Wenn es schmerzhaft vom Rücken bis ins Bein zieht, ist umgangssprachlich meist der „Ischias“ schuld. Medizinisch korrekt heißt das Phänomen „Ischialgie“. Der Ischiasnerv (Nervus ischiadicus) ist der dickste und längste Nerv im menschlichen Körper. Er verlässt den Wirbelkanal im Bereich der Lendenwirbelsäule und des Kreuzbeins. Dann verläuft er über das Gesäß und die Hinterseite des Oberschenkels bis in die Kniekehle, wo er sich verzweigt. Schmerzen im Ischiasnerv entstehen durch Einklemmungen, Verletzungen oder Reizungen des Ischiasnervs oder seiner Wurzeln. Die gute Nachricht ist, dass die Beschwerden meist innerhalb von Tagen bis Wochen von allein verschwinden. Bei anhaltenden oder immer wiederkehrenden Schmerzen ist ein Besuch beim Arzt ratsam.
Anatomie des Ischiasnervs
Der Ischiasnerv (Nervus ischiadicus) versorgt große Teile der unteren Extremität. Er entspringt aus einem Nervengeflecht auf der Vorderseite des Kreuzbeins, also im Lendenbereich. Der etwa fingerdicke Ischiasnerv hat mehrere Nervenwurzeln. Er tritt aus den unteren beiden Lendenwirbelsegmenten (L4/5) und den oberen drei Kreuzbeinsegmenten (S1-3) aus und ist Teil des Kreuzbeingeflechts (Plexus sacralis). Im weiteren Verlauf durchzieht er als dicker Strang das Becken und verläuft unterhalb des großen Gesäßmuskels (M. gluteus maximus) bis zur hinteren Seite des Oberschenkels bis in die Kniekehle. Hier teilt sich der Ischiasnerv wiederum in zwei kleinere Nervenstränge, die bis in den Fuß hineinreichen und den Unterschenkel und Fuß versorgen. Die Reichweite des Ischiasnervs macht deutlich, warum die Schmerzen vom unteren Rücken bis in den Fuß reichen können.
Für die Einschätzung der Symptome ist es wichtig zu verstehen, dass der Ischiasnerv motorische und sensible Fasern hat. Die motorischen Anteile versorgen die Oberschenkelbeuger und die Unterschenkel- und Fußmuskulatur. Daher kann es bei einer Einklemmung des Ischiasnervs in diesen Bereichen zu Kraftverlust und Lähmungserscheinungen kommen. Die sensiblen Fasern versorgen das Hüftgelenk und die Haut an Unterschenkeln und Füßen, außer auf der Innenseite.
Ursachen von Ischiasnervschmerzen
Ischiasschmerzen werden in der Medizin als Ischialgie bezeichnet. Eine Ischialgie geht einher mit Schmerzen, aber auch mit Gefühlsstörungen wie Kribbeln, Taubheit und sogar Lähmungen. Die typischen Schmerzen, die bei einer Reizung des Ischiasnervs auftreten, bezeichnet man auch als neuropathische Schmerzen. Das bedeutet, dass die Schmerzen vom Nerv selbst ausgehen und nicht von der Region, in der sie auftreten. Eine Ischialgie entsteht durch eine Reizung oder Kompression des Ischiasnervs. Dafür kommen mehrere Ursachen infrage:
- Bandscheibenvorfall und Spinalkanalstenose: Ein Bandscheibenvorfall oder eine Verengung an der Wirbelsäule, die sogenannte Spinalkanalstenose, sind die häufigsten Ursachen für Ischiasschmerzen. Sie üben Druck auf die Wurzeln des Ischiasnervs aus beziehungsweise klemmen ihn ein. Der Bandscheibenkern tritt beim Bandscheibenvorfall aus dem Faserknorpelring aus und drückt auf die aus dem Wirbelkanal austretenden Nervenwurzeln des Ischiasnervs. Auch eine Bandscheibenprotrusion (Bandscheibenvorwölbung) kann auf die Nervenwurzeln des Ischiasnervs drücken.
