Ein Nerv im Bein, der abstirbt, kann eine beängstigende Vorstellung sein. Umso wichtiger ist es, die möglichen Ursachen, Symptome und Behandlungsoptionen zu kennen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über dieses Thema, um Ihnen ein besseres Verständnis zu ermöglichen.
Einführung
Nervenschäden im Bein können verschiedene Ursachen haben und sich auf unterschiedliche Weise äußern. Von Kribbeln und Taubheit bis hin zu Muskelschwäche und Schmerzen können die Symptome vielfältig sein. Die Kenntnis der zugrunde liegenden Ursachen ist entscheidend für eine frühzeitige Diagnose und Behandlung, um schwerwiegende Folgen zu vermeiden.
Ursachen für das Absterben von Nerven im Bein
Es gibt eine Vielzahl von Gründen, warum Nerven im Bein absterben können. Hier sind einige der häufigsten Ursachen:
Hereditäre motorisch-sensorische Neuropathien (HMSN)
Die HMSN sind eine Gruppe erblicher neurologischer Erkrankungen, die die peripheren Nerven betreffen. Diese Nerven verbinden das Gehirn und das Rückenmark mit den Muskeln und sensorischen Rezeptoren im ganzen Körper. Bei HMSN werden die Nervenfasern beschädigt, was zu Muskelschwäche, Empfindungsverlust und anderen Symptomen führt.
Es gibt verschiedene Arten von HMSN, darunter:
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- Typ 1 (HMSN1/CMT1): Diese demyelinisierende Form entwickelt sich meist bis zum 35. Lebensjahr und verläuft langsam und gutartig. Sie kann zu deutlichen Einschränkungen führen, macht aber selten einen Rollstuhl erforderlich.
- Typ 2 (HMSN2/CMT2): Diese axonale Form ähnelt Typ 1, tritt aber in einem höheren Alter auf und verläuft noch langsamer. Es können zusätzliche Symptome auftreten.
- Typ 3 (Déjérine-Sottas-Krankheit): Diese demyelinisierende und seltene Form entwickelt sich bereits in den ersten zehn Lebensjahren und schreitet rasch voran. Sie ist oft mit einer verzögerten motorischen Entwicklung, Lähmungen, Reflexverlust, Empfindungsstörungen, Pupillenstörungen und Skelettveränderungen verbunden.
- Hereditäre Neuropathie mit Neigung zu Druckläsionen (HNPP): Diese seltene Form ähnelt klinisch HMSN1 und beginnt meist nach dem 20. Lebensjahr. Sie ist durch eine erhöhte Empfindlichkeit der peripheren Nerven gegenüber minimalem Druck gekennzeichnet.
Polyneuropathie
Polyneuropathie ist eine Erkrankung, bei der mehrere periphere Nerven gleichzeitig geschädigt sind. Es gibt über 200 verschiedene Ursachen für Polyneuropathie, wobei Diabetes mellitus und chronischer Alkoholmissbrauch die häufigsten sind.
- Diabetische Neuropathie: Bis zu einem Drittel aller Menschen mit Diabetes entwickeln Nervenschäden als Folge ihrer Erkrankung. Hohe Blutzuckerwerte können die Nerven schädigen und zu Kribbeln, Taubheit, Schmerzen und Muskelschwäche führen.
- Alkoholische Neuropathie: Langjähriger, hoher Alkoholkonsum kann ebenfalls Nervenschäden verursachen. Alkohol gilt als "Nervengift" und kann die Weiterleitung von Reizen und Signalen stören.
- Weitere Ursachen: Vitamin-B12-Mangel, Nierenerkrankungen, Lebererkrankungen, Schilddrüsenstörungen, Infektionen, Autoimmunerkrankungen, Krebs und Chemotherapie können ebenfalls zu Polyneuropathie führen.
Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK)
Die PAVK ist eine Erkrankung, bei der die Arterien, die die Beine und Füße mit Blut versorgen, verengt oder blockiert sind. Dies führt zu einer verminderten Durchblutung und kann Nervenschäden verursachen.
- Ursachen: Die häufigste Ursache für PAVK ist Arteriosklerose, eine Verhärtung und Verengung der Arterien durch Ablagerungen von Fett, Cholesterin und anderen Substanzen.
- Risikofaktoren: Rauchen, Diabetes, hohe Blutfettwerte, Bluthochdruck, Übergewicht und Bewegungsmangel erhöhen das Risiko für PAVK.
