Ursachen und Folgen der kompletten Tetraplegie: Ein umfassender Überblick

Die komplette Tetraplegie, auch bekannt als vollständige Querschnittslähmung im Halsbereich, ist eine schwerwiegende Erkrankung, die das Leben der Betroffenen tiefgreifend verändert. Umfassende Informationen über die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung dieser Erkrankung sind entscheidend, um das Verständnis und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Was ist Tetraplegie?

Bei einer Querschnittlähmung sind Nervenbahnen im Rückenmark unterbrochen, die für die Bewegung (motorische Nerven) oder für Sinneswahrnehmungen (sensible Nerven) zuständig sind. Die Ausprägung einer Querschnittlähmung hängt davon ab, in welcher Höhe und in welchem Ausmaß das Rückenmark geschädigt ist.

Die Wirbelsäule ist aus einzelnen Wirbeln zusammengesetzt, das darin liegende Rückenmark unterteilt sich in etwa ebenso viele neurologische Segmente. Aus jedem dieser Rückenmarkssegmente entspringen jeweils links und rechts Spinalnerven, die für Sensibilität und Bewegungsfähigkeit zuständig sind. Von entscheidender Bedeutung für die Schwere der Verletzung und die funktionellen Einschränkungen ist die Höhe der Verletzung (Läsion) der Wirbelsäule bzw. des Rückenmarks.

Bei einer Paraplegie ist das Rückenmark auf Höhe der Brust oder Lendenwirbelsäule geschädigt. Untere Extremitäten und Anteile des Rumpfs sind von der Lähmung betroffen. Bei einer Tetraplegie liegt die Verletzung im obersten thorakalen Segment (Th 1) und höher. Arme, Beine und der Rumpf sind betroffen.

Wer verschiedene Formen der Querschnittlähmung definieren will, kann den Fokus auch auf qualitative Merkmale legen. Anhand des sogenannten ASIA Impairment Scale (AIS) der American Spinal Injury Association (ASIA) werden 5 Schädigungsgrade der Querschnittlähmung (A-E) unterschieden. Dabei wird häufig Bezug auf das „neurologische Niveau“ genommen.

Lesen Sie auch: Leben mit Tetraplegie C4: Freizeit und Alltag

Ob ein Mensch komplett oder inkomplett gelähmt ist, wird durch Sensibilität und Muskelfunktion am Anus definiert. Spüren Betroffene Berührungen in diesem Körperbereich oder können dort willentlich den Schließmuskel bewegen, gelten sie als inkomplett gelähmt. Dementsprechend gelten Menschen mit einer tiefen Rückenmarksverletzung, die eigenständig gehen, aber weder die Blase noch den Enddarm kontrollieren können und denen jegliche Sensibilität im Anus-Bereich fehlt, als komplett gelähmt. Andererseits gibt es Menschen mit hoher Tetraplegie, die praktisch vollständig auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen sind, jedoch aus oben genannten Gründen als inkomplett gelähmt gelten.

Bei einer kompletten motorischen Lähmung (Plegie) und vollständiger Durchtrennung der Nerven an einer bestimmten Stelle des Rückenmarks fehlen Muskelkraft und Empfindungsvermögen von dieser Stelle an fußwärts.

Ursachen der kompletten Tetraplegie

Wer Formen der Querschnittlähmung betrachtet, kann sein Augenmerk auch auf die Ursachen legen. Querschnittlähmungen können krankheitsbedingt, unfallbedingt oder angeboren sein. Bei unfallbedingten (traumatischen) Querschnittlähmungen liegt die Ursache meist in Verletzungen der Wirbelsäule durch Unfälle oder Stürze. Der Druck auf das Rückenmark führt letztlich zur Schädigung von Nerven mit der Folge einer Lähmung. Selten kommt es zur völligen Unterbrechung der Nervenbahnen. Den größten Anteil machen inzwischen krankheitsbedingte Querschnittlähmungen aus, die durch Druck auf das Rückenmark entstehen oder direkt im Rückenmark verursacht werden.

