Nerv Entzündet Rücken: Ursachen, Behandlung und Prävention

Rückenschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem, von dem ein großer Teil der Bevölkerung betroffen ist. In Deutschland leidet jeder dritte Erwachsene häufig oder ständig unter Rückenschmerzen, während ein weiteres Drittel gelegentlich Beschwerden hat. Obwohl die Schmerzen oft von selbst oder nach kurzer Behandlung verschwinden, können sie auch chronisch werden. In den meisten Fällen helfen Bewegung und Entspannung, während in einigen Fällen Schmerzmittel oder Physiotherapie erforderlich sind. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Arten, Behandlungen und Präventionsmaßnahmen von Rückenschmerzen, insbesondere im Zusammenhang mit Nervenentzündungen.

Die komplexe Anatomie des Rückens

Unsere Wirbelsäule ist ein anatomisches Meisterwerk, das uns aufrecht hält, einen Großteil unseres Gewichts trägt und gleichzeitig stabil und beweglich ist. Trotz dieser Konstruktion klagen immer mehr Menschen über Rückenschmerzen. Die Wirbelsäule lässt sich in verschiedene Bereiche einteilen, und Rückenschmerzen können verschiedene Bereiche des Rückens betreffen. Am häufigsten ist der untere Rücken, also die Lendenwirbelsäule (LWS) oder das Becken betroffen. Diese Bereiche sind oft am stärksten belastet, zum Beispiel bei langem Stehen. Hier kann es zu Muskelverspannungen, Störungen des Gleitgewebes (Faszien) oder Bandscheibenvorfällen kommen. Rückenprobleme im mittleren Rücken können durch Muskelreizungen, Veränderungen der Rippen-Wirbel-Gelenke und Skelettverformungen, insbesondere der Brustwirbelsäule, ausgelöst werden. Schmerzen im oberen Rücken, also im oberen Bereich der Brustwirbelsäule (BWS), und im Nacken, also der Halswirbelsäule (HWS), sind häufig durch eine ungünstige Körperhaltung beim Arbeiten oder exzessive Nutzung des Mobiltelefons bedingt. Seltener treten an der Halswirbelsäule Entzündungen oder Bandscheibenvorfälle auf. Schwangere leiden besonders häufig unter Rückenschmerzen, da sich Muskeln, Bänder und Gelenke durch Hormone lockern und sich die Körperhaltung verändert, was zu Muskelverspannungen führt.

Arten von Rückenschmerzen

Rückenschmerzen werden hauptsächlich in zwei Kategorien eingeteilt: unspezifische und spezifische Rückenschmerzen.

Unspezifische Rückenschmerzen

In etwa 80 Prozent der Fälle handelt es sich um unspezifische Rückenschmerzen. Diese entstehen, wenn Muskeln, Sehnen oder Bänder durch Verspannungen, Verhärtungen oder Reizungen in ihrer Funktion beeinträchtigt sind. Meist passiert das aufgrund von Fehlhaltungen. Bei Fehlhaltungen verkürzen sich kleine Haltemuskeln in der Tiefe des Rückens, was die Mechanik der Gelenke verändert und zu Reizungen der Sehnenansätze führt. Unterforderte Bewegungsmuskeln werden geschwächt und bilden sich zurück, während strapazierte Gegenspieler-Muskeln sich verspannen, überdehnt werden, schlechter durchblutet werden und sich verhärten. Schließlich schlagen die örtlichen Schmerzrezeptoren Alarm. Auch das Muskelbindegewebe, die Faszien, kann gereizt reagieren. Eine konkrete Ursache wie eine zugrundeliegende Krankheit oder einen Schaden an der Wirbelsäule gibt es meist nicht. Die Verspannungen können aber auch psychische Auslöser haben, wie Stress.

