Die Wirbelsäule ist ein komplexes und zentrales Element des menschlichen Körpers. Sie schützt das Rückenmark und die Nervenfasern und ermöglicht gleichzeitig Flexibilität und Bewegung. Erkrankungen der Wirbelsäule können daher erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität haben. Eine seltene, aber potenziell schwerwiegende Ursache für Rückenbeschwerden sind Wirbelsäulentumoren. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über dieses Thema und behandelt verschiedene Aspekte von der Entstehung über die Diagnose bis hin zu den vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten.
Die komplexe Anatomie und Funktion der Wirbelsäule
Die Wirbelsäule besteht aus 24 freien Wirbeln, die durch 23 Bandscheiben voneinander getrennt und durch Bänder und Muskeln verbunden sind. Am oberen Ende der Halswirbelsäule befindet sich der Schädel, während am unteren Ende das Kreuzbein den Übergang zum Becken bildet. Diese Konstruktion ermöglicht nicht nur die notwendige Flexibilität, sondern schützt auch das im Rückenmarkskanal liegende Rückenmark und die Nervenfasern, die für Bewegung und Sensorik verantwortlich sind.
Wie alle Teile des Körpers unterliegt auch die Wirbelsäule dem natürlichen Alterungsprozess. Besonders betroffen sind die Hals- und Lendenwirbelsäule, deren Flexibilität maßgeblich durch das Zusammenspiel der Bandscheiben und Wirbelbänder bestimmt wird. Die Bandscheiben fungieren dabei als eine Art Stoßdämpfer, indem ihr gelartiger Kern bei Bewegungen für die nötige Flexibilität sorgt.
Bandscheibenvorfälle und Spinalkanalstenosen: Häufige Ursachen von Rückenbeschwerden
Der Bandscheibenvorfall, sowohl im Lenden- als auch im Halsbereich, ist eine häufige Folge des Verschleißes der Wirbelsäule. Dabei wird der gelartige Kern der Bandscheibe durch die äußeren Faserschichten in Richtung Rückenmarkskanal gedrückt. Dies kann zu Schmerzen im Rücken oder Nacken führen, die oft in Arme oder Beine ausstrahlen (radikuläre Schmerzen). Begleitende Symptome können Empfindungsstörungen, Kraftlosigkeit oder sogar Lähmungen sein.
Eine weitere Ursache für Rückenschmerzen ist die Spinalkanalstenose, eine Verengung des Wirbelkanals. Diese Enge kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter der natürliche Verschleiß der Wirbelsäule, Bandscheibenvorfälle oder Verdickungen von Bändern und Gelenken. Typische Symptome sind Rückenschmerzen, die in die Beine oder Arme ausstrahlen, sowie ein Schweregefühl oder Kribbeln in den Extremitäten beim Stehen und Gehen (Claudicatio spinalis).
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Brüche der Wirbelsäule: Ursachen und Behandlung
Brüche der Wirbelsäule können durch Unfälle, Stürze oder auch spontan bei Osteoporose entstehen. Die Folgen reichen von leichten Schmerzen bis hin zu schweren Schmerzzuständen und Lähmungen. Bei jüngeren Patienten sind häufig Verkehrsunfälle oder Stürze aus großer Höhe die Ursache, während bei älteren Menschen oft häusliche Stürze oder das Heben schwerer Gegenstände zu Wirbelbrüchen führen.
Die Behandlung von Wirbelsäulenbrüchen kann konservativ (nicht-operativ) oder operativ erfolgen. Die konservative Therapie umfasst in der Regel Entlastung durch orthopädische Hilfsmittel, Physiotherapie und physikalische Maßnahmen. Bei Osteoporose wird zusätzlich eine medikamentöse Therapie zur Stärkung der Knochen durchgeführt. Wenn die konservative Therapie nicht ausreichend ist, kann eine Operation in Betracht gezogen werden, insbesondere bei instabilen Brüchen oder neurologischen Ausfällen.