Akute Durchblutungsstörungen
Eine akute Durchblutungsstörung entsteht meist durch eine Embolie (Verschleppung eines Blutgerinnsels), eine Thrombose (lokale Verlegung des Gefäßes) oder eine überschießende Aktivierung der Blutgerinnung.
- Folgen: Das Gewebe wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, was zu Schmerzen, Blässe und Kälte in der betroffenen Extremität führt. Unbehandelt kann dies zum Absterben des Gewebes und zur Notwendigkeit einer Amputation führen.
- Akuter infrarenaler Aortenverschluss: Ein Verschluss der Bauchschlagader, der beide Beine betrifft, ist besonders bedrohlich und kann zusätzlich zu Durchblutungsstörungen der Organe im kleinen Becken führen.
Kompartmentsyndrom
Ein Kompartmentsyndrom entsteht, wenn der Druck in einem Muskelkompartiment im Bein zu hoch wird. Dies kann die Durchblutung der Nerven und Muskeln beeinträchtigen und zu Schäden führen.
- Ursachen: Häufige Ursachen sind Verletzungen, Operationen oder verstärkte Muskelaktivität.
- Folgen: Schwellungen, Schmerzen und Taubheit sind typische Symptome. Unbehandelt kann ein Kompartmentsyndrom zu dauerhaften Nervenschäden und Muskelschäden führen.
Einklemmung von Nerven
Ein eingeklemmter Nerv entsteht, wenn ein Nerv durch umliegendes Gewebe wie Knochen, Muskeln oder Sehnen komprimiert wird.
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- Ursachen: Wiederholte Bewegungen, einseitige Belastungen, langanhaltende Fehlhaltungen oder Verletzungen können zu einer Einklemmung führen.
- Beispiele: Das Karpaltunnelsyndrom am Handgelenk ist ein bekanntes Beispiel für einen eingeklemmten Nerv.
Symptome eines abgestorbenen Nervs im Bein
Die Symptome eines abgestorbenen Nervs im Bein können je nach Ursache und betroffenem Nerv variieren. Häufige Symptome sind:
- Schmerzen: Brennende, stechende oder bohrende Schmerzen im Bein oder Fuß.
- Kribbeln und Taubheit: Ein Gefühl von "Ameisenlaufen" oder Taubheit in den Zehen, Füßen oder Beinen.
- Muskelschwäche: Schwierigkeiten beim Gehen, Stehen oder Heben des Fußes.
- Muskelschwund (Atrophie): Abnahme der Muskelmasse im Bein.
- Empfindungsstörungen: Verminderte Fähigkeit, Berührungen, Temperatur oder Schmerzen zu spüren.
- Gleichgewichtsstörungen: Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten.
- Kalte Füße: Durchblutungsstörungen können zu kalten Füßen führen.
- Geschwüre: Schlecht heilende Wunden oder Geschwüre an den Füßen oder Beinen.
Diagnose
Die Diagnose eines abgestorbenen Nervs im Bein umfasst in der Regel eine gründliche Anamnese, eine körperliche Untersuchung und neurologische Tests.
- Anamnese: Der Arzt wird nach den Symptomen, der Krankengeschichte und möglichen Risikofaktoren fragen.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird die Reflexe, die Muskelkraft und die Sensibilität prüfen. Er achtet auf Verfärbungen, Geschwüre oder Temperaturunterschiede der Haut. Die Pulse werden insbesondere an Hals, Armen, den Leisten, in den Kniekehlen und an den Füßen gefühlt. Mit dem Stethoskop werden die Schlagadern am Hals, am Bauch und an den Beinen abgehört, um Gefäßverengungen (Stenosen) aufzuspüren.
- Neurologische Tests:
- Elektroneurographie (ENG): Misst die Nervenleitgeschwindigkeit.
- Elektromyographie (EMG): Misst die elektrische Aktivität der Muskeln.
- Quantitative sensorische Testung (QST): Misst die Empfindlichkeit gegenüber verschiedenen Reizen wie Temperatur, Vibration und Berührung.
- Hautbiopsie: Eine Gewebeprobe aus der Haut wird unter dem Mikroskop untersucht, um Schäden an den kleinen Nervenfasern festzustellen.
- Bildgebende Verfahren: Ultraschall, Angiographie oder Magnetresonanztomographie (MRT) können eingesetzt werden, um die Blutgefäße darzustellen und Verengungen oder Blockaden zu erkennen.
