Einführung
Die Akupunktur und Akupressur sind traditionelle chinesische Heilmethoden, die seit Jahrtausenden angewendet werden, um Schmerzen zu lindern und die Gesundheit zu fördern. Beide Techniken basieren auf der Vorstellung, dass der Körper von einem Netzwerk von Energiebahnen, den sogenannten Meridianen, durchzogen ist. Auf diesen Meridianen liegen spezifische Punkte, die durch Stimulation mit Nadeln (Akupunktur) oder Druck (Akupressur) beeinflusst werden können. Dieser Artikel beleuchtet die Akupunkturpunkte am Handgelenk, ihre Anwendung und ihre potenziellen Vorteile.
Grundlagen der Akupressur und Akupunktur
Die Geschichte der Akupressur
Die Akupressur blickt auf eine lange Geschichte zurück, die etwa 3000 Jahre vor unserer Zeitrechnung in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ihren Ursprung hat. Weise Männer und Kaiser beschäftigten sich mit den Kräften und Rhythmen der Erde und des Kosmos. Dabei entdeckten sie, dass Druck auf bestimmte Hautbereiche Schmerzen lindern und Organe beeinflussen kann.
Wirkungsweise: Nervenimpulse und Sinneswahrnehmung
In der Akupressur und Akupunktur werden Behandlungspunkte gereizt, um Nervenimpulse auszulösen. Ob durch Druck (Akupressur) oder Nadelstiche (Akupunktur), das Gehirn empfängt diese Reize als Strom über die Nervenimpulse, die dann zu Sinneswahrnehmungen verschaltet werden. Die westliche Medizin kennt ähnliche Konzepte wie Druckpunkte oder Triggerpunkte.
Die Rolle der Meridiane
Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) geht davon aus, dass die Energie im Körper über Meridiane verteilt wird. Es gibt etwa 12 Hauptmeridiane, die spiegelbildlich auf beiden Körperseiten verlaufen und jeweils einem Organ oder einer Organgruppe zugeordnet sind. Auf diesen Meridianen befinden sich rund 350 Akupressurpunkte, die durch sanften Druck positiv beeinflusst werden können.
Akupressur im Westen
Im Westen wird Akupressur mit verschiedenen Verfahren verglichen, die auf Punkte am Körper drücken. Rettungsschwimmer, Ärzte, Heilpraktiker, Hebammen, Orthopäden und Physiotherapeuten nutzen Akupressurpunkte oder Nervendruckpunkte, um Menschen zu behandeln.
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Akupunkturpunkte am Handgelenk
Bedeutung der Handakupressur
Die Akupressurpunkte der Hand haben unterschiedliche positive Effekte. Insgesamt kann die Anwendung die Selbstheilungskräfte des Körpers anregen, das innere Gleichgewicht wiederherstellen, Verspannungen lockern und die Handpflege fördern.
Auffinden der Akupressurpunkte
Die Akupressurpunkte im Handbereich liegen unmittelbar unter der Hautoberfläche und können leicht ertastet werden, insbesondere wenn Blockaden vorhanden sind, die sich als Verhärtungen anfühlen.
Ausgewählte Akupunkturpunkte am Handgelenk
- Herz 7 (Shenmen): Dieser Punkt befindet sich an der Handgelenksfalte auf der Handbeugesehne an der Seite der Elle. Er wirkt beruhigend, hilft bei Angstzuständen, Schlaflosigkeit, Herzrhythmusstörungen und Reizbarkeit.
- Lunge 9 (Taiyuan): Dieser Punkt liegt an der radialen Seite des Handgelenks, in der Nähe der Arterie. Er wird zur Behandlung von Atemwegserkrankungen wie Husten, Asthma und Bronchitis eingesetzt.
- Perikard 6 (Neiguan): Dieser Punkt befindet sich drei Fingerbreiten unterhalb des Handgelenks zwischen den Sehnen. Er ist bekannt für seine Wirksamkeit bei Übelkeit, Reisekrankheit und Karpaltunnelsyndrom.
- Dünndarm 3 (Houxi): Dieser Punkt liegt am fünften Mittelhandknochengelenk (Knöchel). Er beruhigt den Geist, hilft gegen Bindehautentzündung, Gehörlosigkeit, Schmerzen im Ellbogen, Epilepsie, Augenerkrankungen und Kopfschmerzen am Hinterhauptbein.
- 3-fach-Erwärmer 4 (Yangchi): Dieser Punkt befindet sich auf dem Handrücken, in der Mitte des Handgelenks. Er wird zur Behandlung von Schmerzen im Handgelenk, Kopfschmerzen und zur Stärkung des Immunsystems eingesetzt.
Akupressur bei Karpaltunnelsyndrom
Das Karpaltunnelsyndrom ist eine häufige Erkrankung, bei der der Mittelnerv im Handgelenk eingeengt wird, was zu Schmerzen, Taubheitsgefühl und Kribbeln in den Fingern führt. Akupunktur kann hier eine alternative Behandlungsmethode sein, insbesondere zur Linderung der Schmerzen. Der Akupunkteur wählt meist den Punkt Gb34 und bezieht Di11 ein, um Entzündungen zu lindern.
Anwendung der Akupressur am Handgelenk
Techniken zur Stimulation der Akupressurpunkte
Die Akupressurpunkte an der Hand können durch verschiedene Techniken stimuliert werden:
- Druckpunktstimulation: Kräftiger, durchgehender Druck auf den Reizpunkt für etwa fünf Sekunden bis maximal zwei Minuten.
- Leichte Klopfungen: Sanftes Klopfen auf den Reizpunkten.