Ein Genickbruch entsteht typischerweise bei Autounfällen, wenn das Genick stark gebeugt oder stark gestreckt wird oder der Kopf anschlägt. Weitere häufige Ursachen sind Kopfsprünge ins seichte Wasser, Zweirad- und Reitunfälle.

So entsteht etwa ein Genickbruch der Okzipitalkondylen durch ein Rasanztrauma (Unfall, bei dem viel kinetische Energie = Bewegungsenergie auf den Körper einwirkt, wie bei einem Autounfall) oder einen Sturz auf den Kopf mit direkter axialer Gewalteinwirkung. Ein Genickbruch des Atlas wird häufig durch eine indirekte Krafteinwirkung verursacht, wenn eine axiale Kraft auf den überstreckten Kopf trifft und dabei den hinteren Atlasbogen zwischen Schädel und Dornfortsatz einklemmt. Die Hangman-Fracture findet sich häufig bei Menschen, die sich erhängt haben. Diskoligamentäre Verletzungen der Halswirbelsäule treten oft bei schweren Dezelerationstraumen auf. Dabei wird der Kopf bei einer schnellen Kopfbewegung plötzlich abgebremst.

Lesen Sie auch: Detaillierte Analyse: Paraplegie, Tetraplegie, Quadriplegie

Zu den übrigen Ursachen gehören Tumoren, Entzündungen, gefäßbedingte und degenerative Erkrankungen des Rückenmarks sowie iatrogen bedingte Querschnittlähmungen.

Symptome der kompletten Tetraplegie

Typische Symptome bei Genickbruch sind Nackenschmerzen, Kopfschmerzen, eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung der Halswirbelsäule (vor allem beim Drehen des Kopfes) und Schwindelgefühl. Manche Betroffene stützen ihren Kopf mit den Händen ab und weisen neurologische Störungen in einem Arm oder beiden Armen auf.

Bei einem Schleudertrauma kommt es oft zu Kopf- und Nackenschmerzen, sensiblen Missempfindungen der Extremitäten und einer Reflexabschwächung. Vorübergehend treten auch ein Schwindelgefühl und eine Hörstörung auf.

Völlige Unterbrechung der Leitfähigkeit des Rückenmarkes, z. B. nach vollständiger Durchtrennung, Quetschung, Tumoren, Infektionen, Durchblutungsstörungen. Die akute Unterbrechung der Zuleitung von Impulsen aus höhergelegenen Zentren des zentralen Nervensystems führt zu einer totalen Funktionslosigkeit in den subläsionalen Körperbereichen (Spinaler Schock) mit schlaffer Lähmung der Muskulatur, Fehlen von Fremd- und Eigenreflexen, Fehlen der Gefäßkontrolle und Wärmeregulation, Darmatonie, eingeschränkter Ausscheidung harnpflichtiger Substanzen sowie einer schlaffen Lähmung von Blase und Enddarm. Zusätzlich können innersekretorische Störungen mit Elektrolyte Verschiebungen und Hyperglykämie eintreten.

Bei Läsionen oberhalb des 5. Willkür kontrollierte Bewegungen sind in den gelähmten Körperarealen nicht möglich. Berührungs-, Schmerz-, Temperatur und Tiefensensibilität fehlen oder sind herabgesetzt. Es kommt aufgrund der vegetativen Lähmung u. a. Die plötzliche Unterbrechung der cortico spinalen Bahnen führt zum klinischen Bild des „spinalen Schocks“. Aufgrund der fehlenden zentralen Dauererregung resultiert ein nahezu vollständiger Verlust der Rückenmarksfunktionen unterhalb der Läsionsstelle, obgleich das Rückenmark in diesem Bereich anatomisch intakt ist. Der Ausfall der damit verbundenen Mono- und polysegmentalen Fremd- und Eigenreflexe, des Vasomotorentonus und der Viszeromotorik sowie der vegetativen Steuerungsmechanismen führt zu einer Vielzahl von schwerwiegenden Gefahren, z. B. Störung der Kreislaufsteuerung, Störung der Thermoregulation, Extreme Thromboembolie-Gefährdung, u. a. Der spinale Schock dauert wenige Stunden bis einige Monate, im Durchschnitt 4-6 Wochen.