Instabilität der Wirbelsäule: Ursachen und Therapie
Eine Instabilität der Wirbelsäule kann verschiedene Ursachen haben, darunter degenerative Veränderungen, Frakturen, Tumore oder Entzündungen. Diese Veränderungen können zu Einbrüchen oder Ausdünnungen der Knochenstrukturen führen, was Druck auf die Nerven und/oder das Rückenmark verursachen kann. Die Symptome reichen von Nacken- oder Rückenschmerzen über Gangprobleme und Lähmungen bis hin zu Blasen- und Mastdarmstörungen.
Die Behandlung der Wirbelsäuleninstabilität hängt von der Ursache und dem Ausmaß der Instabilität ab. In einigen Fällen kann eine konservative Therapie mit Schmerzmitteln und Korsett ausreichend sein. Oftmals ist jedoch eine stabilisierende Operation erforderlich, bei der die betroffenen Segmente der Wirbelsäule mit einem Schrauben-Stab-System fixiert werden. In manchen Fällen ist es auch notwendig, die Wirbelkörper durch einen stabilisierenden Ersatz zu ersetzen.
Posttraumatische Instabilitäten und Deformitäten
Von posttraumatischer Instabilität und Deformität spricht man, wenn es nach einer nicht-operativen oder operativen Behandlung zu einer vermehrten Beweglichkeit oder übermäßigen Krümmung der Wirbelsäule kommt. Dies kann zu einer unzureichend stabilen und übermäßig gebogenen Wirbelsäule führen, die in schweren Fällen das typische Erscheinungsbild eines Rundrückens zeigt. Ursächlich ist häufig eine unterschätzte Verletzung, die sich im Laufe der Zeit zu einer chronischen Überbelastung entwickelt.
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Die Behandlung von posttraumatischen Instabilitäten und Fehlstellungen umfasst in der Regel eine Schmerzmedikation, orthopädische Versorgung mit einem Korsett sowie physiotherapeutische und physikalische Therapiemaßnahmen. Bei höhergradigen Instabilitäten und Fehlstellungen kann eine operative Korrektur und Stabilisierung der Wirbelsäule erforderlich sein.
Chronisches Schmerzsyndrom
Beim chronischen Schmerzsyndrom stehen die Schmerzen im Vordergrund, wobei die Ursache oft nicht mehr feststellbar ist. Chronische Schmerzen beeinträchtigen die Patienten nicht nur körperlich, sondern können auch erhebliche psychische Auswirkungen haben. Am häufigsten leiden Patienten unter chronischen Rückenschmerzen, denen oft eine körperliche Schädigung zugrunde liegt.
Eine mögliche Therapieoption bei chronischen Schmerzen ist die Rückenmarkstimulation (Spinal Cord Stimulation), eine neurochirurgische Schmerztherapie, bei der über die elektrische Aktivierung schmerzhemmender Nervenzellen im Rückenmark Schmerzen gelindert werden. Eine weitere Möglichkeit ist die kontinuierliche Medikamentengabe in den Nervenwasserraum mit Hilfe einer Medikamentenpumpe.
Wirbelsäulentumoren: Eine seltene, aber wichtige Diagnose
Obwohl Rückenschmerzen weit verbreitet sind, sind Wirbelsäulentumoren eine seltene Ursache. Nur etwa jeder 1000ste Patient mit Rückenschmerzen hat einen Wirbelsäulentumor. Es ist jedoch wichtig, diese Möglichkeit in Betracht zu ziehen, insbesondere wenn die Schmerzen ungewöhnlich stark sind, sich verschlimmern oder von neurologischen Symptomen begleitet werden.
Arten von Wirbelsäulentumoren
Bei Wirbelsäulentumoren unterscheidet man zwischen primären Tumoren, die direkt vom Knochengewebe ausgehen, und sekundären Tumoren (Metastasen), die von anderen Krebsarten stammen. Die häufigsten primären Wirbelsäulentumoren sind:
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- Plasmozytom (Myelom): Ein bösartiger Knochentumor, der vor allem bei älteren Menschen auftritt und zu instabilen Wirbelkörpern und Brüchen führen kann.