- Wirbelkörpererkrankungen: Auch im Bereich der Wirbelkörper gibt es verschiedene Erkrankungen, die für eine Reizung oder Einklemmung des Ischiasnervs verantwortlich sein können. Dazu zählen beispielsweise Frakturen oder Blockaden der Wirbelkörper, Fehlstellungen der Wirbelsäule sowie die Spondylolisthesis, bei der sich einzelne Wirbelkörper meist verschleißbedingt gegeneinander verschieben. Die Bandscheiben und Wirbelkörper können zudem von einer Entzündung betroffen sein, der sogenannten Spondylodiszitis.
- Entzündungen: Auch die Nervenwurzel des Ischiasnervs selbst kann entzündet sein. Neben mechanischen Reizungen, z. B. durch einen Knochentumor, können auch Bakterien oder Viren derartige Entzündungen auslösen.
- Verspannungen: Durch Bewegungsmangel, Fehlhaltungen und Fehlbelastungen verspannt und verkürzt die Muskulatur, sodass der Ischiasnerv eingeklemmt wird und Schmerzen entstehen. Eine Ursache dafür ist häufiges Sitzen.
- Piriformis-Syndrom: Im Bereich des Beckens kann der Ischiasnerv ebenfalls eingeklemmt oder gereizt werden. Frakturen der Hüftknochen, eine Hüftluxation sowie muskuläre Verspannungen oder Verdickungen wie beim Piriformis-Syndrom können ursächlich sein. Beim Piriformis-Syndrom drückt der Piriformismuskel auf den Ischiasnerv und löst Schmerzen in der Gesäßregion aus. Der Musculus piriformis ist ein birnenförmiger Muskel in der tiefen Hüftmuskulatur. Er zieht vom Kreuzbein bis zum Trochanter major (großer Rollhügel) an der Außenseite des Oberschenkelknochens. Dabei verläuft er über dem Ischiasnerv durch das große Sitzbeinloch im Becken. Durch die anatomische Nähe kann eine Verspannung oder Verkürzung des Piriformismuskels Beschwerden im Ischiasnerv verursachen.
- Weitere Ursachen: Eine Schädigung des Ischiasnervs ist zudem durch chirurgische Eingriffe möglich. Aber auch eine Schwangerschaft kann Druck auf den Ischiasnerv ausüben. Es gibt zudem chronische Krankheiten, die zu Nervenschädigungen führen können. Schwellungen und Blutungen, Abszesse und Tumoren können ebenfalls auf den Ischiasnerv drücken und somit eine Ischialgie auslösen.
Symptome einer Ischialgie
Ein eingeklemmter oder entzündeter Ischiasnerv löst einen ziehenden und stechenden Schmerz aus, der nicht immer nur im unteren Rücken spürbar ist, sondern über das Bein bis in den Fuß ausstrahlt. Dabei werden die Beschwerden im Bein häufig deutlich stärker wahrgenommen als im Rücken. Diese Form der Beschwerden ist das Hauptmerkmal einer Ischialgie. Die Schmerzen betreffen den unteren Rücken und können in das betroffene Bein bis zum Fußaußenrand ausstrahlen. Die Beweglichkeit des Beines ist häufig eingeschränkt und die Patienten nehmen eine Schonhaltung ein, bei der das Bein leicht angewinkelt und nach außen gedreht ist.
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Zusätzlich zu Schmerzen können folgende Symptome auftreten:
- Taubheitsgefühle: Die sensiblen Fasern des Ischiasnervs versorgen die Haut an Unterschenkeln und Füßen. Bei einer Reizung des Nervs kann es zu Taubheitsgefühlen kommen.
- Kribbeln: Ein Kribbeln oder "Ameisenlaufen" in den Beinen oder Füßen kann ebenfalls auf eine Ischialgie hindeuten.