Lesen Sie auch: Ursachen, Behandlung & Perspektiven bei Tetraplegie

Diagnose der kompletten Tetraplegie

Bei Verdacht auf eine Verletzung der Halswirbelsäule sollte der Hals sofort in einer steifen Halsstütze (Stiff-Neck) ruhiggestellt werden. Der Spezialist für die weitere medizinische Versorgung ist ein Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Um herauszufinden, ob tatsächlich ein Genickbruch vorliegt, wird er zuerst die genaue Krankengeschichte erheben (Anamnese), dann den Patienten körperlich untersuchen und auch bildgebende Verfahren einsetzen.

Zur Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) wird der Arzt Ihnen verschiedene Fragen stellen, zum Beispiel:

  • Wann genau ist der Unfall passiert?
  • Können Sie sich an den Unfallhergang erinnern?
  • Wie stark war der Aufprall?
  • Beschreiben Sie die Richtung der Gewalteinwirkung genau.
  • Haben Sie starke Schmerzen wie zum Beispiel Nackenschmerzen oder Kopfschmerzen?

Wichtig für die Diagnose ist die genaue Analyse des Unfallmechanismus: Mögliche Verletzungsmechanismen der Halswirbelsäule sind Überstreckung, Überbeugung, axiale Stauchung und Verschiebung.

Als nächstes folgt die körperliche Untersuchung. Der Arzt muss die Bewusstseinslage des Patienten einschätzen und die Halswirbelsäule begutachten. Dabei prüft er, ob sich ein Buckel gebildet hat oder die Dornfortsätze auseinanderweichen. Er achtet zudem auf Druck- beziehungsweise Schmerzpunkte sowie auf Stauchungs- und Ausstrahlungsschmerzen.

Die körperliche Untersuchung beinhaltet immer auch eine neurologische Untersuchung, um eine Querschnittslähmung auszuschließen. Der Untersucher prüft dabei einige Kennmuskeln und die Sensibilität der segmentalen Hautgebiete (Dermatome) - Hautareale, die von einzelnen Nervenfasern einer bestimmten Rückenmarkswurzel autonom versorgt werden. Fällt ein Muskel oder die Sensibilität eines Dermatoms aus, kann der Arzt abschätzen, in welcher Höhe der Wirbelsäule eine Verletzung vorliegt.

Anschließend testet der Arzt die wichtigen Regionen des Rückenmarks. Spürt der Betroffene zum Beispiel, dass er an der Schulter berührt wird, oder kann er die Schultern heben, ist das Rückenmark bis zum vierten Halswirbel intakt. Der vierte Halswirbel ist eine besondere Höhe, da von dort aus das Zwerchfell mit Nerven versorgt wird. Ein Trauma oberhalb des vierten Halswirbels beeinträchtigt die Atmung so weit, dass eine Beatmung über eine Intubation nötig wird.

Wirbelsäulenverletzungen werden oft gar nicht oder zu spät erkannt. Deshalb ist eine korrekte Röntgenuntersuchung und - falls die Areale schlecht einsehbar sind - eine Computertomografie (CT) von großer Bedeutung.

Eine Röntgenübersichtsaufnahme von Atlas und Axis aus verschiedenen Richtungen gehören demnach zur Standarddiagnostik bei Genickbruch - sie wird von Medizinern oft als "Dens-Zielaufnahme" bezeichnet.

Kann ein Genickbruch nicht sicher ausgeschlossen werden, folgt eine Computertomografie (CT). Es wird dann ein sogenanntes Spiral-CT mit multiplanarer Rekonstruktion angefertigt, womit Wirbelbögen, Gelenkfrakturen sowie der Wirbelsäulenkanal exakt darstellbar sind. Die CT-Untersuchung ermöglicht es auch, den Genickbruch genau zu klassifizieren.

Bei neurologischen Ausfällen muss bereits im Rahmen der Notfalldiagnostik eine Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT) durchgeführt werden. Damit lassen sich die Weichteilstrukturen gut darstellen, und zwar ohne eine Strahlenbelastung, wie sie beim CT besteht.

