfallsfreiheit führt. Patient und behandelnder Arzt wägen gemeinsam Nutzen und Risiken der Medikamente - sogenannte Antiepileptika - ab. Es sind Mittel auf dem Markt, die bei vielen Epilepsieformen wirksam sind. Bei der Epilepsie-Behandlung ist es möglich, nur ein Medikament (Monotherapie) oder mehrere als Kombinationstherapie zu verabreichen. Die Dosierung erfolgt individuell und startet meist niedrig. In den meisten Fällen sind Antiepileptika gut verträglich. Dennoch sind Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen, Müdigkeit, Schwindel oder verlangsamtes Denken nicht auszuschließen. Zeigt die medikamentöse Behandlung Erfolg, sollten Patienten trotz Anfallsfreiheit regelmäßig einen Arzt zur Kontrolle aufsuchen.
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Medikamentöse Behandlung
Den meisten Epilepsie-Patienten hilft eine medikamentöse Behandlung, ein anfallsfreies Leben zu führen. Eingesetzt werden sogenannte Antiepileptika. Sie hemmen die übermäßige Aktivität von Nervenzellen im Gehirn. Damit senken sie das Risiko für einen Krampfanfall. Deshalb spricht man auch von Antikonvulsiva (= krampfhemmenden Mitteln). Gegen die Ursache der Epilepsie helfen die Medikamente allerdings nicht. Das bedeutet: Antiepileptika wirken nur symptomatisch, ohne die Epilepsie zu heilen.
Als Antiepileptika werden verschiedene Wirkstoffe eingesetzt, zum Beispiel Levetiracetam oder Valproinsäure. Der Arzt wägt für den jeweiligen Patienten ab, welcher Wirkstoff im konkreten Fall vermutlich am besten wirkt. Dabei spielt die Art der Anfälle beziehungsweise die Form der Epilepsie eine wichtige Rolle. Außerdem berücksichtigt der Arzt bei der Wahl des Antiepileptikums und dessen Dosierung mögliche Nebenwirkungen.
Das Ziel ist, weitere Anfälle zu verhindern (oder zumindest zu reduzieren). Gleichzeitig werden die Nebenwirkungen so gering wie möglich gehalten.
In der Regel verschreibt der Arzt bei Epilepsie nur ein einziges Antiepileptikum (Monotherapie). Wenn dieses Medikament nicht die gewünschte Wirkung zeigt oder starke Nebenwirkungen verursacht, ist es meist einen Versuch wert, mit ärztlicher Rücksprache auf ein anderes Präparat umzustellen. Manchmal findet sich erst beim dritten oder vierten Versuch das individuell beste Antiepileptikum.
Bei manchen Patienten lässt sich die Epilepsie mit einer Monotherapie nicht ausreichend in den Griff bekommen. Dann verschreibt der Arzt womöglich zwei (oder mehr) Antiepileptika. Eine solche Kombinationstherapie wird sorgfältig geplant und überwacht. Denn allgemein gilt: Je mehr verschiedene Medikamente jemand einnimmt, desto eher kommt es zu unerwünschten Wechselwirkungen. Auch das Risiko für Nebenwirkungen steigt.
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Die Epilepsie-Medikamente werden oft als Tablette, Kapsel oder Saft eingenommen. Manche lassen sich auch als Spritze, Infusion oder Zäpfchen verabreichen.
Antiepileptika helfen nur dann zuverlässig, wenn sie regelmäßig angewendet werden. Es ist also sehr wichtig, sich genau an die entsprechenden Anweisungen des Arztes zu halten!
Antiepileptika werden meist über mehrere Jahre eingenommen. Wenn über einen langen Zeitraum keine epileptischen Anfälle mehr aufgetreten sind, ist manchmal in Absprache mit dem Arzt ein Absetzversuch möglich. Das darf aber nicht abrupt geschehen. Stattdessen empfiehlt es sich, die Dosierung nach ärztlicher Anweisung schrittweise zu verringern.