- Muskelschwäche: Da der Ischiasnerv auch motorische Fasern enthält, kann es bei einer Einklemmung oder Reizung zu Muskelschwäche in den Beinen kommen.
- Lähmungserscheinungen: In schweren Fällen kann es sogar zu Lähmungserscheinungen in den Beinen oder Füßen kommen.
- Seltene Symptome: Seltene Symptome im Zusammenhang mit einem eingeklemmten Ischiasnerv sind Probleme mit der Entleerung von Blase und Darm. Diese treten in besonders schweren Fällen auf, wenn die Nervenwurzeln der sogenannten Cauda equina betroffen sind (Cauda-equina-Syndrom). Das sind die Nervenwurzeln, die unterhalb des im Bereich des ersten bis zweiten Lendenwirbels endenden Rückenmarks aus dem Wirbelkanal austreten.
Diagnose einer Ischialgie
Um die genaue Ursache der Ischias-Beschwerden zu identifizieren, sollten Sie sich von einem Spezialisten für Orthopädie und Wirbelsäulenerkrankungen untersuchen lassen. Die Schilderung der typischen Beschwerden bei der Ischialgie kann oft schon auf die richtige Diagnose hindeuten, hinzu kommen die Ergebnisse der körperlichen Untersuchung.
Der Arzt wird Sie zunächst ausführlich zu Ihrer Krankheitsgeschichte (Anamnese) befragen. Dabei stellt er möglicherweise folgende Fragen:
- Seit wann haben Sie die Schmerzen?
- Sind die Beschwerden plötzlich und im Zusammenhang mit bestimmten Belastungen aufgetreten?
- Wie würden Sie den Schmerz beschreiben (z. B. als einschießend oder elektrisierend)?
- Wo genau sind die Schmerzen? Strahlen sie aus?
- Was verschafft Ihnen Linderung?
- Welchen Beruf üben Sie aus?
- Ist Ihr Alltag durch die Ischias-Schmerzen beeinträchtigt?
Bei der folgenden klinischen Untersuchung schaut sich Ihr Arzt zunächst Ihren Rücken und Ihre Beine an. Er achtet auf eventuelle Fehlstellungen und prüft die Beweglichkeit der Gelenke, die Kraft der Muskeln und Ihre Reflexe. Außerdem testet er, ob das Gefühl in den Beinen verändert ist. Dazu streicht er beispielsweise über die Haut und lässt Sie anschließend die Stelle zeigen, an der er Sie berührt hat.
Lasègue-Test: Mit dem sogenannten Lasègue-Test überprüft Ihr Arzt, ob die Nervenwurzeln des unteren Rückenmarks gereizt sind. Dabei liegen Sie auf dem Rücken und der Arzt hebt Ihr gestrecktes Bein an. Ist der Ischiasnerv eingeklemmt oder anderweitig gereizt, treten bereits auf halber Höhe Schmerzen im Rücken auf, die ins Bein einschießen. Beim sogenannten Lasègue-Test wird in Rückenlage ein Bein um etwa 60 Grad angehoben, um den Ischiasnerv zu dehnen. Ist dieser gereizt, tritt ein plötzlicher, starker Schmerz in Bein und Gesäß auf. Ein weiteres Heben des Beines ist wegen der auftretenden starken Schmerzen in Bein, Gesäß und unterem Rücken meist nicht möglich.
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Auf der Suche nach der Ursache der Beschwerden führt der Arzt bei Bedarf weitere Untersuchungen durch, zum Beispiel eine Magnetresonanztomografie (MRT oder Kernspintomografie) oder Computertomografie (CT). Solche bildgebenden Verfahren sind vor allem dann wichtig, wenn eine Lähmung oder Sensibilitätsstörungen vorliegen.
Um Ort und Ausmaß der Nervenschädigung zu ermitteln, misst der Arzt gegebenenfalls mit Elektroden die Muskelaktivität (Elektromyografie = EMG) und die Nervenleitgeschwindigkeit (Elektroneurografie = ENG).