Besonders bei Schleudertraumen ist eine gute Dokumentation wichtig, da später oft versicherungsrechtliche Fragen in diesem Zusammenhang beantwortet werden müssen. Bestehen die Beschwerden länger als fünf Tage, sollte eine Magnetresonanztomografie durchgeführt werden.

Behandlung der kompletten Tetraplegie

Ob ein Genickbruch konservativ oder operativ behandelt wird, hängt von der Art der Verletzung und der neurologischen Symptome ab. Die Form der Verletzung bestimmt, wie stabil der Genickbruch ist. Eine rasche Erstversorgung sowie adäquate Behandlung auf der Notfallstation sind besonders wichtig.

Allgemein gilt: Ein bewusstloses Unfallopfer hat solange einen Genickbruch, bis das Gegenteil bewiesen ist. In 20 bis 45 Prozent der Fälle tritt der Genickbruch in Kombination mit einem Schädel-Hirn-Trauma auf.

Bevor der Patient bewegt wird, sollte er eine steife Halskrawatte (Philadelphiakrawatte) bekommen. Danach wird er mit einer ausreichenden Zahl an Helfern vorsichtig geborgen und gelagert. Zum Transport wird er anschließend auf einer Vakuummatratze gelagert und so stabilisiert, dass er erst wieder in der Klinik umgelagert werden muss.

Bei Genickbruch ist das Transportmittel der Wahl der Helikopter. Ist ein Helikoptertransport nicht möglich, sollte der Patient mit einem Notarztwagen und einem begleitenden Arzt möglichst rasch in ein Wirbelsäulenzentrum gebracht werden. Dort stehen rund um die Uhr alle nötigen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten zur Verfügung.

Oft geht ein Genickbruch mit Gehirnverletzungen oder lebensbedrohlichen inneren Verletzungen einher. Insbesondere wenn das Rückenmark verletzt ist, muss der Bruch ohne Zeitverlust wieder ausgerichtet werden, damit kein Druck auf das Rückenmark ausgeübt wird.

Der Genickbruch kann entweder geschlossen unter Röntgenkontrolle auf der Notfallstation ausgerichtet werden, um ihn anschließend äußerlich ruhig zu stellen. Besser ist jedoch das offene Ausrichten im Operationssaal, um den Genickbruch von innen zu stabilisieren.

Je nach Art der Fraktur können verschiedene Systeme angewendet werden, um die Halswirbelsäule zu fixieren:

  • Ein weicher Kragen (Schanz-Krawatte) verhindert nur, dass der Kopf extrem gebeugt wird.
  • In einem steifen Kragen (Philadelphia-Krawatte oder Stiffneck) ist auch das Kinn gelagert. Dies schränkt die Beweglichkeit des Kopfes (Beugen, Strecken, Drehen) stark ein. Die sogenannte Halo-Weste besitzt die zusätzliche Möglichkeit, den Kopf in die Länge zu strecken.
  • Ein Kopf-Brust-Gipsverband (Minerva-Gips) bezieht Kopf, Schultern und Brustkorb (Thorax) ein und wird vor allem bei Kindern angewendet.

Mit all diesen Fixationssystemen kann jedoch nur ein Genickbruch der oberen Halswirbelsäule fixiert werden, während sich die untere Halswirbelsäule damit nicht sicher ruhigstellen lässt.

Eine Operation verkürzt die Behandlungszeit bei einem Genickbruch wesentlich. Dem Patienten bleibt außerdem der Halskragen beziehungsweise Gips über mehrere Monate erspart (sowie das damit einhergehende hygienische Problem). Eine Operation an der Halswirbelsäule ist jedoch einer der schwierigsten und komplikationsträchtigsten Eingriffe überhaupt. Sie sollte daher nur von einem in der Wirbelchirurgie erfahrenen Operateur durchgeführt werden.

Wird eine Atlanto-okzipitale Dislokation überlebt, muss sie unter Röntgenkontrolle rasch wieder ausgerichtet und stabilisiert werden (etwa mit einem Halo-Fixateur). Dauerhaft ist jedoch eine Operation erforderlich, bei dem der Schädel mit der Halswirbelsäule.

