Nervus Pudendus Neuralgie: OP oder Schmerztherapie?

Die Entscheidung zwischen einer Operation und einer Schmerztherapie bei Nervus Pudendus Neuralgie ist komplex und hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der Ursache der Neuralgie, der Schwere der Symptome und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen der Pudendusneuralgie, die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten und die Überlegungen, die bei der Wahl zwischen Operation und Schmerztherapie eine Rolle spielen.

Was ist Pudendusneuralgie?

Der Begriff Pudendusneuralgie setzt sich aus "Pudendus" und "Neuralgie" zusammen. "Pudendus" bezieht sich auf den Nervus pudendus, während "Neuralgie" Nervenschmerzen bedeutet. Die anhaltenden Schmerzen im Beckenbereich schränken die Lebensqualität der Betroffenen stark ein. Der Nervus pudendus entspringt im Kreuzbein und versorgt den Dammbereich mit sensorischen und motorischen Fasern.

Ursachen der Pudendusneuralgie

Immer mehr PatientInnen suchen eine Behandlung nach der Pohltherapie auf, nachdem sie die Diagnose Pudendusneuralgie erhalten haben. Nicht wenige haben außerdem durch eigene Recherchen die Vermutung, sie könnten daran leiden, wenn Urologe, Gynäkologe oder Proktologen keinen organischen Befund festgestellt haben. Bei der Pudendusneuralgie wird eine Irritation durch Druck oder Verletzung des Nervus pudendus angenommen, die Schmerzen und Funktionsstörungen auslösen kann.

Nervenverletzungen des Nervus pudendus dürften relativ selten sein. In der Literatur werden Verletzungen nach Bestrahlungen des Beckens (etwa im Rahmen einer Tumorbehandlung) oder durch Geburtsverletzungen erwähnt. Außerdem sind dauerhafte Läsionen (Verletzungen) durch Beckenfrakturen (Brüche) oder chirurgische Eingriffe erwähnt. Solche Ereignisse oder Bezüge lassen sich jedoch nur bei den wenigsten Patienten herstellen.

Viel häufiger sind wahrscheinlich Irritationen durch mechanischen Druck auf den Nerv und seine Äste und zwar durch verhärtete Muskeln, die den Nerv auf seinem Weg durch den Körper einengen können. Bei Irritationen des Nervus pudendus sollte man unterscheiden zwischen Ursachen, die mit einer Nervenverletzung einhergehen, und muskelbasierten Ursachen. Denn wenn ein harter Muskelstrang Druck auf den Nerv ausübt, kann ihn dieser Druck irritieren und Schmerzreize auslösen. Außerdem kann natürlich der Muskelstrang selbst Schmerzen auslösen, weil er Triggerpunkte (kleine verhärtete Knötchen im verspannten Muskel) enthält.

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Kompressionssyndrome oder Entrapment-Syndrome kennt man bereits von anderen Muskeln, zum Beispiel eine Kompression des Ischiasnervs durch einen verspannten Piriformis-Muskel. Ein chronisch verspannter Piriformis-Muskel könnte auch eine Kompression des Nervus pudendus auslösen, da er unterhalb des Piriformis verläuft. Verspannungen im Piriformis können auch durch Sport, zum Beispiel durch schnelle Richtungswechsel bei Tennis, Handball und anderen Ballspielen, entstehen. Lange Meditationen oder ständiges Sitzen im Schneidersitz können Verspannungen im Piriformis auslösen (oder dem Obturatorius internus) Außerdem soll langes Sitzen Triggerpunkte im Piriformis aktivieren. Nach dem Verlauf des Muskels wäre es außerdem denkbar, dass eine Verspannung des Oburatorius internus, die Druck auf den Alcockkanal ausübt und die Faszie des Oburatorius internus verfestigt, sodass Druck und Minderdurchblutung im Bereich des Nervs entstehen könnte. Diese Erklärung wäre analog zu der von Holtkamp zu sehen. Auch der M.

