Nerv eingeklemmt Hüfte Pferd: Ursachen, Behandlung und Biomechanische Zusammenhänge

Ein eingeklemmter Nerv im Bereich der Hüfte eines Pferdes kann vielfältige Ursachen haben und sich in unterschiedlichen Symptomen äußern. Die korrekte Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um dem Pferd Schmerzlinderung zu verschaffen und langfristige Schäden zu vermeiden. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnosemethoden und Behandlungsansätze und geht dabei auch auf biomechanische Zusammenhänge ein.

Einführung

Lahmheiten sind ein häufiges Problem bei Pferden, sowohl bei Sport- als auch bei Freizeitpferden. Die Ursachenforschung gestaltet sich oft schwierig, und Pferdebesitzer ziehen häufig Therapeuten zurate, wenn sie eine Lahmheit feststellen. Es ist wichtig zu verstehen, dass eine deutliche und rasch auftretende Lahmheit zunächst tierärztlich abgeklärt werden sollte, um Verletzungen oder ernsthafte Erkrankungen auszuschließen, bevor manualtherapeutische Behandlungen in Betracht gezogen werden.

Anatomische Grundlagen

Das Iliosakralgelenk (ISG), auch Kreuzdarmbeingelenk genannt (Articulatio sacroiliaca), ist ein zentrales Element im Bewegungsapparat des Pferdes. Es verbindet die Wirbelsäule mit dem Becken und überträgt die Kräfte der Hinterbeine auf den Rumpf. Das ISG befindet sich direkt unter dem höchsten Punkt der Kruppe und ist relativ leicht zu ertasten. Es ist ein straffes Gelenk mit Faserknorpelanteilen und nur minimalen Gleitbewegungen, die jedoch entscheidend sind, um Stöße abzufangen und Energie weiterzuleiten.

Die Wirbelsäule des Pferdes besteht in der Regel aus sieben Hals-, 18 Brust-, sechs Lenden-, fünf (zum Kreuzbein zusammengewachsenen) Kreuz- und 16 bis 18 Schwanzwirbeln. Diese bilden miteinander etwa 200 Gelenke. An jedem Wirbel setzen etliche Muskeln an, die die Beweglichkeit steuern. Die Wirbelsäule schützt das Rückenmark, von dem die Spinalnerven abzweigen und zwischen den Wirbeln austreten.

Ursachen für einen eingeklemmten Nerv im Hüftbereich

Ein eingeklemmter Nerv im Hüftbereich des Pferdes kann verschiedene Ursachen haben:

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  • Trauma: Ein Sturz, ein Tritt oder andere Verletzungen können zu Blockaden und Nervenreizungen führen.
  • Fehlbelastungen: Einseitiges Training, unpassendes Equipment (z.B. Sattel) oder ein schiefer Reiter können zu Fehlbelastungen des Beckens und der Wirbelsäule führen.
  • Muskelverspannungen: Verspannungen der Muskulatur im Bereich des Beckens, der Lendenwirbelsäule oder der Hüfte können auf Nerven drücken und diese einklemmen.
  • Blockaden im Iliosakralgelenk (ISG): Eine ISG-Blockade kann zu einer veränderten Statik des Beckens führen und Nervenreizungen verursachen.
  • Arthrose: Verschleißerscheinungen in den Gelenken der Hüfte oder der Wirbelsäule können zu Nervenreizungen führen.
  • Becken Schiefstand: Da das Becken ringförmig ist und eine linke und rechte Hälfte aufweist, kann es sich sowohl nach vorne und hinten, nach rechts oder links, als auch nach oben und unten verschieben. Dabei bewegen sich rechte und linke Hälfte immer entgegengesetzt: Schiebt sich die linke Hälfte nach oben, rutscht die rechte nach unten. Kippt das rechte Becken nach rechts außen, zieht es die linke Hälfte „hinter sich her“Schiebt sich die linke Hälfte nach vorne, verschiebt sich die rechte relativ gesehen nach hinten. Ebenso kann das Becken mit seinem vorderen Anteil nach vorne/unten rotieren, quasi abkippen, oder mit dem hinteren nach hinten/oben. Auch hier reagiert die vordere Hälfte relativ zu hinteren. Die Richtungen, in die ein Beckenschiefstand tendieren kann, sind also vielfältig und oft besteht die Schiefe aus einer Mischform dieser anatomisch möglichen Richtungen. Egal wohin das Becken „schief“ ist, immer ist damit verbunden, dass die Wirbelsäule dieser Schiefe folgt, denn sie ja in Form des Kreuzbeins über das Iliosakralgelenk im Becken „eingehängt“. Da die Wirbelsäule im weiteren Verlauf mit Rippen und Brustbein zwischen den Vorderbeinen aufgehängt ist, verschieben sich auch hier die Strukturen.

