Chinesische Touristen: Stereotypen und Realität

Klischees, Stereotype und Vorurteile sind allgegenwärtig. Sie prägen unsere Wahrnehmung von Kulturen und Menschen. Besonders China und seine Bewohner sind oft Ziel solcher Verallgemeinerungen. Dieser Artikel untersucht einige gängige Stereotypen über chinesische Touristen und vergleicht sie mit der Realität, um ein differenzierteres Bild zu vermitteln.

Schlafen: Die Kunst der "Power-Naps"

Ein weit verbreitetes Klischee besagt, dass Chinesen überall und jederzeit schlafen können. Tatsächlich ist es beeindruckend, wie schnell und unkompliziert viele Chinesen einschlafen. Dies mag einerseits an ihrer oft hohen Arbeitsbelastung und den damit verbundenen langen Arbeitszeiten liegen, die "Power-Naps" erforderlich machen. Andererseits scheint es eine kulturell bedingte Fähigkeit zu sein, sich schnell zu entspannen und abzuschalten, sei es im Lehrerzimmer auf einer Liege oder im Schuhgeschäft auf Schuhkartons.

Die Hockstellung: Eine Frage der Gewohnheit

Ein weiteres interessantes Phänomen ist die chinesische Hockstellung. Ob jung oder alt, viele Chinesen bevorzugen diese Position anstelle des Sitzens. Dies könnte mit den traditionellen chinesischen Toiletten zusammenhängen, die diese Haltung erfordern. Selbst auf westlichen Toiletten wurden schon Fußspuren auf den Sitzen entdeckt, ein Beweis für die Beliebtheit dieser für uns eher unbequemen Stellung.

Umweltverschmutzung: Ein wachsendes Problem

Die Umweltverschmutzung in China ist ein bekanntes und ernstes Problem. Der Smog, verursacht durch hohe Industrieproduktion und fortschreitende Urbanisierung, ist in vielen Städten allgegenwärtig. Die Luftverschmutzung betrifft nicht nur die lokalen Regionen, sondern kann sich durch ungünstige Wetterbedingungen auch auf andere Länder wie Japan, Südkorea oder Amerika auswirken. Hinzu kommt die große Anzahl von Menschen, die Auto fahren, heizen und oft wenig umweltbewusst handeln. Die Umweltverschmutzung ist somit nicht nur ein Problem der Regierung, sondern betrifft jeden einzelnen Chinesen.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass sich das Bewusstsein für Umweltfragen in China langsam wandelt. Tier- und Umweltschutz rücken zunehmend in den Fokus, und es bilden sich Bürgerinitiativen gegen den Abriss von Dörfern und Stadtvierteln.

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Nach dem Weg fragen: Lieber mehrfach absichern

Eine goldene Regel in China lautet: Frage zur Sicherheit immer mehrere Chinesen nach dem Weg. Aus Angst vor Gesichtsverlust geben manche Chinesen lieber eine falsche Antwort, als zuzugeben, dass sie nicht helfen können. Dies kann zu unerwarteten Umwegen führen.

Sonderbehandlung für Ausländer: Ein zweischneidiges Schwert

Ausländer erfahren in China oft eine Sonderbehandlung. Viele Chinesen freuen sich über ausländische Besucher, möchten Fotos machen oder gewähren Rabatte beim Einkauf. Auch ausländische Lehrkräfte (oft ohne entsprechende Ausbildung) verdienen in der Regel mehr als ihre lokalen Kollegen. Dies wird oft damit begründet, dass Schüler im Unterricht mit ausländischen Lehrkräften motivierter sind und durch den Kontakt zu Muttersprachlern mehr lernen.

Es ist jedoch fraglich, ob diese Sonderbehandlung immer gerechtfertigt ist. Es erscheint nicht fair, dass unqualifizierte "English Native Speaker" die Ausbildung von Kindern übernehmen, nur aufgrund ihrer Herkunft.

Asiaten sind nicht gleich Asiaten: Kulturelle Vielfalt

Oft werden Menschen aus Japan, China, Thailand, Vietnam und anderen asiatischen Ländern einfach als "Asiaten" bezeichnet. Dabei wird die enorme kulturelle Vielfalt innerhalb Asiens übersehen. Selbst innerhalb eines Landes können sich einzelne Regionen kulturell stark unterscheiden. Es ist wichtig, diese Unterschiede zu erkennen und nicht zu verallgemeinern.