Weitere Ursachen können sein:

  • Direkte Nervenverletzungen: Selten, z.B. durch Beckenfrakturen, Tumore, Radiotherapie, tiefe Hämatome durch Injektionen, Schädigungen des Nervs durch Herpes zoster, Geburtsverletzungen (z.B. bei Dammverletzungen).
  • Mechanische Faktoren: Starkes Pressen bei chronischer Obstipation, mechanische Druck- und Zugbelastungen, die eine Kompression oder Überdehnung des Nervs verursachen. Schädigung des Gewebes kann eine lokale Entzündung auslösen, die ein Ödem mit sich bringt, das den Nerv dann im Alcock-Kanal beengt.
  • Sport und Haltung: Verspannungen im Piriformis durch Sportarten mit schnellen Richtungswechseln, lange Meditationen oder ständiges Sitzen im Schneidersitz.

Symptome der Pudendusneuralgie

Die Beschwerden bei Pudendusneuralgie sind nicht einheitlich. Auch in der medizinischen Fachliteratur werden die Beschwerden recht unterschiedlich beschrieben, sodass klar wird, wie schwierig die Diagnose ist. Sind die Beschwerden stark, wie bei vielen Betroffenen, und helfen keine Schmerzmittel (wie ebenfalls bei vielen) ist die Lebensqualität stark eingeschränkt.

Benninghoff und Drenckhahn schreiben, dass eine Läsion des Nervs eine Funktionsuntüchtigkeit der Schließmuskeln von Blase und Anus verursachen könne sowie Störungen der Geschlechtsfunktion. Probleme bei den Sphinktermuskeln (Wind- und Stuhlinkontinenz, Harn- und Belastungsinkontinenz) werden genannt. Die Autoren im Prometheus berichten über folgende Beschwerden: Funktionsverlust des Beckenbodens einschließlich der Schließmuskeln von Blase und Darm (Harn und Stuhlinkontinenz) sowie einer Störung der Geschlechtsfunktionen, z. B. Impotenz beim Mann. Laut Travell und Simons können Schmerzen im Damm, sexuelle Funktionsstörungen und Dyspareunie der Frau; Potenzstörungen und Schmerzen in der Leiste entstehen. Bis auf die Leistenschmerzen sind dieser Meinung auch andere Autoren, wobei die beschriebenen Schmerzqualitäten unterschiedlich dargestellt werden. Die Autoren berichten, dass Frauen doppelt so häufig von „Pudendusneuropathie“ betroffen sein sollen. Die Symptome werden beschrieben mit Parästhesien, Schmerzen (manchmal einfahrend, wie elektrisch), die bei Druck, etwa beim Sitzen zunehmen, Brennen, Fremdkörpergefühl im Rektum, Schmerzen, die bis in die Organe ziehen können. Andere schreiben, dass es Druckläsionen des Nervus pudendus gebe, diese jedoch akut auftretende Taubheit am Damm und im Genital auslösen (habe ich selbst bei langen Radtouren und schlecht angepassten Sätteln erlebt), sowie evtl. Blasen- und Mastdarmentleerungsstörungen, Ejakulationsprobleme. Durch das Einnähen des Nervs an das Lig. Sacrospinale im Rahmen einer Kolpopexie (bei der das Scheidenende fixiert wird) soll es weiterhin zum Pudendus-Schmerzsyndrom kommen.

Zusammenfassend können folgende Symptome auftreten:

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  • Schmerzen im Dammbereich, die sich beim Sitzen verschlimmern können
  • Sexuelle Funktionsstörungen
  • Inkontinenz (Harn- oder Stuhlinkontinenz)
  • Taubheitsgefühl oder Parästhesien im Genitalbereich
  • Fremdkörpergefühl im Rektum
  • Schmerzen, die bis in die Organe ziehen können

Diagnose der Pudendusneuralgie

Durch neurologische Untersuchungsmethoden (Messung der Latenzzeit, Elektromyogramm soll eine Diagnose gestellt werden, alle Autoren beschreiben diese jedoch als schwierig. In der Regel wird eine Infiltration mit Kortikoiden und Lokalanästhetika unter radioskopischer Kontrolle durchgeführt. Diese Punktionen werden an sog. Kompressionsstellen im Verlauf des Nervs, meistens im Bereich des Alcock-Kanals durchgeführt. Wenn dadurch die Beschwerden vorübergehend verschwinden, gilt das als beweisend für die Diagnose Pudendusneuralgie. Die Autoren berichten von 60 Prozent der Patientengruppe (112 Patienten gesamt), bei denen die Infiltration eine Besserung ergeben habe. Dadurch sei eine Indikation für eine chirurgische Dekompression (Neurolyse) gegeben.