Symptome eines eingeklemmten Nervs im Hüftbereich

Die Symptome eines eingeklemmten Nervs im Hüftbereich können vielfältig sein und sich individuell unterscheiden. Häufige Anzeichen sind:

  • Lahmheit: Unklare Lahmheit in der Hinterhand, die sich in Steifheit oder ungleichmäßiger Belastung der Hinterbeine äußern kann.
  • Eingeschränkte Bewegung: Schwierigkeiten beim Biegen, Drehen oder Ausführen bestimmter Bewegungen.
  • Veränderte Haltung: Ungewöhnliche Körperhaltung zur Kompensation des Schmerzes, was zu einer asymmetrischen Belastung führen kann.
  • Verhaltensänderungen: Reizbarkeit, abnehmende Bereitschaft zur Mitarbeit oder Berührungsempfindlichkeit im Bereich der Hüfte oder Kruppe.
  • Muskelverspannungen: Verhärtete oder schmerzhafte Muskulatur im Bereich des Beckens, der Lendenwirbelsäule oder der Hüfte.
  • Probleme beim Angaloppieren: Schwierigkeiten beim Angaloppieren auf einer Hand oder Probleme beim Umspringen.
  • Probleme auf gebogenen Linien: Über die Schulter hereinfallen oder mit der Hinterhand ausweichen.
  • Unterschiedliche Schrittlängen: Unterschiedliche Schrittlängen in Schritt und Trab, um dem Dehnungsschmerz auszuweichen.
  • Verlust der Takt: Das Pferd verliert an Takt.
  • Allgemeine Probleme in der Durchlässigkeit und im Fluss: Allgemeine Probleme in der Durchlässigkeit und im Fluss „von hinten nach vorne“.
  • Blockade im Genick: Das Genick, die Verbindung zwischen erstem Halswirbel und Hinterhauptsbein, blockiert und das Pferd weicht dem Schmerz mit Verwerfen aus. Der Hals „rotiert“ in eine Richtung.
  • Unstete Anlehnung: Die Anlehnung wird zu einer Seite unstet, zur anderen zu stramm
  • Schwierigkeiten beim Aussitzen: Der Reiter kommt mit seinem eigenen Becken nicht zum symmetrischen Einsitzen: Das Pferd setzt ihn mit einem Sitzbeinhöcker immer wieder auf einer Seite tiefer.

Diagnostische Verfahren

Um die Ursache der Beschwerden zu ermitteln, sind verschiedene diagnostische Verfahren notwendig:

  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und des Trainingszustandes des Pferdes.
  • Ganganalyse: Beurteilung des Gangbildes in Schritt und Trab auf gerader und gebogener Linie.
  • Palpation: Abtasten der Muskulatur und Gelenke im Bereich des Beckens, der Lendenwirbelsäule und der Hüfte.
  • Beugeproben: Durchführung von Beugeproben, um die Schmerzregion einzugrenzen.
  • Lokalanästhesie: Injektion eines Lokalanästhetikums in bestimmte Nervenbahnen oder Gelenke, um die Schmerzquelle zu identifizieren.
  • Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen, Ultraschalluntersuchungen oder Szintigraphie, um Verletzungen oder Veränderungen an Knochen, Gelenken und Weichteilen darzustellen.
  • Chiropraktische Untersuchung: Beurteilung der Beweglichkeit der Wirbelsäule und des Beckens.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung eines eingeklemmten Nervs im Hüftbereich zielt darauf ab, die Ursache der Nervenreizung zu beseitigen, Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit wiederherzustellen. Die Behandlung kann verschiedene Ansätze umfassen:

  • Manuelle Therapie:
    • Chiropraktik: Mobilisierung von blockierten Gelenken, insbesondere der Wirbelsäule und des ISG, durch gezielte Handgriffe.
    • Osteopathie: Behandlung von Blockaden und Verspannungen im gesamten Körper, um die Selbstheilungskräfte zu aktivieren.
    • Physiotherapie:Manuelle Techniken zur Lösung von Muskelverspannungen, Verbesserung der Beweglichkeit und Stärkung der Muskulatur.
  • Medikamentöse Therapie:
    • Entzündungshemmende Medikamente: Einsatz von nicht-steroidalen Antiphlogistika (NSAIDs) zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung.
    • Muskelrelaxantien: Verabreichung von Muskelrelaxantien zur Lösung von Muskelverspannungen.
  • Injektionstherapie:
    • Injektion von Kortikosteroiden: Injektion von Kortikosteroiden in die Nähe des gereizten Nervs zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung.
    • Neuraltherapie: Injektion von Lokalanästhetika in Triggerpunkte oder Narben, um die Nervenfunktion zu verbessern.
  • Akupunktur: Stimulation von Akupunkturpunkten zur Schmerzlinderung und Entspannung der Muskulatur.
  • Bewegungstherapie:
    • Gezieltes Training: Aufbau der Rumpfmuskulatur und der Hinterhandmuskulatur durchLongenarbeit, Stangenarbeit und Seitengänge.
    • Dehnübungen: Durchführung von Dehnübungen zur Verbesserung der Beweglichkeit und zur Lösung von Muskelverspannungen.
  • Anpassung des Equipments: Überprüfung und Anpassung des Sattels, um Druckstellen und Fehlbelastungen zu vermeiden.
  • Korrektur des Reitersitzes: Schulung des Reitersitzes, um eine gleichmäßige Belastung des Pferderückens zu gewährleisten.