- Laboruntersuchungen: Blutuntersuchungen können helfen, die Ursache der Nervenschäden zu identifizieren, z. B. Diabetes, Vitaminmangel oder Entzündungen.
Behandlung
Die Behandlung eines abgestorbenen Nervs im Bein hängt von der Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung ab. Ziele der Behandlung sind die Linderung der Symptome, die Behandlung der zugrunde liegenden Ursache und die Verhinderung weiterer Nervenschäden.
- Konservative Behandlung:
- Schmerzlinderung: Schmerzmittel, Antidepressiva oder Antikonvulsiva können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
- Physiotherapie: Gezielte Übungen können helfen, die Muskelkraft zu verbessern, die Beweglichkeit zu erhöhen und das Gleichgewicht zu trainieren.
- Ergotherapie: Hilft bei der Anpassung an die Einschränkungen durch die Nervenschäden und beim Erlernen von Kompensationsstrategien.
- Gehtraining: Bei PAVK kann ein strukturiertes Gehtraining die Durchblutung verbessern und die Gehstrecke verlängern.
- Anpassung des Lebensstils: Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und Rauchverzicht ist wichtig, um die Nervenfunktion zu unterstützen und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.
- Diabetes-Management: Bei diabetischer Neuropathie ist eine gute Blutzuckerkontrolle entscheidend, um weitere Nervenschäden zu verhindern.
- Alkoholverzicht: Bei alkoholischer Neuropathie ist ein vollständiger Alkoholverzicht erforderlich.
- Vitamin-Ergänzung: Bei Vitaminmangel kann eine Ergänzung mit Vitamin B12 oder anderen Vitaminen helfen, die Nervenfunktion zu verbessern.
- Medikamentöse Behandlung:
- Thrombozytenaggregationshemmer: Bei PAVK können diese Medikamente das Zusammenklumpen der Blutplättchen hemmen und so das Risiko von Blutgerinnseln verringern.
- Cholesterinsenker: Bei PAVK können diese Medikamente helfen, die Ablagerung von Cholesterin in den Arterien zu reduzieren.
- Gefäßerweiternde Medikamente: Bei PAVK können diese Medikamente die Durchblutung verbessern.
- Interventionelle und chirurgische Behandlung:
- Angioplastie: Bei PAVK kann eine Angioplastie durchgeführt werden, um verengte Arterien aufzuweiten. Dabei wird ein Ballonkatheter in die Arterie eingeführt und an der verengten Stelle aufgeblasen. Manchmal wird zusätzlich ein Stent eingesetzt, um die Arterie offen zu halten.
- Bypass-Operation: Bei PAVK kann eine Bypass-Operation durchgeführt werden, um eine Umleitung um eine blockierte Arterie zu schaffen. Dabei wird ein Blutgefäß aus einem anderen Teil des Körpers oder ein künstliches Gefäß verwendet, um die blockierte Stelle zu umgehen.
- Embolektomie: Bei akuten Gefäßverschlüssen muss die betroffene Schlagader freigelegt und eröffnet werden, um das Blutgerinnsel zu entfernen.
- Dekompression: Bei einem Kompartmentsyndrom kann eine Fasziotomie durchgeführt werden, um den Druck in dem Muskelkompartiment zu entlasten.
- operative Entlastung: Bei einem eingeklemmten Nerv kann eine Operation erforderlich sein, um den Druck auf den Nerv zu verringern.
Folgeerkrankungen
Unbehandelte Nervenschäden im Bein können zu einer Reihe von Folgeerkrankungen führen, darunter:
- Chronische Schmerzen: Nervenschmerzen können chronisch werden und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
- Funktionsverlust: Muskelschwäche und Empfindungsstörungen können die Fähigkeit, zu gehen, zu stehen und andere Aktivitäten auszuführen, beeinträchtigen.
- Amputation: In schweren Fällen von PAVK oder akuten Durchblutungsstörungen kann eine Amputation erforderlich sein, um die Ausbreitung von Infektionen zu verhindern und das Leben zu retten.
- Diabetisches Fußsyndrom: Bei Menschen mit Diabetes können Nervenschäden und Durchblutungsstörungen zu schlecht heilenden Wunden und Geschwüren am Fuß führen, die im schlimmsten Fall zur Amputation führen können.
- Herzinfarkt und Schlaganfall: PAVK ist oft mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Herzinfarkte und Schlaganfälle verbunden.
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