Japaner und Gruppenreisen: Gemeinschaftssinn und Harmonie

Das Klischee, dass Japaner sich fast ausschließlich in großen Gruppen aufhalten und Menschenmassen nicht scheuen, hat einen wahren Kern. Viele Japaner haben einen ausgeprägten Gemeinschaftssinn und legen großen Wert auf Harmonie innerhalb der Gruppe. Dies erklärt auch die Beliebtheit von Gruppenreisen.

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Fotografieren als Erinnerung: Schnappschüsse für die Ewigkeit

Ein weiteres bekanntes Stereotyp ist, dass Japaner alles und jeden fotografieren, selbst die unspektakulärsten Dinge. Dies mag daran liegen, dass viele Japaner nur selten Urlaub machen und ihre Reisen oft in wenige Tage packen. Die Fotos dienen dann als Erinnerung, die man später in Ruhe genießen kann. In Japan und China ist es üblich, nach der Rückkehr von Reisen "Fotopartys" zu veranstalten, bei denen man Freunden und Verwandten die Eindrücke präsentiert.

Arbeitsmoral: Mehr als nur "freiwillige Überarbeitung"

Das Bild des japanischen Angestellten, der vom frühen Morgen bis tief in die Nacht zur Arbeit gezwungen wird und unter Depressionen leidet, ist nicht ganz richtig. Für viele Japaner ist es wichtig, ihren Job vorbildlich auszuüben und dafür auch mal länger zu bleiben. Viele lieben es einfach, einen guten Job zu machen und möchten nicht faul wirken. Um der "freiwilligen Überarbeitung" entgegenzuwirken, schalten manche Unternehmen abends den Strom ab, um die Angestellten zur Freizeit zu "zwingen".

"Lock n' Loll": Die Aussprache des "R"

Das Vorurteil, dass Asiaten den Buchstaben "R" nicht aussprechen können und stattdessen ein "L" verwenden, stimmt nur bedingt. Im Chinesischen gibt es keinen Laut, der wie das deutsche "R" klingt. Da "L" und "R" in die gleiche Lautklasse eingeteilt werden, setzen viele Chinesen das "L" ein, bevor sie lernen, den ihnen fremden "R"-Laut auszusprechen.

Alkoholunverträglichkeit: Ein genetischer Faktor

Die Annahme, dass Asiaten keinen Alkohol vertragen, ist ebenfalls nur bedingt richtig. Grund für die Unverträglichkeit ist das Fehlen eines Enzyms in der Leber, das für den Abbau des Alkohols zuständig ist. Betroffen sind jedoch nur etwa 50 % der Menschen aus dem Pazifikraum.

Hunde und Katzen auf dem Speiseplan: Regionale Delikatesse

Das Gerücht, dass Chinesen gerne Hunde und Katzen essen, hält sich hartnäckig. Dies trifft jedoch nur auf Teile Südchinas zu, wo diese Tiere als regionale Delikatesse gelten. Außerhalb dieser Gebiete empfinden viele Chinesen diese "Delikatesse" als abstoßend.

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Schlürfen und Schmatzen: Tischsitten in Asien

Das Schlürfen von Nudeln dient dazu, die heiße Suppe abzukühlen und den Verzehr der langen Nudeln zu erleichtern. In Korea signalisiert lautes Schmatzen, dass das Essen schmeckt. In China ist es weder verpönt, zu schmatzen oder schlürfen, noch zu rülpsen oder mit vollem Mund zu sprechen. Auch das Anzünden einer Zigarette während des Essens ist nicht ungewöhnlich.

Reisen bildet: Vorurteile abbauen

Viele Vorurteile über China halten sich hartnäckig. Der Spruch "China? Nein, da würde ich niemals hinreisen! Da isst man Hunde und Katzen!" ist weit verbreitet. Es ist jedoch wichtig, sich ein eigenes Bild zu machen und sich nicht von Vorurteilen leiten zu lassen.

Reisen bildet und hilft, Vorurteile abzubauen. Indem man ein Land und seine Menschen näher kennenlernt, verschwinden Vorurteile allmählich und unbemerkt.

China: Mehr als nur Klischees

China ist ein faszinierendes Land mit einer reichen Kultur und einer dynamischen Entwicklung. Es ist wichtig, sich von Klischees zu lösen und sich auf die Vielfalt und Komplexität Chinas einzulassen. Nur so kann man ein realistisches und differenziertes Bild gewinnen.

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