- Hämangiom: Eine gutartige Veränderung des Knochens, die aus neu gebildeten Blutgefäßen besteht und häufig in der Brustwirbelsäule auftritt.
- Osteochondrom: Ein gutartiger Knochentumor, der meist schon im Kindesalter wächst und nach Abschluss des Wachstums verknöchert.
Sekundäre Wirbelsäulentumoren (Metastasen) stammen häufig von Prostatakrebs, Brustkrebs, Lungenkrebs, Hautkrebs oder Nierenkrebs.
Weitere Arten von spinalen Tumoren sind:
- Sarkome: Bösartige Tumore, die im Knochengewebe der Wirbelsäule entstehen.
- Chordome: Seltene, langsam wachsende, aber oft lokal aggressive Tumore, die sich aus Resten der embryonalen Chorda dorsalis entwickeln.
- Neurinome: In der Regel gutartige Tumore, die von den sensorischen Faszikeln einzelner Nervenwurzeln ausgehen.
- Meningeome: Gutartige Tumore, die von der Nervenhaut (Dura) ausgehen und das Rückenmark verdrängen können.
- Ependymome: Tumore, die von Ependymzellen ausgehen, die den Zentralkanal innerhalb des Rückenmarks auskleiden.
- Gliome / Astrozytome: Seltene Tumore des Rückenmarks, die von den Stützzellen innerhalb des Rückenmarks ausgehen und dort diffus wachsen.
Symptome von Wirbelsäulentumoren
Das Hauptsymptom von Wirbelsäulentumoren sind Rückenschmerzen, die meist dort auftreten, wo sich der Tumor befindet. Durch das raumfordernde Wachstum des Tumors kann es auch zu neurologischen Ausfallerscheinungen kommen, die einer Radikulopathie oder Ischialgie ähneln. Weitere Symptome können sein:
- Kribbeln
- Gefühlsstörungen bis hin zur Taubheit
- Lähmungserscheinungen
- Reflexabschwächung
- Schwere und müde Beine
- Gangstörung
- Blasenschwäche und/oder Mastdarmstörung
Ursachen und Risikofaktoren für Krebserkrankungen
Die Ursachen für Krebserkrankungen sind vielfältig und komplex. Meist ist es nicht nur eine Ursache, sondern eine Kombination aus vielen Faktoren. Es gibt jedoch Risikofaktoren, die vermeidbar sind, wie Rauchen und eine falsche Ernährung. Weitere Risikofaktoren sind Infektionen, genetische Faktoren, übermäßiger Alkoholkonsum und Umwelteinflüsse wie Sonnenstrahlung und Radon.
Diagnose von Wirbelsäulentumoren
Bei der Diagnose von Wirbelsäulentumoren ist die Erfassung der Krankheitsgeschichte (Anamnese) von großer Bedeutung. Der Arzt wird nach Vorerkrankungen, vorausgegangenen Verletzungen und der Art der Schmerzen fragen. Bei der körperlichen Untersuchung werden Kraftprüfungen durchgeführt, um neurologische Probleme festzustellen.
Zur weiteren Diagnostik werden bildgebende Verfahren eingesetzt, wie z.B.:
- Röntgenaufnahmen: Um Veränderungen an den Knochen zu erkennen.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Um Weichteile wie Rückenmark und Nervenwurzeln darzustellen und Tumore zu erkennen.
- Computertomographie (CT): Um detaillierte Bilder der Knochen zu erhalten.
- 3-Phasen-Skelett-Szintigrafie: Um Stoffwechselaktivitäten im Knochen darzustellen und Metastasen zu erkennen.
Bei Verdacht auf ein Plasmozytom kann eine Urinprobe auf das Bence-Jones-Protein untersucht werden.
Besteht ein Verdacht auf eine Tumorerkrankung ohne klaren Befund, kann eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen werden, um die Krebsart genau zu bestimmen.