Spezifische Rückenschmerzen

Spezifische Rückenschmerzen haben eine klar benennbare organische Ursache, wie:

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  • Entzündliche Arthrose der Wirbelgelenke
  • Bandscheibenvorfall
  • Osteoporose (Knochenschwund)
  • Osteomalazie (Knochenerweichung) aufgrund eines Vitamin-D-Mangels
  • Scheuermann-Erkrankung
  • Skoliose
  • Wirbelgleiten (Spondylolisthese)
  • Verengung des Spinalkanals (Spinalkanalstenose)
  • Chronisch-entzündliche Wirbelsäulen- und Gelenkerkrankungen (Spondyloarthritiden), darunter Morbus Bechterew
  • Entzündungen von Wirbeln, Bandscheiben oder Nervenwurzeln bei Infektionen mit Bakterien oder Viren
  • Stoffwechselbedingte Knochenerkrankungen
  • Morbus Paget des Knochens
  • Tumoren

Auch Schmerzen, die in anderen Körperregionen entstanden sind, können in den Rücken ausstrahlen, zum Beispiel aus den Nieren, der Gallenblase, dem Unterleib, der Bauchspeicheldrüse oder dem Herzen.

Nervenschmerzen im Rücken

Nervenschmerzen im Rücken, oft begleitet von Symptomen wie Schwäche, Taubheitsgefühlen oder Berührungsempfindlichkeit, können auf verschiedene Ursachen zurückzuführen sein. Diese Schmerzen treten meist in Intervallen, in stechender oder bohrender Intensität, in Erscheinung und sprechen oft kaum bis gar nicht auf herkömmliche Schmerzmittel an.

Ursachen von Nervenschmerzen im Rücken

  • Bandscheibenvorfall: Ein Bandscheibenvorfall kann unterschiedliche Symptome hervorrufen, von Schmerzen bis hin zu Kribbeln oder Taubheitsgefühlen bis hin zu Lähmungen in den Extremitäten, je nachdem, welcher Teil der Wirbelsäule betroffen ist. Ein brennender Schmerz im Rücken, der von Betroffenen als „extrem stark“ bezeichnet und sehr hoch in der Schmerzskala eingestuft wird, ist die Folge eines Bandscheibenvorfalls mit Druck auf die Nervenwurzeln.
  • Ischialgie: Bei der Ischialgie handelt es sich um eine durch Reizung entstandene Entzündung des Ischiasnervs. Die häufigste Ursache einer Ischialgie stellen Bandscheibenvorwölbungen oder -vorfälle dar, die in diesem Bereich der Wirbelsäule auf die Nervenwurzeln des Ischias drücken.
  • Gürtelrose: Die Gürtelrose ist eine Erkrankung, die durch reaktivierte Windpockenviren verursacht wird. Typische Symptome während der akuten Krankheitsphase sind der bläschenartige Ausschlag im „Gürtelbereich“ des Körpers - also im Bauch- und unteren Rückenbereich - sowie Schmerzen in dieser Zone (Zoster-Neuralgie).
  • Weitere Ursachen: Durch Operationen können Verletzungen an den Nervenwurzeln entstehen, die sich in starken Nervenschmerzen äußern. Doch auch neurologische Erkrankungen wie die Multiple Sklerose oder Rheuma können Nervenschmerzen samt Symptomen im Rücken nach sich ziehen.

Symptome von Nervenschmerzen im Rücken

Ein plötzlicher, brennender Schmerz im Rücken, der von weiteren Symptomen wie Schwäche, Taubheitsgefühlen oder Berührungsempfindlichkeit begleitet wird, spricht oft für Nervenschmerzen im Rücken. Symptome wie durch Kribbeln verursachter Juckreiz oder Verkrampfungen sind ebenfalls ein Anzeichen dafür. Die Schmerzen treten meist in Intervallen, in stechender oder bohrender Intensität, in Erscheinung.

Diagnose von Nervenschmerzen im Rücken

Um die Ursache von Nervenschmerzen im Rücken zu ermitteln und diese klar von anderen Beschwerden abzugrenzen, ist die ärztliche Diagnose wichtig. Der Arzt wird zunächst ein Gespräch mit Ihnen führen, bei dem mögliche Vorerkrankungen thematisiert werden. Sie müssen außerdem Fragen rund um die Art Ihres Schmerzes beantworten. Anschließend kann eine neurologische Untersuchung erfolgen.

Behandlung von Rückenschmerzen

Die Behandlung von Rückenschmerzen richtet sich nach der Art und Ursache der Schmerzen.