Bei manchen Betroffenen kehren die epileptischen Anfälle dann zurück (teilweise auch erst nach Monaten oder Jahren). Dann führt kein Weg daran vorbei, die Epilepsie-Medikamente wieder einzunehmen. Andere Patienten bleiben nach dem Absetzen der Antiepileptika dauerhaft anfallsfrei. Zum Beispiel dann, wenn die Ursache der Anfälle (wie eine Hirnhautentzündung = Meningitis) zwischenzeitlich abgeheilt ist.
Vorhersagen lässt sich das im Einzelfall nicht. Der behandelnde Arzt schätzt anhand der individuellen Situation des Patienten ein, wie hoch das Anfallsrisiko ohne Medikamente ist. In manchen Fällen stellen sich Epileptiker am besten von Anfang an darauf ein, dass sie die Medikamente wohl lebenslang brauchen - etwa dann, wenn ein bleibender Hirnschaden die Ursache für die Epilepsie ist.
Setzen Sie Ihre Epilepsie-Medikamente niemals auf eigene Faust ab - das hat unter Umständen lebensgefährliche Konsequenzen!
Epilepsiechirurgie
Die Behandlungsmethode kommt ausschließlich für die fokale Epilepsie infrage und auch nur, wenn sich feststellen lässt, welcher Bereich im Gehirn für die Anfälle verantwortlich ist. Dann ist es unter Umständen möglich, diesen chirurgisch zu entfernen (resektive Operation). Weitere Punkte, der vor der Entscheidung für eine Epilepsiechirurgie beachtet werden müssen, sind inakzeptable Nachteile: Die Operation darf keine ernste Beeinträchtigung bestimmter Hirnfunktionen nach sich ziehen. Ob ein operativer Eingriff infrage kommt, muss daher immer individuell entschieden werden. In seltenen Fällen kann bei schweren Epilepsien noch eine andere Operation durchgeführt werden, nämlich die sogenannte Balkendurchtrennung (Kallosotomie). Der Eingriff wird beispielsweise in Erwägung gezogen, wenn der Betroffene häufig schwere Sturzanfälle hat. Durch die Trennung des Balkens (Corpus callosum) im Gehirn, der die linke und rechte Gehirnhälfte verbindet, kann die Häufigkeit der Sturzanfälle verringert werden. Allerdings sind im Anschluss kognitive Beeinträchtigungen nicht auszuschließen.
Bei manchen Patienten ist die Epilepsie mit Medikamenten nicht ausreichend behandelbar. Gehen die Anfälle immer von einer begrenzten Hirnregion aus (fokale Anfälle), ist es in manchen Fällen möglich, diesen Teil des Gehirns operativ zu entfernen (Resektion, resektive Operation). In vielen Fällen verhindert dies zukünftige epileptische Anfälle.
Eine resektive Operation kommt aber nur unter bestimmten Voraussetzungen in Frage: Also dann, wenn das Entfernen der betreffenden Hirnregion relativ gefahrlos möglich ist. Außerdem darf es keine inakzeptablen Nachteile für den Patienten nach sich ziehen, etwa eine ernste Beeinträchtigung bestimmter Hirnfunktionen.
Eine resektive Hirnoperation kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn die epileptischen Anfälle im Schläfenlappen (Temporallappen) des Gehirns entstehen.Andere chirurgische Eingriffe kommen bei Epilepsie eher selten zum Einsatz. Zum Beispiel bei Betroffenen, die häufig schwere Sturzanfälle erleben - also epileptische Anfälle, bei denen sie blitzartig stürzen und sich dabei unter Umständen schwer verletzen. Hier erwägen die behandelnden Ärzte gegebenenfalls eine sogenannte Balkendurchtrennung (Kallosotomie).