Therapie von Wirbelsäulentumoren
Die Therapiemöglichkeiten bei einem Wirbelsäulentumor unterscheiden sich nicht von anderen Krebserkrankungen. Die Wahl der Therapie hängt von der Art des Tumors, seiner Lage, seiner Größe und dem Allgemeinzustand des Patienten ab. Wenn notwendig, sollten alle Therapiemöglichkeiten in Betracht gezogen werden, um die bestmöglichen Heilungschancen zu ermöglichen.
Konservative Therapie
Zur konservativen Therapie gehören die Einnahme von Medikamenten sowie eine Strahlen- und Chemotherapie.
- Medikamentöse Behandlung: Kortikosteroide können Schwellungen rund um den Tumor verringern und den Druck auf die Nerven reduzieren. Bisphosphonate hemmen Osteoklasten und verringern die Wahrscheinlichkeit von Knochenbrüchen.
- Strahlentherapie (Radiotherapie): Ziel der Strahlentherapie ist es, den Tumor zu verkleinern oder Tumorzellen zu zerstören. Die Einsatzmöglichkeiten bei einem Wirbelsäulentumor sind jedoch begrenzt, da nahe liegende Strukturen wie das Rückenmark geschädigt werden können.
- Chemotherapie: Die Chemotherapie wird meist bei bösartigen Tumoren eingesetzt und wirkt systemisch, d.h. im ganzen Körper. Sie greift in die Zellteilung ein und verhindert somit ein Wachstum und bringt sie schließlich zu absterben.
Supportivtherapie
Eine Supportivtherapie wird zusätzlich zur konservativen Therapie angewendet, um die Nebenwirkungen der Strahlen- und Chemotherapie so klein wie möglich zu halten. Dazu gehören Verhaltensweisen im alltäglichen Leben, Ernährung, Medikamente und alternative Behandlungsmethoden.
Alternative Behandlungsmethoden
Alternative Behandlungsmethoden sollten bei einer Krebserkrankung nur zur Linderung der Symptome oder der Nebenwirkungen der Behandlung angewendet werden. Sie sind begleitend zur herkömmlichen Behandlung zu sehen und sollen diese keinesfalls ersetzen. In diesem Fall werden die Maßnahmen als komplementäre Medizin bezeichnet und sollten mit dem behandelnden Onkologen besprochen werden.
Operation
Eine Operation kann notwendig sein, um den Tumor zu entfernen, das Rückenmark zu entlasten oder die Wirbelsäule zu stabilisieren. Die Art der Operation hängt von der Lage und Größe des Tumors ab.
Aktuelle Forschung zu Tumoren des Plexus choroideus
Tumoren des Plexus choroideus sind sehr seltene Tumoren, die im Gehirn entstehen und den Liquor produzieren, die Flüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark umspült. Sie werden in gutartige Plexuspapillome und bösartige Plexuskarzinome eingeteilt.
Aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Aktivierung des Wnt/β-Catenin-Signalwegs eine wichtige Rolle bei der Entstehung dieser Tumoren spielt. Dieser Signalweg ist normalerweise in adulten Zellen inaktiv, kann aber in Tumorzellen wieder aktiviert sein und das Wachstum und die Invasionsfähigkeit der Zellen fördern. Die Forschung konzentriert sich nun darauf, gezielte Behandlungsmöglichkeiten zu finden, die diesen Signalweg ausbremsen.
Persönliche Erfahrungen mit Wirbelsäulentumoren
Die Diagnose eines Wirbelsäulentumors kann für Betroffene und ihre Angehörigen ein Schock sein. Die Suche nach Informationen und die Entscheidung für die richtige Klinik und Behandlung können eine Herausforderung darstellen. Es ist wichtig, sich umfassend zu informieren, verschiedene Meinungen einzuholen und sich von erfahrenen Ärzten beraten zu lassen. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann ebenfalls hilfreich sein, um Erfahrungen zu teilen und Unterstützung zu finden.
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