Bei Verdacht auf eine Ischiasnerv-Entzündung wird der Arzt Ihnen Blut abnehmen, um die Entzündungswerte zu bestimmen und eventuelle Krankheitserreger (wie Borrelien) zu identifizieren. Möglicherweise ist eine Analyse des Hirnwassers (Liquor) nötig. Dafür sticht der Arzt eine Nadel durch die Haut des unteren Rückens und schiebt sie vorsichtig bis in den Wirbelkanal neben das Rückenmark vor, um eine kleine Liquorprobe zu entnehmen - das nennt sich Liquorpunktion.
Differenzialdiagnose: Eine Reizung oder Einengung des Ischiasnervs oder seiner Nervenwurzel kann im gesamten Verlauf des Nervs Schmerzen verursachen. Auch wenn die Schmerzursache im unteren Rücken verortet ist, können die Schmerzen bis ins Knie ausstrahlen. Andere Krankheitsbilder verursachen ähnliche Symptome. Für eine adäquate Behandlung ist es wichtig, die genaue Ursache der Beschwerden zu identifizieren. Ein Hexenschuss oder auch Lumbago entsteht meist plötzlich, z. B. durch eine ruckartige Bewegung oder schweres Heben. Es handelt sich dabei um stechende Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule, die in den meisten Fällen auf verspannte Muskulatur zurückzuführen sind. Im Gegensatz dazu können Nervenschmerzen den gesamten Verlauf des Nervs betreffen. Wenn ein Bandscheibenvorfall in den unteren beiden Segmenten der Lendenwirbelsäule (L4/5) oder im Bereich der Sakralwirbel 1 - 3 auftritt, kann er die Nervenwurzeln des Ischiasnervs einengen. Auch das Iliosakralgelenk (Kreuz-Darmbein-Gelenk) kann Schmerzen verursachen. Bei einer Blockade oder Entzündung des ISG kann es zu Schmerzen im unteren Rücken kommen. Diese Schmerzen treten meist einseitig auf, je nachdem welches der beiden Iliosakralgelenke betroffen ist.
Behandlung von Ischiasschmerzen
Die Frage nach der Behandlung einer Ischialgie lässt sich nicht pauschal beantworten. Sie richtet sich in erster Linie nach der zugrundeliegenden Ursache. Generell gilt: Wenn Rückenschmerzen von Taubheitsgefühlen oder Lähmungserscheinungen im Bein und/oder Störungen der Darm- und Blasenentleerung begleitet werden, suchen Sie bitte einen Arzt auf!
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Konservative Behandlung:
- Schmerztherapie: In jedem Fall ist eine adäquate Schmerztherapie ratsam, um Schonhaltungen zu vermeiden. Bei akuten und sehr starken Schmerzen helfen kurzfristig Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol oder Diclofenac. So können Sie zumindest eine Schonhaltung verhindern. Schmerzmittel sind aber keine Dauerlösung, denn die Ursache des Übels bekämpfen sie nicht. Eine erste Linderung bei akuten Rückenschmerzen lässt sich beispielsweise durch die Stufenlagerung erzielen. Zudem kommen entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) zum Einsatz. Erst wenn diese nicht ausreichend wirken, verschreibt der Arzt stärkere Schmerzmittel, sogenannte Opioide.
- Stufenlagerung: Die Stufenlagerung lindert starke Rückenschmerzen bei Ischias-Beschwerden. Legen Sie in Rückenlage die Unterschenkel auf einem Kissenstapel oder Stuhl im rechten Winkel ab. Die Stufenbettlagerung hat sich besonders bei akuten Schmerzen bewährt. Legen Sie sich hierfür auf den Rücken - entweder ins Bett oder auf dem Boden. Nun winkeln Sie die Beine im 90-Grad-Winkel an und legen die Unterschenkel auf einem Kissenstapel oder Stuhl ab. Bleiben Sie in dieser Position für einige Minuten und wiederholen Sie den Vorgang so oft, wie es Ihrem Rücken guttut. Diese Position entlastet die Wirbelsäule und verringert den Druck auf den Ischiasnerv.