Der Chirurg durchtrennt bei der Kallosotomie ganz oder teilweise den sogenannten Balken (Corpus callosum) im Gehirn. Das ist das Verbindungsstück zwischen der rechten und linken Gehirnhälfte. Dieser Eingriff verringert unter Umständen die Zahl der Sturzanfälle deutlich. Als Nebenwirkung drohen aber kognitive Beeinträchtigungen. Deshalb wägen Ärzte und Betroffene die Nutzen und Risiken der Kallosotomie im Vorfeld sorgfältig gegeneinander ab.
Stimulationsverfahren
Wenn die medikamentöse Therapie nicht ausreicht, gibt es alternativ die Möglichkeit der Neurostimulation. Hierbei werden bestimmte Gehirnstrukturen oder solche, die dort hinführen (zum Beispiel der Vagus-Nerv) mit niedriger Stromstärke stimuliert. Allerdings wird mit dieser Methode keine Anfallsfreiheit erreicht. Die Vagus-Nerv-Stimulation (VNS) ist die am weitesten verbreitete Methode. Dem Patienten wird eine Art Schrittmacher unterhalb des linken Schlüsselbeins unter die Haut gepflanzt und mittels Kabel (ebenfalls unter der Haut) mit dem linken Vagusnerv am Hals verbunden. Bei der transkutanen Vagus-Nerv-Stimulation erfolgt eine Reizung des Vagus-Nervs in der Ohrmuschel. Hierfür ist keine Operation notwendig. Eine andere Möglichkeit stellt die transkranielle Magnetstimulation dar. Bei dieser wirken Magnetfelder auf das Gehirn, wodurch die übererregten Gehirnstrukturen erreicht werden sollen. Für die tiefe Hirnstimulation werden dem Patienten kleine Elektroden in bestimmte Gehirnstrukturen implantiert. Mithilfe von elektrischen Impulsen stimulieren sie das Nervengewebe.
Neben einer Operation kommen sogenannte Stimulationsverfahren infrage, wenn Medikamente bei Epilepsie nicht ausreichend wirken. Dabei werden bestimmte Strukturen im Gehirn oder solche, die dorthin führen (Vagusnerv), mit niedriger Stromstärke stimuliert. Das wirkt epileptischen Anfällen zum Teil entgegen.
Zur Anwendung bei Epilepsie kommen verschiedene Verfahren. Am weitesten verbreitet ist die Vagusnerv-Stimulation (VNS): Dabei pflanzt der Chirurg dem Betroffenen ein kleines, batteriebetriebenes Gerät unterhalb des linken Schlüsselbeins unter die Haut. Es handelt sich um eine Art Schrittmacher, der über ein Kabel, das ebenfalls unter der Haut verläuft, mit dem linken Vagusnerv am Hals verbunden wird.
In Intervallen (zum Beispiel alle fünf Minuten für 30 Sekunden) gibt es leichte Stromstöße an den Nerv ab. Dadurch lässt sich die Häufigkeit epileptischer Anfälle deutlich reduzieren. Bei manchen Patienten dauert es allerdings einige Monate, bis dieser Effekt einsetzt.
Während der Stromimpulse verspüren einige Behandelte Heiserkeitsgefühle, Hustenreiz oder Missempfindungen ("Summen im Körper"). Die Vagusnerv-Stimulation beeinflusst darüber hinaus eine gleichzeitig bestehende Depression in manchen Fällen positiv.
Ein anderes Stimulationsverfahren ist die tiefe Hirnstimulation: Dabei werden dem Patienten kleine Elektroden an bestimmten Stellen im Gehirn implantiert, zum Beispiel am Thalamus oder Hippocampus. Sie stimulieren das Nervengewebe mit elektrischen Impulsen. In der Folge sinkt bei vielen Betroffenen die Zahl der Anfälle. Mögliche Nebenwirkungen sind Depressionen und Gedächtnisstörungen.
Die tiefe Hirnstimulation wird nur in spezialisierten Zentren durchgeführt. Bislang ist sie als Methode der Epilepsie-Behandlung noch nicht sehr weit verbreitet. Wesentlich häufiger kommt das Verfahren bei Parkinson-Patienten zum Einsatz.
