Grippeimpfung und ihr möglicher Zusammenhang mit Parkinson und Alzheimer

Die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen Virusinfektionen, insbesondere der Grippe, und neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer gibt, ist Gegenstand aktueller Forschung. Eine wachsende Zahl von Studien deutet auf mögliche Verbindungen hin, wobei sowohl Risiken als auch präventive Aspekte, insbesondere im Zusammenhang mit Impfungen, diskutiert werden.

Virusinfektionen und das erhöhte Risiko neurodegenerativer Erkrankungen

Eine aktuelle Studie, die auf der Analyse von Daten aus zwei großen Biodatenbanken (FinnGen und UK Biobank) basiert, deutet darauf hin, dass Menschen, die bestimmte Virusinfektionen durchmachen, möglicherweise ein erhöhtes Risiko für neurodegenerative Erkrankungen haben - und zwar bis zu 15 Jahre nach der Infektion. Die Studie identifizierte zunächst 45 virale Expositionen, wie z. B. Virus-induzierte Lungenentzündung oder Enzephalitis, die mit einem erhöhten Risiko für Alzheimer, Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), Demenz, vaskuläre Demenz, Parkinson und Multiple Sklerose (MS) assoziiert waren. 22 dieser Assoziationen konnten in der britischen UK Biobank repliziert werden.

Besonders häufig waren Assoziationen für Demenz, beispielsweise mit viraler Enzephalitis, Influenza oder einer viralen Lungenentzündung. Es konnte gezeigt werden, dass vier der fünf untersuchten neurodegenerativen Erkrankungen mit einer vorhergehenden schweren Infektion mit Influenzaviren (mit und ohne Lungenentzündung) in Verbindung stehen. Das Risiko war bei den meisten Paarungen innerhalb eines Jahres vor der Diagnose einer neurodegenerativen Erkrankung am höchsten, aber bei einigen Paaren wurden noch bis zu 15 Jahre vor der Diagnose signifikante Assoziationen gefunden.

Es ist wichtig zu betonen, dass diese Analyse zwar Korrelationen aufzeigt, aber keine Kausalität beweist. Es ist auch möglich, dass bereits bestehende, aber unbemerkte neurodegenerative Erkrankungen zu einer erhöhten Infektanfälligkeit führen könnten.

Die Rolle der Grippeimpfung

Angesichts der potenziellen Verbindung zwischen Virusinfektionen und neurodegenerativen Erkrankungen stellt sich die Frage, ob Impfungen eine präventive Rolle spielen könnten. Eine Studie der UT Health Houston deutet darauf hin, dass Impfungen sich positiv auf das Demenzrisiko auswirken könnten. Die Mediziner fanden heraus, dass von den 935.887 Geimpften 5,1 Prozent in den folgenden vier Jahren an Alzheimer erkrankten, verglichen mit 8,5 Prozent unter den ebenso vielen Ungeimpften.

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Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Grippeimpfung bei älteren Erwachsenen das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, über mehrere Jahre hinweg verringern könnte. Es wird vermutet, dass verschiedene Impfstoffe vor der Alzheimer-Krankheit schützen können, was darauf hindeutet, dass es sich nicht um eine spezifische Wirkung der Grippeimpfung handelt. Es wird angenommen, dass das Immunsystem durch Impfungen in einer Weise aktiviert wird, die vor Alzheimer-Krankheit schützt.

Eine Vergleichsstudie zeigte, dass eine vor mehr als zehn Jahren durchgemachte Virusgrippe das Parkinson-Risiko deutlich erhöht. Es zeigte sich, dass die an Parkinson Erkrankten zu 73 Prozent häufiger vor zehn oder mehr Jahren an einer Virusgrippe erkrankt waren. Lag die Grippe mehr als 15 Jahre zurück, so war das Risiko sogar um 91 Prozent erhöht. Diese Ergebnisse sprechen für eine jährliche Grippeimpfung, die möglicherweise mehr als nur den Schutz vor einer Virusgrippe bietet.

Einschränkungen und Kritik

Es ist wichtig, die Einschränkungen der genannten Studien zu berücksichtigen. Prof. Dr. Klemens Ruprecht von der Charité - Universitätsmedizin Berlin bemängelt, dass die Diagnosen sowohl der viralen Erkrankungen als auch der neurodegenerativen Erkrankungen in den untersuchten Datenbanken auf Diagnoseschlüsseln beruhen, die für medizinische Abrechnungszwecke erhoben worden waren, was zu einer gewissen Unschärfe führt. Zudem seien die Diagnosen der viralen Erkrankungen nicht systematisch durch Labortests überprüft worden.

Ruprecht betont, dass die Arbeit zwar mögliche Zusammenhänge (Assoziationen) bestimmter viraler Erkrankungen mit neurodegenerativen Erkrankungen beschreibt, aber keine Rückschlüsse dahingehend erlaubt, ob diese Zusammenhänge auch ursächlich sind. Er plädiert für methodisch robuste Nachuntersuchungen, bevor weitreichende Schlüsse gezogen werden können.

Weitere Forschung und Perspektiven

Die Forschung zu diesem Thema ist noch nicht abgeschlossen. Es sind weitere Studien erforderlich, um die genauen Mechanismen zu verstehen, die hinter den beobachteten Zusammenhängen stehen. Insbesondere sollte untersucht werden, ob die Covid-19-Impfung sich ebenfalls positiv auf das Demenzrisiko auswirken könnte.

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Auch die Frage, ob Virusinfektionen in der Vergangenheit Unterschiede im Schweregrad neurodegenerativer Erkrankungen bewirken, sollte weiter untersucht werden.

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