- Physiotherapie: Sind die Schmerzen auf verspannte oder verhärtete Muskulatur im Bereich des Gesäßes zurückzuführen, wie es beim Piriformis-Syndrom der Fall ist, helfen konservative Maßnahmen. Dazu zählen beispielsweise Dehnübungen, die Verspannungen lösen, oder Triggerpunktmassagen im Rahmen einer Physiotherapie. Sobald die Ischiasschmerzen etwas nachlassen, sollten Sie die Muskulatur mit gezielten Übungen dehnen. Schon wenige Minuten am Tag können helfen, um den eingeklemmten Nerv wieder zu lösen und die Beschwerden zu bekämpfen.
- Wärme: Eine Wärmetherapie in Form einer Wärmeflasche oder eines Heizkissens regt die Durchblutung an und fördert so die Entspannung der Muskulatur. Das beruhigt den Nerv und das umliegende Gewebe.
- Weitere konservative Maßnahmen: Leichte Ischias-Beschwerden können Sie in der Regel durch gezielte Übungen, Bewegung oder Wärmebehandlungen gut in den Griff kriegen. Die Symptome verbessern sich in den meisten Fällen nach einigen Tagen von alleine. Bei Ischias-Schmerzen können Sie sowohl auf dem Rücken als auch auf der Seite liegen. Wichtig für eine gesunde Schlafposition ist die Lage der Wirbelsäule. Diese sollte durch die Matratze gleichzeitig gestützt und entlastet werden. Hüfte und Schultern sollten in die Matratze einsinken.
Operative Behandlung:
Eine Operation kommt vor allem infrage, wenn ein Bandscheibenvorfall die Ischialgie auslöst. Dabei wird das vorgefallene Bandscheibengewebe entfernt, das den Nerv reizt.
Weitere Gründe für eine Operation sind:
- Die Beschwerden schränken den Alltag ein.
- Sie haben sich innerhalb von zwölf Wochen nicht gebessert.
- Konservative Behandlungen wie Physiotherapie und Schmerzmittel hatten keinen Erfolg.
- Die Beschwerden lassen sich durch einen im MRT nachgewiesenen Bandscheibenvorfall erklären.
- Ein anderer möglicher Anlass für eine Operation ist eine Muskelschwäche, die zu Problemen im Alltag führt.
- Sofort nötig wird eine Operation, wenn die Nerven so stark beeinträchtigt sind, dass Lähmungserscheinungen beispielsweise an den Beinen auftreten oder die Blase oder der Darm nicht mehr richtig funktionieren (Kauda-Syndrom).
Vorbeugung von Ischiasschmerzen
Die wichtigste Präventionsmaßnahme ist Bewegung. Das gilt vor allem für Menschen mit einer sitzenden Tätigkeit. Denn wer viel sitzt und keinen Bewegungsausgleich im Alltag hat, neigt auch zu Ischiasschmerzen. Durch die gebeugte Haltung im Sitzen können sich wichtige Muskeln an Gesäß und Hüfte verkürzen und verspannen und in Folge auf den Ischiasnerv drücken. Bewegen Sie sich daher so viel es geht im Alltag. Fahren Sie kurze Strecken mit dem Fahrrad, erledigen Sie viel zu Fuß und nehmen statt Aufzug die Treppen. Vielleicht schaffen Sie es zeitlich auch, sich zweimal in der Woche sportlich zu betätigen. Ob Schwimmen, Walken, Gymnastik oder Joggen - erlaubt ist, was Ihnen Spaß macht. Optimal als vorbeugende Maßnahme gegen Rückenschmerzen und Probleme mit dem Ischiasnerv ist regelmäßiger Sport wie Schwimmen, Gymnastik oder Dehnübungen. Core-Training Übungen für eine stabile Körpermitte. Das Erlernen von rückenschonendem Verhalten ist ebenfalls sinnvoll, zum Beispiel des rückenschonenden Bückens.