Die Diagnose der Pudendusneuralgie kann schwierig sein, da die Symptome vielfältig und unspezifisch sind. Folgende diagnostische Maßnahmen können eingesetzt werden:

  • Klinische Untersuchung: Erhebung der Krankengeschichte und körperliche Untersuchung
  • Neurologische Untersuchung: Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (Latenzzeit), Elektromyogramm (EMG)
  • Bildgebung: MRT zur Beurteilung von Nervenkompressionen oder anderen Ursachen
  • Pudendusblockade: Infiltration des Nervus pudendus mit Lokalanästhetika und Kortikoiden unter radiologischer Kontrolle. Eine vorübergehende Schmerzlinderung nach der Infiltration gilt als beweisend für die Diagnose.

Behandlungsmöglichkeiten der Pudendusneuralgie

Die Behandlung der Pudendusneuralgie zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, die je nach Ursache und Schweregrad der Erkrankung eingesetzt werden können.

Konservative Behandlung

Die konservative Behandlung umfasst in der Regel:

  • Schmerzmittel: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR), Antidepressiva, Antikonvulsiva
  • Physiotherapie: Übungen zur Entspannung der Beckenbodenmuskulatur und zur Verbesserung der Körperhaltung
  • Pohltherapie: Behandlung von muskulären Verspannungen, die den Nervus pudendus einengen können
  • Injektionen: Infiltration des Nervus pudendus mit Lokalanästhetika und Kortikoiden zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung
  • Verhaltensänderungen: Vermeidung von Aktivitäten, die die Schmerzen verstärken, wie z.B. langes Sitzen auf harten Oberflächen
  • Ernährungsumstellung: Bei chronischer Verstopfung genügend Bewegung, Wasser und Ballaststoffe. Bei anhaltender Verstopfung auch Medikamente checken: Antidepressiva, Neuroleptika, Antiepileptika, Mittel gegen Bluthochdruck, Lipidsenker, Diuretika, Sedativa, Opiate können chronische Verstopfung auslösen. Dann sollten Sie ggf. die Dosis anpassen und probieren, ob es besser wird. Ansonst empfehlen wir Flohsamen oder andere Ballaststoffe zuführen. Auch eine Gabe von 400 mg Magnesium pro Tag kann gegen Verstopfung helfen.

Konkret bedeutet das:

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  1. Beginnen Sie mit den Übungen aus dem Grundprogramm des Buchs „Unter der Gürtellinie“ oder des entsprechenden Onlinekurses und machen Sie diese konsequent täglich, vier Wochen lang. Das dauert pro Tag etwa 25 Minuten.
  2. Lassen Sie sich körpertherapeutisch untersuchen, um abzuklären, ob auch Verspannungen die Ursache für Ihre Beschwerden sein können.
  3. Lesen Sie das Buch „Unter der Gürtellinie“, um dahinter zu kommen, ob Sie Fehlhaltungen oder Gewohnheiten haben, die Ihre Beschwerden auslösen oder verstärken, und gehen Sie diese mithilfe der Tipps dazu im Buch an. Bleiben Sie in Bewegung, so gut es geht. Geeignete Möglichkeiten sind z. B.

Zum Thema Radfahren kann man feststellen, dass viele mit einem unpassenden Sattel die Erfahrung haben, dass danach eine Taubheit oder andere Missempfindungen im Bereich des Damms entstehen. Diese lassen jedoch nach, sobald man den Druck wegnimmt. Bei chronischen Beschwerden ist es angeraten, auszuprobieren, ob ein passender Sattel das Problem behebt: Man kann sich im Fachgeschäft einen Sattel anmessen lassen, sodass der passende herausgesucht werden kann. Das kostet weniger als 100 Euro und bringt sehr viel. Wenn man gerne Rad fährt, kann man einfach ausprobieren, wie lange es möglich ist zu fahren, ohne weitere Beschwerden zu bekommen.