Ketogene Diät
Bei der ketogenen Diät handelt es sich um eine Art Low Carb Ernährung, die sich auf die Zufuhr von vielen gesunden Fetten und wenig Kohlenhydraten fokussiert. Dem Körper wird so beigebracht, seine Energie nicht aus Kohlenhydraten, sondern aus den zugeführten Fetten zu gewinnen. Im Zusammenhang mit Epilepsien wird vermutet, dass dem Gehirn durch den veränderten Stoffwechsel mehr Energie zur Verfügung steht, die es zum Stabilisieren der hirnelektrischen Aktivitäten verwendet.
Anfallsselbstkontrolle
Voraussetzung für das Erlernen der Anfallsselbstkontrolle ist die Bereitschaft, sich intensiv mit der Erkrankung auseinanderzusetzen. Im Vordergrund steht dahingehend die Frage, was den eigenen Anfall begünstigt. Das können bestimmte Zeiten, Orte, Tätigkeiten oder auch Situationen sein. Darauf aufbauend können Betroffene Strategien entwickeln, die dabei helfen sollen, Anfälle zu verhindern. Denn wer weiß, welche Faktoren (beispielsweise Alkoholgenuss) einen Anfall begünstigen, muss diese nicht zwingend meiden. Effektiver ist es, einen positiven Umgang mit diesen zu finden. Ein weiterer Aspekt der Anfallsselbstkontrolle ist es, Warnzeichen eines epileptischen Anfalls zu erkennen und zu versuchen, diesen abzuwehren. Das kann über das Entwickeln und Einüben bestimmter Verhaltensweisen geschehen: Macht sich ein Anfall beispielsweise über ein Kribbeln in der Hand bemerkbar, wird diese zur Faust geballt. So ist es möglich, die für die Motorik verantwortlichen Gehirnzellen anderweitig zu beschäftigen. Auf diese Weise sollen sie daran gehindert werden, dem Kribbeln nachzugeben.
Alternative Behandlungsmethoden
Ergänzend zur Behandlung mit Medikamenten haben Patienten die Möglichkeit, auf alternative Methoden zurückzugreifen. Für die alternativen Behandlungsansätze liegt derzeit kein Wirkungsnachweis vor. Dennoch berichten einige Menschen mit Epilepsie, dass ihnen Akupressur und Co. helfen.
Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall
Bei den Erste-Hilfe-Maßnahmen geht es vor allem darum, anfallsbedingte Verletzungen zu vermeiden. Falls der Betroffene Gegenstände in der Hand hält, sollten Sie diese an sich nehmen. Während eines Anfalls sollten Sie auf keinen Fall versuchen, den Kiefer des Patienten gewaltsam zu öffnen und ihm Gegenstände zwischen die Zähne zu schieben, damit er sich nicht auf die Zunge beißt. Hier sind schwere Verletzungen möglich. Wer einen epileptischen Anfall beobachtet, sollte zunächst ruhig bleiben und gefährliche Gegenstände aus der Umgebung des Betroffenen entfernen. Halten Sie den Betroffenen nicht fest. Wichtig ist, den Kopf zu schützen und ihn nach dem Anfall in die stabile Seitenlage zu bringen.
Wenn jemand einen Status epilepticus erleidet, ist es wichtig, sofort den Notarzt zu rufen - es besteht Lebensgefahr!
Der Patient erhält als erstes ein Beruhigungsmittel (Benzodiazepin). Trägt der Epileptiker das Notfallmedikament bei sich, lässt es sich auch von medizinischen Laien verabreichen: Es wird entweder in eine Wange gelegt (Buccaltablette) oder als Creme über eine kleine Tube in den After des Patienten eingeführt.