Leben mit Tetraplegie

Lähmungen können die Selbstständigkeit im Alltag beeinträchtigen. Je nach Ausmaß stehen Betroffenen verschiedene Leistungen der Pflegekasse zu. Voraussetzung hierfür ist ein anerkannter Pflegegrad.

Die Koordinierung von Bewegungen findet vor allem im Großhirn statt, das aus zwei Gehirnhälften besteht. Übertragen werden die Signale vom Gehirn an die Muskulatur über Nervenbahnen, die mit dem restlichen Körper verbunden sind. Zusammen mit dem Rückenmark bildet das Gehirn das zentrale Nervensystem (ZNS). Sind die Nervenbahnen im Rückenmark in Höhe der Halswirbelsäule verletzt, sind beide Arme und Beine einschließlich Rumpf betroffen. Das Ausmaß der Lähmung in den Armen hängt davon ab, in welchem Segment der Halswirbelsäule das Rückenmark geschädigt ist. Bei einer Querschnittlähmung sind auch die Rumpfmuskulatur und teilweise die Atemmuskulatur beeinträchtigt. Das Ausmaß hängt unter anderem von der Höhe des Querschnitts ab. Die Blasen- und Darmfunktion sind ebenfalls betroffen.

Motorische Lähmungen werden in der Regel im Laufe des Lebens erworben, als Folge eines Unfalls oder verschiedener Erkrankungen. In seltenen Fällen kann es bereits im Mutterleib oder während der Geburt zur sogenannten Erbschen Lähmung kommen.

Neben den körperlichen Schädigungen können motorische Lähmungserscheinungen auch psychische Ursachen haben. In diesem Fall spricht die Medizin von einer psychogenen Lähmung. Diese und weitere Symptome können die Selbstständigkeit im Alltag einer Person mit Lähmungserscheinungen beeinträchtigen. Wenn dies bei Ihnen der Fall ist, haben Sie eventuellen Anspruch auf einen Pflegegrad, mit dem Ihnen verschiedene Leistungen der Pflegeversicherung zustehen. In einem Pflegetagebuch können Sie die Beeinträchtigungen im Alltag genauer beobachten und dokumentieren. Ein Pflegetagebuch unterstützt Sie gegebenenfalls beim Antrag auf Pflegegrad.

Bei Lähmungserscheinungen immer zum Arzt. Wählen Sie bitte den Notruf 112, wenn plötzlich Lähmungserscheinungen an Extremitäten oder Gesicht auftreten oder es nach einem Unfall oder Verletzungen zu motorischen Störungen kommt. Verständigen Sie einen Arzt bei einer kurzzeitigen Lähmung, die am selben Tag wieder verschwindet. Es könnte sich um ein Anzeichen eines drohenden Schlaganfalls handeln. Es gibt zahlreiche Erkrankungen, die mit Lähmungserscheinungen einhergehen können.

Zuständig für die Diagnostik bei Lähmungserscheinungen ist ein Facharzt für Neurologie. Erste Anlaufstelle kann allerdings auch Ihr Hausarzt sein. Nach einem ausführlichen Gespräch zu Ihrer Krankengeschichte (Anamnese) erfolgen neurologische Untersuchungen. Zur Diagnostik der Lähmungsursache können zudem Bluttests oder eine Muskelbiopsie (Untersuchung von Muskelgewebe mittels einer Gewebeprobe) herangezogen werden. Die Therapie hängt von der Ursache und dem Ausmaß der Lähmungen ab.

Eine Patientenverfügung stellt sicher, dass Ihre medizinischen Wünsche auch in unerwarteten Situationen respektiert werden und bewahrt so Ihre Selbstbestimmung. Sie greift in Situationen, in denen Sie aufgrund von Krankheit oder Verletzung nicht in der Lage sind, sie selbst auszudrücken. Dieses Dokument entlastet zudem Ihre Angehörigen von schwierigen Entscheidungen, vermeidet Missverständnisse und schützt vor unerwünschter Über- oder Unterbehandlung.