Yoga kann helfen, wieder zu lernen, sich zu entspannen und die Gedanken unter Kontrolle zu bringen, damit sie aus dem Teufelskreislauf Beschwerden - Gedanken - Anspannung herauskommen. Die Bewegung dabei ist ebenfalls positiv. Beobachten Sie, welche Übungen Ihnen guttun, und lassen Sie weg, was negative Folgen hat. Nicht jede und jeder Patient reagiert gleich. Viele haben jedoch beim Sitzen eine Verschlechterung. Wenn Ihre Beschwerden im Sitzen schlimmer werden, sorgen Sie für eine weiche Unterlage (Kissen), auch ein Sitzring kann vorübergehend benutzt werden. Letzterer ist aber keine Dauerlösung, da sich dabei die Rückseite der Oberschenkel chronisch anspannen kann, was wiederum dem Becken zu schaffen machen kann. Wenn nur Liegen hilft, legen Sie sich hin, aber schauen Sie, dass Sie insgesamt in Bewegung bleiben können. Zum Beispiel durch Körperübungen. Rollen Sie Ihre Oberschenkel mit einer Faszienrolle aus (zwei mal in der Woche jeweils einige Minuten langsam und in alle Richtungen) und machen Sie die Übungen aus dem Grundprogramm, um Ihre Beine zu entlasten.

Wenn Sie Medikamente bekommen haben und feststellen, dass Sie Ihnen helfen, Ihre Beschwerden besser in den Griff zu bekommen, sollten Sie sie nehmen. Von wiederholten Antibiotika-Einsatz ohne eine nachweisbare Infektion ist abzuraten. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, wenn Sie den Eindruck haben, dass die verordneten Medikament Ihnen nicht helfen.

Operative Behandlung

Wenn die konservative Behandlung nicht ausreichend wirksam ist, kann eine operative Dekompression des Nervus pudendus in Erwägung gezogen werden. Bei der chirurgischen Dekompression werden über den Damm, die Vagina oder durch den Glutaeus (meistens)operiert. Aufgrund der Erfahrung einer „sprunghaften Zunahme der Schmerzen“ nach der OP wird von den Autoren ein lang wirkendes Schmerzmittel in den Nerv eingebracht. Insgesamt sollen 65 - 80 Prozent der Patienten, die auf die vorher durchgeführte Infiltration positiv reagiert haben, von der OP profitiert haben. In mehr als dreißig Prozent war keine Verbesserung eingetreten. Die Verbesserung soll sehr langsam eintreten (innerhalb eines Jahres). Andere Autoren berichten von schlechteren Ergebnissen. Allerdings wurden hier nur Patienten operiert bei denen die o.g. Pudendusblockade keinen Erfolg zeigte. In seiner Dissertation berichtet der Autor von 31 Operierten, von denen bei 22 eine Katamnese durchgeführt werden konnte.

Bei der Operation wird der Nerv von einengendem Gewebe befreit, um den Druck zu reduzieren und die Nervenfunktion wiederherzustellen. Es gibt verschiedene operative Techniken, die je nach Lage und Ursache der Kompression eingesetzt werden können.

Weitere Therapieansätze

  • Neuromodulation: Stimulation des Rückenmarks oder des Nervus pudendus zur Schmerzlinderung
  • Psychologische Therapie: Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung und Stressreduktion

OP oder Schmerztherapie: Was ist die richtige Wahl?

Die Entscheidung zwischen Operation und Schmerztherapie sollte individuell getroffen werden und basiert auf einer sorgfältigen Abwägung der Vor- und Nachteile beider Optionen. Folgende Faktoren sollten bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden:

  • Ursache der Neuralgie: Bei klaren Nervenkompressionen kann eine Operation sinnvoll sein. Bei muskulär bedingten Ursachen ist die Schmerztherapie oft die erste Wahl.
  • Schweregrad der Symptome: Bei starken, therapieresistenten Schmerzen kann eine Operation in Erwägung gezogen werden.
  • Allgemeiner Gesundheitszustand: Der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten spielt eine wichtige Rolle bei der Entscheidung für oder gegen eine Operation.
  • Erwartungen des Patienten: Es ist wichtig, realistische Erwartungen an die Behandlung zu haben und sich über die möglichen Risiken und Komplikationen zu informieren.

Es ist ratsam, eine Zweitmeinung von einem Spezialisten einzuholen, um die bestmögliche Behandlungsstrategie zu entwickeln. Am besten ist es, Sie stellen sich persönlich in unserem Zentrum vor.

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