Der eingetroffene Notarzt verabreicht das Beruhigungsmittel gegebenenfalls auch als Spritze in eine Vene. Dann bringt er den Patienten rasch in ein Krankenhaus. Dort wird die Behandlung fortgesetzt.
Lässt sich der Status epilepticus nach 30 bis 60 Minuten immer noch nicht beenden, bekommen viele Patienten eine Narkose und werden künstlich beatmet.
Leben mit Epilepsie
Bei Menschen mit Epilepsien sind psychiatrische Erkrankungen wie Angststörungen, Depression u. a. etwa 2‑ bis 5‑mal häufiger als in der allgemeinen Bevölkerung. Zudem gehen Epilepsien nicht selten mit kognitiven Einbußen einher. Das Verhältnis zwischen der Epilepsie und den begleitenden psychiatrischen Störungen ist bidirektional, d. h. Epilepsie ist eine chronische Erkrankung, die im Erwachsenenalter mit erheblichen sozioökonomischen und psychosozialen Auswirkungen in verschiedenen Lebensbereichen (Schule, Beruf, Mobilität, Familie etc.) und mit epilepsiebezogenen Gefährdungen und Risiken in Freizeit (z. B. Ertrinken) und Beruf (z. B. Verletzungen) verbunden sein kann. Das Ziel ist die Unterstützung von Betroffenen, ein selbstbestimmtes Leben mit möglichst wenigen Einschränkungen zu führen.
Die Lebenserwartung von Menschen mit Epilepsie ist grundsätzlich nicht herabgesetzt. Ein epileptischer Anfall kann dann lebensgefährdend sein, wenn der Betroffene beispielsweise infolge eines Anfalls einen Autounfall verursacht und sich schwerwiegende Verletzungen zuzieht.
Den meisten beruflichen Tätigkeiten können Epileptiker ohne Einschränkungen nachgehen. Es gibt jedoch bestimmte Berufsgruppen, die Betroffenen nur schwer oder gar nicht zugänglich sind, beispielsweise Pilot oder Busfahrer. Die berufliche Eignung ist immer auf den Einzelfall zu beziehen, sprich, es müssen Faktoren wie die Art der Anfälle, deren Häufigkeit sowie Schweregrad bei der Berufswahl berücksichtigt werden.
Aktuelle Forschung und neue Therapieansätze
Wissenschaftler der Universität Bonn haben die wichtige Rolle eines Beteiligten entdeckt: α2δ4 (alpha2delta4). Bei einem epileptischen Anfall feuern die Nervenzellen gleichzeitig in einem sehr schnellen Rhythmus - wie bei einem Gewitter im Gehirn. Krampfanfälle sind dann die Folge. Aus einem solchen kurzen Anfall kann sich langfristig durch Veränderungen im Gehirn eine chronische Epilepsie entwickeln. „Bei der Suche nach neuen Therapien geht es vor allem auch darum, die allmähliche Ausbildung solcher schweren Anfallsformen zu verhindern“, sagt Prof. Dr. Albert J. Becker vom Institut für Neuropathologie des Universitätsklinikums Bonn (UKB).
Wenn es zu einem epileptischen Anfall kommt, sind auch Gene und deren Regulation beteiligt. Gene sind Blaupausen der DNA. Von ihnen werden bei der Transkription Abschriften erstellt, die an unterschiedliche Orte in den Nervenzellen gelangen und deren Funktion beeinflussen. Wie die Wissenschaftler der Universität Bonn bereits vor einigen Jahren zeigen konnten, regelt der Transkriptionsfaktor Early growth response 1 (Egr1) die Calciumkanäle in den Nervenzellen hoch. Calcium kann dann vermehrt in die Poren der Nervenzellenkanäle einströmen.
Retigabin ist eine Substanz im Zulassungsverfahren, die erstmals diese Eigenschaft als antikonvulsives Wirkprinzip nutzt. Die Substanz wurde bei einem Satellitensymposium der GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG anlässlich der 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) in Wiesbaden vorgestellt.
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