Besonders wichtig im Pflegealltag mit schwereren und dauerhaften Lähmungen sind sogenannte Prophylaxen. Darunter fallen Maßnahmen, die vor Krankheiten oder deren möglichen Folgen schützen sollen. Ausreichend Bewegung im Alltag ist wichtig für unser Immunsystem. Kommt diese zu kurz, sind wir anfälliger für Infektionen. Infektionsschutz zuhause ist somit besonders für Menschen mit Lähmungen wichtig, die in ihrer Bewegung eingeschränkt sind. Mit anerkanntem Pflegegrad zahlt die Pflegekasse monatlich bis zu 42 Euro für sogenannte Pflegehilfsmittel zum Verbrauch.

Ähnlich wie der Pflegegrad ist ein Grad der Behinderung (GdB) in unterschiedliche Bereiche und Stufen eingeteilt. Ab einem GdB 50 haben Sie Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis, mit dem Sie Vergünstigungen und bestimmte Nachteilsausgleiche bekommen. Bei medizinischer Notwendigkeit stellt Ihnen Ihr Arzt ein Rezept für das geeignete Hilfsmittel aus. Bei Gangunsicherheiten und einem erhöhten Sturzrisiko sorgt ein Notrufsystem - ob zuhause oder mobil - für mehr Sicherheit. Das gibt nicht nur der betroffenen Person ein besseres Gefühl, sondern auch ihren Angehörigen. Häufig werden auch Umbaumaßnahmen notwendig, um die Wohnung barrierefrei zu gestalten. Dazu gibt es eine Bandbreite an Möglichkeiten. Werden Treppen zur echten Herausforderung in Ihrem Alltag, kann ein Treppenliftsystem für Sie in Frage kommen.

Wertvolle Hilfestellungen von Mensch zu Mensch in dieser schwierigen Situation können Verbände und Beratungsstellen zu speziellen Erkrankungen bieten. Eine mögliche Anlaufstelle für Menschen mit Querschnittslähmung ist die Fördergemeinschaft der Querschnittsgelähmten in Deutschland e. V. (FGQ). Oftmals ist auch ein Austausch mit anderen Betroffenen in Online-Foren oder regionalen Selbsthilfegruppen möglich.

Eine Physiotherapie kann oft hilfreich sein.

Forschung und Innovation

Die beim momentanen Stand der Forschung einzige langzeitstabile Möglichkeit, den Patienten zumindest eine eingeschränkte Greif- oder Geh Funktion wiederherzustellen, besteht im Einsatz der funktionellen Elektrostimulation (FES). Dabei wird mithilfe eines kurzen Stromimpulses (< 1/1000 einer Sekunde) eine Muskelzuckung ausgelöst. Folgen viele dieser Stimulations pulse mit hoher Wiederholrate aufeinander, so kommt es zu einer Dauerkontraktion des Muskels. Diese Eigenschaft bildet die Grundlage für die Entwicklung von Elektrostimulationssystemen, die verloren gegangene Funktionen wiederherstellen respektive schwache Funktionen verbessern. Die Steuerung und Abstufung der Funktion erfolgt bei allen Systemen über künstliche Sensoren, die für den Patienten aufwendig zu erzeugende Willkürbewegungen als Steuersignale auswerten. Gerade aber bei inkomplett gelähmten Patienten, kann die verbliebene Willkür Aktivität von schwachen Muskeln als natürliches Steuersignal verwendet werden. Die Zielsetzung dieses Projektes ist die Schaffung der wissenschaftlichen Voraussetzungen für die Steuerung der funktionellen Elektrostimulation (FES) bei querschnittgelähmten Patienten unter Verwendung der individuell verbliebenen Willkür Funktionen. Das Projekt mit stark interdisziplinärem Charakter verfügt neben dem klinisch-physiotherapeutischen über einen technisch-ingenieurwissenschaftlichen Schwerpunkt. Die Aufgaben des technischen Bereiches liegen in der Entwicklung einer geeigneten Messmethodik und entsprechender Auswertealgorithmen zur kontrollierten Durchführung der funktionellen Elektrostimulation. Mittelfristiges Ergebnis der Arbeiten auf diesem Gebiet wird ein Elektrostimulationssystem mit der Möglichkeit zur Vielkanalerfassung des EMGs (Elektromyogramm) während Elektrostimulation. Zur robusten Steuerung der Stimulation sein.