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Behandlung unspezifischer Rückenschmerzen

  • Konservative Therapie: Bei akuten Rückenschmerzen aufgrund von Verspannungen helfen meist einige einfache Maßnahmen: etwa leichte Bewegung, spezielle Übungen und Entspannung. Bettruhe wird nicht empfohlen, allenfalls kurze Schonung. Ideal ist eine Kombination aus moderaten Ausdauersportarten wie Rückenschwimmen oder Kraulen, Walken, Joggen oder Radfahren in Kombination mit Krafttraining. Daneben helfen Methoden wie Meditation, Yoga, Tai-Chi, progressive Muskelentspannung oder autogenes Training.
  • Wärmeanwendungen: Zusätzlich können Wärmeanwendungen zum Einsatz kommen - ob als Salbe, Gel oder Wärmepflaster, Wärmflasche, Kirschkernkissen, Fangopackung, Schaumbad oder Saunabesuch. Denn Wärme weitet die Gefäße, fördert die Durchblutung und lindert so Verspannungen.
  • Schmerzmittel: Sind die Schmerzen so unangenehm, dass Bewegung kaum möglich ist, können leichte Schmerzmittel sinnvoll sein. Wirkstoffe wie Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen kommen beispielsweise dafür infrage. Sie eignen sich aber nur als akute Maßnahme, um wieder sanfte Bewegungen zu ermöglichen, die dem Rücken und der Muskulatur guttun.
  • Psychotherapie: Eine Studie hat gezeigt, dass bei Beschwerden insbesondere des unteren Rückens eine Psychotherapie wirksamer sein kann als die üblichen Behandlungsmethoden.
  • Manuelle Therapie: Funktionsstörungen von Muskeln und Gelenken können häufig gut mit manueller Therapie behandelt werden. Dazu überweist der Orthopäde den Patienten in eine physiotherapeutische Praxis.
  • Massagen: Auch Massagen können wirksam sein: Sie fördern Entspannung und Durchblutung, können Verhärtungen und Verspannungen in der Muskulatur lösen und das Wohlbefinden steigern.
  • Rückenschulen: Speziell ausgerichtete Programme wie Rückenschulen sollen helfen, wiederkehrenden Kreuzschmerzen vorzubeugen.
  • Akupunktur: Akupunktur kann bei Rückenschmerzen zum Einsatz kommen, wenn andere Maßnahmen wie Schmerzmittel und aktivierende Übungen keine Besserung erreichen konnten.
  • Multimodale Schmerztherapie oder Rehabilitationsmaßnahme: Bei einem längeren chronischen Verlauf unspezifischer Rückenschmerzen kommt eventuell auch eine multimodale Schmerztherapie oder eine Rehabilitationsmaßnahme infrage.

Behandlung spezifischer Rückenschmerzen

Bei Rückenschmerzen, die von einer Krankheit verursacht werden, richtet sich die Therapie gezielt nach der jeweiligen Erkrankung. Trotzdem können auch hier eine physiotherapeutische Behandlung oder Rückenschul-Programme sinnvoll sein, wenn die Beweglichkeit schmerzbedingt eingeschränkt ist.

Behandlung von Nervenschmerzen im Rücken

  • Medikamentöse Therapie: Zur Schmerzlinderung kann Ihnen der Arzt außerdem Schmerzmittel verordnen. Durch die Bekämpfung der heftigen Schmerzen werden weitere Behandlungsoptionen wie die Physiotherapie in schweren Fällen erst ermöglicht; daher sind die Medikamente am Anfang der Therapie sehr wichtig. Auch beugen sie einer chronischen Entwicklung der Nervenschmerzen im Rücken vor.
  • Invasive Verfahren: Weiterhin können bei einigen, ursächlichen Erkrankungen Operationen notwendig werden.
  • Hausmittel und Homöopathie: Brennender Schmerz im Rücken kann mit verschiedenen Hausmitteln gelindert werden. Beispielsweise verschafft eine Massage mit Johanniskrautöl Entspannung, Pfefferminzöl wirkt kühlend und beruhigend. Weiterhin sollten Sie die Kälte- oder Wärmetherapie ausprobieren, indem Sie entsprechend temperierte Wickel auf den betroffenen Bereich legen.
  • Bewegung und Übungen: Ein brennender Schmerz im Rücken kann auch durch leichte Bewegung gelindert werden und wenn es nur ein kleiner Spaziergang pro Tag ist! Außerdem profitieren Sie bei Rückenschmerzen oft von Physiotherapie.
  • Entspannungsverfahren: Ist Ihr elektrisierender Schmerz im Rücken oft an stressige Situationen geknüpft; tritt also dann besonders heftig oder häufig in Erscheinung? Dann sollten Sie Entspannungsverfahren wie autogenes Training oder die progressive Muskelentspannung erlernen.