- Gleichmäßige Reibungen: Rhythmische Reibungen über den Bereich.
- Behutsame Knetungen: Sanfte bis kräftigere Knetungen.
Selbsthilfe durch Akupressur
Die Akupressur an der Hand lässt sich problemlos in Eigenleistung durchführen. Es empfiehlt sich, ein gewisses Grundmaß an Kenntnissen über die Methode und die Akupressurpunkte zu besitzen. Je nach vorliegender Problematik werden die entsprechenden Punkte für wenige Sekunden oder 1-2 Minuten stimuliert, bis sich eine spürbare Besserung einstellt.
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Hilfsmittel für die Akupressur
Es gibt verschiedene Hilfsmittel, die die Akupressur erleichtern können:
- Akupressurhandschuhe: Diese Handschuhe kennzeichnen die wichtigen Druckpunkte und erleichtern die Durchführung.
- Poster mit Reflexzonen: Diese Poster zeigen die Akupressurpunkte und ihre zugehörigen Organe/Körperbereiche.
- Akupressurring: Ein Ring, der über die Finger gerollt wird, um die Akupressurpunkte zu stimulieren.
Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Akupressur
- Suchen Sie sich einen ruhigen, gemütlichen Platz, an dem Sie entspannen können.
- Erwärmen Sie Ihre Hände durch ein Bad, um die Muskulatur zu lockern.
- Streichen Sie mehrmals sanft und gleichmäßig über Ihre Hände, um sie auf die bevorstehende Anwendung vorzubereiten.
- Tasten Sie Schritt für Schritt die Akupressurpunkte ab.
- Üben Sie Druckpunktstimulation für etwa 3 Sekunden langsam aufbauen, in identischer Intensität für rund 30 Sekunden aufrechterhalten, danach behutsam den Druck lösen und zum nächsten Punkt wandern.
- Verweilen Sie auf verhärteten Druckpunkten etwas länger und sparen Sie die Triggerpunkte aus, die Sie nicht aktivieren möchten.
- Nutzen Sie am Ende wieder leichte Streichungen, um die Anwendung abzuschließen.
- Ruhe Deine Hände für eine Weile aus und halte sie dabei gut warm, zum Beispiel durch Wärmekissen, weiche Handschuhe oder eine Decke.
Wichtige Hinweise für die Selbstbehandlung
Die Akupressur der Hand in einer Selbstanwendung ist lediglich für gesunde Menschen bestimmt, die nach Erholung oder einer positiven Unterstützung bei leichten Disharmonien suchen. Bei größeren oder anhaltenden Beschwerden ist der Besuch eines erfahrenen TCM-Arztes empfehlenswert.
Weitere Anwendungsbereiche der Akupressur
Akupressur bei Rückenschmerzen
Akupressur kann auch bei verschiedenen Arten von Rückenschmerzen eingesetzt werden:
- Lendenwirbelsäule (LWS): Akupressur am Schambein kann bei Rückenschmerzen im unteren Rückenbereich helfen.
- Halswirbelsäule (HWS): Druckpunkte am Brustbein können bei Nackenschmerzen, Kopfschmerzen oder Migräne helfen.
- Brustwirbelsäule (BWS): Akupressur am Brustbein kann bei Schmerzen im oberen Rückenbereich helfen.
Akupressur zur Gewichtsreduktion
Obwohl wissenschaftliche Beweise fehlen, wird Akupressur manchmal zur Unterstützung der Gewichtsabnahme eingesetzt. Hierbei werden bestimmte Punkte stimuliert, die den Stoffwechsel anregen, Heißhungerattacken verhindern und die Verdauung fördern sollen.
Akupressur bei psychischen Beschwerden
Akupressur kann auch bei psychischen Beschwerden wie Stress, Unruhe, Angstzuständen und Schlafstörungen eingesetzt werden. Bestimmte Punkte auf den Meridianen sollen beruhigend wirken und das innere Gleichgewicht wiederherstellen.
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Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Akupressur
Studien zur Wirksamkeit
Die wissenschaftliche Forschung zur Wirksamkeit der Akupressur ist noch nicht abgeschlossen, aber es gibt einige Studien, die positive Ergebnisse zeigen. Beispielsweise gibt es klinische Studien zu Menstruationsbeschwerden, bei denen die Akupressur nachweislich Schmerzen reduzieren kann. Auch zur Wirksamkeit der Akupressur bei Kopfschmerzen, Übelkeit und Schlafstörungen gibt es Studien mit positiven Ergebnissen.
Akupunktur verändert die Hirnaktivität
Eine Studie mit Patienten mit Karpaltunnelsyndrom zeigte, dass echte Akupunktur die Verarbeitung von Nervenimpulsen im somatosensorischen Cortex des Gehirns verändert. Dies deutet darauf hin, dass Akupunktur nicht nur lokal wirkt, sondern auch Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem hat.
Risiken und Nebenwirkungen der Akupressur
Mögliche Nebenwirkungen
Im Allgemeinen ist die Akupressur sicher und hat nur wenige Nebenwirkungen. Gelegentlich können leichte Blutergüsse, blaue Flecken oder Schmerzen an den stimulierten Stellen auftreten. In seltenen Fällen können kurzzeitige Symptome wie Hitzegefühle, Unwohlsein, Schwindel oder Erschöpfung auftreten.
Kontraindikationen
Es gibt bestimmte Situationen, in denen Akupressur nicht angewendet werden sollte:
- Verletzungen oder Erkrankungen im Behandlungsbereich
- Erhöhter Hirndruck oder Schädel-Hirn-Trauma
- Schwangerschaft (bestimmte Punkte)
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