Die Wiederherstellung ausgefallener Funktionen mittels Elektrostimulation bei Querschnittgelähmten ist seit Jahrzehnten Ziel intensiver Forschungsbemühungen. Speziell für die Wiederherstellung einer zu schwachen oder ausgefallenen Greiffunktion wurden verschiedene Systeme zur funktionellen Elektrostimulation (FES) der Hand entwickelt, die sich in zwei Untergruppen aufteilen lassen: zum einen existieren sogenannte Oberflächensysteme, die mittels auf die Haut des Unterarmes aufgeklebten Elektroden eine Stimulation der Handfunktion durchführen. Diese Systeme konnten sich in der breiten klinischen Anwendung infolge geringer und schwierig reproduzierbarer Selektivität und aufwendiger Handhabung nicht durchsetzen.

Zu dieser Gattung gehört das Freehand-System. Dieses Freehand-System stellt die weltweit erste kommerziell verfügbare, implantierbare Neuroprothese zur Wiederherstellung von verloren gegangenen Funktionen mittels Elektrostimulation dar. Das System wurde von Forschern aus Cleveland/USA entwickelt und seit der offiziellen Zulassung im Jahre 1997 bislang weltweit mehr als 130-mal erfolgreich eingesetzt. Im Februar 1999 wurde erstmals in Deutschland an der Stiftung orthopädische Universitätsklinik in Heidelberg (Abteilung II / Direktor Prof. Dr. H.J. Auf die für einen Griff notwendigen Muskelgruppen werden Elektroden befestigt, die mittels unter der Haut liegenden Kabeln mit einem Herzschrittmacher-ähnlichem Gerät verbunden sind, das in Höhe der Brust unter der Haut liegt. Dieser Empfänger erhält seine Informationen für die Elektroden und die notwendige Energie durch eine auf die Haut aufgeklebte Induktionsspule, die mit einem externen, am Rollstuhl zu befestigenden Steuergerät verbunden ist. Die Steuerung der Griffe erfolgt über ein Steuersystem, das auf die gegenüberliegende Brust/Schulter aufgeklebt wird. Damit sind präzise, abgestufte Hand- und Fingerbewegungen durch entsprechende Schulterbewegungen möglich. Von dem Freehand-System können grundsätzlich alle erwachsenen (das Knochenwachstum muss abgeschlossen sein) Tetraplegiker mit fehlenden oder zu schwachen Greif- und Haltebewegungen der Hände und Finger profitieren. Um darüber hinaus einen verbesserten Einsatz des mit einer Freehand versorgten Armes zu ermöglichen, sind je nach Einzelfall weitere, sogenannte aktive Muskel- und Sehnenverpflanzungen möglich.

Haben sich nach eingehender Untersuchung die Ärzte und Therapeuten und der Patient für das Freehand-System entschieden, beginnt ein umfangreiches Programm, das sich in mehrere Stufen unterteilt: Vor der eigentlichen Operation wird in einem ambulant durchgeführten Elektrostimulationsprogramm die gelähmte Armmuskulatur über mehrere Wochen sorgfältig auf trainiert. Nach erfolgter Operation, bei der die Neuroprothese und die Elektroden unter die Haut verlegt werden, muss der Arm zur problemlosen Einheilung der Sehnentransfers und der Freehand-Komponenten bis zu 3 Wochen ruhig gestellt werden. Nach dieser Zeit beginnt der erste Teil des Trainings mit der implantierten Neuroprothese. Nach weiteren ca. 4 Wochen wird mit dem kontrollierten, selbst gesteuerten Einsatz des Systems für den Alltagsgebrauch begonnen.

tags: #hwk #5 #6 #mit #nachfolgend #kompletter