Biomechanische Zusammenhänge und die Rolle des Beckenschiefstands

Die Biomechanik des Pferdes spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung und Behandlung von Nervenreizungen im Hüftbereich. Das Becken fungiert als Schaltstelle und Ort der Kraftübertragung zwischen der Hinterhand und dem Pferdekörper. Ein Beckenschiefstand kann die gesamte Statik des Pferdes beeinträchtigen und zu Kompensationsmechanismen führen, die sich auf die Wirbelsäule, die Schultern und sogar den Hals auswirken können.

Ein Pferd mit einem Beckenschiefstand kann auf Dauer nicht geradegerichtet sein. Biegende und geraderichtende Übungen fallen zu einer Seite besonders schwer oder führen zu Widersetzlichkeiten. Es entsteht oft ein übertriebener Unterschied zwischen der "Schokoladenseite" und der "Zwangsseite".

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Ursachen für einen Beckenschiefstand können einseitiges Training, unpassendes Equipment, ein schiefer Reiter, angeborene Beinlängendifferenzen oder Schmerzen/Blockaden in den unteren Gliedmaßengelenken sein.

Präventive Maßnahmen

Um einem eingeklemmten Nerv im Hüftbereich vorzubeugen, sind folgende Maßnahmen empfehlenswert:

  • Ausgewogenes Training: Abwechslungsreiches Training mit gymnastizierenden Übungen zur Stärkung der Muskulatur und Verbesserung der Koordination.
  • Passendes Equipment: Verwendung eines gut sitzenden Sattels und korrekter Ausrüstung.
  • Regelmäßige Bewegung: Ausreichend Bewegung zur Förderung der Durchblutung und zur Vorbeugung von Muskelverspannungen.
  • Professionelle Betreuung: Regelmäßige Kontrolle durch einen Tierarzt, Osteopathen oder Physiotherapeuten, um Blockaden und Verspannungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
  • Achten Sie auf die Anzeichen eines Beckenschiefstands: Im Gangbild zeigen Pferde von hinten betrachtet einen Höhenunterschied in linker und rechter Kruppe. Oft atrophiert, also verkümmert die Muskulatur auf einer Seite deutlich sichtbar. Der Schweif kippt nach oben oder wird nach unten angeklemmt. Er rotiert sichtbar zu einer Seite. Probleme beim Angaloppieren auf einer Hand, auch Probleme beim UmspringenProbleme auf gebogenen Linien (über die Schulter hereinfallen, mit der Hinterhand ausweichen)In Schritt und Trab ergeben sich unterschiedliche Schrittlängen, um dem Dehnungsschmerz auszuweichen. Das Pferd verliert an Takt. Allgemeine Probleme in der Durchlässigkeit und im Fluss „von hinten nach vorne“ Das Genick, die Verbindung zwischen erstem Halswirbel und Hinterhauptsbein, blockiert und das Pferd weicht dem Schmerz mit Verwerfen aus. Der Hals „rotiert“ in eine Richtung Die Anlehnung wird zu einer Seite unstet, zur anderen zu stramm Der Reiter kommt mit seinem eigenen Becken nicht zum symmetrischen Einsitzen: Das Pferd setzt ihn mit einem Sitzbeinhöcker immer wieder auf einer Seite tiefer. Oft reagieren wir Reiter darauf ebenfalls mit einem Kompensationsmuster, dem Einknicken in der Hüfte. Und auch unser Nervensystem speichert diese Fehlstellung bald als Normalstellung ab. Ein Teufelskreis beginnt.

Mythos ISG-Blockade

Es ist wichtig zu betonen, dass die Diagnose "ISG-Blockade" nicht unreflektiert gestellt werden sollte. Oftmals liegen die Ursachen für Probleme im Bereich des Kreuzdarmbeingelenks an anderer Stelle im Körper. Eine umfassende Untersuchung des Pferdes ist notwendig, um die tatsächliche Ursache der Beschwerden zu finden.

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