Prävention von Rückenschmerzen

  • Normalgewicht: Achten Sie auf ein normales Gewicht.
  • Rückengymnastik: Machen Sie regelmäßig Rückengymnastik.
  • Schonende Sportarten: Betreiben Sie schonende Sportarten wie Rückenschwimmen oder Walken.
  • Stressvermeidung: Vermeiden Sie Stress.
  • Bequeme Schuhe: Tragen Sie möglichst gut sitzende, bequeme Schuhe.
  • Rückenschonende Matratze: Achten Sie auf eine passende, rückenschonende Matratze.
  • Ergonomischer Arbeitsplatz: Bei einem Beruf, der mit viel Sitzen verbunden ist, ist ein ergonomischer Arbeitsplatz wichtig.
  • Richtiges Heben: Beim Heben schwerer Lasten gilt: Möglichst aus der Hocke heraus die Last hochstemmen, dabei Becken fest und Rücken gerade halten, Bauchmuskeln anspannen. Gegenstand so nah am Körper wie möglich heben.

Spinalkanalstenose

Die Spinalkanalstenose ist eine Verengung des Wirbelkanals der Wirbelsäule, die zu Beschwerden im Rücken und in den Beinen führen kann. Sie entsteht meist durch den normalen Alterungsprozess des Körpers.

Symptome der Spinalkanalstenose

  • Schmerzen im unteren Rücken, die bis in Gesäß und Oberschenkel ziehen
  • Müde und schwere Beine
  • Ischialgien (Schmerzen, die ins Bein ausstrahlen)
  • Kribbeln und Taubheitsgefühle in den Beinen
  • Lähmungserscheinungen

Behandlung der Spinalkanalstenose

  • Konservative Therapie:
    • Entlastungshaltungen
    • Manuelle Therapie
    • Physiotherapie
    • Schmerzstillende Medikamente
    • Aktiv bleiben
    • Multimodale Schmerztherapie
  • Operative Therapie: Wenn die konservativen Behandlungen nicht helfen, kann eine Operation infrage kommen.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

  • Wenn Schmerzmittel öfter als an drei aufeinanderfolgenden Tagen oder öfter als zehn Mal im Monat benötigt werden.
  • Bei chronischen Vorerkrankungen oder mit Herz- und Nierenproblemen sollte die Einnahme von Schmerzmitteln generell mit einer Ärztin oder einem Apotheker abgeklärt werden.
  • Treten Rückenschmerzen über mehr als drei Monate immer wieder auf.
  • Klingen akute Rückenschmerzen nicht wieder ab, nehmen zu, breiten sich aus oder kehren nach kurzer Besserung zurück.
  • Akute Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in den Arm sowie Missempfindungen oder Muskelschwäche im Bein.
  • Wenn begleitend andere Beschwerden auftreten, die zum Beispiel auf Erkrankungen von inneren Organen hindeuten könnten.
  • Treten Empfindungsstörungen im Intimbereich, Lähmungen der Beine, akute Störungen der Blase, des Mastdarms und der Potenz auf.
  • Bei Alarmsymptomen wie starken Schmerzen im Rücken, Brustbereich oder Bauch mit deutlichem Unwohlsein und Kreislaufschwäche.
  • Wenn Rückenschmerzen in Verbindung mit Allgemeinsymptomen wie Fieber, Schüttelfrost, Müdigkeit oder Gewichtsabnahme auftreten.
  • Betroffene sollten immer dann einen Arzt aufsuchen, wenn ihre Lebensqualität durch die Schmerzen stark eingeschränkt wird und die Beschwerden mehrere Tage in Folge anhalten.
  • Wenn sich ein Taubheitsgefühl in den Beinen bemerkbar macht.
  • Bei untypischen, anhaltenden oder zunehmenden Rückenschmerzen.

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