Ischias in der Schwangerschaft
In der Schwangerschaft kommen Rückenschmerzen recht häufig vor. Es steckt aber nur selten der Ischiasnerv dahinter. Stattdessen beruhen die Schmerzen meist auf schwangerschaftsbedingten Faktoren wie etwa dem wachsenden Gewicht des Bauchs und der hormonell bedingten Lockerung der Bandstrukturen.
Das heißt aber nicht, dass Ischias-artige Beschwerden in der Schwangerschaft auf die leichte Schulter zu nehmen sind. Da auch ein Bandscheibenvorfall und andere schwerwiegende Ursachen infrage kommen, ist für betroffene Frauen auf jeden Fall ein Arztbesuch ratsam.
Mit dem wachsenden Kind dehnt sich die Gebärmutter während der Schwangerschaft auf die 20-fache Größe aus. Durch den nach vorne wachsenden Bauch schafft die Gebärmutter sich Platz. Dennoch wächst der Druck im Bauchraum und im Becken. Dabei kann die ausdehnende Gebärmutter auch auf den Ischiasnerv drücken. Zudem leiden Schwangere durch den veränderten Körperschwerpunkt häufig unter Muskelverspannungen im unteren Rücken.
Stellt dieser tatsächlich eine Ischialgie fest, verschreibt er zumeist eine Behandlung mit Physiotherapie. Schmerzmittel kommen zum Wohl des Ungeborenen in der Schwangerschaft nicht oder nur eingeschränkt zum Einsatz.
Prognose
Entscheidend für den Beschwerdeverlauf bei Ischias-Schmerzen ist der Auslöser. Bei einem frühzeitigen Therapiebeginn ist die Prognose bei Ischiasnerv-Schmerzen gut. Ist keine Operation erforderlich, verkürzt eine gute Schmerztherapie in Verbindung mit rechtzeitig begonnener Physiotherapie den Krankheitsverlauf meist erheblich. Die Beschwerden verschwinden oft schon nach wenigen Tagen, im schlimmsten Fall können sie bis zu sechs Wochen anhalten.
Wichtig ist, mit regelmäßigen Übungen und Sport Rücken- und Bauchmuskulatur gezielt zu kräftigen. Ein starkes Muskelkorsett entlastet und stabilisiert nämlich die Wirbelsäule. Zudem ist es hilfreich, ein rückenschonendes Verhalten (etwa beim Arbeiten am Schreibtisch oder beim Heben schwerer Lasten) zu erlernen. Das lindert langfristig bestehende Beschwerden und beugt neuen Ischias-Problemen vor.
Darüber hinaus beeinflussen soziale und psychische Faktoren den Verlauf und die Prognose von Rückenbeschwerden einschließlich Ischias-Schmerzen. So haben zum Beispiel Einsamkeit, depressive Verstimmung und Stress einen negativen Einfluss auf die Beschwerden. Außerdem tragen sie zum Teil dazu bei, dass die Rückenschmerzen chronisch werden und die Wirksamkeit von Schmerzmitteln herabgesetzt ist.
Das bedeutet: Ein intaktes Sozialleben, die Unterstützung von Angehörigen und Freunden, gute Bedingungen am Arbeitsplatz, ein vertrauensvolles Verhältnis zum behandelnden Arzt und eine positive Grundstimmung sind hilfreich für den positiven Verlauf von Ischias-Schmerzen.
Krankschreibung bei Ischiasbeschwerden
Die Dauer der Krankschreibung bei Problemen mit dem Ischiasnerv richtet sich nach der Ursache. In den meisten Fällen verschwinden Ischias-Schmerzen schon nach einigen Tagen. Bei schweren Verläufen, z. B. im Rahmen eines Bandscheibenvorfalls oder einer Wirbelsäulenerkrankung, dauert die Arbeitsunfähigkeit länger.