Gequetschter Unterkiefernerv: Ursachen, Folgen und Behandlungsmöglichkeiten

Eine Schädigung des Unterkiefernervs (Nervus alveolaris inferior) kann eine schwerwiegende Komplikation bei zahnärztlichen Eingriffen, insbesondere bei der Implantation von Zahnimplantaten, darstellen. Obwohl Nervenverletzungen insgesamt selten sind, ist die Schädigung des Unterkiefernerv-Astes das bedeutendste Risiko im Zusammenhang mit Zahnimplantaten.

Anatomie des Unterkiefernervs

Der Unterkiefernerv verläuft im Unterkieferknochen des Seitenzahnbereichs in einem Kanal unterhalb der Wurzelspitzen. Er versorgt den Knochen und die Zähne der betreffenden Seite mit Sensibilität und verlässt den Knochen etwa in Höhe der Wurzelspitze des fünften Zahns.

Ursachen einer Quetschung des Unterkiefernervs

Eine Quetschung oder Schädigung des Unterkiefernervs kann verschiedene Ursachen haben:

  • Implantologie: Bei der Einbringung von Zahnimplantaten kann es zu einer Quetschung, teilweisen oder vollständigen Durchtrennung des Nervs kommen, wenn zu tief gebohrt oder das Implantat zu tief platziert wird.
  • Blutergüsse oder Ödeme: Auch bei sehr geringem Abstand zwischen Implantatspitze und Nerv kann Druck auf den Nerv durch einen Bluterguss oder ein Ödem (Schwellung) im Knochen ausgeübt werden.
  • Weisheitszahnentfernung: Bei einer schwierigen Extraktion von Weisheitszähnen, deren Wurzelspitzen in unmittelbarer Nähe zum Unterkieferkanal liegen, kann der Nerv verletzt werden.
  • Andere Verletzungen: Verletzungen im Mund-Kiefer-Gesichtsbereich durch Unfälle oder frühere Operationen können ebenfalls zu Nervenschädigungen führen.
  • Engpasssyndrome: In bestimmten Bereichen, wie am Handgelenk oder Fußknöchel, können Nerven aufgrund anatomischer Enge durch Schwellungen oder Massenzunahmen gequetscht werden.

Folgen einer Quetschung des Unterkiefernervs

Je nach Verletzungsgrad kann eine Quetschung des Unterkiefernervs unterschiedliche Folgen haben:

  • Taubheitsgefühl: Ein zeitweiliges bis dauerhaftes Taubheitsgefühl im Kinn-Lippen-Bereich der betroffenen Seite ist eine häufige Folge.
  • Missempfindungen: Neben einem Sensibilitätsverlust können auch Missempfindungen auftreten.
  • Schmerzen: Schmerzen im Versorgungsgebiet des Nervs sind ebenfalls möglich.
  • Funktionseinschränkungen: In schweren Fällen kann es zu Lähmungen im Versorgungsgebiet des Nervs kommen.
  • Verlust des Geschmacks: Eine Verletzung des Zungennervs (N. lingualis), der in der Nähe des Unterkiefernervs verläuft, kann zu einem Verlust des Geschmacks auf der betroffenen Seite der Zunge führen.

Diagnose einer Quetschung des Unterkiefernervs

Die Diagnose einer Quetschung des Unterkiefernervs basiert auf verschiedenen Faktoren:

Lesen Sie auch: Eingeklemmter Nerv: Ein umfassender Leitfaden

  • Klinische Untersuchung: Das Auftreten einer Gefühlstörung im Kinn-Lippenbereich nach Abklingen der Betäubung legt die Diagnose nahe.
  • Röntgenbilder: Ein klassisches Röntgenbild kann den Abstand zwischen Implantat und Nervkanal meist gut dokumentieren.
  • 3D-Röntgen (CT, DVT): Gegebenenfalls ist ein 3D-Bild heranzuziehen, da hierdurch entscheidende Informationen für die Behandlung eingeholt werden können.
  • Informationen des Implantologen: Der Implantologe kann Informationen über Manipulationen am Nerv während des Eingriffs beisteuern.

Prävention von Nervenverletzungen bei Implantationen

Um Nervenverletzungen bei Implantationen zu vermeiden, sind folgende Maßnahmen wichtig:

  • Sorgfältige Planung: Jede Implantatbehandlung sollte einen Sicherheitsabstand von 2 mm zum Nerv einhalten.
  • 3D-Röntgen (CT, DVT): Bei nervnahen Implantaten sind Planungen unter Zuhilfenahme von 3D-Röntgen State-of-the-Art.
  • Bohrerstopps: Spezielle Bohrerstopps helfen bei der exakten Implantatbettaufbereitung, um ein zu tiefes Bohren zu verhindern.
  • Berücksichtigung anatomischer Gegebenheiten: Bei Zahnlosigkeit sollten die Implantate so platziert werden, dass der Nervenaustrittspunkt berücksichtigt wird.

Behandlung einer Quetschung des Unterkiefernervs

Die Behandlung einer Quetschung des Unterkiefernervs richtet sich nach der Art der Verletzung und dem Verletzungsgrad:

  • Konservative Therapie:
    • Zuwarten: Bei Quetschung, Bluterguss oder Ödem kann zunächst abgewartet werden.
    • Kortisongabe: Eventuell kann nach Absprache mit einem Neurologen/Neurochirurgen Kortison gegeben werden.
    • Schmerztherapie: Eine Schmerztherapie kann zur Linderung der Beschwerden eingesetzt werden.
    • Vitamin B: Einige Ärzte befürworten die Behandlung geschädigter Nerven mit B-Vitaminen (insbesondere B12).
  • Operative Therapie:
    • Nervenentfernung: Bei Implantaten, die in den Nervkanal reichen, ist die umgehende Entfernung des Implantats erforderlich.
    • Nervnaht: Im Falle einer unstrittigen Durchtrennung des Nerven beim Bohren kann eine operative Nervnaht in Betracht gezogen werden.
    • Nervtransplantation: Wenn die beiden Nervenenden durch die Verletzung soweit voneinander entfernt worden sind, dass sie nicht mehr spannungsfrei zusammengefügt werden können, erfolgt eine Nerventransplantation. Hierzu wird je nach Länge und Dicke das fehlende Nervenstück durch einen entbehrlichen Hautnerven ersetzt.
    • Dekompression: Bei Engpasssyndromen kann eine operative Dekompression des Nervs erforderlich sein, um den Druck auf den Nerv zu reduzieren.

Prognose einer Nervenregeneration

Die Prognose der Nervenregeneration ist von verschiedenen Faktoren abhängig:

  • Art der Verletzung: Quetschung, teilweise oder vollständige Durchtrennung des Nervs.
  • Regenerations-Leitstruktur: Intakt oder nicht intakt.
  • Individuelle biologische Faktoren: Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Nervenverletzungen.

Wenn der Nerv nur gequetscht (nicht gerissen) ist, kann er sich in der Regel wieder regenerieren. Die Erholung des Nervs kann je nach Schweregrad von wenigen Wochen bis zu einem Jahr oder länger dauern.

Lesen Sie auch: Symptome und Behandlungsmethoden bei eingeklemmtem Nerv

Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei eingeklemmtem Nerv

tags: #nerv #im #unterkiefer #gequetscht #dauer